Militärlager der Römer in Bregenz

josef

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#1
Ältestes Militärlager der Römer in Bregenz

Bereits in der Zwischenkriegszeit äußerten Archäologen die Vermutung, dass in Bregenz das älteste römische Militärlager Österreichs zu finden sei. Der Beweis dafür gelang Innsbrucker Forschern erst kürzlich durch die Altersbestimmung mit Hilfe von Baumringen: Die Überreste des Lagers stammen aus dem Jahr fünf nach Christus.

Als die Römer nach Bregenz kamen
Bereits in der Zwischenkriegszeit äußerten Archäologen die Vermutung, dass in Bregenz das älteste römische Militärlager Österreichs zu finden sei. Der Beweis dafür gelang Innsbrucker Forschern erst kürzlich durch die Altersbestimmung mit Hilfe von Baumringen: Die Überreste des Lagers stammen aus dem Jahr 5 nach Christus.



Brigantium, Erstellt am 17.02.2014.
Karl Oberhofer, Archäologe an der Universität Innsbruck, beschreibt in einem Gastbeitrag die Geschichte der Grabungen in "Brigantium", dem heutigen Bregenz:

Das älteste römische Militärlager im heutigen Österreich
Von Karl Oberhofer

Auf dem Ölrain-Plateau in Bregenz (Abb. 1) werden seit der Mitte des 19. Jh. regelmäßig Ausgrabungen durchgeführt. Zwischen 1911 und 1913 legte Carl F. von Schwerzenbach Reste von frühen römischen Holzbauten frei.
In der Zwischenkriegszeit äußerte Adolf Hild, seines Zeichens damaliger Kustos des Vorarlberger Landesmuseums, erstmals die Vermutung, dass in Brigantium, der römischen Vorgängersiedlung von Bregenz, ein Militärposten des 1. Jh. n. Chr. anzunehmen sei.

Von der Forschung bis zuletzt kontrovers diskutiert, gelang der unumstößliche Nachweis erst im Zuge einer Rettungsgrabung auf Veranlassung des Bundesdenkmalamtes im Frühjahr 2010 durch das Wörgler Unternehmen TALPA GnbR.
Wenngleich heute im Bregenzer Stadtbild nichts mehr auf diese militärischen Anlagen hinweist, bezeugt eine Vielzahl von militärischen Ausrüstungsgegenständen die Anwesenheit von römischen Soldaten in der ersten Hälfte des 1. Jh. n. Chr.

Graben, Wall und Palisade: Ein römisches Militärlager
In einem Feldzug 16/15 v. Chr. waren die Soldaten Roms von Süden über die Zentralalpen kommend immer weiter in das nördliche Alpenvorland bis an die Donau vorgedrungen. Auf dem Weg dahin besetzten sie verkehrsgeographisch günstige und strategisch wichtige Punkte.

Einer von diesen war das heutige Bregenz auf Grund seiner Lage am Ausgang des Alpenrheintals, am Ostufer des Bodensees und an einer Engstelle der Landverbindung ins heutige Allgäu. Wie in der ersten Hälfte des 1. Jh. n. Chr. üblich, errichtete das römische Militär hier ein Lager, das mit einem mehrere Meter breiten Graben und einer Wallanlage aus Holz und Erde mit Palisade gesichert war.Innerhalb des befestigten Areals standen Holzgebäude, die als Unterkünfte, den sog. Baracken, als Kommandantenhaus oder als Speicher dienten. Häufig wurden von den römischen Soldaten auch Werkstätten innerhalb des Lagers angelegt. In der Regel wurden diese sogenannten Holz-Erde-Lager über vier Toranlagen und rechtwinklig angelegte Straßenzüge im Innern erschlossen (Abb. 2).
Solche Anlagen mussten regelmäßig erneuert werden, da Witterung und Erdfeuchte den Zerfallsprozess der Bauhölzer beschleunigten. Das Militärlager in Bregenz wurde in der Regierungszeit des Kaisers Tiberius (14 - 37 n. Chr.) grundlegend umgebaut und erneuert.

Systematisch abgetragen: Das Lager wird aufgegeben
Unter Kaiser Claudius (41 – 54 n. Chr.) wurde das Lager geräumt: Unzählige Kubikmeter Erde des Befestigungswalls wurden einplaniert, Gräben verfüllt, Toranlagen und Baracken systematisch abgetragen. Das Altholz wurde im vorliegenden Fall jedoch nicht verbrannt oder gänzlich für andere zivile Gebäude verwendet, sondern für die Ausbesserung der römischen Hauptdurchzugsstraße genutzt. Der Straßenkörper selbst war im Laufe der Zeit baufällig geworden, sodass ein neuer Unterbau hergestellt werden musste. Wie auch andernorts nachgewiesen, stabilisierte fortan ein mit Brettern abgedeckter Rost aus Balken den geschotterten Straßenkörper (Abb. 3).
Die günstigen Bodenverhältnisse sorgten für eine Erhaltung der Hölzer, deren Vergesellschaftung mit wissenschaftlich aussagekräftigen Kleinfunden die Erkenntnisse der Archäologen zur Siedlungsentwicklung untermauern. Während andernorts mit dem Abzug der militärischen Einheiten häufig ein wirtschaftlicher Niedergang der nahen dörflichen Siedlung zu beobachten ist, blieb Brigantium weiterhin eine florierende Drehscheibe für den Warenumschlag von Gütern u.a. aus dem heutigen Frankreich und der Schweiz.

Jahrringe liefern den Beweis: Um 5 n. Chr. gefällt
In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt und dem Vorarlberg Museum konnten die Bauhölzer den drochronologisch untersucht werden. Diese Methode analysiert u.a. die Abfolge der Jahresringe der erhaltenen Hölzer, sodass im Idealfall das Fälldatum von Stämmen bestimmt werden kann. Besonders wichtig für ein aussagekräftiges Ergebnis ist das Vorhandensein einer ausreichenden Zahl von Jahrringen, um einen Abgleich mit wissenschaftlich anerkannten Referenzkurven zu ermöglichen.

Eine erhöhte Aussagekraft besitzen zudem jene Proben, die noch die sogenannte Wald- bzw. Baumkante aufweisen und somit das Wachstumsende des Baums markieren. Da von den römischen Militärhandwerkern in der Regel Balken mit einem rechteckigen Querschnitt verbaut wurden, blieben die für die Wissenschaft wertvollen letzten Jahrringe selten erhalten. Trotzdem können Proben aus Bregenz, u.a. mit der sog. Waldkante, ab dem Winterhalbjahr 4/5 n. Chr. eingeordnet werden.

Die Analyse der Bauhölzer durch zwei unabhängig von einander arbeitende Labore untermauert damit die Erkenntnisse der archäologischen Kleinfundauswertung: Noch in der ersten Dekade vor Christi Geburt kamen Tafelgeschirr, Verbrauchsgüter wie Öl und Wein und andere Handelswaren aus dem römischen Wirtschaftsraum auf den Bregenzer Ölrain.

Spätestens zwischen 5 und 10 n. Chr. errichtete das römische Militär ein dauerhaftes Holz-Erde-Lager, dessen Bauschema u.a. in den späteren Provinzen Raetien, Ober- und Niedergermanien mehrfach dokumentiert werden konnte (vgl. Abb. 2).

Noch offene Fragen zur Frühzeit von BrigantiumDie heutige, in einem Verdichtungsprozess befindliche Villenlandschaft auf dem Bregenzer Ölrain lässt nur kleine Einblicke in die österreichweit bisher einzigartigen Schichtabfolgen der frühen römischen Kaiserzeit zu.

Die aktuellen Forschungen beziehen sich auf eine Fläche von kaum mehr als 0,5 Hektar und decken nur Randbereiche des Lagerareals ab. Über die Gesamtgröße der Bregenzer Militäranlagen, die unter den Kaisern Augustus und Tiberius errichtet wurden, sowie über deren exakte Ausdehnung, aber auch zu Fragen über die Herkunft und Stärke der stationierten Truppen können weiterhin hauptsächlich Vermutungen angestellt werden
Text- u. Bildquelle: http://science.orf.at/stories/1733435/

Abb.1: Der Bregenzer Ölrain: ein ca. 50 Hektar großes Plateau am Ostufer des Bodensees.

Abb. 2: Ähnlich wie das ca. 80 Jahre jüngere Kastell von Quintana/Künzing bei Passau (D) könnte das Kastell in Brigantium/Bregenz ausgesehen haben: 1) Baracken, 2) Stabsgebäude, 3) Wohnhaus des Kommandanten, 4) Lagerbau , 5) Ställe, 6) Lazarett.

Abb. 3: Teil des 2010 im Straßenkörper entdeckten Bretterbodens: unter den schlechter erhaltenen Brettern sind die Konturen von bis zu 4 m langen Balken deutlich erkennbar.
 

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Römische Ausgrabungen in Stadtplan erfasst
Die römischen Ausgrabungen in Bregenz sind nun vollständig digital erfasst und über den interaktiven Stadtplan auf der Homepage der Stadt abrufbar. Er ist für Bauherren genauso interessant wie für historisch interessierte Bürger.

Seit 150 Jahren haben Archäologen in Bregenz immer wieder Reste der römischen Besiedlung ausgegraben und vermessen. Dabei haben sie auch den einen oder anderen Lageplan angefertigt. Jetzt haben Forscher, Museum, Denkmalamt und die Stadt Bregenz ihre Daten zusammengetragen und einen digitalen Stadtplan entwickelt.

Der Stadtplan

Stadtplan aus der Römerzeit

Für den neuen Stadtplan wurden die Daten früherer Ausgrabungen zusammengetragen und mit aktuellen Geodaten verglichen. Das lässt neue Schlüsse über die Siedlungs- und Kulturgeschichte zu. Auch Denkmalpflege und Stadtplanung können nun binnen Sekunden feststellen, bei welchen Bauvorhaben besondere Vorsicht geboten ist, da noch Überreste aus der Römerzeit verborgen sein könnten.

Kein Einfluss auf Baugenehmigungen
Wer am Ölrain in Bregenz bauen wollte, wusste schon bisher, dass er sich in einem archäologisch interessanten Gebiet befindet - und damit rechnen muss, dass vor allfälligen Baumaßnahmen die Archäologen zu Grabungen anrücken. Jetzt kann man sich schon im Vorfeld ganz genau informieren, wo welche Reste der römischen Besiedlung zu erwarten sind.

Auch wenn man jetzt einen genauen Überblick über die 25 archäologischen Zonen von Bregenz erhält - Auswirkungen auf Baugenehmigungen hat das keine, erklärt Bürgermeister Markus Linhart. Baugenehmigungen würden aufgrund des Baugesetzes erteilt, „und das wird jetzt nicht auf den Kopf gestellt“. Es werde jetzt aber viel einfacher gemacht, auf eventuelle historische Gegebenheiten entsprechend zu reagieren.

Publiziert am 22.06.2017
http://vorarlberg.orf.at/news/stories/2850542/
 

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Baustelle im Bregenzer Zentrum soll ein Stück Brigantium aufdecken
Bei Bauarbeiten stieß man auf archäologische Funde. Es sind aber noch nicht die erhofften Römermauern
Bregenz – Der Umbau von Römer- und Kirchstraße am Bregenzer Leutbühel lässt bei manchen Bürgerinnen und Bürgern wegen der Entfernung des Kopfsteinpflasters den Blutdruck steigen, die Archäologen lässt er aber auf neue Erkenntnisse hoffen. Denn es könnten Reste eines Turms des römischen Hafenkastells zum Vorschein kommen.

Dass sich unter dem Stadtzentrum eine Befestigung von Brigantium aus dem 4. Jahrhundert befindet, weiß man seit Ende der 1960er-Jahre, als das GWL, das erste Einkaufszentrum der Landeshauptstadt, gebaut wurde. Die aktuellen Baustelle ist Teil der Quartiersentwicklung Leutbühel. Durch eine Begegnungszone soll die Innenstadt attraktiver werden. Der Leutbühel ist zwar zentral gelegen, hat aber wenig Charme, was sich nun durch stadtplanerische Interventionen ändern soll.

Steinfunde vermutlich aus Mittelalter
Die Umbauarbeiten werden seit Beginn von einem Archäologinnenteam begleitet. Man stieß auch bereits auf altes Mauerwerk. Es dürfte sich dabei aber nicht um römische Artefakte handeln. Andreas Picker, Archäologe des Bundesdenkmalamts, vermutet, dass die schön gelegten Bachsteine eher ein barocker Straßenbelag waren und die erste gefundene Mauer zu einem mittelalterlichen Gebäude gehörte. Die genaue Datierung steht noch nicht fest. Wie bei jeder Fundstelle wurde kartiert und dokumentiert und dann wieder zugeschüttet. (Jutta Berger, 12.10.2018)

foto: landeshauptstadt bregenz
Lokalaugenschein bei der Grabung Römerstraße in Bregenz

Baustelle im Bregenzer Zentrum soll ein Stück Brigantium aufdecken - derStandard.at
 
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