KZ-Nebenlager St. Aegyd am Neuwalde

K

Karyathrea

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#1
Jetzt war gerade im Ö1 Mittagsjournal ein Bericht über das Lager in St.Aegyd/Neuwalde das anscheinend ein Nebenlager vom KZ Mauthausen war. Ich hab leider neben dem telefonieren nur ein paar Wortfetzen aufgeschnappt "weitgehend unbekannt" "Stollen gegraben" "zugeschüttet" .....

Hat jemand den ganzen Bericht gehört oder weiß etwas über die Anlage?
Mal sehen obs das als Podcast gibt.
 
H

Harald 41

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#3
Hallo Christoph;inGeheimprojekte.at findest Du einen Bericht von Josef,weiters kann ich Dir nur das Buch Das KZ Aussenlager St Ägyde am Neuwalde von Christian Rabl empfehlen,steht aber sowiso in deinem link vom ORF mehr weiß ich leider auch nicht.

LG Harry:)
 

josef

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#4
St. Aegyd am Neuwald

@Karyathrea, danke für den Hinweis! Muss mich wieder einmal mit dem Thema befassen, scheint ja nun doch einige Unterlagen zu geben... Bei meinen Recherchen zu St.Aegyd um das Jahr 2000 waren vor Ort kaum Auskünfte zu bekommen bzw. auch seitens Mauthausen fast keine Dokumente/Aufzeichnungen vorhanden.

Soweit ich dem ORF-Beitrag entnehme, ging die Versuchsanstalt nicht mehr in Betrieb. Da ich das Buch von Rabl (noch) nicht besitze, hätte ich ein paar Fragen an @Harald:

Geht dort hervor, ob es sich bei der in Bau befindlichen Versuchsstelle um eine Verlagerung oder Zweigstelle der "Kraftfahrtechnischen Lehranstalt der Waffen-SS (KTL Wien-Schönbrunn)" handelte?

Wird auch die "Motorenentwicklung" im ca. 25-30 km von St.Aegyd entfernten Frein im Buch erwähnt?
=> Forschung Kohlenstoffmotor - Frein an der Mürz


Über den ebenfalls im Beitrag angesprochenen Stollen
Zweck des Lagers blieb letztlich der eigene Aufbau. 500 Häftlinge seien für kürzere oder längere Zeit in St. Aegyd gewesen, für Betonier- oder Zimmermannsarbeiten, in Schottergruben, im Wald zur Holzgewinnung. "Es wurde ein Stollen ausgehoben, der wurde aber nie fertig und wurde mittlerweile auch wieder zugeschüttet."
ist bei Wichert nichts zu finden, könnte sich um einen LS-Stollen ohne eigenen Decknamen handeln...

lg
josef
 
H

Harald 41

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#5
Hallo Josef; Muß Dich leider enttäuschen,habe das Buch selbst noch nicht aber bei Amazon.de habe ich es nach einigen recherchen dort um 10.90 Euro gesehen.
Ist erst am Dienstag den 14.10.2008 im Bundesministerium für Inneres Herrengasse 7 1010 Wien um 19.00 Uhr vorgestellt worden.
Mehr weis ich leider auch nicht.

LG Harry
 

josef

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#6
KZ-Überlebender: „Heute mein Lieblingsort“

In St. Aegyd am Neuwalde (Bezirk Lilienfeld) ist in der Endphase des zweiten Weltkrieges ein Außenlager des KZ Mauthausen errichtet worden. Rajmund Pajer hat es überlebt. Immer wieder besucht er es. „Heute ist es mein Lieblingsort“, sagt er.

„Hier habe ich körperlich am meisten gelitten, aber wenn ich heute zurückkomme, ist es mein Lieblingsort. Warum? Ich habe das Gefühl, dass ich gewonnen habe.“ Rajmund Pajer, der seit 60 Jahren in Kanada lebt, steht am Friedhof von St. Aegyd und blickt auf das Mahnmal für die KZ-Opfer, die hier in den letzten Wochen des Krieges ihr Leben ließen. Es steht genau dort, wo er als damals 14-Jähriger die Leichen begraben musste. Pajer, in Triest geboren, wurde von den slowenischen Partisanen zwangsverpflichtet. Wenige Wochen später war er im KZ Mauthausen. Fast zwei Monate verbrachte er kurz vor Kriegsende im Außenlager in St. Aegyd.

Rajmund Pajer ist der letzte Überlebende aus dem KZ-Außenlager St. Aegyd
„Ich kann die toten Körper noch riechen. Die verrotteten Leichen, die Flüssigkeiten, die aus den Körpern drangen.“ Die Sterblichkeitsrate war in St. Aegyd besonders hoch. Pajer ist der letzte Überlebende. Er war einer von 500 Häftlingen aus 20 Nationen, die im Winter 1944/45 mit dem Zug in die Voralpen gebracht wurden. Sie sollten hier ein Testgelände für einen neuartigen Turbopanzer errichten, sagt der Historiker Christian Rabl. „Die Häftlinge mussten Zwangsarbeit unter extrem schwierigen Bedingungen leisten. Die Witterung ist im Winter in St. Aegyd extrem, zudem waren die Bekleidung und die Ernährung schlecht. Auch die Wachmannschaften, insbesondere die Kapos, also die Funktionshäftlinge, haben die anderen Häftlinge schwer misshandelt.“
Diese Kapos vergisst auch Rajmund Pajer nicht. Er spürt noch immer die sinnlosen Schläge mit dem Gummiknüppel und hört die Beschimpfungen. „Los, weiter, du Schweinehund. Diese Leute waren nicht normal, das waren Sadisten.“ Einer dieser Kapos versuchte nach der Schließung des Lagers in der Masse der Häftlinge unterzutauchen. Pajer und einige Mithäftlinge erkannten ihn trotzdem und lynchten ihn. „Sie hatten alle getötet und Blut an ihren Händen. Sie hatten es verdient“, sagt er heute.

46 Rosen für die Opfer
Auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers steht heute die Pfarrsiedlung. Das Lager ist Teil der Geschichte des Ortes, den St. Aegyd nicht verschweigt. Einmal im Jahr gedenkt man den Opfern, im Mittelpunkt steht dabei der Dialog mit der Jugend. Pajer ist regelmäßig zu Gast in Schulen. Er schätzt den Respekt, der ihm von den jungen Menschen entgegengebracht wird. „Es gibt mir das Gefühl, wertvoll zu sein, obwohl ich damals ein 14-jähriges unbedeutendes Kind war.“
Text- u. Bildquelle: http://noe.orf.at/news/stories/2581910/

Die heutige Pfarrsiedlung am ehemehmaligen Lagergelände:
 

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josef

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#7
Ehem. KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde

Da ich am vergangenen Sonntag im hinteren Traisental unterwegs war, schaute ich mich auch einmal am KZ-Gelände in St. Aegyd um:

1.-2. Schlichte Gedenkstätte im Bereich des Friedhofs an der ehemaligen Lagergrenze.
3. Blick auf die heutige "Pfarrsiedlung" quer zur Bildmitte - der eigentliche Lagerbereich. Von den ehemaligen Lagerbaracken des "KZ-Außenlagers" von Mauthausen und Einrichtungen der "Kraftfahrtechnischen Versuchsanstalt der Waffen-SS" (KVA) ist heute nichts mehr zu sehen...
4. Die Straße durch die Pfarrsiedlung ist in etwa ident mit der damaligen Straße entlang der Längsachse des Lagers.
5. Ehemalige Lagergrenze entlang des Berghanges (Längsachse).
6. Die Gegenüberliegende Lagerbegrenzung bildete die eingestellte Bahnlinie nach Kernhof.
 

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josef

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#8
Links zum Lager St. Aegyd

Wiki-Beitrag: KZ-Nebenlager St. Aegyd am Neuwalde – Wikipedia

Verein “Gedenkinitiative KZ-Außenlager St. Aegyd am Neuwalde (GISTA)” : GISTA | Gedenkinitiative KZ-Aussenlager St. Aegyd am Neuwalde

Persönliche Anmerkungen zu den Texten:
Bei der Entwicklung neuer Panzerantriebe handelt es sich nicht wie in den beiden Links angeführten "Triebwerkpanzer" sondern um Turboantriebe...

Der ebenfalls angeführte Stollenbau dürfte zu Luftschutzzwecken gedient haben und nicht zum Einbau einer Raffinerie, Munitionsfabrik oder gar zur V-Waffenfertigung! Ein nachweisliches nicht mehr ausgeführtes Raffinerieprojekt gab es in Innerfahrafeld , einige Kilometer nördlich von St. Aegyd bzw. die "Ofen-Anlagen" hinter dem Bahnhof in Türnitz.

lg
josef
 

josef

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#10
Ehem. KZ-Gelände St.Aegyd

Bei

Christian Rabl
Das KZ-Aussenlager St.Aegyd am Neuwalde
Schriftenreihe "Mauthausen Studien", Band 6
Wien 2008


fand ich einige Plankopien:

a. Übersicht des inneren Lagerbereiches, BLAU - der Schutzhaftlagerbereich (Häftlingsunterkünfte, umgeben von elektrisch geladenen Drahtzaun, 4 Wachtürme usw.)

b. Äußerer Lagerbereich - Materiallagerplätze, ROT - begonnene Stollenbaustelle. Entlang des Hanges befand sich ein Lager für "Schwarzmeerdeutsche", bestehend aus 10 kleinen "Finnenhütten" -> hölzerne Fertigteilhütten, angeblich in Finnland hergestellt.

c. Schutzhaftlagerbereich (Häftlingsunterkünfte)

d. NÖGIS-Lubi der heutigen "Pfarrsiedlung": GELB - der ungefähre Lagerbereich, BLAU - Häftlingsbaracken im Osten des Geländes. ROT - ehemaliger Außenbereich.
 

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josef

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#11
NÖN-Bezirksausgabe Lilienfeld v. 12. März 2020

INFOTAFELN GEPLANT
Neues Projekt zum KZ-Lager in St. Aegyd
Initiative will Geschichte des früheren Außenlagers am St. Aegyder KZ-Friedhof sichtbar machen.
Von Markus Zauner

Obmann Christian Rabl, Karl Bader, Waltraud Zöchling, Nathalie Kraft, Albert Pitterle, Elisabeth Schmidt-Wonisch, Hannelore Baumann, Johanna Eder und Christian Pomberger (von links) bei der planmäßigen Generalversammlung, in der auch das Projekt „Informationstafeln“ Thema war.
Foto privat

Vor zehn Jahren, am 1. März 2010, wurde die Gedenkinitiative KZ-Außenlager St. Aegyd (GISTA) aus der Taufe gehoben. Passend zum Jubiläum verkündet Obmann Christian Rabl ein spezielles Projekt: „Es ist aus unserer Sicht höchste Zeit, dass die Geschichte des St. Aegyder Außenlagers auch direkt vor Ort am KZ-Friedhof durch Informationstafeln sichtbar gemacht wird.“ Diesbezüglich hat Rabl auch schon Gespräche mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen sowie dem Mauthausen Komitee Österreich aufgenommen.

Rabl: „Wir wollen qualitätsvolle Arbeit“
Idealerweise sollen die Info-Tafeln bis zur nächsten Gedenkfeier am 23. April fertig sein, wobei das auch vom Projektfortgang in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Mauthausen abhänge. „Wir wollen eine qualitätsvolle Arbeit und keinen Schnellschuss. Im Zweifelsfall werden die Infotafeln etwas später fertig, sind dafür ausgereift sowie inhaltlich und vom Layout her hochwertig“, unterstreicht der langjährige GISTA-Obmann, der (siehe Info-Box) soeben frisch im Amt bestätigt wurde.

Erste Vorstellungen, wie die Thematik aufbereitet werden soll, gibt es bereits. „Es wird jedenfalls eine direkte inhaltliche Bezugnahme auf den KZ-Komplex Mauthausen geben, also auf die Tatsache, dass das KZ Mauthausen in ganz Österreich an über 40 Orten zu finden war. Ansonsten wird der Schwerpunkt sicher eher auf der konkreten Geschichte des KZ-Außenlagers St. Aegyd liegen“, kündigt Rabl an. Nachgeschichte und Entwicklung der Gedenkkultur könnten auf den Informationstafeln ebenfalls Platz finden.
Neues Projekt zum KZ-Lager in St. Aegyd
 
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