Beginn und Aufbau der Luftraumüberwachung auf österr. Staatsgebiet 1938-45

josef

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#1
Renato Schirer stellte wieder einmal einen seiner interessanten und fundierten Berichte zum Zeitraum 1938-45 für die Veröffentlichung im Forum zur Verfügung!

Diesmal handelt es sich um einen Artikel über den Aufbau und Organisation der Luftraumüberwachung in den damaligen Alpen- und Donaugauen. Der von Renato gestaltete Themenkomplex erschien als Artikelserie ab 2016 in mehreren Ausgaben der „öfh-Nachrichten“. Wegen des Umfanges teilte ich die einzelnen Kapitel des mir zugegangene PDF-Dokumentes auf mehrere Teilbeiträge auf, die im Anschluss zu finden sind.

Im Namen ALLER User des Forums möchte ich mich bei Renato auf das herzlichste für die Bereitstellung der Fachbeiträge bedanken!

lg

josef

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DIE ANFÄNGE DER LUFTRAUMÜBERWACHUNG IN DEN DONAU- UND ALPENREICHSGAUEN

Teil 1 von 5:



© Renato Schirer, nachfolgende Beiträge sind ab 2016 als Fortsetzungs-Artikeln in verschiedenen Ausgaben der öfh-Nachrichten erschienen:

Ursprünglich war die Überwachung des Luftraumes im Deutschen Reich eine Aufgabe des paramilitärischen Reichsflugmeldedienstes. Doch diese Organisation wurde noch vor Kriegsbeginn in die Luftwaffe überführt und im Rahmen der Mobilmachung wesentlich verstärkt.1 Das galt besonders für das Gebiet der im März 1938 okkupierten Republik Österreich.

Hier hatte man bereits unmittelbar nach dem Anschluss mit entsprechenden Vorsorgen begonnen, um für den Fall einer Mobilmachung die Aufstellung der zahlreich benötigten Flugwachen sicherzustellen. Dafür wurden die bereits organisatorisch bestehenden Flugwachkommandos (Fluko) in Wien, Amstetten, Vöcklabruck, Bruck an der Mur und Lend in die neu aufzustellenden Flugmelde-Reservekompanien übernommen, denen zum Teil bis zu 50 Flugwachen unterstellt waren.2 Für den Personalersatz und die Ausbildung dieser Kompanien gab es die Flugmelde-Ergänzungskompanie 8/17 in Klosterneuburg.

Mit dem Beginn des Krieges wurde die Flugmeldeorganisation beträchtlich ausgeweitet, was auch mit einer Änderung der noch im Frieden zugeteilten Nummern der Flugmelde-Reservekompanien verbunden war.

Entlang der Reichsgrenze wurde im Abstand von zehn bis zwanzig Kilometer eine Flugwachlinie eingerichtet und entlang dieser die Flugwachen stationiert. Als Standorte wählte man zumeist hochgelegene Geländepunkte aus, die gute Sicht- und Horchmöglichkeiten nach allen Seiten boten. Auch im Landesinneren gab es solche Flugwachlinien, hier allerdings in Abständen von 50 bis 70 Kilometern, um so das Reichsgebiet zu unterteilen. Zusätzlich zog man auch noch konzentrische Kreise um die Schwerpunkte der Luftverteidigung und postierte hier ebenfalls Flugwachen.3 Der dafür erforderliche personelle und materielle Bedarf war erheblich, sollte doch jede Flugwache auch rund um die Uhr besetzt sein. Die Luftbeobachter wurden mit hochwertigen Ferngläsern ausgerüstet und sollten mittels Feldfernsprecher ständig mit ihrem Flugwachkommando in Verbindung stehen. Für besonders wichtige Wachen war eine zusätzliche Funkverbindung vorgesehen, welche die Drahtverbindung überlagerte, was aber im Bereich der Ostmark, mangels Funkgeräte, nicht zum Tragen kam.

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Das zu Kriegsbeginn geplante Flugmeldenetz in der südlichen Reichshälfte (Ausschnitt -nach Karl Otto Hoffman, Ln.-, Die Geschichte der Luftnachrichtentruppe, Neckargemünd 1967).

Die Anzahl der Flugwachen konnte recht unterschiedlich sein, ihre Zahl hing in erster Linie vom Gelände ab, aber auch die aktuelle Bedrohungssituation spielte eine Rolle. Vor allem hatte der geforderte Grad der Einsatzbereitschaft einen wesentlichen Einfluss auf den Personalbedarf. Die einzelnen Flugwachen waren jeweils regional unter einem Flugwachkommando zusammengefasst.

Dieses diente als zentrale Auswertestelle und wurde von einer Reserve-Flugmeldekompanie betrieben. Hier zeichnete man die eingehenden Meldungen auf einer Karte im Maßstab 1:300000 ein, wobei Verbände als Striche und Einzelflugzeuge als Punkte dargestellt wurden. Die eigenen Bewegungen zeichnete man in Blau ein, die feindlichen in Rot und unbekannte Flugobjekte wurden in schwarzer Farbe eingetragen.

Dem Flugwachkommando wurden auch alle Flugwegankündigungen“, von eigenen Flugzeugen und Verbänden, übermittelt, soweit sie den Überwachungsbereich berührten.4 Grundsätzlich war jede Flugwache mittels Telefon ständig mit der Auswertezentrale verbunden, wo für jeweils drei Flugwachen ein Arbeitsplatz zur Aufnahme der eingehenden Meldungen vorgesehen war.


1 Nach 1935 übernahm die Luftwaffe den damals bereits bestehenden Flugmeldedienst in ein Reservedienstverhältnis, militarisierte ihn zum 1.4.1937 durch Angliederung an die Flakwaffe. Ab dem 1.5.1938 gehörte der Flugmeldedienstdann der Luftnachrichtentruppe an. Vgl. dazu: Karl-Heinz Völker, Die deutsche Luftwaffe 1933-39, Stuttgart 1967, S.113 und Karl Otto Hoffmann, Ln. – Die Geschichte der Luftnachrichtentruppe Band 2, Neckargemünd 1968, S. 297 f.
2 Die Inbetriebnahme des Flugwachkommandos Wien (7/17), Amstetten (12/17), Vöcklabruck (14/17) erfolgte am 1.9.1938, jenes in Bruck an der Mur (15/17) am 1.11.1938 und in Lend (13/17) am 1.1.1939. Das für Innsbruck ursprünglich vorgesehene Flugwachkommando 16/17 entfiel, da jenes in Innsbruck vom Luftgau VII (München) eingerichtet wurde.
3 Allgemeine Angaben zu den Flugwachen in der Ostmark finden sich in folgenden lokalhistorischen Arbeiten: Franz Wilhelm Doschek, Beitrag zur Geschichte der Luftraumüberwachung an der niederösterreichischen Ostgrenze in den Jahren 1939-1945, Historische Schriftenreihe Band 11, Eigenverlag des Zeitgeschichtlichen Dokumentationsarchiv Asparn an der Zaya 1993, S. 6—31 und bei Franz Josef Schober, Der Luftkrieg über dem Bezirk Radkersburg 1939- 1945, Eigenverlag der Kulturinitiative Ratschendorf, Ratschendorf 1989, S. 3f. Über das Fluko Lend veröffentlichte Hermann Hinterstoisser einen Bericht in der Zeitschrift Pallasch, Heft Nr. 6, S. 73-79.
4 Diese Flugwegankündigungen mussten Abflugzeit, Zahl und Baumuster der Flugzeuge und den voraussichtlichen Flugweg, sowie die Angaben zu einem vorgesehenen Rückflug enthalten.


Fortsetzung siehe Teil 2...
 

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#2
Fortsetzung:
DIE ANFÄNGE DER LUFTRAUMÜBERWACHUNG IN DEN... Teil 2 von 5:

© Renato Schirer

Ende September 1940 waren in der Ostmark folgende Flugwachkommandos im Betrieb:

- 8/17 Wien mit 51 Flugwachen;
- 9/17 Amstetten mit 32 Flugwachen,
- 10/17 Vöcklabruck mit 33 Flugwachen,
- 11/17 Bruck an der Mur mit 8 Flugwachen,
- 13/17 Judenburg mit 6 Flugwachen,

wobei alle Flugwachen mittels Fernsprecher mit ihren Flugwachkommandos verbunden waren.5 Die

Aufnahme des Flugwachkommandos (Fluko) war aber auch mit allen benachbarten Flugwachkommandos in ständiger Verbindung, wobei jede dieser Leitungen mit einem Sachbearbeiter besetzt war. Alle eingehenden Meldungen wurden dann, unter der Aufsicht des Wachoffiziers, von drei selbstständigen Arbeitsgruppen bearbeitet. Die Gruppe I (Auswertung)
führte unter der verantwortlichen Leitung des Auswerteoffiziers die Auswertekarte und parallel dazu wurde die Luftlagekarte erstellt, in die nur mehr wesentlichen Informationen übernommen wurden. Diese Karte bildete auch Grundlage für die Weitergabe der Luftlageinformation.

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Im Flugwachkommando (Propagandabild)



Die Gruppe II (Fernflugmeldedienst) hielt Kontakt zu den benachbarten Flugwachkommandos und unterrichtete die angeschlossenen Fliegerhorste und die Flakartillerie frühzeitig über einfliegende Feindverbände. Und die Gruppe III, zuständig für den Nahflugmeldedienst, alarmierte bei einer unmittelbaren Gefahr und gab die Warnhinweise an die lokalen Warnstellen.

Alle Flugwachkommandos übermittelten die ihrer Luftlagekarte entsprechenden Informationen auch an die Endstelle des Flugmeldenetzes, an die Kleine Luftlage-Meldestelle (Kl.L.M.S.) im Luftgaukommando XVII in Wien. Hier liefen alle Informationen, sowohl von den vorgesetzten Kommandos, als auch von den nachgeordneten Dienststellen, zusammen und aus der Summe all dieser Meldungen entstand das aktuelle Luftlagebild. Dieses wurde, angereichert mit den Erkenntnissen des Funkhorchdienstes, dann an die diversen Bedarfsträger weitergegeben. Dies war in erster Linie das Luftgaukommando selbst, hier besonders die Abteilung Ic (Feindlagebearbeitung).


Weitere wichtige Abnehmer waren die für die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung zuständigen Luftschutz-Warnabteilungen, aber auch die höheren Kommandodienststellen der im Luftgau eingesetzten Flak- und Fliegerverbände. Parallel zur Weitergabe an die Kl.L.M.S. XVII gaben die Flugwachkommandos ihre Lageinformation auch direkt an die bei ihnen unmittelbar angeschlossenen regionalen Flak-Kommandos. Auch die im Bereich liegenden Fliegerhorste erhielten entsprechende Warnhinweise.

Der Aufbau dieser Fluko erforderte erhebliche Investitionen im nachrichtentechnischen Bereich, so musste mit hoher Priorität, noch vor Kriegsbeginn, am Kahlenberg eine provisorische Funksendezentrale für das Fluko Wien (Anlage J 1) errichtet werden, welche dann auch bis zum Kriegsende als Provisorium bestehen blieb. Gleiches galt auch für die provisorischen Flugwachkommandos in

- Bruck an der Mur (J 13),
- Amstetten (J 14),
- Lend (J18),
- Vöcklabruck (J 21),
- Judenburg (J 22) und
- Wien (J 29)
- sowie Prag, Brünn, Budweis, Pilsen (J 36 bis J 39) samt den integrierten Funksendezentralen.6

Meldeformulare:

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Meldeformulare für Flugwachen und Flugwachkommandos. Bis 1943 war der Flugmeldedienst sehr bürokratisch organisiert und auf Schriftlichkeit bedacht, was nicht nur zahlreiche Formulare benötigte sondern auch Zeitverzug bedeutete.


Bis zum Jahr 1943 hielt man eisern an diesem aufwendigen Verfahren fest, wo jede Meldung mindestens dreimal schriftlich festgehalten wurde.7
Erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1943, mit dem Beginn des Luftkrieges über den Alpen- und Donau-Reichsgauen, ging man dann nach und nach auf das Reportage-Verfahren über, bei dem der Luftbeobachter in der Flugwache, ausgestattet
mit Kopfhörer und Lippenmikrofon, direkt mit dem Zeichner in der Auswertung kommunizierte.

Allerdings zeigte sich, dass dieses System nur mit weniger als 20 Flugwachen funktionierte, da sonst die ohne zeitlichen Verzug arbeitende Aufnahme im Fluko überfordert war. So entstand der Zwang zur Bildung so genannter Klein-Fluko. In der Folge wandelte man die alten Flugwachkommandos in Haupt-Fluko um, welche ihre Informationen über so genannte
Vermittlungs- und Verteilungszüge erhielten, welche in bestimmte Stellungen I. Ordnung integriert waren. Der enorme Personalbedarf des Flugmeldewesens machte es auch erforderlich, dass die Ausbildungskapazitäten ständig ausgeweitet werden mussten. So verlegte man bei Kriegsbeginn die Flugmeldeausbildung nach Steyr, mit Ausbildungsgruppen in Klosterneuburg und Neuhaus im Triestingtal. Als dann auch diese Maßnahme nicht mehr ausreichte, wurde die rsatzgestellung und Ausbildung in einer separaten Abteilung konzentriert.8


5 ÖStA, KA B-521:26. Gliederung der Luftverteidigungskräfte im Luftgau XVII, Stand 30.9.1940. Im Protektorat gab es die Flugwachkommandos: 14/17 mit 26 Flugwachen (9 mit Draht- und 17 mit Funkverbindung); 15/17 Pilsen mit 24 Flugwachen (17 Draht, 7 Funk); 16/17 Brünn mit 4 Flugwachen (Draht) und 21/17 Budweis mit 18 Flugwachen (5 Draht, 13 Funk).
6 BArch, RL 6/10. Anlage zum Luftwaffenatlas des LGK XVII. Verzeichnis der baulichen Anlagen der Luftwaffe, Stand Juli 1943.
7 Direkt bei der Flugwache und jeweils bei der Aufnahme und Weitergabe im Fluko.
8 Das III./Lg.Nachr.Rgt. 17 Kremsier, Brünn und Neu-Leskau. Der zuletzt genannte Standort (Schule für Nachrichtenhelferinnen) wurde 1943 aufgelassen und die Ausbildung der Helferinnen nach Wien verlegt. Dafür entstand in Wien-Großenzersdorf eine neue IV. Abteilung.


Fortsetzung siehe Teil 3...
 
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#3
Fortsetzung:
DIE ANFÄNGE DER LUFTRAUMÜBERWACHUNG IN DEN... Teil 3 von 5:

© Renato Schirer


Schematische Darstellung des Flugmeldenetzes:
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Schematische Darstellung (Archiv der Bundespolizeidirektion Wien)


Nach den erfolgreichen Feldzügen der Jahre 1939, 1940 und 1941 hatte man die Bedrohung gering eingeschätzt, daher begann man die Fluko-Bereiche zu vergrößern, wobei das eine oder andere Flugwachkommando eingespart werden konnte. Auch die Zahl der Flugwachen verringerte man drastisch, was zwar Einsparungen bei Personal und Gerät brachte, aber auf Kosten der Qualität des Luftlagebildes ging, was sich bald bitter rächen sollte. Ab dem Sommer 1942 musste die
Flugmeldeorganisation im Bereich der Ostmark erweitert werden, um der mittlerweile gestiegenen Bedrohung gerecht zu werden. So wurden noch während des Winters 1942/43 vier neue Flugwachkommandos eingerichtet, die jedoch alle außerhalb des heutigen Staatsgebiets lagen.9

Im Reichsgau Tirol, der die ehemaligen Bundesländer Tirol und Vorarlberg umfasste und seit dem 1.Mai 1939 zum Luftgau VII in München gehörte, überwachten die Fluko in Innsbruck (10./Luftgau-Nachr.Rgt. 7) und in Kempten (11./Luftgau-Nachr.Rgt. 7) den Luftraum.10 Aber auch hier hatte man in der Vergangenheit zahlreiche Flugwachen stillgelegt und die Überwachung der südlichen Reichsgrenze grob vernachlässigt. Eine Änderung trat hier erst ein, als am 1. Januar 1943 der
neugebildete Jagdabschnittführer Süddeutschland seine Tätigkeit aufnahm, dessen Wirkungsbereich sich auch auf das Gebiet der Ostmark erstreckte.11
Erst mit der Errichtung dieser Führungsstelle hatte man eine Grundlage für den Ausbau von Funkmessstellungen auch in diesem Raum geschaffen.12

In den folgenden Monaten wurde dann auch einiges unternommen um das Flugmeldesystem effizienter zu gestalten. So ging man im Juni 1943 daran die bisher stillgelegten Flugwachen im Bereich des Alpenhauptkammes zu aktivieren und einen neuen, vorgeschobenen, Flugwachriegel in Südtirol aufzubauen. Auch setzte sich bald die Erkenntnis durch, dass ein rascher Ausbau einer auf Radar gestützten Luftraumüberwachung, nun auch im Süden und Südosten unumgänglich war. Die nächtlichen Angriffe der Royal Air Force hatten in den westlichen Reichsgebieten gezeigt, dass die bisherige Form des Flugmeldedienstes der aktuellen Situation nicht mehr gewachsen war.

Schnellere Flugzeuge die in großer Zahl, und oft noch auch aus verschiedenen Richtungen kommend, einflogen, brachten das Flugmeldesystem immer öfter ins Wanken. Als einer der Gründe für das Versagen des Flugmeldedienstes wurde die große Anzahl der Flugwachen erkannt, die eine wahre Flut von Meldungen produzierten. Diese riesigen Mengen an Daten erschwerten in den Flugwachkommandos eine rasche und sichere Auswertung. Es zeigte sich, dass die bisherigen Bereiche viel zu groß waren.

Reste eines "Flugwache-Unterstandes" in Velm-Götzendorf im Weinviertel:
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Die Reste des Unterstandes der Flugwache in Velm-Götzendorf. Bei den entlang von March und Thaya errichteten Bauten dürfte es sich um Regelbauten gehandelt haben, die entsprechend der Skizze (Foto u. Skizze Gerald Perzi) zur Ausführung kamen.

Noch erhalten sind die Unterstände in:
- Niederabsdorf Nr. 16,
- Sierndorf an der March Nr.17,
- Groisenbrunn Nr. 22,
- Eckartsau Nr. 23?

Gesprengt bzw. zerstört wurden die Unterstände in:
- Bernhardstal Nr. 14,
- Hausbrunn Nr. 15,
- Ebenthal Nr. 19,
- Stripfing Nr. 20,
- Marchegg Nr. 21.


Anmerkung: Siehe dazu auch
http://www.geheimprojekte.at/ls_bunker_velm-goetzendorf.html
und
http://www.geheimprojekte.at/ls_bunker_niederabsdorf.html

Die aus Gründen der Einsparung durchgeführten Gebietsvergrößerungen trugen noch das ihre dazu bei. Diese Erkenntnis erforderte eine rasche Änderung der Organisation, wobei sich auch der Flugmeldedienst immer mehr auf die Erfassung der Feindeinflüge mittels Radargeräten konzentrieren sollte. Das bisher verwendete System, welches sich ausschließlich auf die mit Auge und Ohr gewonnenen Erkenntnisse der Flugwachen stützte, sollte in Zukunft das elektronisch erstellte Lagebild nur mehr ergänzen und überlagern. Den schon seit längeren waren die Funkmessgeräte, vor allem in der Nachtjagd, zum wichtigsten Informationsträger für die Luftlage geworden.

Doch die Nachtjagd hatte in der Vergangenheit ein Monopol auf die wenigen verfügbaren Funkmessgeräte, so dass diese für die Flakartillerie und für Flugmeldezwecke kaum verfügbar waren. Überdies hatte man die wenigen dem Flugmeldedienst zugeteilten Funkmessgeräte schwergewichtsmäßig in den besonders gefährdeten Räumen eingesetzt. Dabei hatte der Schwerpunkt ursprünglich im Westen gelegen, später wurde der Ausbau auch auf Nord-, Mittel- und Süddeutschland, sowie auf den Raum vor und um Berlin, ausgedehnt. Die damalige Ostmark jedoch und das Vorfeld im Südosten gingen bis zum Jahr 1943 leer aus.

Aber auch die personelle Seite erzwang einen raschen Umstieg auf ein elektronisch gewonnenesLuftlagebild. So waren Ende 1943 im Reichsgebiet nicht weniger als 114 Flugmelde-Reservekompanien eingesetzt, welche einen Personalbedarf hatten, der kaum mehr zu bedecken war.13
Allein im Bereich der Luftflotte Reich zählte man im Frühjahr 1944 mehr als 160000 Köpfe die ausschließlich im Flugmeldewesen der Reichsverteidigung eingesetzt waren, 111.000 davon waren Frauen. Frauen hatte man von Anfang an in den Flugwachkommandos verwendet, während die Flugwachen den Soldaten vorbehalten blieben. Erst im September 1943 brachte ein Befehl Görings ein Umdenken, als er den Einsatz von Frauen auch bei den im Reichsgebiet gelegenen Flugwachen forderte, um dadurch Soldaten für den Fronteinsatz frei zu bekommen. Insgesamt ging es um dabei 1500 Flugwachen die durchwegs von weiblichen Helfern übernommen werden sollten.

Ab diesem Zeitpunkt stieg der Anteil der der Luftnachrichten-Helferinnen kontinuierlich und bei Kriegsende war der Flugmeldedienst im Bereich der Luftflotte Reich bereits zu einer weiblichen Domäne geworden. Lediglich in besonders gefährlichen Regionen, wie im Hochgebirge und in den durch Partisanen bedrohten Gebieten, wie in der annektierten Untersteiermark und in Krain, sollten keine Luftwaffenhelferinnen zum Einsatz kommen.14

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Weibliches Personal wurde bald in allen Bereichen des Flugmelde- und Warndienstes unentbehrlich, und machte Soldaten für den Fronteinsatz frei.


9 Ab dem Sommer 1943 kamen die Fluko 14/17 Prag, 15/17 Pilsen und 31/17 Budweis, sowie 33/17 in Brünn dazu.
10 Die Fluko Innsbruck und Kempten bestanden durchgehend bis Kriegsende. Das Land Vorarlberg gehörte zum
Überwachungsgebiet des Fluko Kempten.
11 Am 28.11.1942 wurde vom XII. Fliegerkorps die Aufstellung des Jafü Süddeutschland befohlen, der mit 1.1.1943 seine Tätigkeit aufnahm.
12 Bis zum Jahresende 1942 gab es nur ein Freya-Flugmeldegerät im süddeutschen Raum, das bei Lechfeld aufgestellt war. Siehe dazu Hoffmann, Ln.-, S. 417 und Anm. 22.
13 NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138, frame 2711. Derzeitige Unterstellung der Flum-
Einheiten; Stand vom 1.12.1943.
14 Hoffmann, Ln.-, S. 115f.



Fortsetzung siehe Teil 4...
 
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#4
Fortsetzung:
DIE ANFÄNGE DER LUFTRAUMÜBERWACHUNG IN DEN... Teil 4 von 5:

© Renato Schirer

Im Sommer 1943 zeigte es sich, dass die Feindeinflüge aus dem bisher vernachlässigten Süden und Südosten zu einer gefährlichen Bedrohung geworden waren. Nun musste man auch die Südsteiermark in den Flugmeldeeinsatz einbeziehen um die hier bestehende Lücke zu schließen.15

Dabei gab es erhebliche Probleme, da die Flugwachen in der Regel weit von den Zentren entfernt und im bandenverseuchten Gebiet lagen. Ähnliches galt damals für den gesamten Grenzraum im Süden und Südosten, sowohl im Bereich der Steiermark und in Kärnten, aber auch in Oberitalien. So musste das Luftgaukommando in Wien Ende August 1943 auf eine ständige ausreichende Bewaffnung der Soldaten dringen. Der Anlass dafür war, dass Partisanen am 12. August 1943 zwei Angehörige der Flugwache Hochobir gefangen genommen hatten.16

Zu Ende des Jahres 1942 musste man auch zur Kenntnis nehmen, dass die Briten das wichtigste und in großer Zahl beim

Flugmelde- und Jägerführungsdienst eingesetzte deutsche Radar, das „Freya-Gerät“, stören konnten.17
Spezielle Sender, sowohl vom Boden als auch vom Flugzeug aus einsetzbar, störten das Funkmessgerät, welches die Flugzeuge in einer Entfernung von bis zu 120 km erfassen konnte.

Man ergriff bald technische Maßnahmen gegen diese Störungen (Frequenzvariationen), doch die Nachrüstung der Freya-Geräte ging nur sehr schleppend vor sich und die zur Abwehr dieser Gefahr erforderliche Kraftanstrengung ging zu Lasten von Neufertigung und Entwicklung. Diese Erkenntnis, dass es dem Gegner überraschend gelungen war, die Funkmessgeräte teilweise lahmzulegen, war für das Gebiet der Ostmark besonders schmerzlich, da man gerade zu Anfang des Jahres 1943 mit dem Aufbau von „Freya-Igeln“, in den bisher noch nicht mittels Funkmesstechnik überwachten Gebieten des Reiches, begonnen hatte.

Beim Freya-Igel handelte es sich um einen Vorläufer eines Rundumsichtgerätes, mit einem Überwachungsbereich von 360 Grad. Dies wurde mit Hilfe von drei in Dreiecksform angeordneter Freya-Geräte und mit einer entsprechenden Zusatzausrüstung erreicht, welche in einer gemeinsamen Stellung untergebracht waren. Diese „Freya-Igel“ waren als Ersatz für die noch nicht vorhandenen Rundumsuchgeräte, vom Typ Jagdschloss, gedacht und sollten in Kombination mit dem Funkmessgerät Würzburg-Riese ein solches Panoramagerät ersetzen.18

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Die in erster Linie verwendeten RADAR-Geräte. Das Funkmessgerät Freya in der Ausführung Flum 42, jedoch ohne Zusatzantenne (IFF) für die Freund- Feinderkennung, war das Standardgerät des Flugmeldedienstes. Das Funkmessgerät „Würzburg-Riese“ war am häufigsten anzutreffen (Abbildungen US-Army).


Geplant war, nach dem Abschluss des Ausbaues im Reichsgebiet, in einer weiteren Ausbauphase auch die dem Reich vor gelagerten Zonen mit Funkmessstellungen abdecken. Sowohl auf der Apennin-, als auch auf der Balkanhalbinsel sollten solche Funkmessstellungen errichtet werden, welche das Vorfeld sicherten. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen, denn die vom Gegner erzwungenen ständigen Änderungen in der Organisation und die sich rapide verschlechternde Kriegslage verhinderten eine solche langfristige Planung.

Nach der in den Jahren 1943 und 1944 erfolgten Übernahme der Luftraumüberwachung durch die Jägerführung waren nur mehr der Truppenflugmeldedienst der Flakartillerie und der Luftschutzwarndienst außerhalb der
Luftnachrichtentruppe verblieben.19
Dieser umfasste die der Funkmessgeräte der Flak, die sich in der Masse aus den Feuerleitgeräten des Typs Würzburg und aus einigen wenigen Freya-Geräten und Würzburg-Riesen zusammensetzten. Zum Truppenflugmeldedienst gehörten aber auch die von den Flak-Verbänden eingesetzten Luftspähposten, die auch mit optischen Hilfsmitteln ausgestattet waren. Funkmessgeräte des Typs Freya und Würzburg-Riesen gab es bei der Flak nur in ganz geringer Stückzahl und kamen im Bereich der Ostmark erst in den Jahren 1944/45 zum Einsatz.

Erst die Aufstellung von Flakbrigaden und Flakdivisionen, zur Koordination der Luftverteidigung in den Schwergewichtsräumen, führte auch zum Einsatz von Funkmessgeräten mit größerer Reichweite.

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Die genormte Unterkunfts-Baracke für den Flugmeldedienst (US-Army).


Waren es am Anfang vor allem Freya-Geräte gewesen, mit deren Hilfe man die Vorwarnzeiten zu vergrößern suchte, so kamen in den letzten Monaten des Krieges auch immer mehr zusätzliche Würzburg-Riesen in Verwendung, die vor allem zur Höhenmessung dienten aber auch zur Zielzuweisung verwendet wurden.

Das nachrichtentechnische Rückgrat für das Flugmeldewesen bildete das bei Kriegsbeginn geschaltete, ortsfeste und drahtgebundene „Waldemar-Netz“, welches ausschließlich dem Flugmeldedienst vorbehalten war. Das Grundnetz wurde dann während des Krieges durch zahlreiche Richtfunkverbindungen (R.V.) ergänzt und überlagert. Für diese Aufgabe stand im Bereich des Luftwaffenbefehlshabers Mitte und der späteren Luftflotte Reich die ortsfeste Ln.-Richtverbindungs-Betriebsabteilung 11 zur Verfügung. Die von dieser Abteilung im südöstlichen Reichsgebiet vorhandenen und zur Erstellung des Luftlagebildes unverzichtbaren Richtfunkstrecken wurden alle vom 13. Ln.-R.V.-Betriebszug betrieben und betreut.20

Der Luftschutzwarndienst war zum Zeitpunkt der Annexion Österreichs der Flakartillerie unterstellt, hatte aber noch den zivilen Status, den er seit seiner Gründung hatte, beibehalten.

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Der Luftschutz-Warndienst bei Kriegsbeginn (nach Erich Hampe, Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg).

Doch schon am 1. Mai 1938 wurde der Luftschutzwarndienst, unter der Beibehaltung seines zivilen Charakters, der Luftnachrichtentruppe zugeordnet und unterstand der neugebildeten „Inspektion des zivilen Luftschutzes“ im Luftfahrtministerium. Diese Organisationsform, der Flugmeldedienst als Teil der Luftnachrichtentruppe und der Luftschutzwarndienst mit dem „Makel“ einer zivilen Organisation behaftet, zeigte sich in vielen Fällen als problematisch. Der Warndienst war nicht nur in der schwächeren Position, sondern war auch völlig auf den Flugmeldedienst angewiesen, der für
die Erstellung des Luftlagebildes verantwortlich war.21

Der Warndienst selbst gliederte sich in die LS-Warnzentrale an die eine oder mehrere LS-Warnvermittlungen angeschlossen waren und den örtlichen LS-Warndienst. Dazu gehörten neben den örtlichen LS-Befehlsstellen auch die sonstigen
behördliche Warnstellen sowie die Warnstellen des Werksluftschutzes. Das Warngebiet sollte im Normalfall, von der Warnzentrale aus gerechnet, einen Radius von 40 km nicht überschreiten.

In Wien wurde am 1. September 1938 die „LS-Warnzentrale Wien“ in Betrieb genommen, welche in der Inneren Stadt, in den Kellern des Hauses Kärtnerstraße 12, splitter- und trümmersicher
ausgebaut sowie gegen Gaseintritt geschützt, untergebracht war.22
Die getarnte Postanschrift der Warnzentrale lautete: „Dienststelle Oskar Mattula, Wien Innere Stadt, Postamt 8 Fach 53". 23


15 BArch, RL 19/575. OKL, Chef NVW, Az. 11 g. 11 Nr. 1568/43 gKdos., Abt. 4/IV a.v. 1.7.43, Betr.: Flugmeldeeinsatz Südsteiermark.
16 BArch, RL19/575. LGK XVII Fü Ia op 1 Az.: 16 d. Nr. 1012/43 geh., vom 20.8.1943, Betr.: Bewaffnung der
Soldaten im Bandengebiet.

17 Die genaue Gerätebezeichnung lautete Freya LZ Flum 42 (LZ stand für „Lufttransport-Zerlegbar“ und „Flum“ für den Einsatz für Flugmeldezwecke).
18 Bis Ende Februar 1944 war noch keine einzige Anlage „Jagdschloss“ ausgeliefert. Ende 1944 gab es nach der
Monatsmeldung 61 Anlagen (NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library MF T901, roll 1138. OKL.Gen.Qu. - 6.Abt.
- Nr. 443/45 gKdos. Chefsache, vom 31.3.1945, Betr. Funkmessgerätelage).
19 Der Luftschutz-Warndienst (LSWD) unterstand dem „Chef des Luftschutzes“ im Oberkommando der Luftwaffe,
während der „Eisenbahn-Flugwarndienst“ zum Reichsverkehrsministerium gehörte.
20 NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138, Gliederung der R.V. Organisation im Reichsgebiet, Stand vom 30.11.1944.
21 Erich Hampe, Der Zivile Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, Frankfurt a. M. 1963, S. 59—61 u. 298—319.
22 In den Orten mit Flugwachkommandos waren beide Kommandos gemeinsam untergebracht.
23 Oberzugführer Oskar Mattula war der Führer der LS-Warnzentrale Wien.



Fortsetzung siehe Teil 5...
 
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#5
Fortsetzung und Schluss:
DIE ANFÄNGE DER LUFTRAUMÜBERWACHUNG IN DEN... Teil 5 von 5:

© Renato Schirer

Schon bald nach dem Anschluss hatte das Reichsluftfahrtministerium auch die Planung und Errichtung von Großalarmanlagen für die Städte Wien, St. Pölten, Wiener Neustadt, Linz und Steyr veranlasst.24
Der Auftrag für die Errichtung der Anlage für Wien, mit zentraler Steuerung der in allen Stadtgebieten angebrachten elektrischen Alarmsirenen, ging an die Firma Siemens Apparate und Maschinen in Berlin. Die Auftragserteilung, Bauüberwachung sowie die Abnahme der Sirenen und Steuergeräte wurde nicht von der Luftwaffe selbst durchgeführt. Für das Gebiet der Ostmark wurde damit, die dem Heer unterstehende Abteilung Wa J Rü 7 (Nachrichtengerät) des
Heereswaffenamtes, betraut.25
Die Abrechnung der dafür aufgewendeten beträchtlichen Geldmittel, die aus sogenannten Mob.-Mitteln der Luftwaffe bereitgestellt wurden, erfolgte durch den Polizeipräsidenten, bzw. durch das ihm unterstehende Kommando der Schutzpolizei in Wien. In den folgenden Jahren wurde die Großalarmanlage noch weiter ausgebaut, sodass bei Kriegsende
man in Wien über die beachtliche Zahl von 376 Sirenen verfügte.26

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Das Warnstellennetz in Wien mit den Warngruppen (LS-Warnnetzen) Mitte, Ost, Süd und West
(Archiv der Bundespolizeidirektion Wien).



Im April 1939 gab es in der Ostmark bereits 13 Luftschutzwarnzentralen, nämlich
- Wien XVII/1 (We),
- Wiener Neustadt XVII/2 (Wen),
- St. Pölten XVII/4 (Pö),
- Bruck an der Mur XVII/5 (Bru),
- Graz XVII/7 (Grz),
- Judenburg XVII/8 (Jdb),
- Linz XVII/9 (Li),
- Steyr XVII/10 (Sty),
- Wels XVII/11 (Wls),
- Salzburg XVII/12 (Sal),
- Klagenfurt XVII/13 (Klf),
- Villach XVII/14 (Vil) und
- Innsbruck XVII/15 (Ins),
wobei anzumerken wäre, dass Judenburg und Wels damals nur LS-Orte zweiter Ordnung waren.27
Zu jeder dieser Warnzentralen kamen dann noch mehrere Vermittlungsstellen für den Luftschutzwarndienst, die in den umliegenden größeren Orten einzurichten waren.28
Mit der Mobilisierung war auch der Zeitpunkt zur Schaltung des Waldemar-Netzes, welches exklusiv für den LS-Warndienste vorgesehen war, gekommen.

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Deckblatt (Seite 1) des bei allen Warnstellen aufliegenden Verzeichnisses zur Konvertierung der
Ortsangaben in die entsprechenden Planquadrate der LS-Warnkarte.


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Flugmeldekarte des Luftgaues XVII (Ausschnitt), mit den Ortsbezeichnungen, welche jeweils für das Meldegebiet (Rechteck) standen. Den Warnstellen wurden vom Warnkommando nur die Ortsbezeichnungen der jeweils vom Einflugbetroffenen Meldegebiete durchgegeben.


Im August 1943 waren die folgenden Vermittlungsstellen, für die gleichnamigen Warngruppen, den LS-Warnzentralen unterstellt:
- LS-Warnzentrale Bruck an der Mur: Bruck, Judenburg, Eisenerz, Murau, Liezen;
- LS-Warnzentrale Graz: Graz, Fürstenfeld, Marburg, Cilli;
- LS-Warnzentrale Linz: Linz, Wels, Krumau, Schärding, Gmunden;
- LS-Warnzentrale Salzburg: Salzburg, Tamsweg, Bad Gastein, Lend;
- LS-Warnzentrale St. Pölten: St. Pölten, Amstetten, Göpfritz, Lilienfeld;
- LS-Warnzentrale Steyr: Steyr, Waidhofen a.d. Ybbs;
- LS-Warnzentrale Wien: Wien, Baden, Bruck an der Leitha, Lundenburg, Znaim, Tulln;
- LS-Warnzentrale Wiener Neustadt: Wiener Neustadt, Neunkirchen.29

Noch im selben Monat wurde die LS-Warnabteilung XVII in Wien aufgestellt und dieser die zwölf damals vorhandenen LS-Warnzentralen, die man nun als LS-Warnkommandos bezeichnete, unterstellt.30
Die Warnkommandos XVII/8 Judenburg und XVII/11 ]Wels hatte man mittlerweile aufgelassen und durch Vermittlungsstellen ersetzt, die von Bruck an der Mur und von Linz die Warnbefehle erhielten.

Da der Reichsgau Tirol seit 1. Mai 1939 zum Luftgau VII München gehörte, wechselte auch die dortige LS-Warnzentrale in Innsbruck zum Luftgau VII. Im ersten Kriegsjahr war es wegen unzulänglicher Meldungen des Flugmeldedienstes vor allem im westlichen Reichsgebiet zu zahlreichen Fehlalarmen gekommen. Diese wurden zumeist den Führern der jeweiligen LS-Warnzentrale angelastet, was dazu führte, dass am 20. Mai 1940 der Befehl erging, dass in den von der Flakartillerie geschützten Gebieten die Entscheidung zur Alarmierung nun den örtlichen Flakführern zukam. 31

Diese Regelung traf damals in der Ostmark auf die Orte Wien, Wiener Neustadt, Linz, Wels, Steyr sowie Donawitz und Kapfenberg zu. 32
Später kam dann noch Salzburg dazu, wo auf Wunsch Hitlers ebenfalls ständig eine schwere Batterie eingesetzt war.


24 WStLA. BD Zl.: IV/5.439/39, vom 20.11.1939. Angeordnet mit Erlass des RdLuObdL, Zl.: 4 f Nr.10.900/38, vom 11.5.1938, Betr.: Ausbau von Großalarmanlagen in den LS-Orten: Wien, St. Pölten, Wiener Neustadt, Linz und Steyr.
25 WStLA. BD Zl.: IV/5.439/39, vom 20.11.1939. Hier als Beilage: Oberkommando des Heeres - der Befehlshaber des Ersatzheeres, A. Nr. 7/VI-222-55 20/39 Wa J Rü / VIc 3, vom 14.9.1939, Betr.: Überprüfung der Abrechnung der Großalarmanlage in Wien.
26 AdR; Gruppe 07, Heeresamt. Karton 19. Gz.: 48-4/1, Zl.: 19.089-Abt.II/45, vom 2.10.1945, Betr.: Warnanlage Wien.
27 Man beachte die Unterschiedlichen Kennungen bei den Flugwachkommandos und den LS-Warnzentralen (vgl. dazu Abb. 3).
28 NARA, MF T-321 roll 10. RdLuObdL, Generalquartiermeister, Generalstab/2. Abteilung, Az. 4110 Nr. 670/39 geh. (III E), vom 27.2.1939, Betr.: Bes. Anlage 10, Mob. Plan (L). Im Reich gab es mehr als 100 LS-Warnzentralen, wogegen die Zahl der Flugwachkommandos bei etwa 60 lag.
29 BArch RL 19/575, Bl. 241. LGK XVII, Führungsgruppe Ia op 3, Az. 41a12 Br.B.Nr. 8922/43 (10), vom 18.8.1943. Es ist hier nicht von der Vollständigkeit der aufgelisteten Warngruppen auszugehen, denn erfasst wurden nur die Warngruppen für die auch schriftliche Belege vorlagen.
30 BArch RL 19/575, Bl. 253. LGK XVII, Qu./Ib Fl, Nr. 44510/43 gKdos. (2. Ang.), Az. 13n22/14, vom 24.8.1943.
31 Hampe, S. 305. Zu den LS-Warnkommandos in der Ostmark kamen dann noch jene im Protektorat Böhmen und Mähren: Brünn, Budweis, Mährisch-Ostrau und Olmütz.
32 ÖStA, KA B-521:26. Gliederung der Luftverteidigungskräfte im Luftgau XVII, Stand 30.9.1940
 
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#8
DAS LUFTGAU-NACHRICHTENREGIMENT 17


Teil 1 von 2

© Renato Schirer, nachfolgende Beiträge sind ab 2016 als Fortsetzungs-Artikeln in verschiedenen Ausgaben der öfh-Nachrichten erschienen:

Den Luftgau-Nachrichtenregimentern kam eine zweifache Aufgabe zu. Einerseits waren unter dem Regimentsstab in einer Abteilung die in Kompanien zusammengefassten
Luftbeobachter und Flugmelder organisiert, andererseits hatte eine weitere Abteilung die erforderliche Fernmeldeinfrastruktur für die Luftraumüberwachung zu errichten und sicherzustellen. Unmittelbar nach der Annexion der Republik Österreich durch das Deutsche Reich hatte man das Luftgau-Nachrichtenregiment 17 am 1. Juli 1938 in Wien, vorerst nur mit einer Abteilung, aufgestellt.

Schon vorher war es in Wien-Klosterneuburg, am 1. April 1938, zur Bildung der Luftgau-Nachrichtenabteilung 17 gekommen, die man aus dem österreichischen Telegrafenbataillon Nr. 1 gebildet hatte. Im Rahmen der Reorganisation der Luftnachrichtentruppe wurde diese Abteilung dann am 1. Juli auf I./Lg. Nachr. Rgt. 17 umbenannt.
33
Zur I./17 gehörten damals drei Kompanien.

Zwei davon, die 1. Luftgau-Nachrichtenkompanie und die 6. Luftgau-Nachrichten-Ersatzkompanie, waren in Wien in der Franz-Ferdinand-Kaserne stationiert. Und die 4. Flugmeldekompanie war in Klosterneuburg untergebracht
.34
Eine II. Abteilung für das Luftgau Nachrichtenregiment sollte erst später, bei Bedarf, zur Aufstellung kommen.35

Als im Sommer 1938 ein Konflikt mit der Tschechoslowakei in den Bereich des Möglichen rückte, wurden die Vorbereitungen für eine rasche Aufstellung von Flugmelde- Reservekompanien forciert. Bis zum Frühjahr 1939 waren dem Regiment bereits sechs Flugmelde-Reserve-Kompanien unterstellt, die man unter dem Stab der I. Abteilung des Luftgau-Nachrichtenregiments 17 zusammengefasst hatte.

Die I./17 war dadurch zur Flugmeldeabteilung, mit den Flugmelde-Reserve-Kompanien in
- Wien (7./17 ab 1.9.1938),
- Amstetten (12./17 ab 1.9.1938),
- Lend (13./17 ab 1.1.1939),
- Vöcklabruck (14./17 ab 1.9.1938),
- Bruck an der Mur (15./17 erst ab dem 1.11.1938) und
- Innsbruck (16./17 ab 1.1.1939), geworden.

Die bisher der I./17 unterstellt gewesenen Kompanien 4./17 und 6./17 waren nun dem Regimentsstab direkt unterstellt und die Flugmelde-Ergänzungskompanie 6./17, mittlerweile nach Klosterneuburg verlegt, hatte ihre Bezeichnung auf 8./17 geändert.
36

Ab dem 1. Mai 1939 wurde der Einsatz der in Innsbruck stationierten Flum.Res.Kp. 16./17 von München aus geleitet und kurze Zeit danach schied die Kompanie endgültig aus dem Verband des Luftgau-Nachrichtenregiments 17 aus.37

Noch vor Kriegsbeginn war es bei den in der Ostmark stationierten Flum.Res. Kompanien zu einer Welle von Umbenennungen gekommen. Die neuen Bezeichnungen der Flum.Res, Kompanien lauteten nun:
- Wien 8./17,
- Amstetten 9./17,
- Vöklabruck 10./17,
- Bruck an der Mur 11./17 und
- Lend 12./17.

Für die Ersatzgestellung und Ausbildung des Personals war die Flugmelde-Ergänzungskompanie in Klosterneuburg zuständig, welche mittlerweile wieder ihre alte Bezeichnung 6./17 trug.
38

Am 26. August 1939, als die Aktivierung des Flugmeldedienstes erfolgte, wären, entsprechend den Planungen auch in Judenburg und Graz Fluko einzurichten gewesen. Da man jedoch darauf verzichtete, konnte auch die Aufstellung der für den Betrieb dieser Fluko vorgesehenen Flum.Res.Kpn. 13./17 und 14./17 unterbleiben.

Gleiches galt auch für die im Protektorat vorgesehenen Fluko in Prag, Pilsen und Brünn, auf deren Aktivierung man vorerst ebenfalls verzichtete. Mit Kriegsbeginn kam auch der zweite Abteilungsstab und die noch fehlenden Betriebs- und Baukompanien zur Aufstellung.

Der I. (Betriebs-) Abteilung waren nun die Betriebskompanien 1./17, 2./17 und 3./17, sowie die Baukompanien 4./17 und 5./17 unterstellt und zur II. (Flugmelde-) Abteilung gehörten nun die Flugmeldekompanien 7./17 (mot.), sowie 8. Bis 12./17 und 14./17 (Reserve).
39

Zusätzlich war noch eine III. Abteilung, als Luftnachrichten- Ersatzabteilung, entstanden. Die Aufstellung einer eigenen Ln.-Ersatzabteilung war eine Folge des mit der Mobilmachung enorm gestiegenen Personalbedarfs für die Flugmeldeorganisation.

Nach der Beendigung des Polenfeldzuges wurde im Dezember 1939 das Fluko in Lend stillgelegt und die Flum.Res.Kp. 12./17 aufgelöst. Als es sich zeigte dass der leichtfertig begonnene Krieg mit dem Sieg über Polen nicht beendet werden konnte, musste man daran
gehen auch das Protektorat Böhmen und Mähren in die Luftraumüberwachung einzubeziehen. So wurde, parallel zur Stilllegung des Fluko Lend das Fluko Prag in Betrieb genommen, wofür die Flum.Res.Kp. 14./17 aufgestellt wurde. Das Fluko in Prag und die dazugehörige Kompanie wurden allerdings bereits Ende Juni 1940 wieder deaktiviert. Im Mai 1940 war es in Judenburg zur Inbetriebnahme eines Fluko gekommen, damit verbunden war die Aufstellung der Flum.Res.Kp. 13./17.

Mit Beginn der Feldzuges gegen Frankreich wurde der Stab der Betriebsabteilung und mit ihm auch alle Baukompanien des Regiments aus dem Luftgau abgezogen. Damit waren am Standort Wien, abgesehen von der Flugmeldeabteilung, nur mehr die drei Betriebskompanien verblieben.
40

So bot sich im September 1940, ein Jahr nach Kriegsbeginn, folgendes Bild: Der Regimentsstab lag mit den drei Betriebskompanien im Barackenlager Auhof. In dem in Hütteldorf gelegenen Lager war auch der Stab der II. (Flugmelde-) Abteilung untergekommen. Letztere übersiedelte dann bald, wegen der im Lager Auhof herrschenden Enge, nach Bad Vöslau, wo er auf dem fast leer stehenden Fliegerhorst Aufnahme fand.


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Das sogenannte Luftwaffenlager in Wien Auhof, Aufnahme vom Oktober 1938


Der II./17 waren damals neun Flugmelde- Reservekompanien, nämlich die
8./17 in Wien,
9./17 in Amstetten,
10./17 in Vöklabruck,
11./17 in Bruck an der Mur,
13./17 in Judenburg,
14./17 in Prag,
15./17 in Pilsen,1
16./17 in Brünn und+
21./17 in Budweis.
Die III. (Ersatz-) Abteilung war in Wien-Meidling untergebracht, wo sich auch ein fünfter Abteilungsstab für das Regiment in Aufstellung befand.

Der Stab V./17 war für den Einsatz im bulgarischen- und rumänischen Grenzgebiet vorgesehen, wo eine Flugmeldeabteilung den Aufmarsch der deutschen „Lehrtruppen“, für einen Angriff auf Griechenland, absichern sollte. Der Stab V./17 verlegte am 29. November 1940 unter Mitnahme der Flugmeldekompanie 7./17 (mot.) in den Einsatzraum Giurgiu, wo sich bereits die
Flum.Kp. 6/17 (mot.) befand.
41

Nach dem Ende der Kampfhandlungen am Balkan blieb der Abteilungsstab, zusammen mit der Flugmeldekompanie 7./17 (mot.), in Rumänien.42

Im Zusammenhang mit dem unmittelbar bevorstehenden Balkanfeldzug wurden Anfang April 1941 die Fluko Lend (Flum.Res.Kp. 12./17) und Prag (Flum.Res.Kp. 14./17) neuerlich in Betrieb genommen. Kurze Zeit später ging das Fluko in Pilsen (Flum.Res.Kp. 15./17) in Betrieb und unmittelbar danach meldete auch das Fluko in Brünn (Flum.Res.Kp. 16./17) seine Einsatzbereitschaft.

Im September 1940 konnte dann der Ausbau im Protektorat Böhmen und Mähren, mit der Inbetriebnahme des Fluko in Budweis (Flum.Res.Kp. 21./17), abgeschlossen werden. Die beiden in Mähren stationierten Kompanien wurden dann im Winter 1942/43 umbenannt, ohne das es zu einer Änderung in Bezug auf die Organisation und den Einsatz gekommen wäre.43

Aus der in Brünn stationierten Flum.Res.Kp. 16./17 war nun die 33./17, und aus der in Budweis beheimateten 21./17 die 31./17, geworden.


29 BArch RL 19/575, Bl. 241. LGK XVII, Führungsgruppe Ia op 3, Az. 41a12 Br.B.Nr. 8922/43 (10), vom 18.8.1943. Es ist hier nicht von der Vollständigkeit der aufgelisteten Warngruppen auszugehen, denn erfasst wurden nur die Warngruppen für die auch schriftliche Belege vorlagen.
30 BArch RL 19/575, Bl. 253. LGK XVII, Qu./Ib Fl, Nr. 44510/43 gKdos. (2. Ang.), Az. 13n22/14, vom 4.8.1943.
31 Hampe, S. 305. Zu den LS-Warnkommandos in der Ostmark kamen dann noch jene im Protektorat Böhmen und Mähren: Brünn, Budweis, Mährisch-Ostrau und Olmütz.
32 ÖStA, KA B-521:26. Gliederung der Luftverteidigungskräfte im Luftgau XVII, Stand 30.9.1940.
33 Kommandeur der Luftgau-Nachr.- Abt. 17 war Major Schleich. Näheres bei Hoffman, Karl Otto, Ln-, Die Geschichte der Luftnachrichtentruppe, Band I: Die Anfänge – von 1935 -1939, Neckargemünd 1965, S. 242.
34 Ebd.
35 Ebd. und Tessin, Verbände und Truppen.
36 ÖStA/AdR, DWM/Karton 55. Wehrersatzinspektion Graz, Gruppe L Nr. 119/39 g., Az.: 36 g 20, vom 17.3.1939, Betr.: Sicherstellung des Flugmeldepersonals.

37 Aus der 16./17 wurde später die 10./7.
38 ÖStA/KA. Abw. St. Kolu, LGK. XVII Ic / Pr. Wb., Br.B.Nr. 13016/40 (Ic) g. Kdos., vom 11.1.1940, Betr.: Verschlusssachen-Vorschrift.
39 Vgl. dazu auch: Tessin, Verbände und Truppen. Die Flum.Res.Kp. 14./17 war ursprünglich für das nicht zur Aufstellung gekommene Fluko Graz vorgesehen und wurde dann in die Flugmeldekompanie (mot.) 6./17 umgewandelt.
40 Die Baukompanien 4. und 5./17 und die eben erst aufgestellte 21./17 kamen bei den Ln-Regimenter 10, 11 und 14 zum Einsatz.
41 ÖStA/KA. Abw. St. Kolu., LGK. XVII Qu./I b Fl., Nr. 28000/40, g. Kdos., Az. 13 n 22/14, vom 20.9.1940, Betr.: Verteiler, Stand 15.9.1940 und ÖStA/KA, NL, B521, Mappe 26, Beilage zum KTB. Lfl. Kdo. 4, Abt. Ia. op. 2, Stand vom 30.9.1940, Betr.: Einsatz der Luftverteidigung. Zum Einsatz der V./17 auch ÖStA/KA, NL B521 Mappe 26, Lfl. Kdo. 4, KTB. vom 29.10 1940 bis 27.03.1941.
42 Diese Kompanie hatte man zu Kriegsbeginn als Flugmelde- Reservekompanie 14./17 aufgestellt, wurde dann eine motorisierte Flugmeldekompanie und auf 7./17 umbenannt. Nach dem Ende des Balkanfeldzuges errichtete sie eine Flugmeldezentrale bei Constanza, zu deren Aufgabe die Überwachung des Luftraumes über dem Schwarzen Meer gehörte. In Winter 1942/43 änderte die Kompanie neuerlich ihre Bezeichnung und wurde nun zur 21./17. Diese Änderung war erst möglich geworden, nachdem man die bisherige Flum.Res.Kp. 21./17 (Fluko Budweis) auf 31./17 umbenannt hatte.

43 Der Grund dafür war die in Rumänien eingesetzte V./ (Luftgau- Nachrichtenabteilung) 17, der man die Nummern 21 bis 24 zugeteilt hatte.



Fortsetzung siehe Teil 2...
 
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#9
Fortsetzung:
DAS LUFTGAU-NACHRICHTENREGIMENT 17 - Teil 2 von 2

© Renato Schirer


Auch im zweiten Kriegsjahr expandierte der Flugmeldebereich kräftig und das Luftgau Nachrichtenregiment wuchs weiter. Denn mittlerweile hatte man auch den Stab der Betriebsabteilung I./17 wieder aufgestellt. Der am Balkan eingesetzte Stab V./17, der nun mit den motorisierten Flugmelde-Kompanien 21./17 bis 24/17 eine Flugmeldeabteilung bildete, wurde dem „Jagdabschnittsführer Rumänien“ unterstellt.44
Damit schied die in Ostrumänien, beiderseits der Donaumündung, eingesetzte Abteilung real aus dem Regimentsverband aus, blieb aber organisatorisch und der Bezeichnung nach weiterhin im Verband des Luftgau Nachrichtenregiments

XVII.45. Dafür waren die IV. (Luftgau-Nachrichtenabteilung-) z.b.V./17 und die VI. (Flugmeldeabteilung-)/17 echte Neuaufstellungen.46


Ein Dokument von Anfang März 1942 weist für das Luftgau-Nachrichtenregiment 17, ohne Berücksichtigung der bereits im Vorjahr auf den Balkan verlegten V./17, bereits fünf Abteilungen aus.47


Der Umfang des Regiments reduzierte sich allerdings rasch, als im März 1942 die VI. (Flum.-) Abteilung nach dem Osten verlegte und zur II./Luftgau- Nachrichtenregiment Moskau wurde. Am 2. März 1942 waren die Kommandeursstellen wie folgt besetzt: Regimentskommandeur war Oberstleutnant Richard Kröhl, die I. (Betriebs-) Abteilung führte Oberstleutnant Siegfried Pfohl und die II. (Flum.-) Abteilung Major Paul Lücke. Der Chef der III. (Ersatz-) Abteilung war Major Hugo

Staudemeyer. Die IV./ (Luftgau- Nachr. Abteilung z.b.V.) 17 führte Oberstleutnant Alexander Zimmermann und die VI./ (Flum.-) 17 Hauptmann Heinrich Wolf.48


Diese große Zahl von Abteilungen, die dem Regiment unterstellt waren, hatte nur kurzen Bestand. Die riesigen Verluste


der Wehrmacht in der Winterschlacht vor Moskau machten auch bei der Luftwaffe eine Straffung ihrer aufgeblähten Organisation erforderlich.

Diese Strukturbereinigung ging auch am Luftgau- Nachrichtenregiment 17 nicht spurlos vorbei und so bestand das Regiment drei Monate später nur mehr aus der I. (Betriebs-) Abteilung in Wien und der II. (Flum.-) Abteilung in Vöslau. Hier, bei der II. (Flum) Abteilung war es Ende 1942 nochmals zur Aufstellung einer Flugmelde-Reservekompanie gekommen. Die Flum.Res.Kp. 32./17 hatte man für den Betrieb des in Marburg an der Drau neu eingerichteten Fluko vorgesehen und war auch die letzte Kompanie dieser Art.

Auch im Bereich der Ersatzluftwaffe kam es nun zu größeren Veränderungen. So wurde die III. (Ersatz-) Abteilung, die bereits vor einiger Zeit aus Wien abgezogen und nach Kremsier (Kromeric) verlegt wurde, dem Ln-Ausbildungsregiment 3


(Augsburg) unterstellt. Damit verbunden war eine neuerliche Verlegung, nun von Kremsier nach Pilsen.49


Da sich die neue Organisationsform aber nicht bewährte, kam es 1943 neuerlich, im Rahmen des Luftgau- Nachrichtenregiments 17, zur Aufstellung einer III. (Ersatz-) Abteilung.

Einige Zeit danach kam in Wien-Großenzersdorf noch eine IV. Abteilung dazu, die ausschließlich für die Ausbildung der Luftnachrichtenhelferinnen zuständig war.

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Der Fliegerhorst Vöslau mit seinen ausgedehnten Kasernenbauten, wo die II. (Flum.-) Abteilungund und die 5. Telegrafenbaukompanie des Luftgau-Nachrichtenregiments untergebracht war (NARA RG-234, US-Air Force).


Als es im Herbst 1942 zur Errichtung von zwei Funkmessstellungen im Luftgau XVII kam, wurden diese den nächstgelegenen Flum. Reservekompanien zugeordnet und an das dazugehörige Fluko angeschlossen. So zeigte sich im Sommer 1943 folgendes Bild:
In der Ostmark gab es die
- Flugmelde- Reservekompanien 8./17 in Wien mit dem Fluko Wien und
- 9./17 in Amstetten,
- 10./17 in Vöcklabruck,
- 11./17 in Bruck an der Mur,
- 12./17 in Lend und
- 13./17 in Judenburg,
jeweils mit dem gleichnamigen Flugmeldekommando.
Neu hinzugekommen war die 32./17, im annektierten Gebiet der Untersteiermark, mit dem Fluko in Marburg an der Drau (Maribor).
Im Protektorat gab es weitere vier Flugmelde- Reservekompanien, die
- 14./17 in Prag,
- 15./17 in Pilsen,
- 31./17 in Budweis und
- 33./17 in Brünn, jeweils mit dem gleichnamigen Fluko.50


Das Regimentskommando war mittlerweile in die Luftnachrichten-Kaserne in Wien-Mauer übersiedelt, wo nun auch der Stab der I. (Betriebs-) Abteilung und die 2. (Funk-) Kompanie untergebracht waren. Die 3. (Fernsprech und Fernschreib-) Betriebskompanie, die für den Betrieb des Gefechtsstandes des Luftgaukommandos in Wien und der dort eingerichteten „Kleinen Luftmelde-Sammelstelle“ zuständig war. Diese war auf mehrere Objekte in Bereich der Inneren Stadt verteilt.

Geteilt war auch die 5. Telegrafenbaukompanie, deren Kommando in Wien-Rodaun lag. Die Kompanie selbst war am
Fliegerhorst Vöslau-Kottingbrunn untergebracht, wo auch die II. (Flum.-) Abteilung ihr Quartier hatte. Mit dieser Gliederung ging das Regiment auch ins Jahr 1944.

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Die Standortwahl erwies sich für die Flugmeldeabteilung als fatal. Der Fliegerhorst war am 24.April 1944 das Ziel eines schweren Luftangriffs (NARA RG-234 US-Air Force).


Obwohl der grundsätzliche Befehl Görings zur Eingliederung des Flugmeldedienstes in die als effizienter erachteten Strukturen der Jägerführung bereits am 2. November 1943 ergangen war, unterblieb vorerst, wegen der damit verbundenen zahlreichen ungelösten Probleme, die Umsetzung.

Erst einige weitere schwere Pannen, die man dem Flugmeldedienst anlastete, führten am 28. Februar 1944 zu einem neuerlichen „Reichsmarschallbefehl“, welcher den gesamten Flugmeldedienst im Reichsgebiet mit sofortiger Wirkung der Jägerführung unterstellte. Als eine erste Maßnahme unterstellte man die zum Luftgaukommando gehörende II. (Flugmelde-) Abteilung des Luftgau Nachrichtenregiments 17 einsatzmäßig dem Jagdführer Ostmark. Dieser Kompromiss
hatte bis zum Hochsommer 1944 bestand, da erst Anfang September der Beschluss für eine umfassende Neuorganisation des Flugmeldedienstes im Heimatkriegsgebiet fiel.

Ab September ging man daran die Flugmelde- Reservekompanien Zug um Zug aufzulösen, um mit dem freiwerdenden Personal die neu aufzustellenden Ln.-Regimenter 218, 228 und 238 aufzustellen. Das Luftgau-Nachrichtenregiment selbst, sollte zukünftig nur mehr aus einer Luftgau-Nachrichtenabteilung und einer Ausbildungsabteilung für Luftnachrichtenhelferinnen bestehen.51


Den Anfang machte man in Wien und in Bruck an der Mur, wo man die Reservekompanien 8./17 und 11./17 bis Ende September aufgelöst hatte. Gleichzeitig wurden die bisherigen Flugwachkommandos durch die Vermittler- und Verteilerzüge Wien und Bruck an der Mur ersetzt, die in den Stellungen „Molch“ und „Saatkrähe“ zum Einsatz kamen. Im folgenden Monat löste man den Stab der I. (Betr.)/17 auf und im November gliederte man den Stab der bisherigen Stab II. (Flum)/17 zu jenen der I. Abteilung des Ln.-Regiment 228 um.

Als die Heeresgruppe Süd im April 1944 die Krim räumen musste, war damit Rücknahme der Front hinter die alte rumänische Grenze von 1939 verbunden. Dies führte zwangsläufig zu einer Neuordnung der bisher schon in Rumänien eingesetzten Flugmeldekompanien.52


Besonders davon betroffen war die V. Abteilung des Luftgau- Nachrichtenregiment 17, welche nun in dem von der Luftflotte 4 auf dem Kommandoweg aufgestellten „Flugmelderegiment Ostrumänien“ unterstellt
wurde.53


Ob es dem Stab V./17 mit den Kompanien 23./17 und 24./17 gelungen war, sich beim Zusammenbruch der deutschen Südfront in Rumänien noch rechtzeitig abzusetzen, lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären.54

Tatsache ist, dass diese Einheiten in der Feldpostübersicht nicht gelöscht wurden und die V./17 mit den Kompanien 23. und 24./17, im Rahmen der Neuordnung im Luftgau XVII, nun die bereits im August vorgesehene Ausbildungsabteilung für
Luftwaffenhelferinnen bildeten.55


Die restlichen zwei der vier in Rumänien eingesetzt gewesenen Kompanien, die 21./17 und 22./17 die wohl beim Zusammenbruch der Heeresgruppe Süd in Rumänien untergegangen waren, wurden dann Anfang Dezember in der Feldpostübersicht gelöscht. Als die Reform in diesem Monat voll zum Tragen kam, wurde nun auch der Regimentsstab, sowie die Flum.- Reservekompanien 10./17 (Vöcklabruck), 13./17 (Judenburg), 14./17 (Prag), 15./17 (Pilsen) und 31./17 (Budweis) aufgelöst.

Zu den Einheiten die nur umbenannt und neu unterstellt wurden gehörten die Reservekompanie 9./17 in Amstetten mit der Funkmessstellung „Holzwurm“ und Flum.Res.Kp. 33./17 in Brünn mit der Stellung „Brummbär“. Während die Stellung „Holzwurm“ nun zur 10. Kompanie des Ln.-Rgt. 238 wurde, kam „Brummbär“ als 2. Kompanie zum Ln.-Rgt. 228.

Eine der wenigen Einheiten, welche die Reform in fast unveränderter Form überstand, war die 32./17 in Marburg an der Drau, die weiterhin als leichte Flugmeldekompanie bestehen blieb und als 23. Kompanie dem Ln.-Rgt. 238 zugeteilt wurde.

Ein Sonderfall war die im Pinzgau stationierte Flum.Res.Kp. 12./17, mit dem Fluko Lend, die zum Luftgau VII wechselte. Hier wurde sie als 22. leichte Flugmeldekompanie in die III. Abteilung des, zur 7. Jagddivision gehörenden, Ln.-Rgt. 227
eingegliedert. Am Ende der Umorganisation waren unter dem Stab der V./17 nur mehr die Kompanien 2./17, 3./17 und 5./17, sowie 23./17 und 24./17 übrig geblieben.56


Entsprechend den tatsächlichen Stärkeverhältnissen bezeichnete man den Verband nun als Luftgau-Nachrichtenabteilung 17. 1945 hatte man der Abteilung auch noch Teile der am Fliegerhorst Vöslau-Kottingbrunn liegenden Ln.- usbaukompanie (mot.) 1 unterstellt. Hier war auch der der 8.Jagddivision in Wien unterstellte Ln.-Ausbaustab 1 untergebracht, der in eine Draht-, Funk- und Funkmessgruppe gegliedert war. Zu dessen Aufgaben gehörte die Planung und Überwachung des technischen Ausbaus der ortsfesten Anlagen für den Flum-Dienst (Funkmessstellungen) und den Jägerführungsdienst (Y- und Egon-Stellungen). Weitere Aufgabengebiete des Ausbaustabes waren die Anlagen zur Funkmessbeobachtung und jene des Funkstördienstes. Zur Ausführung der Arbeiten stand dem Ln.-Ausbaustab 1 (Oberst Ing. Dr. Noack und Flieger-Oberstabsingenieur Renz) die Ln.-Ausbaukompanie 1 zur Verfügung.

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Das Barackenlager in Wien Auhof überstand die 52 Luftangriffe auf Wien ohne größere Schäden, was die alliierte Luftaufnahme vom Februar 1945 beweist (US-Air Force/AFHRA/RSA).


Der Schrumpfungsprozess der Luftgau- Nachrichtenabteilung 17 sollte jedoch noch weiter gehen, denn unmittelbar vor dem Herannahen der Front löste man auch den Abteilungsstab auf. Die Kompanien, 23./17 und 24./17, evakuierte man mit ihren Luftnachrichtenhelferinnen aus Wien und verlegte sie ins noch sichere Oberösterreich.57


In Wien blieben nur die Betriebs- und Baukompanien, 2., 3. und 5./17, zurück, wo sie bei den Kämpfen aufgerieben wurden, soweit sie sich nicht schon vorher aufgelöst hatten. So endete die Geschichte des Luftgau-Nachrichtenregiments 17 letztlich in Taufkirchen an der Trattnach, wo die 23. und 24. Kompanie von der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht ereilt wurden.


44 Die 22./17 hatte man im ersten Halbjahr 1943, durch Umbenennung der schweren Flugmeldekompanie z.b.V. 3, gebildet.
45 Die Abteilung baute hier Flugwachriegel an der Küste auf, um das Hinterland gegen überraschende Einflüge vom Schwarzen Meer her zu schützen.
46 Am 10.1.1942 verfügte das Lg. Nachr. Rgt. 17 bereits über 23. Kompanien, von denen damals nur die 2./17 nicht einsatzbereit war.
47 ÖStA/KA, Lfl. Kdo. 4, Beilage zum KTB., Fü. Ic., Br.B.Nr. 10496/42, vom 2.3.1942.
48 Ebd.
49 Nun als II./Ln- Ers. Rgt. 317 ?.

50 BArch. RL 19/575 Bl. 87. Nafü. LGK. XVII, Nafü./NVW./4 (Flum.), Az. 47 L 60 allg., Br.B.Nr. 28760/43 geh., vom 11.8.43. Die Stellenbesetzung im August 1943: II./17 Oberstleutnant Lücke, 8./17 Hptm. Haas, 9./17 Hptm. Ingrisch, 10./17 Hptm. Sturm, 11./17 Hptm. Unterberger, 12./17 Major Holejcha, 13./17 Hptm. Dr. Tiroch, 14./17 Hptm. Holub, 15./17 Hptm. Niedermüller, 31./17 Hptm. Suchomel, 32./17 Hptm. Nothaft und 33./17 Hptm. Nikolaschek.
51 NARA RG 243, USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138, frame 2692. Lfl. Kdo. Reich, Nr. 12250/44 g. Kdos., Betr.: Gliederung der Ln-Einheiten bei den Luftgaukommandos mit Stand 1.8.1944.
52 Im Mai 1944 war nur mehr die 21. und die 23./17 waren bei der V./17 verblieben, die in Ostrumänien, beiderseits der Donau führte. Die 22./17 war nun nach Nordbulgarien gekommen und der V./ Luftgau-Nachrichtenregiment 25 unterstellt. Und die 24./17 war im Mai noch in Südwestrumänien eingesetzt und wurde dann nach Ostungarn abgedrängt. Die 24./17 unterstand der II./Luftgau-Nachrichtenregiment 25.
53 Vergleiche dazu auch Hoffmann, Ln-, Band II/2, S.457f. und BArch, Luftflottenkommando 4, O. Qu./Ib – Höh. Nafü 1a, Nr. 15746/44 g. Kdos. vom 24.5.1944, Betr.: Neuorganisation des Flugmeldedienstes im Bereich Luftflotte 4 und Luftflottenkommando 4, O. Qu. / Ib – Höh. Nafü 1a, Nr. 15854/44 g. Kdos. vom 10.6.1944, Betr.: Kommandoweise Aufstellung.
54 In Wien hatte man beim Luftgaukommando eine Sammelstelle für die Luftwaffenangehörigen eingerichtet, denen es gelungen war, sich bis zu den nun in Ungarn und Serbien liegenden vordersten Linien durchzuschlagen. Nach Hoffmann, Ln-, Band II/1, S.183 f. betrugen allein die Verluste der Luftnachrichtentruppe beim Zusammenbruch in Rumänien mehr als 2.900 Mann.
55 Nach der Feldpostübersicht dürfte es sich nicht um eine Neuaufstellung gehandelt haben. Ein Indiz für eine noch rechtzeitig erfolgte Rückverlegung könnte die Verhängung der Todesstrafe über dem Kommandeur des Ln.- Regiment Ostrumänien, wegen eines von ihm vorzeitig erteilten Absetzbefehls, sein. Oberst Eberhard Hettler wurde dann am 19.Februar 1945 um 17.00 Uhr, in Wien auf der Militärschiessstätte in Kagran, erschossen.
56 Hoffmann, Ln-, Band II/2, S. 648 und Feldpostübersicht. Zur 3. Kompanie gehörten auch die achrichtengruppe des Gefechtsstandes und die Kleine Luftmelde-Sammelstelle des LGK. XVII. Unterstellt waren auch das Ln-
Verfügungslager 17 und die Luftgau-Bereichs-Werkstatt 1./XVII (o.), beide in Wien-Auhof, und die Luftgau-Bereichs-Werkstatt 3./XVII (o.) in Gratzen bei Gmünd.
57 Der Stab V./Luftgau-Nachr. Rgt. 17 wurde nach dem Fall von Wien am 14.4.1945 in der Feldpostübersicht gelöscht.
 
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#11
DER BEGINN DER ELEKTRONISCHEN ÜBERWACHUNG DES LUFTRAUMES

Teil 1 von 4


© Renato Schirer, nachfolgende Beiträge sind ab 2016 als Fortsetzungs-Artikeln in verschiedenen Ausgaben der öfh-Nachrichten erschienen:



Die vom Mittelmeerraum ausgehende Bedrohung des südlichen Reichsgebietes konnte zu Anfang des Jahres 1943 nicht mehr ignoriert werden. Als Antwort darauf wurde von dem für die Luftverteidigung des Reichsgebietes zuständigen Luftwaffenbefehlshaber Mitte im Februar 1943 die Kommandodienststelle eines „Jagdfliegerführer Süddeutschland“ aufgestellt, die ihren Gefechtsstand unweit von München auf dem Fliegerhorst Schleißheim einrichtete. Der Jagdfliegerführer, zu dessen Verantwortungsbereich auch die Ostmark sowie das Protektorat Böhmen und Mähren gehörten, war seinerseits dem XII. Fliegerkorps unterstellt.

Zum Zeitpunkt der Kommandoübernahme gab es in den zuletzt genannten Gebieten nur den auf Auge und Ohr beruhenden Flugmeldedienst, welcher im Luftgau- Nachrichtenregiment 17 zusammengefasst war. Die neue Kommandobehörde stand nun vor der schwierigen Aufgabe eine Jägerleitorganisation neu aufzubauen und parallel dazu den Flugmeldedienst im Süden und Südosten auf der Basis von Funkmessstellungen neu zu organisieren.


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Der Einsatz von Funkmessgeräten beendete den Einsatz der Ring-Richtungs-Hörer (R.R.H.). Diese akustischen Hilfsmittel wurden nach 1943 nur mehr bei den Flakscheinwerfer-Batterien zur Grobeinweisung bei Dunkelheit eingesetzt, bis sie auch hier von Funkmessgeräten des Typs Würzburg abgelöst wurden (NARA).

Nachdem man die wesentlichen Mängel der bestehenden Organisation analysiert hatte, ging man zur Jahreswende 1943/44 daran diese zu korrigieren. Einen ersten Schritt bildete die Umstrukturierung der Flugwachen, wo es nun zur Bildung von sogenannten Klein-Flugwachkommandos (Klein-Fluko) kam. Die Forderung war, dass die angeschlossenen Flugwachen einen Abschnitt von 10 Kilometern abdecken und in diesem Raum jede Einzelheit erfassen konnten. Zusätzlich sollte jedes Klein-Fluko mit einer Funkmessstellung verbunden sein, deren Erfassungsbereich das überwachte Gebiet elektronisch überlagerte.

Zur Ausstattung dieser Funkmess-Gerätestellungen hatte man ursprünglich eine Kombination von zwei Freyas mit zwei Würzburg-Riesen und einem Wassermann-Gerät vorgesehen. Eine solche Ausstattung blieb jedoch, angesichts der beschränkten Lieferfähigkeit der Industrie ein reines Wunschdenken.58

Wenn in einer Stellung zwei Würzburg-Riesen vorhanden waren, sollte ein „Nachtjagd-Führungstisch“ dazu kommen, mit dessen Hilfe die Stellung auch zur Nachtjagd befähigt war.59


Das Lagebild des Klein-Fluko sollte möglichst ohne Verzug an das vorgesetzte Haupt-Fluko übermittelt werden, wo die Meldungen von mehreren Klein-Fluko gebündelt wurden. Hier erfolgte auch die aktuelle Gefahrenanalyse für den jeweiligen Großraum, zu diesem Zweck war das Haupt-Fluko stets an eine Funkmessstellung I. Ordnung angeschlossen. Eine solche Stellung sollte über einen Freya-Igel, bestehend aus drei Freya-Geräten (als Ersatz für die noch nicht vorhandenen Rundum-Suchgeräte) und einem Würzburg-Riesen verfügen. Hier konnten auch zusätzliche Abnehmer der Luftlage angeschlossen werden, wie ein Nachtjagdleitoffizier oder eine leichte Flakbatterie, jedoch nur in solchen Fällen
wo diese auch zu einer selbstständigen Feuereröffnung berechtigt waren.

Im Haupt-Fluko, wo auch der „Jagd-Raumführer“ angesiedelt war, kam die Lage bei weiten nicht mehr so detailliert zur Darstellung wie auf der untersten Ebene. Nach Möglichkeit sollte hier auch ein Fernsuchgerät vom Typ „Wassermann“ mit der entsprechenden Geräteumwertung vorhanden sein. An diese Haupt-Fluko (Stellungen I. Ordnung) wurden nun alle Bedarfsträger angeschlossen, die in der Vergangenheit ihre Luftlage über die von den Flugmelde-Reserve-Kompanien betriebenen Flugwachkommandos erhalten hatten. Dabei handelte es sich in erster Linie um die Gruppen und Untergruppen der Flakartillerie, aber auch um die Fliegerhorste und den vom übrigen Luftschutzwarndienst unabhängigen Warndienst der Deutschen Reichsbahn.


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Das Funkmessgerät vom Typ „Freya“, hier in der Ausführung Flum 42 (USArmy).



An dieser Stelle ist es erforderlich einige Anmerkungen zu den damaligen Funkmessgeräten, heute würde man von Radargeräten sprechen, und ihrer Verfügbarkeit einzufügen. Denn die gewünschte Geräteausstattung konnte zu keinem
Zeitpunkt auch nur annähernd realisiert werden. Denn die Industrie war nicht in der Lage die benötigten Fernsuchanlagen vom Typ „Wassermann“, mit einer Reichweite von über 220 km, in der gewünschten Zahl zu fertigen. Bis Ende Februar 1944 hatte man erst 53 Anlagen, in den Ausführungen „L“, „S“ und „M“, ausgeliefert. Danach wurde nur mehr die Ausführung „L“ in begrenzter Anzahl gefertigt. Von dieser Ausführung kamen in den nächsten zwölf Monaten nochmals 25 hinzu.
Aufgrund der geringen Fertigungszahlen darf davon ausgegangen werden, dass die Ostmark bei der Zuteilung zumeist leer ausging.



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Das Fernsuchgerät „Wassermann“ (US-Army).


Ähnlich verhielt es sich später auch bei den Panorama-Anlagen, die als Standard für die Stellungen I. Ordnung vorgesehen waren. Die ersten Anlagen vom Typ „Jagdschloss“, einem echten Rundumsuchgerät mit einer Reichweite von 300 km, wurden erst in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 ausgeliefert und bis zum Jahresende hatte die Industrie gerade 61 Gerätesätze gefertigt.

Der eskalierende Luftkrieg verhinderte eine kontinuierliche Produktion, so dass im Dezember 1944 anstelle der geplanten zehn Anlagen nur ein einziger Gerätesatz geliefert wurde. Im Januar 1945 kamen nochmals drei Anlagen zur Auslieferung und danach gab es keine Fertigung mehr.60


Ebenfalls eine Neuschöpfung des Jahres 1943 war die Einführung des Groß-Fluko, die als „Durchläufer“ zwischen dem Haupt-Fluko und dem Fern-Fluko geschaltet wurden. Ein solches Groß-Fluko bestand aus zwei getrennten Teilen. Einerseits dem Flugmeldeanteil der bereits bestehenden Gefechtsstände der Jagdabwehr (Jagdfliegerführer, Jagddivisionen, Jagdkorps) und andererseits aus dem Gefechtsstand von dem der Einsatz der Jagdflieger mittels Funk geführt
wurde, wobei die im Bereich liegenden „Ypsilon“ und „Egon“ Peilanlagen sowie die neu eingeführten „Tornado“ Peilstellen als Grundlage dienten.61


Aufgrund der umfassenden Aufgabenstellung und des zu betreuenden weitläufigen Raumes wurde die Dienststelle des „Jagdfliegerführers Süddeutschland“ bereits im Juni 1943 zur 5. Jagddivision aufgewertet. Doch im Rahmen der Vorbereitung auf die anglo-amerikanische Invasion wurde der Divisionsstab im September 1943 nach Frankreich verlegt. Gleichzeitig kam es in Schleißheim zur Neuaufstellung des Stabes der 7. Jagddivision, wobei es zur Abtrennung des Gebietes der Ostmark (mit der Ausnahme des Reichsgaues Tirol) und des Protektorats Böhmen und Mähren kam. Für
diese Gebiete war zukünftig der am 15. September 1943 in Wien gebildete Stab des „Jagdfliegerführer Ostmark“ zuständig, welcher seinerseits der 7. Jagddivision unterstellt war.

Damit war auch die Voraussetzung für ein Fern-Fluko in Wien geschaffen, welches als zentraler Gefechtsstand des Flugmeldedienstes in enger Anlehnung an den Gefechtsstand des „Jagdführers Ostmark“ arbeitete. Dieses Fern-Fluko war durch die Abtrennung des taktischen Teiles der Luftlagebearbeitung von der „Kleinen Luftmeldesammelstelle“ (Kl.L.M.S.) des Luftgaukommandos XVII entstanden.62


Während die Kl.L.M.S. als Organ des Ic (Feindlagebearbeiters) im Luftgaukommando arbeitete und ihre Aufgabe daher an den Luftgaugrenzen endete, hatte das Fern-Fluko einen weit darüber hinausgehenden Horizont.

Von hier erfolgte auch ein ständiger Informationsrückfluss zu den taktisch unterstellten Haupt-Fluko, an welche die großräumige Lage übermittelt wurde, jedoch nur soweit, als es zur Abklärung der Situation erforderlich war.

Das Fern-Fluko berichtete sowohl über die eigene Luftlage und informierte über Einsatz und Standorte der eigenen Jäger. Hier flossen auch die Erkenntnisse der Horch-, Mess- und Beobachtungsdienste, der sogenannten H- und Wim-Dienste, ein.

Diese Informationen wurden ohne Angabe der Quelle weitergeleitet. Selbstverständlich übermittelte das Fern-Fluko in Wien sein Lagebild auch an die kl.L.M.S. im Luftgaukommandos, mit der es ständig kommunizierte, gleiches galt auch für den Gefechtsstand der Jägerführung im ehemaligen Schlosshotel am Cobenzl.

Nach oben hin berichtete man an den Gefechtsstand des I. Jagdkorps und an die Führungs-Zentrale sowie an die Große Luftmeldestelle des Luftwaffenbefehlshabers Mitte bzw. der Luftflotte Reich. Alle diese Dienststellen erhielten die jeweilige Lage mit möglichst geringem Zeitverzug im Reportage-Verfahren.


58 NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138, frame 2648. Die geplante Ausstattung der Gerätestellungen nach der schematischen Darstellung Gen. Nafü. Nr.: 12414/44, gKdos.

59 Vom Seeburg-Auswertetisch hatte man bis zum Januar 1944 immerhin 576 Einheiten ausgeliefert. Ab diesem Zeitpunkt gab es keine weiteren Zuteilungen mehr, da die Herstellerfirma Haushahn in Stuttgart ein Opfer der Bomben wurde (NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138. Monatsmeldungen vom Januar und Februar 1944, Adjutantur des Reichsmarschalls Nr. 30/44 gKdos. und 75/44 gKdos.).
60 NARA, RG 243. USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138. Nach den Monatsmeldungen vom Januar und Februar 1944 (Adjutantur des Reichsmarschalls Nr. 30/44 g. Kdos. und 75/44 g. Kdos.), sowie vom Januar und Februar 1945 (OKL. Gen. Qu. 6. Abt. V, Nr. 443/45 g. Kdos. Chefsache, vom 31.3.1945, Betr.: Funkmessgerätelage)
61 Ebd. Von den zur Jägerführung dienenden Y- (Boden) Geräte waren im Januar 1944 571 Stück bei der Truppe, von denen jedoch nur 241 eingesetzt waren.
62 BArch RL 19/575 Bl. 128. Gruppe Nafü./NVW/4 (Flum.) Az. 11, Brb.Nr. 29880/43 geh., vom 14.8.1943, Betr.: Einteilung der Räume in der Kl.L.M.S.

Fortsetzung siehe Teil 2...




 
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#12
DER BEGINN DER ELEKTRONISCHEN ÜBERWACHUNG DES LUFTRAUMES

Teil 2 von 4

© Renato Schirer

Im Bereich des Jagdfliegerführers Süddeutschland waren entlang des Alpenhauptkammes zwei leichte Flugmelde-Reservekompanien, in Kempten und Innsbruck, eingesetzt. Die Flugwachkommandos in
- Kempten (11/7) und
- Innsbruck (10/7)
gehörten zum Luftgau-Nachrichtenregiment 7 und damit zum Luftgaukommando VII in München. Während das daran
anschließende Fluko in Lend (12/17), welches bereits im Gau Salzburg lag, zum Luftgaukommando XVII in Wien (Lg.-Nachr. Rgt. 17) gehörte.

Bedingt durch die als gering eingeschätzte Gefahr hatte man zahlreiche Flugwachen stillgelegt, dadurch war die Überwachung der südlichen Reichsgrenze 1942/43 mehr als lückenhaft geworden. Als sich das Bedrohungsbild änderte, aktivierte man am 10.Juni 1943 die im Bereich Innsbruck stillgelegten Flugwachen. Gleichzeitig wurden auch weitere
Wachen entlang der südlichen Reichsgrenze eingerichtet.

Zusätzlich sollte ein neugebildeter Riegel von Flugwachen, zwischen Bozen und Meran, vor überraschenden Einflügen aus dem Süden schützen. Noch im Juni 1943 wurden die zu Innsbruck gehörenden und stillgelegten Flugwachen 6, 7, 8, 10, 20 und 22 wieder besetzt und zwischen den bestehenden Flugwachen 14 Brenner und 17 Nauders die neuen Flugwachen Innsbruck 25 bis 28 (Ranalt, Sölden, Mittelberg Gepatsch) eingeschoben.

Am 1. August 1943 begann man mit der Aufstellung einer Flugmelde-Reservekompanie z.b.V., die zum Schutz des Alpenvorlandes zwischen Bozen und Meran zum Einsatz kommen sollte.63

Doch die Durchführung verzögerte sich, da die italienische Seite keine diesbezüglichen Genehmigungen erteilte. So konnte die Flugwachzentrale in Schreckbichl bei Girlan erst im September 1943, nach der erfolgten Besetzung Italiens durch die deutschen Truppen, in Betrieb genommen werden.

Zum Fluko Bozen gehörten nun die in Meran, Blumau, Weidbruck, Klausen, Sarentino, Meranza, Bruneck und Malles eingerichteten Flugmeldetrupps. Um auch eine sichere Funkverbindung zwischen dem zur Luftflotte 2 gehörenden Fluko in Bozen und dem Fluko Innsbruck, welches zum Bereich des Luftwaffenbefehlshabers Mitte gehörte, zu gewährleisten, wurden im hochalpinen Gelände sieben Funktrupps stationiert, die alle auf den Berggipfeln aufgebaut wurden. In weiterer Folge kam es zur Schaltung von direkten Fernsprechleitungen zwischen den Fluko in Innsbruck, Bozen, Verona und Venedig.

Da sich die Flugmeldeeinheiten die Luftflotte 2, welche im Ln.-Rgt. 200 zusammengefasst waren, als Folge des Vormarsches der Alliierten nach Norditalien zurückzogen, verdichtete sich hier das Flugmeldenetz zunehmend, was den positiven Effekt hatte, dass sich das Vorfeld der Reichsverteidigung immer mehr nach Süden vorschob.

1944 stationierte man zusätzlich besonders ausgesuchte Freya-Geräte, welche über eine besonders gute Nahauflösung verfügten, auf den überragenden Höhen des Alpenhauptkammes. Dadurch gelang es die Reflexionen der weiter südlich
gelegener Berggipfel möglichst gering zu halten. Solche Funkmessstellungen kamen am
- Hafelekar bei Innsbruck (Seegrube 1692 m), - im Bereich
- Zell am See auf der Schmittenhöhe (1968 m) und am
- Großglockner beim Hochtor (2567 m) sowie am
- Gaisberg (1268 m) bei Salzburg
zur Errichtung.64

Um die Erfassung der einfliegenden Flugzeuge noch weiter zu verbessern richtete man auf den südlichen Alpengipfeln etwa 25 Höhenflugwachen ein, die durchwegs auf über 2.000 Meter Höhe lagen, doch der Erfolg blieb gering. Zwar lagen die Beobachtungsposten auch an wolkenverhangenen Tagen zumeist über der Wolkendecke und boten freie Sicht nach Süden, doch die extremen Wetterbedingungen und stürmische Winde behinderten eine die Beobachtung mit Auge und Ohr.

Auch gestaltete sich die Betreuung und Versorgung dieser Stützpunkte, besonders während der Wintermonate, extrem schwierig und erforderte einen hohen Aufwand, der in keinem Verhältnis zu den mageren Ergebnissen stand. Trotzdem blieb dieser von Innsbruck aus betreute Höhen-Flugmelde-Zug, der zur II. Abteilung des Ln.-Flum-Regiments 97 gehörte, bis zum Kriegsende im Einsatz.65

Die Linie der Höhenflugwachen wurde noch durch Jägerleittrupps verdichtet, die man ebenfalls auf exponierten Berggipfel postiert hatte. Ihre Aufgabe bestand in der Informationsgewinnung zur Führung der Abfangjäger bei Tag. Da sie ihre Beobachtungen auch an die Flugwachzentralen weitergaben, halfen sie aber auch mit die feindlichen Einflüge unter Kontrolle zu halten. Solche Stellungen gab es auf der
- Saualpe, auf der
- Kanzel am Ossiacher See,am
- Feuerkogel, auf der
- Franz-Josefs-Höhe am Großglockner und auf der
- Schmittenhöhe sowie am
- Monte Brione bei Riva, am
- Patscherkofl, am
- Col Rodella am Sellajoch aber auch auf der
- Zugspitze, sowie am
- Nebelhorn im Allgäu.

Die Absicht zu einer grundlegenden Neuordnung des Flugmeldewesens wurde erstmals in einem Befehl vom 2. November 1943 angekündigt. Das Ziel war, dass nebeneinander von einem auf Radar gestütztem Erfassungssystem und dem auf Aug und Ohr basierenden Flugmeldedienst zu beenden. Doch für den Bereich des „Luftwaffenbefehlshabers Mitte“, dessen Kommandodienststelle mittlerweile zum „Luftflottenkommando Reich“ avanciert war, unterzeichnete Göring den Befehl zur Neuorganisation des Flugmeldedienstes erst am 28. Februar 1944. Mit diesem Datum wurde der Flugmeldedienst aus der Zuständigkeit der Luftgaukommandos entlassen und den jeweiligen Jagdfliegerführern bzw. Jagddivisionen unterstellt. Diese waren nun allein für die Erstellung des Luftlagebildes verantwortlich. Allerdings verging noch einige Zeit, bis im August 1944 die Neuordnung auch wirklich in Angriff genommen wurde.

Bereits im Rahmen der neuen Organisation wurde der Alpenhauptkamm, der bisher durch drei leichte Flugmeldekompanien abgedeckt war, nun durch eine leichte „Gebirgsabteilung“ überwacht.66

In dieser Abteilung (III./Ln.-Rgt. 227 in Innsbruck) wurden nunmehr die Kompanien
- 21/VII in Kempten im Allgäu,
- 20/VII in Innsbruck und
- 22/VII in Lend integriert,
die auch die gleichnamigen Fluko betrieben. Dazu kamen dann noch die bereits erwähnten Funkmess-Stellungen III. Ordnung,
- „Salamander“ nördlich von Innsbruck und
- „Giraffe“ ostwärts von Salzburg, am Gaisberg.67

Die bedeutendste Veränderung war der Wechsel der Unterstellung des Flugwachkommandos Lend, welches nun zur 7. Jagddivision gehörte.68

Allerdings gelang es nicht das der Reichsgrenze vorgestaffelte Fluko in Bozen, mit den beiden unterstellten Klein-Fluko in Trient und Bassano zu integrieren, die weiterhin bei den in Italien führenden Dienststellen der Luftwaffen verblieben. So wurde die in Bozen stationierte vorgeschobene Flugmeldekompanie 33/7 als 3. Kompanie in das Ln.-Rgt. 200 eingegliedert.

Eine Besonderheit bildete die Führer-Luftnachrichtenabteilung auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, welche der Luftwaffe angehörte, aber dem Kommandanten des Führerhauptquartiers am Obersalzberg, einem SS-Führer unterstellt war.69
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Das Funkmessgerät „Freya“ LZ (US-Army).

Die Führer-Luftnachrichtenabteilung betrieb auch die zu Ende des Jahres 1943 einsatzbereit gewordene „Führer-Flugmeldezentrale“, welche am Obersalzberg in einem Felsstollen, etwa 30 m unter dem sogenannten Göring-Hügel, untergebracht war.70

Hier wurde ständig die Fern-Luftlage beobachtet, erst wenn sich Bomberverbände bis auf 600 km genähert hatten, wurde die Flugmeldezentrale aktiviert. Hier analysierte man Stärke und Art des einfliegenden Verbandes,


seine Fluggeschwindigkeit und die zu erwartende Flugrichtungen. Aber auch die Faktoren wie Wetter und Windverhältnisse, Luftfeuchtigkeit und Nebelbildung wurden beobachtet um rechtzeitig alarmieren und die künstliche Vernebelung auslösen zu können. Zur Überwachung der Nahzone im Südosten, bis zu einer Entfernung von 200 km, stand im letzten Kriegsjahr die 1. motorisierte Flugmelde-Funkkompanie in Kärnten und die 2. ortsfeste Flugmeldekompanie in Traunstein zur Verfügung.

Zusätzlich hatte man der Führer-Ln.-Abteilung auch die mittlere Flugmeldekompanie unterstellt, in der man die Funkmessstellungen „Giraffe“, „Schimmel“ und „Hund“ zusammengefasst hatte.71

Als letzte Maßnahme wurde noch die in Traunstein gelegene Funkmessstellung „Taube“ integriert, die bisher als 21. Kompanie zum Ln.-Rgt. 215 gehörte. Zusätzlich wurde ein Würzburg-Riese, der auf dem südlich von Berchtesgaden gelegenen Sonnwendjoch, aufgestellt, der als Zielzuweisungsgerät für die „Führer-Flak-Abteilung am Obersalzberg diente.


Aus heutiger Sicht ist es nicht nachzuvollziehen das die Flak und der LS-Warndienst in der nahegelegene Stadt Salzburg von all diesen Informationen ausgeschlossen waren und ihre Informationen ausschließlich von der 26. Flakdivision aus München erhielten. So blieben die mit großem Aufwand gewonnenen Erkenntnisse zur Luftlage ausschließlich der Führer-Flugmeldezentrale und damit exklusiv der braunen Prominenz am Obersalzberg vorbehalten.

Nach dem Abfall Italiens war es im Vorfeld der südlichen Reichsgrenze zur Bildung der Operationszonen „Alpenvorland“ und „Adriatisches Küstenland“ gekommen. Die Operationszone „Alpenvorland“, welches die Provinzen Bozen (Bolzano), Trient (Trento) und Belluno umfasste, gehörte zum Überwachungsbereich des bereits bestehenden Fluko Bozen. Doch für das Gebiet der nördlichen davon liegenden Operationszone „Adriatisches Küstenland“ mussten im Bereich zwischen der Reichsgrenze und den bei Bozen liegenden Flugwachriegel zahlreiche neue Flugwachen geschaffen werden. Diese wurden dem Fluko unterstellt und bildeten einen Riegel, welcher vom Eisacktal bis nach Sillian reichte. Diese Flugwachen übermittelten ihre Beobachtungen, mittels Draht oder über Funk nach Mauthen, von wo sie dann nach Lend weitergeleitet wurden.72

1944/45 kam in diesem Bereich auch noch die 1. Flugmelde-Funkkompanie der Führer-Ln.-Abt. zum Einsatz.73

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Eine typische Jägerleitstellung, mit einem „Freya-Egon“ und zwei „Würzburg“ Geräten, wird nach der Einnahme von amerikanischen Spezialisten untersucht (NARA RG-234 US-Air Force).

Trotz sorgfältigster Arbeit der Warndienste konnten viele Angriffe unbeobachtet gegen Südostdeutschland geflogen werden, da die Bomber sofort nach dem Start die Adria querten und auf der Balkanhalbinsel verschwanden. Von hier aus flogen sie unbeobachtet weiter, bis sie dann, kurz vor der kroatischen Grenze, in den Erfassungsbereich der 8. Jagddivision kamen.74

Kaum nachvollziehbar ist die Tatsache, dass es bis zum Kriegsende zu keinem Kontakt zwischen dem für Italien zuständigen Ln.-Rgt. 200 und den unmittelbaren nördlichen Nachbarn, der 7. und 8. Jagd-Division, kam. Die in Italien führende Luftflotte 2, welche im Dezember 1944 zum Luftwaffenkommando Süd zurückgestuft wurde, kooperierte zwar mit dem Luftflottenkommando Reich, legte jedoch nur wenig Wert auf eine direkte Zusammenarbeit mit den hier eingesetzten Flugmeldeeinheiten der 7. und 8. Jagddivision.


63 Die Aufstellung der Flugm.-Res.-Komp. z.b.V. erfolgte am 08.07.1943 auf dem Kommandoweg.
Später wurde sie als 33. Kompanie in das Lg.- Nachr. Rgt. 7 eingegliedert.
64 Die ortsfesten Flugmelde-Züge betrieben die Stellungen Seegrube am Hafelekar (Salamander), Schmittenhöhe (Schimmel), Hochtor (Hund) und Salzburg (Giraffe). Mit Ausnahme der Stellung „Salamander“ wurden sie dann in die Führer- Ln.-Flugm.-Abt. eingegliedert, welcher der Schutz des Hauptquartiers in Berchtesgaden anvertraut war.
65 Ab Oktober 1944 gehörte dieser Zug dann zur III./Ln.-Rgt. 227.
66 Kdr. Major Fenzl.
67 Der ortsfeste Flugmess-Zug „Giraffe“ kam später zur Führer-Ln.-Abt. (Obersalzberg bei Berchtesgaden).
68 Das Fluko Lend, war bei Kriegsbeginn als 13. Kp. des Lg. Nachr.-Rgt. 17, mit 50 Flugwachen, errichtet worden, wovon jedoch nur 36 aktiviert wurden. Später änderte sich die Bezeichnung auf 12./Lg.Nachr.-Rgt. 17 und 1944/45 dann auf 22./Ln.-Rgt. 227 (Kdr. Hptm. Salisco).
69 Der Kommandant des Führer-Haupt-Quartiers (SS-Kommando Obersalzberg) war ab Herbst 1944 Dr. Bernhard Frank (früher I d bzw. II a im Kommandostab RFSS).
70 Von der Führer-Flugmeldezentrale aus wurden auch die beiden SS-Flak-Abteilungen I und II, sowie die SS-Nebel-Abteilung mit der aktuellen Luftlage versorgt. Dafür standen zwei sogenannte „Klotzsche-Tische“ zur Verfügung. Von einem aus wurden sämtliche angeschlossene Flakbatterien zu einem koordinierten Sperrfeuerschießen nach Planquadrat zusammengefasst. Nur die Flakabteilung auf der in 1500 Meter gelegen „Roßfeld-Alm“, die seit dem Frühjahr 1944 über 18 Geschützen der 8,8 cm Flak und zwei Funkmessgeräte verfügte, feuerte selbstständig. Der zweite Klotzsche-Tisch diente der Leitung des Nebeleinsatzes.
71 Es handelte sich um Gerätestellungen III. Ordnung, welche bisher von vier selbstständigen, ortsfesten Flugmelde-Zügen betrieben wurden. Die Stellungen waren jeweils mit einem FuMG 39 G „Freya“ ausgerüstet. Nur die zuletzt eingerichtete Stellung „Taube“ hatte ein FuMG 401A-LZ (Dreh-Freya) im Betrieb, eine zerlegbare, lufttransportfähige Rundsuchanlage des „Freya“-Typs.
72 Vgl. dazu auch Hermann Hinterstoisser, Das Flugwachkommando Lend. Pallasch Nr. 6 Seite 73 f.
73 Nach den Vorschriften (K.St.N.) für 1944 zählte die Flugmeldefunk-Kompanie 544 Köpfe.
74 Ln.-Flum-Rgt. Südost


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DER BEGINN DER ELEKTRONISCHEN ÜBERWACHUNG DES LUFTRAUMES

Teil 3 von 4

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Zu Anfang des Jahres 1943 hatte die gut ausgebaute und eingespielte Flugmeldeorganisation der Luftflotte 2 noch ausgezeichnet funktioniert. Vorgeschobene Abteilungen in Afrika, auf Sizilien, Sardinien, Korsika und Elba, aber auch auf den Inseln der Ägäis sorgten für lange Vorwarnzeiten.

Doch mit der Kapitulation des Deutschen Afrikakorps setzte ein rascher Verfall ein. Der kurz danach erfolgte Verlust Siziliens bewirkte, dass die Flugmeldeorganisation auf das italienische Festland zurückgenommen werden musste. Im August 1943, in jenem Monat in dem die amerikanische Bomberflotte erstmals ins südliche Reichsgebiet einflog, wurde am italienischen Festland mit dem Neuaufbau begonnen. Ein Gürtel von Funkmessstellungen der vom Golf von Gaeta bis hinunter in den Süden und von Reggio bis zum Cap Santa Maria de Luca reichte, sollten die Aktivitäten des Gegners kontrollieren. Auch im Bereich der adriatischen Küste sollten bis auf Höhe der Stadt Foggia neue Funkmessstellungen errichtet werden.

Als am 25. Juli 1943 Mussolini stürzte und sich der baldige Abfall Italiens abzeichnete, musste man Teile des Ln.-Rgt. 200


vorsorglich nach Norden verlegen, da man stündlich mit einer Anlandung der Alliierten im Süden Italiens rechnen musste. Als die erwartete Landung am 8. September 1943 in der Bucht von Salerno erfolgte, brach die soeben mühsam aufgebaute Organisation im Süden Italiens zusammen, gleichzeitig kam es auch zu einem Totalausfall des italienischen Flugmeldedienstes.

Ende September 1943 waren die Funkmessstellungen auf Sardinien verloren gegangen und mit der am 5. Oktober erfolgten Räumung Korsikas verkürzten sich die Vorwarnzeiten neuerlich. Als es Ende Januar 1944 bei Anzio und Nettuno zu einer weiteren Großlandung der Alliierten im Rücken der deutschen Front kam, war die Zurücknahme der Front nur mehr eine Frage der Zeit.

Am 4. Juni 1944 erreichten die Alliierten Rom und am 17. Juni musste auch Elba, die letzte große Insel, geräumt werden. Der Einsatzraum des Ln.-Rgt. 200 erstreckte sich nun von der französischitalienischen Grenze im Westen, über Genua, La Spezia, Bologna und Ravenna bis hin zur Halbinsel Pola. Eine Folge des ständigen Zurückgehens war, dass die Vorwarnzeiten erheblich schrumpften und die Überwachung mittels Radar erhebliche Lücken aufwies. Ähnlich verhielt es sich auch auf der Balkanhalbinsel, wo der Admiral Ägäis am 9. September 1944 seinem Oberkommando melden musste: „50% der Luftortungsgeräte und Flugmeldeposten abgebaut. Hierdurch ist das Bild über die feindliche Lufttätigkeit bereits sehr lückenhaft geworden.“75


Als am 23. August 1944 Rumänien die Seiten wechselte und Bulgarien am 8. September Deutschland den Krieg erklärte, waren die Voraussetzung geschaffen, dass die Rote Armee Anfang Oktober bis zur Großen Morava durchstoßen konnte. Am 5. September 1944 wurde die Räumung Griechenlands eingeleitet, die bis zum 2. November 1944 dauerte. Anfang Dezember musste dann auch der mazedonisch-albanische Raum aufgegeben werden, die vorderste Frontlinie erreichte nun bereits den Erfassungsbereich der 8. Jagddivision. In diesem Bereich dauerten die Kämpfe bis zum Jahresende an.




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Anfang 1944 war die Masse der deutschen Funkmessstationen noch im westlichen Mittelmeer konzentriert. Nur in der oberen Adria gab es bereits einige Freya-Geräte (US-Air Force; AFHRA/RSA).




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Bis Ende März 1944 hatte man auf deutscher Seite entlang der östlichen Küste der Adria bereits eine Kette von Funkmessstationen errichtet (US-Air Force, AFHRA/RSA).




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Das Foto zeigt einen Tieffliegerangriff auf eine Funkmessstellung bei Zadar in Kroatien (AFHRA/RSA).


Im Januar 1945 erfolgte der nächste Schlag, als durch den sowjetischen Vormarsch die wichtigen Flugmessstellungen im Süd- und Südwestungarn verloren gingen.76

Während die Fronten von allen Seiten näher rückten, begann bei der Luftflotte Reich die Neuorganisation des Flugmeldedienstes.


In diesem Zusammenhang hatte man bereits seit dem Sommer 1944 80% von der anfallenden Produktion an Funkmessgeräten der Luftflotte Reich zugewiesen. Dadurch konnten sowohl im Vorfeld, aber auch entlang der von den alliierten Bombern bevorzugten Einflugschneisen, vermehrt Funkmessgeräte zum Einsatz gebracht werden.

Auch im Rahmen der 1944/45 mit aller Härte geführten „Schlacht um die Brennerbahn“ kam es zu einer ständigen Verstärkung der elektronischen Überwachung in Südtirol und im Trentino. Hier brachte man, unter der Ausnützung


der Kriegsstraßen aus dem Ersten Weltkrieg einzelne Funkmessgeräte auf die Dolomitengipfel. Solche extreme Aufstellungsplätze waren der ostwärts von Cortina di Ampezzo gelegene 2327 Meter hohe Monte Faloria, das 1785 Meter hoch gelegenen Vigiljoch und der unweit von Trient gelegene 2180 Meter hohe Monte Bondone.77




75 KTB Seekriegsleitung, vom 9.9.1944.
76 Vergleiche dazu KTB des OKW 1944-1945, Teilband I, S. 812 – 826. Die große Absetzbewegung im Südosten (Denkschrift des OB Südost vom Januar 1945). Der dazugehörige und sehr informative Atlas ist im ÖStA überliefert
(ÖStA-KA, NL B/521, Mappe 46).
77 Hoffman, Ln.- Buch II, S. 244. Zum Beispiel die Stellungen „Brunelle“ und „Membrane“, Jenesien bei Bozen und Vigiljoch (1. / Ln.-Rgt. 200); „Cello“ bei Cortina (2. / Ln.-Rgt. 200); „Tuba“ bei Bassano (3. / Ln.-Rgt. 200). Zu Kriegsende lag die III. / Ln.-Rgt. 200 in Bozen.


Fortsetzung siehe Teil 4...
 
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#14
DER BEGINN DER ELEKTRONISCHEN ÜBERWACHUNG DES LUFTRAUMES

Teil 4 von 4

© Renato Schirer


Dagegen nahm sich der technische Einsatz nördlich der Alpen eher dürftig aus. Als der Kommandeur der in Bozen stationierten motorisierten Flugmeldeabteilung im April 1945 erstmals Kontakt mit dem nördlichen Nachbarn, der leichten Gebirgs-Flugmeldeabteilung in Innsbruck, aufnahm, zeigte man ihm in Innsbruck voller Stolz den einzigen Würzburg-Riesen der Abteilung, der damals auf der etwa 300 Meter über der Stadt gelegenen Hungerburg stand.

Eine besondere Gefahr für die einsamen Flugwachen und exponierte Gerätestellungen stellte der Partisanenkrieg dar. Mit diesem Problem war man zuerst auf dem Balkan konfrontiert, später dann auch in Italien. In der Steiermark und in Kärnten, hier besonders in den annektierten Gebieten der Untersteiermark und in Krain, mussten besondere Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Schon am 12. August 1943 war es in Kärnten bei der Flugwache am Hochobir zur Verschleppung von zwei Soldaten durch Partisanen gekommen.78

Ab Mai 1944 wurde es dann auf italienischem Gebiet, hier besonders im Vorfeld von Tirol, sehr gefährlich. So wurde ostwärts von Cortina d´Ampezzo, eine zwischen San Stefano di Comelico und Pieve di Cadore liegende Flugwache während der
Nachtstunden überfallen, wobei die Partisanen die fünf Mann, zum Fluko Lend gehörenden Soldaten, gefangen nahmen.79

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Das Betonfundament für das Funkmessgerät 65 „Würzburg Riese“, wie man es auch heute noch vereinzelt auf den Fluren findet (US-Air Force).

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Im Unterschied zu den Betonsockeln sind heute keine Fundamentreste der „Freya“-
Gerätestellungen zu finden, was an der Bauweise liegen dürfte. Die Ziegel, damals ein rares Gut, wurden nach Kriegsende entfernt um für andere Bauvorhaben verwendet zu werden (US-Air Force).

78 BArch, RL 19/575, S. 206. LGK XVII Fü. Gr. Ia op 1, Az. 16 d, Nr. 1012/43 geh., vom 20.8.43, Betr.: Bewaffnung der Soldaten im Bandengebiet.
79 Hoffman, Ln.- Buch II, S. 241.
 

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#15
DER AUFBAU DER JÄGERFÜHRUNG IM SÜDÖSTLICHEN REICHSGEBIET

Teil 1 von 5


© Renato Schirer, nachfolgende Beiträge sind ab 2016 als Fortsetzungs-Artikeln in verschiedenen Ausgaben der öfh-Nachrichten erschienen:


Am 15. September 1943 fasste der Luftwaffenführungsstab den Beschluss zur Aufstellung eines „Jagdfliegerführers Ostmark“, mit dem Gefechtsstand in Wien. Die neue Dienststelle sollte eine effiziente Führung der Tag- und Nachtjäger im Luftraum über den Alpen- und Donau-Reichsgauen und dem Protektorat Böhmen und Mähren sorgen und war der 7. Jagddivision, in Schleißheim bei München, unterstellt.80

Doch es sollte noch einige Zeit dauern, bis die erforderlichen organisatorischen Maßnahmen gesetzt waren, welche es dem neuen Jagdfliegerführer ermöglichten seine Aufgabe wahrzunehmen. Erst am 12. Januar 1944 konnte bis Oberst Handrick, der seinen Gefechtsstand gemeinsam mit jenem der 16. Flakbrigade im Schlosshotel am Cobenzl eingerichtet hatte, die Führung seiner Kommandodienststelle übernehmen.

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Kartenausschnitt, Wien 19. Bezirk - Latisberg, Sulzwiese, Kahlenberg und Leopoldsberg (USArmy, USACA/V.A.C.).

Im Zusammenhang mit dem neuen Jagdfliegerführer war es bereits im Dezember 1943 in Wien zur Aufstellung eines neuen Luftnachrichtenregiments gekommen. Das Ln.-Regiment 218 bestand damals aber nur aus dem Regimentsstab und den beiden Abteilungsstäben, wobei vorerst nur die I. Abteilung auch Kompanien unterstellt hatte, nämlich drei Betriebskompanien. Es waren dies die 1. Funksprech- und Fernschreib-Betriebskompanie, die 2. Funkkompanie und die 3. Telegrafenbaukompanie. Diese Einheiten hatten die Aufgabe den Gefechtsstand einzurichten und zu betreiben.81

So entfaltete sich um die Jahreswende 1943/44 auf dem Latisberg, im 19. Wiener Gemeindebezirk, eine rege Bautätigkeit. Denn neben den eigentlichen Gefechtsstand im Hautgebäude des Schlosshotels Cobenzl mussten auch bombensichere Stollen in den Berg getrieben und ein Landestreifen für Verbindungsflugzeuge angelegt werden. Des Weiteren waren im Nahbereich des Gefechtsstandes Baracken für die Betriebskompanien aufzustellen und die erforderlichen Luftschutz-Deckungsgräben zu errichten.

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Der Gefechtsstand im Schlosshotel am Cobenzl (Bildmitte oben) und die neu errichteten Baracken für die Ln.-Kompanien (Sammlung Wolfgang E. Schulz; Quelle Luftbilddatenbank Ing.-Büro Dr. Carls).

In unmittelbarer Nähe des Schlosshotels arbeiteten auch zwei leistungsstarke Kurzwellensender. Der stärkere der beiden Sender arbeitete auf der Wellenlänge von 960 Meter und informierte unter dem Decknamen „Rosenkavalier“ über die aktuelle Lage im Einzugsgebiet des Jagdfliegerführers, allerdings in verschlüsselter Form. Der schwächere Sender, der die Kennung Diplomat verwendete, diente hingegen zur Führung der Flak-Verbände im Wiener Raum und sendete auf einer Wellenlänge von 882,3 bzw. 1260,3 Metern. Während der Flak-Sender Diplomat nur im Wiener Raum empfangen werden konnte, verfügte der Sender der Jägerführung über eine erheblich größere Reichweite.

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Die Sendeanlage auf der zwischen Kahlenberg und Vogelsangberg gelegenen Sulzwiese.
Deutlich zu sehen ist der Schattenwurf der beiden Sendemasten (Sammlung Wolfgang E. Schulz; Quelle Luftbilddatenbank Ing.-Büro Dr. Carls).


Beide Sender konnten auch mit handelsüblichen Rundfunkempfängern empfangen werden und dienten der Bevölkerung, nachdem die gebräuchlichsten Tarnbezeichnungen allgemein bekannt waren, als Informationsmedium bezüglich der feindlichen Einflüge.82

Gleich nach der Einrichtung des Jagdfliegerführers Süddeutschland, hatte man im Bereich der Ostmark mit dem Aufbau einer ersten Jägerleitstellung, an der niederösterreichisch- burgenländischen Grenze, auf dem Sonnenberg bei Hornstein begonnen.


80 Die ehemaligen österreichischen Bundesländern Tirol und Vorarlberg gehörten zum Luftgau VII (München) und
zählten daher zum Einsatzgebiet der 7. Jagddivision.

81 Die 3. Flugmelde-Auswerte- und Betriebs Kompanie kam erst im Mai 1944, gleichzeitig mit der Aktivierung der Jägerleitstellung „Gladiole“ als 6./218, zur Aufstellung.
82 Die verwendeten Decknamen waren bald allgemein bekannt und wurden unter der Hand weitergegeben.


Fortsetzung siehe Teil 2...
 
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#16
DER AUFBAU DER JÄGERFÜHRUNG IM SÜDÖSTLICHEN REICHSGEBIET

Teil 2 von 5

© Renato Schirer


Bis zu diesem Datum hatte es in den Donau- und Alpenreichsgauen keinerlei Anlagen zur Jagdfliegerführung gegeben. Allerdings hatte man sofort nach dem Anschluss mit der Errichtung von Sende- und Empfangsanlagen für die Luftwaffe begonnen, so dass es im Juli 1943 bereits zahlreiche derartige Anlagen gab, die hier in der Reihenfolge ihrer Errichtung
wiedergegeben sind:83

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Für den Bau der in großen Umfang erforderlichen Fernmeldeleitungen, Fernsprechvermittlungen, aber auch für den Ausbau der neuen Funkmessstellungen, reichten die Kräfte des neuen Jagdfliegerführers bei weiten nicht aus. Daher verlegte die Luftflotte Reich den Stab/Ln.-Rgt. 12 nach Wien, dem für die zahlreichen Bauaufgaben zwei Ln.-Abteilungen, die III./Ln.-Rgt. 12 und die III./Ln.-Rgt. 14, unterstellt wurden.107

Bereits in den Jahren 1938/39 hatte man die Grundlagen für die Führungsnetze der Luftwaffe im Luftgau XVII durch die Schaffung von leistungsfähigen Vermittlungsknoten geschaffen.

Zentraler Punkt im Luftgau XVII war die in einem bombensicheren Keller untergebrachte Luft-Durchgangsvermittlung Wien-Penzing (LDV 18). Die LDV 18 Wien war direkt mit der Luft-Hauptvermittlung (LHV 10) beim Hauptquartier der Luftwaffe in Wildpark-Werder verbunden. Zusätzlich verfügte die LDV 18 Wien auch über Direktleitungen zur LDV 15 in Nürnberg und LDV 13 in Senftenberg in Oberschlesien. Des Weiteren gab es im Bereich der Ostmark noch die Luft-Verteilervermittlungen LVV 28 Linz und LVV 38 Bruck an der Mur sowie im Protektorat die LVV 77 Prag, LVV 78 Olmütz und LVV 79 Brünn.

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Die Reste der geschützten LDV 18 in Wien Penzing, vor deren endgültigen Beseitigung (Foto: unterirdisch.de.)

Mit Kriegsbeginn hatte man für die Luftwaffe die erforderlichen Nachrichtennetze, das Ludwig-Netz und das Flunder-Netz für die Fliegerführung sowie das Florian-Netz für den Flugmeldedienst, aber auch das Lukas-Netz für die Flakartillerie und Waldemar-Netz für den LS-Warndienst geschaltet. 1943 wurde die Fernmeldeinfrastruktur um zwei Hauptachsen für die Führungs-, Flugmelde- und Jägerleitaufgaben verstärkt, die man in der Form von "Drehkreuzachsen“ ausführte.

Darunter verstand man eine Freileitung mit einer Zweifachleitung, zum Teil auch mit zwei Zweifachleitungen, die auf massiven Telegrafenmasten geführt wurden. Dabei wurde jede Doppelleitung von Mast zu Mast um 90 Grad um die Achse gedreht, um so ein unerwünschtes Übersprechen zu verhindern.108

Diese Fernverbindungen wurden zusätzlich mit Trägerfrequenzgeräten ausgerüstet um eine Mehrfachausnutzung der vorhandenen Leitung zu erreichen.

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Militärische Fernschreibverbindungen bestanden von der LV 1000 über Treuenbrietzen nach Hörsching, Agram (Zagreb) und Malcesina. Des Weiteren bestand ein Funkfernschreibnetz von der LV 1000 über Treuenbrietzen nach Tata – Tavaros, Modern (Lfl. 4), Papa, Agram, Malcesine. Über ein weiteres, auf Straußberg ausgerichtetes, Funkfernschreibnetz waren Wien, Rhodos und Schio (Italien) erreichbar. Über dem Gefechtsstand Zeppelin war Krakau und Budapest angeschlossen.109

Zusätzlich standen dem Hauptquartier des OKL (Kurfürst), über die LV 1000 folgende Direktverbindungen nach dem Süden und Südosten zur Verfügung: Tavaros, Wien, Baden, Bruck/Mur, Budapest, Verona, Malcesine.

Der Raum Salzburg verfügte über ein dichtmaschiges Sondernetz:
Berghof, Strub-Kaserne, Amt Berchtesgaden, Hotel 4 Jahreszeiten, Hotel Berchtesgadener Hof, Reichskanzlei, Funksendezentrale Gaisberg, Salzburg Flugplatz, Bahnhof, Bahnhof West, Funksendezentrale Klessheim.110

83 BArch, RL 6/10. Anlage zum Luftwaffenatlas des LGK XVII. Verzeichnis der baulichen Anlagen der Luftwaffe, Stand Juli 1943.
84 Wiener Hausberg, 484 m.
85 Berg im Wienerwald, südlich von Wien, 675 m.
86 Berg an der Grenze zwischen Niederösterreich und der Steiermark, 2076 m.
87 Berg im Leithagebirge bei Hornstein, 484 m.
88 Berg im Thayatal, 550 m.
89 Berg bei Haselbach, Bezirk Korneuburg, 409 m. Versuchsanlage des Ln.-Rgt.ObdL.
90 Die Erhebung des Graserbergs liegt auf einen Hochplateau in 1000 m Höhe, zirka 1 km nordwestlich vom Hochstaff (1305 m) entfernt. Die Zufahrt erfolgte von Kleinzell, im Bezirk Lilienfeld, aus, auf der Bergstraße nach Ebenwald (zum heutigen Parkplatz), von wo es dann noch 500 m bis zur Relaisstelle am Graserberg waren.
91 Berg südlich von Maria Anzbach, 516 m. Versuchsanlage des Ln.-Rgt.ObdL.
92 Berg in der Nähe des Traunsees, bei Altmünster, 884 m.
93 Berg in Niederösterreich, nordöstlich von Langenlois, 537 m. Die Zufahrt zu der Anlage erfolgte von der Ortschaft Freischling aus.
94 Gemeinde 4 km südlich von St. Veit an der Glan.
95 Südöstlich von Nestelbach bei Graz.
96 Gemeinde im Bezirk Bruck an der Leitha.
97 Gemeinde im Bezirk Salzburg-Umgebung.
98 Erhebung in der Gemeinde Ansfelden in O.Ö., 317 m.
99 Gemeinde im Bezirk Gänserndorf.
100 Gemeinde im Bezirk Graz-Umgebung.
101 Gemeinde im Bezirk Gänserndorf.
102 Es handelte sich den Ersatz für die nach Kriegsbeginn zurückgestellte FUSZ am Sonnenberg bei Hornstein (Standort der späteren FuMG-Stellung „Selma“).
103 Gemeinde im Bezirk Wien-Umgebung.
104 1592 m.
105 Gemeinde im Bezirk Klagenfurt-Land.
106 Gemeinde im Bezirk Graz-Umgebung.
107 Die III./Ln.-Rgt. 14 verlegte nach Wien, wofür im Missionshaus St. Gabriel in Mödling-Maria Enzersdorf Unterkünfte für 1000 Mann in Anspruch genommen wurden. Auch die 1. Kompanie des Ln.-Ausbaustabes wurde damals in die Ostmark beordert.
108 Durch die Parallelführung der Leitungsdrähte entsteht eine Kondensatorwirkung. Diese natürliche Kapazität führt zu einer unerwünschten Übertragung des Nachrichteninhaltes von einem Leitungspaar zum anderen. Um diesen Umstand entgegen zu wirken drehte man, von Mast zu Mast, die Leitungspaare um 90 Grad (Drallung). Dadurch entstand der Effekt einer Spule deren Induktivität der unerwünschten Kapazität entgegenwirkte. So wurde der unerwünschte „Kondensator“, der durch die Parallelführung der Drähte entstand, mit der durch die „Drallung“ erzeugten „Spule“ kompensiert und das Übersprechen verhindert bzw. gedämpft.
109 NARA MF T-321 roll 114. OKL, Gen.Nafü, Zeichnung T-6, geh. Stand 8.12.1944.
110 Ebd. OKL, Gen.Nafü 2 Abt IIa, Zeichnung F-399, Stand 8.10.1944.



Fortsetzung siehe Teil 3...
 

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DER AUFBAU DER JÄGERFÜHRUNG IM SÜDÖSTLICHEN REICHSGEBIET

Teil 3 von 5
© Renato Schirer


Anschließend wurden solche Haupt-Drehkreuzachsen auch in nord-südlicher Richtung von Olmütz (Olumouc) über Brünn (Brno) nach Wien sowie von Wien über Rohrau nach Steinamanger (Szombathely) gebaut. Zusätzlich wurde das bereits vorhandene Grundnetz in west-östlicher Richtung, von Gloggnitz ausgehend über Steinamanger bis nach Budapest erweitert. Alle diese Ausbauvorhaben wurden sofort nach dem Eintreffen der zugeführten Baueinheiten in Angriff genommen. Allein im Zeitraum vom Februar bis Mai 1944 kamen folgende neue Fernmeldeleitungen zur Ausführung:
- Andau - Halbturn - Neusiedl - Parndorf - Bruck an der Leitha;
- Wien-Cobenzl - Hochstraden; Ruprechtshofen - Kemmelbach; Holzleithen - Mauthausen;
- Wien-Cobenzl - Praha-Berg (Böhmen);
- Hollabrunn - Altenburg.
Zusätzlich wurden mehrere mit Trägerfrequenzgeräten, zur Mehrfachausnutzung der Leitungen, ausgerüstete, Freileitungen
errichtet, so die Linien
- Wien-Cobenzl - Bruck an der Leitha und
- Wien-Cobenzl – Allhang sowie
- Bruck an der Leitha – Steinamanger und
- Wien-Auhof - Hohenfurth.111

Zur Jahreswende 1943/44 stand zur Jägerführung nur die an der Grenze zwischen Niederösterreich und dem Burgenland gelegene, noch im Aufbau befindliche Jägerleitstellung „Selma“ zur Verfügung. Diese wurde später als 5. Jägerleit-Kompanie in das neu geschaffene Ln.-Regiment 218 eingegliedert. Die Anlage hatte man bereits im Frühsommer 1943 in Bau genommen und war damals die einzige, sowohl mit Funkmessgeräten, als auch mit der Ausrüstung für das Egon- und YVerfahren ausgerüstete, nachtjagdfähige Jägerleitstellung im Bereich. „Selma“ konnte natürlich auch zur die Führung der Jagdverbände am Tag verwendet werden.112

Im Februar 1944 wurde die II. Abteilung des Ln.-Rgt. 218 aktiviert, wobei die der Abteilung unterstellten Kompanien (7. bis 15. und 25. technische) durch Umbenennung bereits vorhandener Einheiten entstanden. Es handelte es sich hierbei durchwegs um Funkmessstellungen, die man alle erst in den vergangenen Wochen im österreichischen Raum errichtet hatte.

Der rasche Aufbau einer Funkmessorganisation im Bereich des neuen Jagdfliegerführers war nur dadurch möglich geworden, das man Flugmeldekompanien von verschiedenen Ln-Regimentern aus allen Teilen des Reiches für diesen Zweck heranholte.113

Nach den Angaben der Feldpostübersicht sind am 14. Februar 1944 folgende Umbenennungen wirksam geworden: 13./204 in 7./218, 8./204 in 8./218, 20./214 in 10./218, 10./221 in 11./218, 21./214 in 12./218, 22./202 in 13./218 und 13./202
in 14./218.114

Zwei ebenfalls neu erbaute Gerätestellungen, „Rammler“ in der Südsteiermark und „Koralle“ in Böhmen, blieben vorerst, aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen, von dieser Umbenennungsaktion ausgenommen.115

Nur auf diese Weise konnte es gelingen, eine derartige gewaltige Aufbauleistung in kürzester Zeit zu erbringen.116

Gegen Ende des Monats Mai 1944 konnte bereits die zweite Jägerleitstellung, nämlich „Gladiole“ in Gleichenberg in der Steiermark, in Betrieb genommen und als 6. Jägerleit-Kompanie in das Ln.-Rgt. 218 eingegliedert werden. Parallel dazu erfolgte die Aufstellung der 3. Flugmelde- und Auswertekompanie des Ln.-Rgt. 218, deren Aufgabe es war, auf dem Gefechtsstand am Cobenzl für eine koordinierte Auswertung der Resultate der beiden Jägerleitstellungen zu sorgen.

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Der Ausbauzustand im Bereich von Süddeutschland, mit Stand 1. April 1943. Vergleiche dazu auch die Planung vom August 1943 (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Als man im Frühjahr 1944 die II. Abteilung des Ln.-Rgt. 218 aktivierte, wurden die vorhandenen Funkmessstellungen nun in diese Abteilung eingegliedert. Es handelte sich um die Stellungen:

- „Kleiber“ (8./218) in Altenburg unweit von Horn;
- „Zaunkönig“ (7./218) in Neudorf bei Staatz;
- „Papagei“ (10./218) in dem zwischen Deutsch-Wagram und Marchegg gelegenen Untersiebenbrunn;
- „Albatros“ bzw. Alpspitze“ (12./218) im Seewinkel zwischen Andau und Wallern;
- „Rehpinscher“ (14./218) bei Neufelden an der Mühl.

In Mähren gab es nur die Stellung
- „Blutegel“ (13./218), in Duhne bei Budweis (Ceské Budejovice),
und im Nordosten Ungarns arbeitete die Funkmessstellung
- „Milbe bzw. Schwalbe“ (11./218), in Gesztely bei Miskolc.117

Allerdings entsprachen viele Stellungen noch bei weiten nicht dem Standard, sie bestanden oft nur aus einem Einzelgerät, entweder ein Freya-Gerät oder einen Würzburg Riesen.118
Erst nach und nach wurden die Stellungen ausgebaut und es kamen ständig weitere Funkmessgeräte dazu.119


Schon bald nachdem der Jagdfliegerführer Ostmark seinen Bereich übernommen hatte, kam es auch zu tief greifenden Veränderungen im Flugmeldewesen. Denn auf Befehl Görings wurde nun der ortsfeste und bewegliche, auf Aug und Ohr basierenden, Luftspähdienst mit dem ortsfesten und beweglichen Boden-Funkmessdienst zusammengelegt und dem Jägerleitdienst unterstellt.120

In diesem Zusammenhang übernahm ab dem 28. Februar 1944 das im Bereich der Luftflotte Reich zuständige I. Jagdkorps die Koordination und die Neuorganisation im gesamten Flugmeldebereich. Ab diesem Datum waren die dem Korps unterstellten Jagddivisionen und Jagdfliegerführer allein für die Erstellung des Luftlagebildes verantwortlich. Das bisherige Monopol des Luftgau-Nachrichten Regiments 17 für den Flugmeldedienst war zwar schon Ende 1943, mit der Aufstellung des Ln.-Rgt. 218, gefallen, trotzdem erreichte das Lg.-Nachr. Reg. 17 noch im Sommer 1944, mit drei Abteilungsstäben (I., II. und V.) und 18 Kompanien seinen höchsten Stand im Bereich der Ostmark. Allerdings basierten die in der II. (Flum.-) Abteilung des Regiments zusammengefassten Flugmelde-Reservekompanien noch durchwegs auf dem „Auge- und Ohr“ Modell. Lediglich zwei von den elf betriebenen Flugmeldekommandos, nämlich jene in Amstetten und Brünn, konnten sich auch auf ein mit elektronischer Hilfe erstelltes Lagebild stützen.

Eine der wichtigsten Aufgaben des Jagdfliegerführers war der Aufbau einer Führungsorganisation für die Nachtjagd im Gebiet der Ostmark. Die ersten Planungen für die Einrichtung von Nachtjagdräumen reichten in die Zeit der Kommandoführung der 5. Jagddivision in Süddeutschland zurück, wie der nachstehende Ausschnitt aus einer Karte vom 31. August 1943 beweist. Sie zeigt die damals projektierten Nachtjagdräume im Bereich der Ostmark.121

Die Nachtjagdleitstellungen in der Ostmark sollten lückenlos an die vorhandene, bzw. bereits im Aufbau befindliche Nachtjagdorganisation der 5. Jagddivision anschließen und dass Gebiet nördlich der Alpen bis hin zur Reichsgrenze östlich von Wien abdecken. Im ersten Quartal des Jahres 1943 hatte man im Großraum München bereits eine effiziente Nachtjagdorganisation aufgebaut, die im Süden und Osten bereits österreichisches Gebiet tangierte.122

Im Süden war es die Funkmessstellung
- „Maikäfer“(7./205),
- „Amsel“ (8./205)123 und
- "Marienkäfer "(12./205)124
welche das Gebiet bis zur Nordgrenze des Gaues Tirol abdeckten. Und in östlicher Richtung waren es die Funkmessstellungen
- „Aal“ (9./205)125,
- "Nerz" (10./205)126 und
- "Schwalbe" (18./205).
In diesem Bereich waren bereits drei weitere Stellungen, die den Stellungsräumen von „Nerz“, „Aal“ und „Marienkäfer“ vorgelagert waren, nämlich „Neuntöter“, „Dompfaff“ und „Taube“ im Stadium der Bauvorbereitung.127

Damit war die grundsätzliche Planung für eine Abdeckung des österreichischen Zentralraumes bis hin zur slowakisch- ungarischen Grenze fertiggestellt.128

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Die Planung vom Hochsommer des Jahres 1943 bezüglich der in der Ostmark vorgesehenen Nachtjagdräume (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Die in Bayern gelegen Funkmessstellungen Strauß, Ziege, Pfau, Rehpinscher, Taube und Gnu, welche alle zur 5. Jagddivision gehörten, deckten bereits zu einem kleinen Teil auch Gebiete ab die östlich der damaligen Divisionsgrenze lagen. Nun sollten nach und nach auch die auf österreichischem Gebiet liegenden Nachtjagdräume „Kamel“, „Steinadler“, „Kleiber“, „Mustang“, „Zaunkönig“, „Maultier“ und „Papagei“, sowie die im mährischen Raum liegenden Funkmessstellungen „Blutegel“ und „Termite“ folgen.129

Eine Neuerung war der Versuch einer Großraum-Jägerführung mit Hilfe von auf Bergen aufgestellten Funkmessgeräten vom Typ „Freya“, die mit dem Zusatzgerät „Gemse (Gämse)“ ausgestattet waren. Durch die so erzielten größeren Reichweiten hoffte man rascher als bisher und mit wesentlich weniger Funkmessgeräten eine Überdeckung des gebirgigen Gebietes an der südlichen Reichsgrenze zu erreichen. Allerdings konnte man so nur Objekte ab einer Flughöhe von 1000 bis 2000 Meter und darüber erfassen.130

Die Vorrausetzung dafür war, dass es gelang die Festzeichen auf dem Bildschirm der „Freya“- Funkmessgeräte, welche durch die Reflexionen von den umliegenden Berggipfeln entstanden, mit Hilfe eines Zusatzgeräts zu unterdrücken. Dadurch wurde eine Aufstellung auf höheren Bergen möglich und man konnte die dadurch erzielbaren größeren Reichweiten ausnützen. Diese „Freya-Geräte“ wurden auch mit dem Zusatzgerät „Gemse“, einem Empfänger für das Bordkenngerät „Erstling“, usgestattet. Beim „Erstling“ handelte es sich um ein Bordkenngerät (Freund-Feindkennung FuG 25a) mit dem die ein- und zweimotorigen Flugzeuge ausgerüstet wurden.131

Diese sichere Verbindung zwischen dem Funkmessgerät und den eigenen Tag- oder Nachtjägern sollte nun allgemein für die Jägerführung, besonders aber für das noch auszubauende Flugmelde und Jägerführungsnetz in Süddeutschland, in Südtirol und in der Ostmark, zur Anwendung kommen.132

111 Nach den Kriegstagebüchern des Wehrwirtschaftsoffiziers im Wehrkreiskommando XVII.
112 Im Bereich des Jafü Ostmark gab es vorerst keine Nachtjagdverbände. Zwar lagen seit dem 9. März 1943 Teile der II. Gruppe des Nachtjagd-Geschwaders 101 in Parndorf, wobei es sich um einen Ausbildungsverband handelte. Erst 1944 kamen dann Lehrbesatzungen dieser Einheit zum Einsatz gegen die nächtlichen Einflüge. Um diese unbefriedigende Situation zu ändern, schulte man im Dezember 1943 zehn Besatzungen der damals in Wels stationierten II. Gruppe des Zerstörer-Geschwaders 1 auf die Nachtjagd um.
113 Der Befehl zur Errichtung dieser Stellungen dürfte ebenfalls bereits Anfang Oktober 1943 ergangen sein. Am 15.9.1943 war die 7. Jagddivision gebildet worden, welcher der Jafü Ostmark unterstellt wurde. Für die zu errichteten Stellungen in der Ostmark hatte man ursprünglich Mädchennamen als Tarnbezeichnung vorgesehen. Erst später wurden sie, wie im Reichsgebiet allgemein üblich, auf einen Tiernamen umgetauft. So wurde beispielsweise aus der in Unterpurkla gelegenen Funkmessstellung „Paula“ dann die Stellung „Rammler“.
114 Feldpost-Übersicht.
115 Die Stellung „Rammler“ (7./205) lag unweit von Radkersburg, bei Unterpurkla. Der Standort von „Koralle“ (12./204) lag östlich von Prag, bei Kolin, in der Ortschaft Krakowan.
116 Daran beteiligt waren folgende Kompanien: 13. u. 22./Ln.-Rgt. 202, 7., 8., 12. u. 13./Ln.-Rgt. 204, 10./Ln.-Rgt. 212 sowie 20. u. 21./Ln.-Rgt. 214.
117 Zur Funkmessstellung Neufelden, die zwischen den Ortschaften Altenfelden und Fraunschlag lag vgl. auch: Fritz Winkler, Kriegsende und Besatzungszeit in den Bezirken Rohrbach und Urfahr-Umgebung, Grünbach, 2001, S. 33.
118 NARA, Microfilm Publication T-77 roll 750. KTB des Wehrwirtschaftsoffiziers beim Wehrkreiskommando XVII in Wien 1.1. bis 31.3.1944. Nach diesem Kriegstagebuch war es im Januar 1944 in Andau zur Aufstellung eines FuMG. 65 (Würzburg Riese) gekommen. Die Stellung „Zaunkönig“ bestand bis zum Kriegsende ebenfalls nur aus einem FuMG. 65.
119 Die Stellung „Rammler“ bei Unterpurkla bestand zu Anfang nur aus einem „Freya“, erst später kam ein Würzburg Riese dazu. Näheres dazu in „Der Luftkrieg über dem Bezirk Radkersburg 1939-1945“, S. 3f.
120 Der Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches, Befehl Nr. 10222, vom 28.2.1944.
121 BArch, RL-8/88.
122 Ebd. Die Bereiche Nachtjagdraumführer 106 (III./Ln.-Rgt. 205, Nürnberg-Kitzingen) und 107 (II./Ln.-Rgt. 205, München Schleißheim).
123 In Obermühlhausen über Landsberg.
124 In Hofolding südöstlich von München.
125 In Wagenries bei Passau.
126 In Illdorf bei Neuburg an der Donau.
127 BArch, RL 8-84 vom 1.4.1943.
128 Über die sich ständig ändernden Planungen informieren folgende Karten, alle im BArch: RL 8/84 Gen.Kdo. XII. Fl. Korps Nr. 1500/43 vom 1.4.1943; Nr. 2700/43 vom 12.09.1943, Gen. Kdo. II. Jagdkorps Nr. 177/43 vom Oktober 1943; Kart 40/4, Lw.Füst. Ia op 1 Nr. 43/44 vom 15.2.1944; Kart 40/33 Nr. 342/44 vom 6.3.1944; Kart 40/96 Nr.1256/44 vom 1.5.1944; Kart 40/151 vom 2.7.1944.
129 BArch, RL 8-88 vom 31.8.1943.
130 Erprobungsstelle der Luftwaffe Rechlin, 5030/121. Sachgebiet FT – Nachrichtentechnik. Wochenbericht vom 16.— 21.8.1943.
131 Ebd. Das FuG 25a war ein Empfänger der bei Empfang von Impulsen des „Freya“-Gerätes einen Sender aktivierte und eine Kennung abgab. Diese wurde dann vom „Gemse“-Empfänger im Freya-Gerät dekodiert.
132 Ebd. 5030/366. Erprobungsstelle Werneuchen, Br.B.Nr. 885/43 g. Kdos. vom 15.11.1943.



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DER AUFBAU DER JÄGERFÜHRUNG IM SÜDÖSTLICHEN REICHSGEBIET

Teil 4 von 5
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Damit hatte man die Grundlagen für das „Egon“-Jagdverfahren geschaffen, dass nun zum wichtigsten Weit-Führungsverfahren für Jagdverbände und einzelne Jagdflugzeuge bei Tag und Nacht wurde. Da man im Gegensatz zu den normalen Funkmessgeräten nicht die von den Flugzielen reflektierten Strahlen, sondern die Kennungsimpulse der Bordkenngeräte ausnutzte, konnten wesentlich größere Reichweiten erreicht werden. In den Fällen wo das „Egon“-System nur zur Jägerführung benutzt wurde, konnte bei den „Freya-Geräten“ die Empfangsantenne für die abgestrahlte Welle ausgebaut werden. Die für die „Egon“-Führung verwendeten Freya-Geräte waren dadurch erkennbar, da sie nur über zwei Antennen („Matratzen“) verfügten.133

Wurde das „Egon“-Gerät auch für Flugmeldezwecke benutzt, sowie zumeist in den Funkmessstellungen im Bereich der Ostmark, so musste hingegen ein „Egon“-Gerät mit drei Antennen verwendet werden.134

upload_2018-2-1_22-24-57.png Links: Das Links: Das typische „Egon-Gerät“. Rechts: Das „Egon-Gerät“ mit drei Antennen, welches auch für den Flugmeldeeinsatz geeignet war (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Die Reichweitenerprobungen mit Freya-Geräten die man auf ausgesuchten Höhen platziert hatte begannen im österreichischen Alpenvorland Anfang November 1943.135 Nachdem die Versuche erfolgreich verliefen, wurde die bisherige Planung vom Hochsommer revidiert, da man nun von verbesserten Geräten und Verfahren ausging, welche sowohl bei der Jägerführung als auch bei der Erfassung einfliegender Kampfverbände eine Verdoppelung der Reichweiten versprachen.136

So wurden einige der im Sommer 1943 noch vorgesehen gewesenen Funkmess-Stellungen, wie zum Beispiel „Kamel“ und „Maultier“, überflüssig und gestrichen.

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Heinrich-Peiler einer Y-Linie (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Im Januar 1944 ging die zur 7. Jagddivision gehörende Nachtjagdleitstellung „Taube“ in Betrieb, die auch einen Teil des Reichsgaues Salzburg abdeckte. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, dass man die ursprünglich am Gaisberg bei Salzburg geplante Funkmessstellung „Gnu“, noch vor dem Jahresende in östlicher Richtung bis in den Raum Vöcklamarkt vorschob. Die neu erstellte Planung sah nun im Bereich des Jagdfliegerführers Ostmark folgende Funkmessstellungen vor, die alle zur Führung der Nachtjagd befähigt sein sollten:

- „Gnu“ bei Vöcklamarkt und
- „Rehpinscher“ bei Altenfelden,
- „Steinadler“ bei Steyr,
- „Kleiber“ bei Altenburg,
- „Mustang“ bei Ruprechtshofen,
- „Zaunkönig“ bei Neudorf und
- „Papagei“ bei Untersiebenbrunn.137

133 Die Sendeantenne des „Freya“ und die „Gemse“ Empfangsantenne.
134 OKL, GenNafü, Ln.-Insp., 6. Abt., Br.B.Nr. 56030/44 geh. Id, vom 12.9.1944, Vorläufiges Merkblatt über das Egon-Jagdverfahren. Die oberste Empfangsantenne war für die „Erstling“-Antwortwelle, die mittlere Empfangsantenne für die „Freya“-Reflexionsortung und die unterste Sendeantenne für die „Freya“-Frequenz plus der „Erstling“-Frequenz.
135 Erprobungsstelle der Luftwaffe Rechlin, 5030/62. Sachgebiet FT-Nachrichtentechnik. Wochenbericht vom 18.— 23.10.1943.
136 BArch, Kart 40/4. Lw.Füst. Ia op 1, Nr. 43/44, vom 15.02.1944.
137 Bei Mösendorf sieht man heute noch die beiden Betonsockel für die hier geplanten Würzburg-Riesen. Die zu Ende des Jahres 1943 geplante Stellung „Gnu“ kam jedoch nie zur Ausführung.



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DER AUFBAU DER JÄGERFÜHRUNG IM SÜDÖSTLICHEN REICHSGEBIET

Teil 5 von 5


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Das Funkmessgerät FuMG 62 „Würzburg Riese“, Vorder- und Rückansicht. Auf dem unteren Bild ist die geräumige Kabine für das Bedienungspersonal gut zu erkennen (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Später verzichtete man auf jene Nachtjagdräume, welche in den mittlerweile durch Flakartillerie geschützten Gebieten geplant waren. So unterblieb letztlich die Realisierung der Funkmessstellungen „Gnu“ (Vöcklamarkt), „Steinadler“ (Raum Steyr), „Maultier“ (westlich von Wien). Ebenso verzichtete man auf die Stellung „Kamel“, die man ursprünglich für das Waldviertel, im Gebiet von Gmünd, vorgesehen hatte. Im Herbst 1943 hatte auch im Bereich des Luftgaues XVII der Aufbau von Funkmessstellungen für den Flugmeldedienst begonnen.

Den Anfang machte die Flugmessstellung „Holzwurm“, die unweit der Ortschaft Holzleithen, am Höhenzug des Hausrucks, errichtet wurde und zum Fluko Amstetten (9/17) gehörte. Eine zweite Anlage, die zum Fluko Brünn (33/17) gehörende Stellung „Brummbär“, kam in Eibenschitz bei Brünn für die Überwachung des mährischen Raums zur Ausführung. Beide Funkmessstellungen waren solche der I. Ordnung und mit einem Freya-Igel, drei Geräte die in Dreiecksform aufgestellt wurden, ausgerüstet. Mit Hilfe dieses Freya-Igels konnte ein Rundum-Suchgerät, die damals erst im Stadium der Entwicklung waren, simuliert werden.
Der Einfluss der Jägerführung auf das Flugmeldewesen wuchs nun von Monat zu Monat, sodass ab dem März 1944 das Lagebild unter der Verantwortung der Jägerführung und ausschließlich auf elektronischen Weg erstellt wurde. Dafür wurden auch die
beiden, zum Luftgau-Nachrichtenregiment 17 gehörenden, Funkmessstellungen „Holzwurm“ und „Brummbär“ der Jägerführung unterstellt.

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Der „Seeburg-Tisch“, das Arbeitsgerät des Nachtjagd-Leitoffiziers (US- Air Force, AFHRA/RSA).

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Verschiedene Bauformen von Peiltürmen so wie sie bei den Y-Linien verwendet wurden (US-Air Force, AFHRA/RSA).

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Deutscher Jägereinsatz am 20.09.1943: Unten - Einsatzstärke

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Deutscher Jägereinsatz am 20.12.1943: Unten - Einsatzstärke

Die Entwicklung des Jägereinsatzes an allen Fronten, im zweiten Halbjahr 1943.


 
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