Beginn und Aufbau der Luftraumüberwachung auf österr. Staatsgebiet 1938-45

josef

Administrator
Mitarbeiter
#41
Die letzten 4 Artikel aus der Serie von Renato Schirer hinzugefügt:

- DIE FLUGMELDEORGANISATION IM INFERNO DES LUFTKRIEGSGESCHEHEN (2 Teile - Beiträge #31 und 32)
- LETZTE ANSTRENGUNGEN BEIM AUSBAU DER FERNMELDEINFRASTRUKTUR (Beitrag #33)
- DER LUFTSCHUTZWARNDIENST IN DER ENDPHASE DES ZWEITEN WELTKRIEGES (Beitrag #34)
- DIE ORGANISATION DER FUNKAUFKLÄRUNG UND IHR BEITRAG ZUR LUFTRAUMÜBERWACHUNG
 
#43
Neuerdings im Extrablatt auf Hr. Schluzes Website: Start - Die Döblinger Website

Cobenzl Stollen.JPG Cobenzl Stollen 2.JPG

Das Erbe Karl Luegers – für die MA 49 eine Nummer zu groß

Als der Döblinger Heimat-Kreis im vergangenen Jahr einen der drei verschütteten Stollen entdeckte, war die Freude der Heimatforscher groß – nach 50jähriger Suche endlich ein Erfolg auch am Cobenzl! Genau genommen war es der Archäologe Dr. Marcello La Speranza, der diesen Stollen festmachte und anfing, ihn zu erforschen und zu dokumentieren. Wir berichteten im Döblinger Extrablatt Nr. 16 auf den Seiten 6 bis 7. Der Stollen war bereits seit mehreren Jahren zugänglich, wie sich vor kurzem herausstellte. Der weitere Vorgang ist bekannt. Die MA 49 hat – ohne das Stadtarchiv zu fragen, geschweige denn das Bundesdenkmalamt zu kontaktieren – den Stolleneingang in einer Nacht- und Nebelaktion zugeschüttet. Seitens des Döblinger Heimat-Kreises und der MA 49 folgte nun ein reger MailVerkehr. Zuerst beschuldigte uns die MA 49 fälschlicherweise, illegale Grabungen ohne Genehmigung und Erlaubnis durchgeführt zu haben. Bis heute hat es kein Verantwortlicher der Mühe wert gefunden, sich bei uns für die völlig haltlosen Bezichtigungen zu entschuldigen! Stattdessen bot man dem Verein seitens der MA 49 im Auftrag von Frau Steinkogler am 18. Jänner 2018 per Mail ein Formular zum Ansuchen um eine Grabeerlaubnis an, worüber wir uns sehr freuten. Endlich schien Bewegung in die Sache zu kommen. Der Antrag für die Grund- und Objektbenützungen wurde daraufhin sogleich ordnungsgemäß und voller Vorfreude seitens des D H-K ausgefüllt, und man informierte gleichzeitig ein befugtes Vermessungsbüro, einen Geologen und auch den geplanten Ausgrabungsleiter und Archäologen Herrn Dr. La Speranza, dass eine korrekte Öffnung und eine entsprechende Dokumentation in Bälde anstehen. Doch schließlich, am 14. Februar, erreichte uns die Antwort von Frau Petra Wagner aus der MA 49: „Für Ausgrabungen, die seitens der MA 49 nicht genehmigt wurden, kann auch keine Zustimmung für eine Dokumentation dieser gegeben werden.“ Jetzt war guter Rat teuer. Wozu bot man uns dann überhaupt das Antragsformular an? Wir ersuchten daraufhin in aller Form und Höflichkeit um ein persönliches Gespräch, bei dem alle Unklarheiten aus dem Wege geräumt werden sollten. Am 19. Februar kam dann die für historisch und archäologisch forschende Menschen erschütternde und völlig unverständliche Antwort – unverständlich vor allem, da wir angeboten hatten, die Dokumentation aus eigener Tasche zu bezahlen. Frau Wagner: „Die MA 49 befürwortet diese Ausgrabungen und deren Dokumentation nicht, deshalb ist ein persönliches Treffen nicht notwendig!“ Bei einer solch konsequenten Ignoranz zu einem für die Gesellschaft so wichtigen Thema waren wir erst einmal sprachlos. Vor allem, weil die kulturhistorische und naturrelevante Untersuchung des Stollens – auch im Sinne der Wiener Denkmalbewertung – absolut notwendig sind, wie Archäologe Dr. Marcello La Speranza betont: „Die Dokumentation des sogenannten Luftschutzstollens liegt aus geschichtlichen Gründen im öffentlichen Interesse, da diese Anlage nicht nur als Das Erbe Karl Luegers – für die MA 49 eine Nummer zu groß Originalfoto Stollen 26 Döblinger Extrablatt bauliche Hinterlassenschaft des Dritten Reiches zu bewerten ist, sondern offensichtlich ihr Ursprung in der Zeit der Monarchie liegen dürfte. Aus archäologischer Sicht ist eine Untersuchung begründet, zumal es sich bei diesem Stollen von 235 Metern Länge um ein einmaliges bautechnisches Zeugnis handelt, welches sich im Vergleich mit anderen Stollen im Wiener Stadtgebiet bereits in seiner Größe heraushebt. Noch dazu führt eine Untersuchung zu zusätzlichen wissenschaftlichen Ergebnissen im Bereich der Zoologie und der Geologie, die auch naturwissenschaftliche Fragen der Umwelt betreffen.“ Die MA 49 scheint das nicht zu tangieren. Bei diesem Verhalten fällt mir gleich wieder die Vorgangsweise ein, mit der dieselbe MA 49 ihren langjährigen Pächter Kommerzialrat Olaf Auer (der so nebenbei sein ganzes Vermögen in diese Brandruine am Cobenzl gesteckt hat) voriges Jahr herausgeekelt hat. Dr. Karl Lueger hat das Anwesen am Cobenzl 1907 gekauft, damit die Wiener sich hier wohlfühlen. Doch davon kann im Moment nicht die Rede sein: Nach dem Rausschmiss von Olaf Auer herrscht am Cobenzl für mehrere Jahre tote Hose. Die Schuhe des Dr. Karl Lueger sind der MA 49 offensichtlich deutlich zu groß. Hier sitzen einfach die falschen Leute zur falschen Zeit am falschen Platz. Vielleicht kann der neue Bürgermeister mit neuem Besen für mehr Geschichtsbewusstsein seiner Untergebenen sorgen, meint Ihr Wolfgang Schulz
 
#44
Bereits 2013 haben wir den Stollen vermessen, gezeichnet und dokumentiert. Nur haben wir es nicht an die große Glocke gehängt, weil wir wussten was dann passiert. Und genau das ist jetzt passiert und diejenigen welch dafür verantwortlich sind regen sich jetzt auf.
Der in den Döblinger Nachrichten gezeigte Plan ist nicht richtig.

Zitat: " ......führt eine Untersuchung zu zusätzlichen wissenschaftlichen Ergebnissen im Bereich der Zoologie und der Geologie, die auch naturwissenschaftliche Fragen der Umwelt betreffen ." Da wird der Stollen, übrigens auch von der Größe her, wichtiger gemacht als er ist.
Ich habe dort keinerlei Tiere gesehen und die Geologie des Berges ist hinreichend bekannt. Aber ich gebe zu; ich bin kein Geologe und auch kein Zoologe. Die beiden Herrn oben übrigens auch nicht.
 

Anhänge

Zuletzt bearbeitet:
#45
Neue Erkenntnisse zur Funkaufklärung 1944/45 auf österreichischen Teritorium. Siehe Beitrag #35

Durch den Zufallsfund eines Aktensplitter des Generalnachrichtenführers im Oberkommando der Luftwaffe, vom Juni/Juli 1944 auf einem Mikrofilm ergaben sich einige neue Erkenntnise mit Österreich-Bezug:

Am 3.7.1944 wurde der "Funkaufklärungs-Abteilung Reich" für die "Funkmess-Beobachtungsstelle" (FuMB) RAPS (Rax bei Wien) eine Anlage Korfu 274 zugewiesen.
Anmerkung: Die FuMB-Stellen erhielten zur Tarnung Planzen-Namen zugeteilt.

Am 9.7.1944 wurde die FuMB RAPS (Jakobskogel) zur Heukuppe verlegt, wo der endgültiger Ausbau erfolgen sollte. Auf der Heukuppe waren "zunächst mindestens 5 Peilanlagen vorzusehen und auszubauen: a) Korfu 812, b) Korfu 274, c) Peil A 82 m, d) Peilplatz FuMB F + G, e) Peilplatz Fan 5."

Am 20.7.1944 wurden Korfu-Anlagen 274 unter anderen an die FuMB-Stellen "Kiefer" (Kanzelhöhe), Zypresse (Zugspitze) geliefert.

Bereits am 26.6.1944 wurde mitgeteilt, dass FuMB "Kiefer" (Kanzelhöhe) keine ausreichenden Ergebnisse für die Flugwegverfolgung liefert, da "Kiefer" nach Süden durch die Karawanken und Julischen Alpen abgeschirmt wird. Gefordert wurde die Errichtung einer FuMB-Stelle in den Karawanken. Der Hochobir südlich von Klagenfurt wurde als besonders geeignet bezeichnet, war jedoch bereits durch eine Flum-Einheit besetzt. Erkundungsberichte waren einzureichen. Am 24.7.1944 wurde mitgeteilt, dass die geplante FuMB-Stelle für das Gebiet der Karawanken nicht eingerichtet werden kann, da die zu erarteten Reichweiten nach Süden nicht gegeben waren, um die Südeinflüge zu Erfassen. Die Luftflotte 2 in Italien wurde angewiesen die Flugwegverfolgung zu verbessern und wenn erforderlich durch FuMB-Stellen zu verdichten.

Gruß Renato
 
Oben