Notlandung B-24 in Höchst - Vorarlberg

josef

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#1
Fand ein sehr interessantes Foto eines am 09. Juni 1943 am Feldflugplatz Höchst notgelandeten B-24 "Liberator" - Bombers der USAF.


Interessant deshalb, weil:

- Der viermotorige Bomber anscheinend ein beliebtes Hintergrundmotiv für Familienfotos darstellte und keine Absperrmaßnahmen erkennbar sind.
- Der US-Pilot die Maschine in Höchst aufsetzte und so für sich und die restliche Besatzung die deutsche Kriegsgefangenschaft in Kauf nahm...? Der Flugplatz Altenrhein in der neutralen Schweiz lag bzw. liegt nur ca. 5 - 7 km Luftlinie vom ehemaligen Platz Höchst entfernt!

Bildquelle: Albrich-Gisinger; "Im Bombenkrieg - Tirol u. Vorarlberg 1943-45; Institut für Zeitgeschichte Univ. Innsbruck, Band 8; Ibk. 1992 (NÖ.Landesbibliothek Sign. 43306-B8)
 

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#3
Der Flugplatz in Höchst wurde vom NS-Fliegerkorps benutzt und der anfliegende Bomber von dort aus (vermutlich mit Leuchtzeichen) zur Landung animiert.
Die Besatzung glaubte sie befinde sich bereits in der neutralen Schweiz. Zu dieser Angelegenheit gibt es einen Akt im Bestand NSFK im Archiv der Republik.
LG Renato
 

josef

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#4
B-24 in Höchst

Der Flugplatz in Höchst wurde vom NS-Fliegerkorps benutzt und der anfliegende Bomber von dort aus (vermutlich mit Leuchtzeichen) zur Landung animiert.
Die Besatzung glaubte sie befinde sich bereits in der neutralen Schweiz...
:danke Renato!

Habe dazu ein wenig herumgesucht :) und wurde bei den Freunden von "geschichtsspuren.de" fündig:
...habe aber noch eine kleine Anmerkung zum Bomber auf dem kleinen Flugplatz Hoechst-Rinnsal / Vorarlberg (erscheint in den Quellen auch als Flugplatz "Hard",„Bregenz“, „Gaissau“ oder „Fussach“):

Gemäss vorarlberger Quellen wurde der Bomber nach der Landung am 9.Juni 1944 in Hoechst, 6 km von der schweizer Grenze entfernt, nicht an Ort und Stelle zerlegt. Das Flugzeug stand aber bis Ende November 44 auf dem Platz, da der Boden tatsächlich zu weich war, um zu starten. Es ging damals auch das Gerücht, dass der Bomber gut sichtbar auf dem Flugfeld stehen blieb, um andere amerikanische Bomber, die den nahegelegenen schweizer Flugplatz Altenrhein suchten, anzulocken…ich habe gesehen, dass Zulufox die Geschichte auch kennt. Tatsächlich war aber der Boden zu weich, um zu starten, und so musste bis November gewartet werden, bis der Boden gefroren und hart genug war, um die Maschine starten zu können. Der Bomber war in der Gegend die Attraktion, es gibt auch nicht allzu gute Bilder im Netz. Es handelte sich dabei um die B-24G "Sky Pirate", Nr.42-78106, 15th AF, 758th BS,460th BG. Bis Ende des Krieges flog sie beim KG 200 unter dem Kennzeichen NF+FL und fiel 1945 den Amerikanern auf dem Fliegerhorst Hildesheim gesprengt in die Hände.....irgendwo gibt es noch ein Bild davon. In Hoechst ist meines Wissens bis Ende des Krieges kein weiteres alliiertes Flugzeug mehr gelandet, in Altenrhein dafür ein gutes Dutzend B-17 und B-24 (s. auch www.warbird.ch)
Quelle:http://www.geschichtsspuren.de/forum/ehemaliger-feldflugplatz-holzkirchen-t18445.html

Der Hinweis auf @Zulufox ließ mich auch in der Literatur weitersuchen und tatsächlich fand ich bei

Jürgen Zapf;
"Flugplätze der Luftwaffe 1934-45 - und was davon übrig blieb"[/I]
auf S. 197


beim Eintrag zum "Landeplatz Höchst" den Hinweis:
Auf der Seite der Westalliierten entstand durch die Aufklärung einer dort stehenden Consolidatet B-24 "Liberator" der Verdacht, dass der Platz als Köder für die alliierten Flugzeuge dienen könne, die eine Notlandung in der Schweiz versuchten.
GM-Bild mit der Entfernung zwischen Landeplatz Höchst und Flpl. Altenrhein:
 

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#5
Hallo als vermutlich letzter Überlebender Zeitzeuge ein kleiner Hinweis zur Notlandung des B24 Bombers auf dem Flugplatz Rinnsal in Höchst. Mein Vater Walter Kittelberger hatte damals die Flugzeugwerke Kittelberger in Höchst und er baute Schulungsflugzeuge zur Piloten Ausbildung für die Deutsche Wehrmacht auch als Zulieferer für Dornier.

Ich war damals 5 Jahre alt und wir waren auf dem Flugplatz als der beschädigte Bomber angeschossen von der Flak in Innsbruck auftauchte. Der Bomber kreiste über dem Flugplatz wie sich heraus stellte war das Kartenmaterial nicht ungenau. Wissentlich, dass in der Schweiz mehrere B24 notgelandet sind und dieser auch da landen wollte hatte mein Vater mich in seine Norton geladen und die Schweizer Flagge mit genommen und sie auf dem Flugplatz ausgebreitet. Dies war das Signal zur Landung. Die Mannschaft kam in Kriegsgefangenschaft wurde aber dann bei Kriegs Ende frei gelassen.

Dies sind meine Erinnerungen die ich so gut ich konnte wiedergegeben habe.

Gruß

Alfred Kittelberger
 
#7
42-78106 (459. BG, 758. BS) genannt Cherry II erbeutet von Luftwaffe Jun 9, 1944 Rinnsal AF, Vorarlberg, Deutschland und geflogen als NF+LF. MACR 5783. War vermutlich ein Ersatzflugzeug vom 460. BG und hatte nicht den Schachbrettschwanz des 459. BG, wenn er gefangen wurde.

Cherry 2_01.jpg Cherry 2_02.jpg
 
#8
Hallo Josef,

danke für die 2 interesannten Bilder die Flugzeughalle im Hintergrund steht unter Denkmalschutz habe sie vor 3 Jahren besucht. Noch ne kleine Anekdote ich war in dem Bomber der noch gut munitioniert war und viel Lametta zur Radar Störung an Bord hatte davon habe ich so viel wie möglich in meine Taschen gesteckt für den Weihnachtsbaum.

L.G.

Alfred
 
#10
Hallo Alfred, sehr interessant dein Beitrag. Mein Onkel war in Innsbruck Flakhelfer und hat immer erzählt sie hätten einen Bomber getroffen, der dann in Höchst notgelandet sei. Er selbst war Dornbirner und hat sich per Bahn in den letzten Kriegstagen auf Ratschlag seines Vorgesetzten nach Dornbirn " abgesetzt " .
Schöne Grüße Rudi
 
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#11
Hallo Alfred

Ich hänge mich an deinen Beitrag einfach an. Am 18. oder 19. März 1944 wurde ein amerikanischer Bomber in einen Luftkampf verwickelt. Über dem Hirschberggebiet in Langen bei Bregenz machte er (vermutlich um die Mittagszeit) einen Notabwurf seiner ca. 20 Bomben - die letzte wurde vor ca. 18 Jahren entschärft. Das Flugzeug soll im Fußacher Ried gelandet sein. Leider habe ich bisher keine Informationen über dieses Flugzeug gefunden. Hast du oder jemand anderer Informationen zu diesem Flugzeug.

Gruß Albert
 
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Rudi

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#12
Hallo Albert,
dabei könnte es sich um die amerikanische B-17 handeln, die über dem Bodensee von einer deutschen Jagdmaschiene gestellt wurde.Absturz am Samstag 18. März um 14.25 in Fussach. Nachzulesen in' Luftkampf über der Alpenfestung 1939-45 von Thomas Albrich.
Schöne Grüße Rudi
 
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#13
Hallo Rudi, Hallo Albert,

hatte die B-17, die in Fussach abgestürzt ist die Seriennummer 42-39967? Wenn ja, wären die genaueren Daten und Umstände unter MACR #3224 (MACR = Missing Air Crew Report) ersichtlich

Schöne Grüße

Eric
 
#14
Danke Rudi/Eric für euren Beitrag

Es ist mit größter Wahrscheinlichkeit der von mir gesuchte Flieger - habe auf americanairmuseum.com den letzten Flug des Bomber "Mary Kay" 42-39967 gefunden - Geschichte und Datum/Uhrzeit passen.
Woher haben Sie die Seriennummer, haben Sie noch weitere Infos, zB. was mit den Gefangenen passiert ist?

Gruß Albert
 
#15
Hallo Albert,

ich bin ein ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Höchster Gemeindearchiv. Ich suchte eigentlich nach Augenzeugenberichte von der B-24 Notlandung (Seriennummer 42-78106) in Höchst. Ich bin dann auf vermehrte Aussagen von einem Absturz im Fussacher Ried gestossen. Eine Person behauptet sogar Fracktteile der B-17 (42-39967) zu besitzen. Ich habe anschließend die allierten Verlustlisten durchstöbert und die "Mary Kay" scheint, die gesuchte Maschine zu sein.

Ich bin noch bei der Datensuche dran. Sollte ich jedoch auf den Frackteilen eine Seriennummer finden, lasse ich es wissen.

Schöne Grüße aus Höchst

Eric
 
#16
Hallo Albert,

ich bin ein ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Höchster Gemeindearchiv. Ich suchte eigentlich nach Augenzeugenberichte von der B-24 Notlandung (Seriennummer 42-78106) in Höchst. Ich bin dann auf vermehrte Aussagen von einem Absturz im Fussacher Ried gestossen. Eine Person behauptet sogar Fracktteile der B-17 (42-39967) zu besitzen. Ich habe anschließend die allierten Verlustlisten durchstöbert und die "Mary Kay" scheint, die gesuchte Maschine zu sein.

Ich bin noch bei der Datensuche dran. Sollte ich jedoch auf den Frackteilen eine Seriennummer finden, lasse ich es wissen.

Schöne Grüße aus Höchst

Eric
Nochmals ein Hinweis zu der in Höchst notgelandeten B-24 42-78106.
Nach einem nur in geringen Teilen überlieferten Akt zur Abschuss-Anerkennung (NARA MF T-321 roll 65 Frame 4815407 - 4815412) wurde eine Abschussbeteiligung für sechs Innsbrucker-Flakbatterien anerkannt, darunter die 4./5./6./schw.Flak-Abt 577. Auf dem Mikrofilm befinden sich Abschussmeldungen und Gefechtsberichte der 4./5. u. 6./577.
Nach der Aktenlage erfolgte der Beschuss über Innsbruck in der Zeit von 10:34 bis 10:38 Uhr.
Beteiligt waren: Großbatterie Vill (1./2./3/577), Rum (7/577, 3./457), Natters (4./5./577), Lans (3./384), Tiergarten (6./577). Abschuss-Beteiligungen wurden jedoch nur für 6 Batterien anerkannt.

Im ÖStA-AdR ist im Bestand Deutsche Wehrmacht/NSFK ein Bericht des NSFK-Sturm 5/98 Bregenz über die Landung in Höchst um ca. 10:30 Uhr.
lg Zwölfaxinger
 
#17
Hallo Alfred

Ich hänge mich an deinen Beitrag einfach an. Am 18. oder 19. März 1944 wurde ein amerikanischer Bomber in einen Luftkampf verwickelt. Über dem Hirschberggebiet in Langen bei Bregenz machte er (vermutlich um die Mittagszeit) einen Notabwurf seiner ca. 20 Bomben - die letzte wurde vor ca. 18 Jahren entschärft. Das Flugzeug soll im Fußacher Ried gelandet sein. Leider habe ich bisher keine Informationen über dieses Flugzeug gefunden. Hast du oder jemand anderer Informationen zu diesem Flugzeug.

Gruß Albert
Hallo Albert,
ich befasse mich schon einige Zeit mit der "Mary Kay" (MACR3224) welche am 18.03.1944 in Fußach notgelandet ist. Dabei sind 4 Mann der Besatzung umgekommen. Der Pilot und der Copilot schafften es nicht mehr aus dem Flugzeug. Sie wurden nach dem Krieg ausgegraben und sind nun auf dem Friedhof von Nupre bei Lüttich. Ich habe die Gräber letztes Jahr besucht, als ich in der Nähe war. 7 sind mit dem Fallschirm abgesprungen, wobei einer umgekommen ist, da sich der Schirm nicht öffnete. Ein Mitglied der Crew wird seither vermisst. Hier ist nicht klar, ob er sich bei der Landung noch im Flugzeug befand, oder eventuell im See ertrunken ist.
Die Motoren befinden sich auf alle Fälle noch im Boden. Die Absturzstelle wurde erst anfang der 80iger Jahre komplett zugeschüttet.
Mich würden hier interessieren, ob ein Zusammenhang mit dem von dir erwähnten Notabwurf besteht. Laut Bericht wurde die Mission (Oberpfaffenhofen) ausgeführt, wobei 2 Motoren durch die Flakbeschuss ausgefallen sind. Es ist kaum vorstellbar, dass die Bomben bis fast zum Bodensee mitgeführt wurden, da das Flugzeug sowieso schon sehr langsam unterwegs war.
Am 18.03.1944 war sonst auch sehr viel los in der Luft.

Schöne Grüße aus Fußach
Friedrich
 
#18
Hallo alle miteinander
Mein Name ist Harald , und ich habe den Artikel bei "Geschichtsspuren" über die B-24 geschrieben, da die ganze Geschichte bei uns in der Ostschweiz doch "grad um die Ecke" stattgefunden hat. Und die B-24 war zu der Zeit bei uns sehr geläufig, sind doch einige in Altenrhein gelandet.
Auch in der Nähe meines Wohnortes ist 1943 eine B-24D notgelandet und von ihrer Besatzung verbrannt worden.

Es war tatsächlich sehr schwierig, das grosse und schwere Flugzeug wieder zu starten. Wie morastig und feucht der Boden ist, sieht man an der Maschine, wie sie bereits eingesunken ist. Die ganze Landung glich, so hört man immer wieder, fast einem Volksfest, und die B-24 war der "Star", mit dem sich alle fotografieren lassen wollten.....von Geheimhaltung keine Spur. Die Maschine, mit dem Stammkennzeichen NF+FL versehen, wurde 1945 auf dem Flugplatz Hildesheim vor Ankunft der Amerikaner gesprengt.

Was mich mal noch interessieren würde, ist der Flugplatz und die Firma Kittelberger an sich. Leider habe ich sehr wenig gefunden...kein Wunder, heute leben ja nicht mehr so viele Zeitzeugen.....und die Bevölkerung heute weiss kaum was oder gar nichts vom Flugplatz.
Und jetzt ist hier ein Nachfahre von Walter Kittelberger hier im Forum, na so ein Glück.

Mich würde es sehr interessieren, was bis heute vom Flugplatz und der Firma Kittelberger überliefert ist. Anscheinend gab's da ja einmal 3 Flugzeughallen? Es wurde ja hier vom hauptsächlich Segelflug betrieben, mit SG38, Kranich II, Meise, Grunau Baby, Weihe II usw..
Zwei der Höchster Kraniche existieren übrigens heute noch, einer in Deutschland (D-0031, ex HB-482) und einer in der Schweiz (HB-475).

Gibt es vom Flugplatz irgendwo weitere Bilder?

Über die Firma Kittelberger ist sehr wenig bekannt. Es wurden vor dem Krieg schon Flugzeuge gebaut und nach dem Krieg nochmals, obwohl das Werk anscheinend nach dem Krieg demontiert worden ist...oben steht auch etas als Zulieferer für Dornier. Was genau wurde bei Kittelberger für Dornier gebaut? Wurde der Flugplatz nach dem Krieg von der Firma Kittelberger nochmals benutzt?

Entschuldigung, mir sind immer mehr Fragen eingefallen, aber Ich bin froh um jede Info.
Herzlichen Dank im Voraus.

Liebe Grüsse aus der Schweiz

Harald
 

josef

Administrator
Mitarbeiter
#19
Hallo Harald,
ein herzliches Willkommen im Forum!

Besten Dank für die ergänzenden Informationen! Der zitierte Beitrag aus "Geschichtsspuren" dürfte wohl aus diesem Thread stammen...

lg
josef
 
#20
Hallo Josef
Vielen herzlichen Dank.

Genau. Ich habe mich zuerst oberflächlich und dann immer tiefer mit dem Flugplatz Rinnsal Gaissau befasst, da wir dort zufällig mal spazieren gegangen sind nach einem ausgiebigen Mittagessen in einem Steakhouse.

Hier sind auch noch weiterere interessante Beiträge, ausser der B-24, über den Flugplatz.

http://www.flyhard.ch/ig-albatros.ch/dokumente/infos/Albatros_INFO_2_2010_Webseite.pdf

Kranich II, gebaut von der Firma Kittelberger:

https://sportfliegerclub-stuttgart.de/oldtimer/rumpfreparatur-kranich-ii/

https://fmh.club/2013/01/08/dfs-kranich-ii-b1-hb-475-kommt-zum-fmh/

https://www.teckbote.de/nachrichten...iografie-eines-alten-vogels-_arid,204499.html

So konnten doch einige Segelflugzeuge vor den französischen Panzern gerettet werden.

Ich bin auf der Suche nach einem Situationsplan des Flugplatzes bis 1945, bin da leider bisher noch nicht fündig geworden.
Und eben, Zeitzeugen werden rar.

Herzliche Grüsse

Harald
 
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