LSDG Haschahof, Rothneusiedl

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TENO1

Guest
#1
Hallo, liebe Forumsuser!

Angeregt durch einen Bericht im Buch "Wien Streng Geheim" von Robert Bouchal und Johannes Sachslehner
stattete ich heute dem Haschahof in Rothneusiedl, welches ein Teil des 10. Wiener Gemeindebezirkes ist und bis 1938 eine eigenständige Gemeinde war, einen Besuch ab.
Hinter den Gebäuden dieses geschichtsträchtigen Gutshofes, der um 1900 errichtet wurde und der letzte seiner Art in Wien ist, findet man die - sehr verwachsenen - Eingänge zu einem Luftschutzdeckungsgraben.
3 doppelte Eingänge, jeweils auf einer Seite mit Treppenstufen, auf der anderen mit einer Rutsche für Lasten versehen, führten in das Gemäuer.
Die üppige Vegetation verhinderte ein genaueres Erkunden des Deckungsgrabens, doch soviel lässt sich sagen, dass hier eine zivile Nachnutzung - vermutlich als Lagerraum - erfolgte.
Wie auch im oben erwähnten Buch zu lesen und auf den Bildern zu sehen ist, sind Plastikrohre an den Betondecken befestigt worden und - zumindest - die Eingänge, die heute nicht zu verwachsen waren um sie zu erkunden, sind verschlossen worden.

Bild 1: Sonnenblumenfeld hinter dem Haschahof
Bild 2: Einer der Eingänge zum Luftschutzdeckungsgraben
Bild 3: Zugemauert...
Bild 4: Plan des Splitterschutzdeckungsgrabens aus dem Buch "Wien Streng Geheim" von R. Bouchal und J. Sachslehner .
 

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#3
@Teno;
du schreibst Textpassagen des Buche ab. Leider sind in diesem Buch sehr viele Fehler bzw. unrichtige Behauptungen:

Die Bezeichnung -Rutsche – im Plan ist falsch. Es handelt sich lt. OT-Vorschriften für Luftschutzbbauten/LS-Gräben um eine Rampe.
Diese Rampe war nicht für Lasten. Sperrige Güter durften gar nicht in einen Splitterschutzgraben mitgenommen werden.
Zweck dieser Rampe war, Druckwellen nach oben abzuleiten und somit die Wirkung in den LS-Deckungsgraben hinein abzumildern.


Zitat: “Offenbar wollte man diesen Unterirdischen Bereich zu einem späteren Zeitpunkt einer Nachnutzung zuführen, vermutlich als Lagerraum. An der Betondecke der Gänge sind Plastikrohre und ein Lüftungsmotor befestigt worden.“

Leider auch falsch; Der LS-Deckungsgraben war immer als ein solcher geplant-ohne dezidierter Nachnutzung. Die Rohre und der Motor kamen erst lange nach dem Krieg in den LSDG.
In jüngster Zeit diente er als Kartoffellager. Aber auf Grund der regen Tätigkeit von Nagetieren wurde das bald wieder aufgegeben.

Ursprünglich sollte an dieser Stelle ein richtiger Bunker mit Gasschleuße, Notausgang und Toiletten sowie Heizung gebaut werden. Dieser wurde aber nicht genehmigt.


mfg
Cerberus9
 
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TENO1

Guest
#5
Warum wurde dort der Bunker eigentlich gebaut?
War die Angst vor Luftangriffen so gross?
Im oben erwähnten Buch "Wien streng geheim" von Sachslehner und Bouchal steht dazu:
"Die Existenz dieser Luftschutzanlage beweist uns, dass dem Haschahof für die Versorgung der Stadt während des Krieges große Bedeutung zukam und hier zahlreiche Menschen arbeiteten, wohl auch Fremdarbeiter, weshalb man einen Schutzbau für notwendig hielt." Und weiter... "Extensive Milchwirtschaft, Schweinehaltung und Anbau von Getreide, Gemüse und Zuckerrüben bildeten die Grundlagen des Haschahofes."

Lg Teno1
 

josef

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#6
Obwohl sich der "Haschahof" von der örtlichen Lage her betrachtet im Übergangsbereich vom urbanen zum ländlichen Bereich befindet, lag er damals im stark "luftgefährdeten" Gebiet! Dieses "Bombenzielgebiet" zog sich grob in West - Ost Richtung vom Industriegegelände Liesing entlang des Wiener- und Laaerberges über Favoriten nach Simmering bzw. nach Osten hin nach Schwechat. Neben den Rüstungsbetrieben in dieser Zone kamen noch wichtige Verkehrsziele wie die Bahnhöfe an der Süd- und Ostbahn mit den für den Güterverkehr wichtigen Verbindungsstrecken dazu. Alle diese Objekte und Einrichtungen sollten durch die "Flakfestungen" (-> Dreifachbatterien) Wienerberg und Johannesberg geschützt werden, wobei der "Haschahof" genau dazwischen lag...

Dies ist gut auf einer im Bezirksmuseum Favoriten ausgestellten Karte der "militärischen Einrichtungen WKII im 10. Bezirk" zu erkennen:

1. Karte mit ROT gekennzeichneten mil. Einrichtungen (7 -> Flakfestung Wienerberg, 9 -> Flakfestung Johannesberg). Die Lage des "Haschahofes in Bildmitte habe ich BLAU markiert.
2. Legende zur (alten) Karte.
(Aufnahmen aus 2009)
 

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josef

Administrator
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#8
Haschahof soll soziale Einrichtung werden
Der Haschahof in Rothneusiedl steht derzeit leer. Das soll sich in naher Zukunft ändern. Eine städtische Institution plant, den Hof in den kommenden Jahren als soziale Einrichtung zu mieten, so der Wohnfonds Wien, der den Hof besitzt.
Die jüngste Geschichte von Wiens letztem Vierkanthof ist bewegt. Bis 2014 diente der Haschahof als Selbsternte-Betrieb, bevor er 2015 an den Wohnfonds Wien verkauft wurde. Der wollte den Haschahof eigentlich abreißen. Nach Anrainerprotesten, politischen Interventionen und zwei Hausbesetzungen ist das städtische Unternehmen von diesem Plan abgerückt. Aktuell trainieren nur drei Rettungshundestaffeln regelmäßig auf dem Gelände. Nun stellt sich die Frage: Wie geht es mit dem teils maroden Gebäude weiter?

„Mehrjährige Zwischennutzung“ geplant
Dieter Groschopf, stellvertrender Geschäftsführer beim Wohnfonds, sagt gegenüber wien.ORF.at: „Eine Institution der Stadt ist an uns herangetreten. Sie will den Haschahof als soziale Einrichtung nutzen.“ Um welche Institution es sich handelt, wie die neue Bewirtschaftung aussehen soll und wann das Projekt startet, will Groschopf noch nicht verraten. Es stünden noch Verhandlungen an. Außerdem gehe es nicht um eine Übernahme des Hofes, sondern um eine „mehrjährige Zwischennutzung“.


ORF
Der Haschahof steht derzeit großteils leer

Derzeit werden am Haschahof nur kleinere Erhaltungsarbeiten durchgeführt. Zum Beispiel werden zerbrochene Glasscheiben ausgetauscht und Baumschnittarbeiten vorgenommen. Betroffene kritisierten bei einer Diskussionsrunde des Favoritner Bezirksblattes, dass die Arbeiten nicht ausreichen und der Hof langsam verfällt. Groschopf sieht das anders. Es sei sogar ein eigener Sicherheitsdienst für die Überwachung des Gebäudes beauftragt worden - um etwa weitere Besetzungen zu verhindern. Immer wieder leben auch Obdachlose im Haschahof.

Neue „Seestadt“ in Rothneusiedl
Nach der geplanten Zwischennutzung wäre die Zukunft des Hofes wieder ungewiss. Klar ist, dass der Wohnfonds in Rothneusiedl nicht nur den Haschahof, sondern ein 45 Hektar großes Gelände erworben hat. Auf diesem Gelände soll langfristig gebaut werden: „Bevor wir mit der Projektentwicklung beginnen, sind allerdings noch Fragen zu klären, die den Verkehr und die Infrastruktur betreffen“, steigt Groschopf auf die Bremse. Er wünscht sich einen Ausbau von öffentlichen Verkehrsmitteln nach Rothneusiedl. Ursprünglich war ja geplant gewesen, die U1 bis Rothneusiedl zu führen - mehr dazu in U1-Verlängerung feierlich eröffnet.

Das Ziel des Wohnfonds: „Wir würden in Rothneusiedl gerne ein Stadtentwicklungsgebiet mit geförderten Wohnungen errichten. Von der Dimension her wäre das vergleichbar mit der Seestadt Aspern“, so Groschopf. Er kann sich zudem vorstellen, dass der Haschahof in seiner jetzigen Form Teil dieses Gebiets wird. Unter Denkmalschutz soll er allerdings nicht gestellt werden.

Links:
Publiziert am14.06.2018
Haschahof soll soziale Einrichtung werden
 
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