Beginn und Aufbau der Luftraumüberwachung auf österr. Staatsgebiet 1938-45

josef

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#21
DER WEG VOM JAGDFLIEGERFÜHRER OSTMARK ZUR 8. JAGDDIVISION

Teil 1 von 3

© Renato Schirer, nachfolgende Beiträge sind ab 2016 als Fortsetzungs-Artikeln in verschiedenen Ausgaben der öfh-Nachrichten erschienen:


Obwohl die Aufstellung des neuen „Jagdfliegerführers Ostmark“ bereits am 15. September 1943 erfolgt war, konnte Oberst Handrick erst am 12. Januar 1944 in seinem Bereich die Führung übernehmen. Wenige Tage vor der Übernahme kam es erstmals zu einem kompakten Abwehreinsatz im Bereich der Ostmark, als am 7. Januar 1944 64 Jagdflugzeuge und 38 Zerstörer starteten, um sich den Gegner auf Höhe von Wiener Neustadt, Steinamanger (Szombathely), Graz und Marburg (Maribor) zu stellen.138


Nach einer längeren Pause konnte Oberst Handrick erstmals am 22., 23. 24. und 25. Februar 1944 die Abwehr der im Rahmen der „Big Week“ einfliegenden amerikanischen Verbände koordinieren, wobei jedoch nur am 24. Februar ein größerer Abwehrerfolg erzielt werden konnte.139

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24. Februar 1944, Angriff auf die Rüstungsindustrie in Steyr. Im Bild ist auf halber Höhe links eine Me 110 zu erkennen. Diese verfolgt eine B-24, am rechten Rand des Fotos (NARA RG 342).


Im Zusammenhang mit dem Fortschritt beim Aufbau der Nachtjagd-Infrastruktur, konnte man am 5. April 1944 die II. Gruppe des Nachtjagd-Geschwaders 6 von Parchim nach Parndorf verlegen.140
Hier hatte bisher nur die Schulgruppe II./N.J.G. 101 gelegen, welche mit veralteten Flugzeugen ohne Bordsuchgeräte ausgerüstet war.141

Als Ende Mai 1944 die Inbetriebnahme der in der Steiermark gelegenen Jägerleitstellung „Gladiole“ erfolgte, hatte die II./N.J.G. 6 die Ostmark bereits wieder verlassen. Mit Hilfe der Jägerleitstellung auf den Stradnerkogel bei Bad Gleichenberg war es endlich möglich, gemeinsam mit der Jägerleitstellung „Selma“, sowohl das Wiener-, als auch das Grazer-Becken voll abzudecken.
142

Ein sicheres Indiz für das Erreichen dieser wichtigen Ausbaustufe war die ab Mai 1944 in der Ostmark vorhandene Konzentration von Nachtjagdverbänden. So war die I./N.J.G. 6 vom 7. bis zum 15. Mai 1944 in Wiener Neustadt, mit Teilen, von 13. bis 15. Mai, auch in Parndorf, stationiert.143


Auch im Juni waren ständig Nachtjäger hier, so operierte die 6./N.J.G. 101 von Parndorf aus, während die III./N.J.G. 6 ihre Einsätze von Steinamanger (Szombathely) aus flog. Neben den in Parndorf liegenden Teilen des Schulverbandes (Stab, 4. und 5. Staffel der II./N.J.G. 101) flog auch die 6. Staffel, im Zeitraum vom 14. Juni bis zum 10. Juli 1944, ihre Einsätze von Parndorf aus.144


Diese Nachtjagd-Einsätze waren eine Reaktion auf die von der 205 Bomb Group RAF ab Mitte April durchgeführten nächtlichen Verminungen der Donau. Daneben sollten die Nachtjäger aber auch die Störangriffe der 205. Bombergruppe der RAF verhindern, deren nächtliche Aktivitäten sich vorerst in Ungarn, später dann auch in der Ostmark, störend bemerkbar machten. Gleichzeitig sollten auch die nächtlichen Partisanenversorger, sowohl im Protektorat als auch auf dem Balkan, wirkungsvoll bekämpft werden.145

Der nächste größere Jägereinsatz erfolgte am 17. März als 26 Bf 109 des J.G. 27 von Graz aus starteten.146 Auch am 19. März kam es an der Südgrenze zu Einsätzen.147 Am 23. März konnte der Jafü 54 Bf 109, von Fels am Wagram und Graz aus, an den Gegner heranführen. Am 26. März waren es 85 Bf 109 und 31 Me 110 welche gegen die einfliegenden Bomber zum Einsatz kamen. Weitere vier Bf 109 wurden an diesem Tag gegen einfliegende Wetteraufklärer eingesetzt.148


Der Monat April begann mit einem erfolgreichen Abwehreinsatz, gegen einen in den Raum Steyr einfliegenden Bomberverband.149

Am 12. April konnte der Jafü 110 einmotorige- und 30 zweimotorige Flugzeuge gegen den Einflug, welcher die Rüstungsindustrie im Wiener Raum zum Ziel hatte, aufbieten.150
Auch am 23. April konnte der Jafü, diesmal auch auf Verbände der 7. Jagddivision zurückgreifen und 150 ein- und zweimotorige Flugzeuge dem in den der Wiener Raum einfliegenden Gegner entgegen schicken.151

Im Monat Mai konnten am 10., gemeinsam mit der 7. Jagddivision, 159 Maschinen an den Gegner herangeführt werden.152 Auch am 12., 24. und 30. Mai 1944 konnte den einfliegenden Bomberverbänden erhebliche Verluste zugefügt werden.


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Das Hydrierwerk in Brüx im Sudetenland, dem heutigen Most in Tschechien, wurde nach seiner vollen Inbetriebnahme zum Primärziel der 15th US-Air Force im Bereich des Luftgaues XVII (Wien). Dies erforderte erhebliche Organisationsänderungen im Bereich der Luftverteidigung. Hier ein Aufklärungsfoto unmittelbar nach dem Luftangriff am 12. Mai 1944 (NARA RG 342).


Die verstärkte Aktivität der Abwehr führte dazu, dass die 205 Bomb Group der RAF in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai den Jägerflugplatz Fels am Wagram bombardierte.153
Doch alle Erfolge konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass auf deutscher Seite die Verluste kaum mehr zu ersetzen waren. Besonders die Verlustrate der viel zu langsamen zweimotorigen Zerstörer war untragbar geworden. Die Jägerführung wollte als Konsequenz die Zerstörer aus der Reichsverteidigung abziehen um sie im Osten und Südosten und im Norden einzusetzen. Doch Göring lehnte dies rundweg ab und befahl, dass die Zerstörer-Geschwader mit jeweils einer stark gehaltenen Jagdgruppe gekoppelt und so baldmöglichst wieder an den Feind geführt werden sollten. Wobei der Einsatz im Grenzbereich der Reichweiten der amerikanischen Jäger, also über Wien und München, erfolgen sollte. Durch diesen gemeinsamen Einsatz erwartete sich Göring gute Erfolge bei tragbaren Verlusten. Des Weiteren befahl er dafür dem Zerstörer-Geschwader 76 eine einmotorige Nachtjagdgruppe aus dem Raum Wien zuzuführen und zu unterstellen. Nach Görings Ansicht sollte die Hauptaufgabe dieser Jagdgruppe der Schutz der langsamen Zerstörer am Tag sein, nebenbei sollte aber auch die Nachtjagd weiter durchgeführt geführt werden.154

Bereits Mitte Mai beantragte das für die Reichsverteidigung verantwortliche I. Jagdkorps den Jagdfliegerführer Ostmark aus der Unterstellung unter die 7. Jagddivision zu entlassen um diesen dem I. Jagdkorps direkt zu unterstellen. Vorerst verhinderte Göring dieses Vorhaben, da er eine Schwächung der Abwehrkraft zum Schutz der Rüstungsindustrie in Linz und Steyr befürchtete. Erst nachdem ihm versichert wurde, dass das I. Jagdkorps den Schutz dieses Raumes, durch eine Zusammenführung der der 7. Jagddivision und des Jagdfliegerführers Ostmark unterstellten Verbände, als seine Hauptaufgabe ansah, stimmte Göring zu. Des Weiteren erhielt das I. Jagdkorps nun die Genehmigung die II./J.G. 27, aus dem Bereich der 7. Jagddivision, zum Jagfliegerführer Ostmark zu verlegen.155

So konnte der Jafü am 9. Juli 1944, nun dem Jagdkorps direkt unterstellt, 39 Bf 109, 26 Me 110 und 17 Me 410 an den Start bringen.156
Auch beim nächsten Abwehreinsatz am 13. Juni konnte Oberst Handrick 37 Bf 109, 25 Me 110 und 19 Me 410 an den Gegner heranführen.157

Der Jagdführer Ostmark hatte in den vergangenen Monaten große Aufgaben zu bewältigen und dabei auch machen Erfolg erzielt, doch in keinem Fall konnte die totale Zerstörung der zu schützenden Objekte verhindert werden. Es gelang zwar den Angreifern ständig Nadelstiche zuzufügen, doch bedingt durch das Ungleichgewicht der Kräfte war es ein aussichtsloser Kampf. Mochten die Schläge der deutschen Jagdwaffe im Einzelfall auch noch so schmerzhaft gewesen sein, sie konnten zu keiner Zeit das Ziel der Angreifer, die Ausschaltung der Abwehrfähigkeit der Luftverteidigung und in weiterer Folge auch des industriellen und militärischen Potentials, gefährden.

Nach monatelangen schweren Kämpfen gegen die aus Italien einfliegende 15. Amerikanische Luftflotte, musste man auf der deutschen Seite zur Kenntnis nehmen, dass man es hier mit einer vollwertigen zweiten Luftfront zu tun hatte. So entschloss sich die Luftwaffenführung den bisherigen Jagdfliegerführer Ostmark aufzuwerten, wobei die bisherige Kommandobehörde in die neu zu bildende Division aufgehen sollte. Generalleutnant Schmidt, der Kommandeur des I. Jagdkorps, hatte Mitte Mai, anlässlich einer Jägerbesprechung bei Göring, eine unmittelbare Unterstellung des Jagdfliegerführers Ostmark unter das I. Jagdkorps sowie dessen Umbenennung, nach dem Abschluss des Ausbaues der erforderlichen Nachrichtenanlagen, in 8. Jagddivision beantragt.158


Erst am 5. Juni 1944 wurde Oberst Gotthardt Handrick, der bisherige Jagdfliegerführer Ostmark zum Kommandeur der neuen 8. Jagddivision ernannt. Diese Aufwertung wurde schon seit langen erwartet, hatte man doch bereits am 1. Mai 1944 den, zu Anfang des Monats April neu geschaffenen, „Jagdabschnittführer Ungarn“ dem Jagdfliegerführer Ostmark in einsatzmäßiger Hinsicht unterstellt.

Doch der Hauptgrund für die Aufwertung war, dass man zu diesem Zeitpunkt mit einer kontinuierlichen Ausweitung der Südeinflüge des Gegners rechnen musste. Gegen diese zweite Luftfront der Alliierten im Süden sollte mit Hilfe der neuen 8. Jagddivision eine solide Abwehrorganisation aufgebaut werden. Zu diesem Zeitpunkt mochte sich niemand vorstellen, dass es, mit dem Beginn der alliierten Invasion im Westen die man seit dem Frühjahr 1944 täglich erwartete, zu einem derart rapiden Verfall der Abwehrkraft im Süden und Südosten des Reiches kommen würde. Die neugeschaffene Jagddivision verfügte ab Ende August 1944 über keinerlei Jagdverbände mehr. Trotzdem wurde der im Frühsommer begonnene Ausbau der Infrastruktur mit voller Kraft weitergeführt.


138 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 20057/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 7.1.1944.
139 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 20763/44 geh., 20782/44 geh., 20806/44 geh. und 20836/44 geh., Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 22., 23., 24. Und 25.2.1944.
140 Die Gruppe lag hier vom 5. bis 11. April 1944.
141 Bei den Schulverbänden gab es eine Einsatzstaffel, wobei es sich um eine Alarmformation, mit einer Stärke von 4-8 Flugzeugen, handelte. Die Einsatzmaschinen wurden mit dem Lehrpersonal und den am weitesten ausgebildeten Schülern besetzt und nur gegen Aufklärungsflugzeuge eingesetzt, bzw. gegen Bomber mit Beschussschäden, welche als Nachzügler ihrem Verband folgten.
142 Am 14. Mai 1944 waren dem Jafü an Einsatzverbänden nur die I./J.G. 302 in Seyring (in der Tagjagd eingesetzt) und die II./N.J.G. 101 in Parndorf, sowie die Ungarische Nachtjagdstaffel 5/1 in Ferihegy unterstellt. Dazu kam noch die Luftbeobachterstaffel 7 in Agram (Zagreb), welche den Flugweg der aus Italien einfliegenden Bomberverbände beobachtete und als „Fühlungshalter“ diente.
143 BArch, Index Lw. Informationskarten 8618—8624 (MArch).
144 Ebd.
145 Neben der III./N.J.G. 6 standen auch die Einsatzteile der in Parndorf stationierten II./N.J.G. 101 zur Nachtjagd zur Verfügung. Als der, am 1. Mai 1944 gebildete, „Jagdabschnittsführer Ungarn“ einsatzmäßig dem Jafü. Ostmark unterstellt wurde kam dann auch noch die ungarische Nachtjagdstaffel 5/1 in Ferihegy dazu.
146 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21232/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 17.3.1944.
147 LGK XVII, Gruppe I c, Einflug-Abendmeldung für den 19.1.1944.
148 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21349/44 geh. und 21430/44 geh., Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 23. und 26.3.1944.
149 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21522/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 2.4.1944.
150 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21819/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 12.4.1944.
151 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21999/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 23.4.1944.
152 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 22337/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 10.5.1944.

153 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 21602/44 geh. und 22693/44 geh. sowie 22704/44 geh., Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 24., 29. und 30.5.1944 sowie LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 22697/44 geh. Betr.: Morgenmeldung für die Nacht 29./30.5.1944.
154 OKL Ia/Flieg, Nr. 4041/44 gKdos., vom 19.5.1944, Betr.: Aktennotiz über Jägerbesprechung beim Herrn Reichsmarschall am 15. u. 16.5.44, S. 3 f., hier die Punkte 6 und 8.
155 Ebd., Punkte 15 und 16.
156 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 22944/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 9.6.1944.
157 LGK XVII, Gruppe I c, Br.B.Nr. 23041/44 geh. Betr.: Einflug-Abendmeldung für den 13.6.1944.
158 OKL Ia/Flieg, Nr. 4041/44 gKdos., vom 19.5.1944, Betr.: Aktennotiz über Jägerbesprechung beim Herrn Reichsmarschall am 15. u. 16.5.44, S. 6, hier Punkt 15.


Fortsetzung siehe Teil 2...
 
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#22
Der Raum Salzburg verfügte über ein dichtmaschiges Sondernetz:
Berghof, Strub-Kaserne, Amt Berchtesgaden, Hotel 4 Jahreszeiten, Hotel Berchtesgadener Hof, Reichskanzlei, Funksendezentrale Gaisberg, Salzburg Flugplatz, Bahnhof, Bahnhof West, Funksendezentrale Klessheim.110
Das "Amt Berchtesgaden",
was war denn das früher gewesen?
Alle Funkstellen waren ja sicher miteinander verbunden;
aber gab es denn auch eine Hauptzentrale?
Gruß
 

josef

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Teil 2 von 3
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Der zur 4./218 gehörende Richt-Verbindungs- (RV) Betriebszug war, ebenso wie die Telegrafenbau-Kompanie, in Klosterneuburg, im Ortsteil Weidling, stationiert. Der Gefechtsstand, denn man bereits 1943 für den Jagdfliegerführer Ostmark eingerichtet hatte, befand sich gemeinsam mit jenen der 24. Flakdivision, im ehemaligen Schlosshotel am Cobenzl.

Dieser musste nun entsprechend adaptiert und erweitert werden. Er befand sich im linken Flügel, im Erdgeschoß, im
großen Saal des ehemaligen Hotels. Auf Grund der Beengtheit und der baulichen Gegebenheiten konnte dieser Gefechtsstand nur als ein Provisorium errichtet werden. Mann musste in Wien auf die, für einen Divisionsgefechtsstand vorgesehene, „Projektionstechnik“ für die große Lagekarte verzichten.

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Zwei Fotos einer frühen Ausführung einer Gefechtsstandausrüstung bei einer Jagddivision.


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Der provisorische Gefechtsstand im Hotel Cobenzl sollte, nach der Fertigstellung der Flaktürme im Augarten, durch eine der Norm entsprechenden Anlage im dortigen Geschützturm ersetzt werden. Dafür hatte man im zuletzt errichteten Gefechtsturm im Augarten, im sechsten und siebten Obergeschoss, ein sogenanntes „Gefechts-Opernhaus“, mit einer 9 mal 9 Meter großen Leuchtkarte und der entsprechenden Projektionstechnik vorgesehen. Damit hätte auch die 8. Jagddivision über einen bombensicheren Gefechtsstand verfügt, wie auch bei den anderen höheren Kommanden der
Jägerführung im Reich und den besetzten Gebieten üblich war. Neben den, sich über zwei Stockwerke des Geschützturmes erstreckenden Gefechtsstand, waren im 7. Obergeschoss auch noch Räume für Telefonvermittlung, Fernschreib- und Fernsprechvermittlung und des Fernteils der Kleinen Luftmeldestelle des Luftgaukommandos XVII vorgesehen. Weitere Räume waren für Fernschreiber, Trägerfrequenzgeräte und Sendeanlagen vorgesehen.159


Der nachstehende Übersichtsplan zeigt das 6. Obergeschoss im Gefechtsturm im Augarten. Im oberen Teil der Zeichnung des Gefechtstandes („Gefechts-Opernhaus“) der 8. Jagddivision ist die der gläserne Kartenwand (in Turmmitte, rechts der Faltspur) zu erkennen, welche sich über zwei Stockwerke erstreckte (Archiv Paul Vaszarits).

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Bodenfunde aus den Leitturm im Arenbergpark. Im 7. Obergeschoss des Gefechtsturmes im Augarten war neben der Vermittlung unter anderen auch die Sendeanlagen für Mittelwelle und Ultrakurzwelle vorgesehen (Archiv Dr. Marcello La Speranza).

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Skizze vom provisorischen Gefechtsstand der 8. Jagddivision im Schlosshotel Cobenzl (US-Air
Force, AFHRA/RSA).

Doch die 8. Jagddivision war nicht nur ein Führungsgefechtsstand der Reichsverteidigung sondern auch ein bürokratisches Monster mit einem enormen nachrichtentechnischen Aufwand. So liefen allein bei der Gruppe Ic, welche für die Feindlagebearbeitung zuständig war, täglich Fernschreiben mit den folgenden Lageorientierungen ein:

1.) Abendmeldung des Generalkommandos I. Jagdkorps.
2.) Morgenmeldung des Generalkommandos I. Jagdkorps.
3.) Abendmeldung der 1. Jagddivision.
4.) Morgenmeldung der 1. Jagddivision.
5.) Abendmeldung der 3. Jagddivision.
6.) Morgenmeldung der 3. Jagddivision.
7.) Abendmeldung des Jafü Schlesien.
8.) Morgenmeldung des Jafü Schlesien.
9.) Auszug aus der Abend- und Morgenmeldung der Luftflotte 3 über Gen. Kdo. I. Jagdkorps.
10.) Lagebericht West des Luftgaukommandos XVII, Ic.
11.) Tagesabschlussmeldung der Luftflotte 2, nur deren 3. Teil (Luftlage).
12.) Nebenabdrucke der Abschlussberichte nach jedem Feindeinflug innerhalb des Gebietes der Divisions-Flugmelde-Zentrale. Diese wurden dann fernschriftlich an das Generalkommando I. Jagdkorps, an die Div.F.M.Z. 1. Jagddivision, die Div.F.M.Z. 7. Jagddivision und den Jafü Schlesien sowie an den Jafü Balkan weitergegeben.

Außerdem erhielt der Gefechtsstand von der kleinen Luftmeldesammelstelle des Luftgaukommandos XVII in Wien, täglich auch sämtliche Luftlageberichte aus dem Reichsgebiet, dem Südraum und Südostraum übermittelt.160




159 Vergleiche dazu: Marcello La Speranza, Flakturm-Archäologie, Berlin 2012, S. 172.
160 NARA, MF T-971 roll 51. Hier die Abschrift einer Anlage zum KTB 8. Jagddivision Ia, vom 6. August 1944, 8.
Jagddivision Archiv-Nr. 78235.


Fortsetzung siehe Teil 3...
 

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Da sich von der 8. Jagddivision so gut wie kein Schriftgut überliefert hat, soll hier eine durch Zufall erhalten gebliebene auszugsweise Abschrift über einen eher unspektakulär verlaufenen Tag wiedergegeben werden. Die Eintragungen im Kriegstagebuch zeigen sowohl die Aufgabenstellungen als auch die Arbeitsweise der Division. Der Grund für die Anfertigung dieses Auszuges aus dem Kriegstagebuch war das Versagen der Flugmelde- und Flugmessorganisation im
Raum der Slowakei.161


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Dieser Auszug aus dem Kriegstagebuch, einen einzelnen Tag betreffend, zeigt eindrucksvoll die Problemlage mit der sich das Divisionskommando konfrontiert sah. Er zeigt aber auch die hoffnungslose Situation der wenigen, ständig überforderten, Abwehrformationen in der Reichsverteidigung. Zu dieser Zeit, Ende August 1944, musste die 8. Jagddivision, entsprechend einer Weisung des OKL, alle ihr bisher unterstellten Tagjagdverbände abgeben. Nach einer Entscheidung des Luftwaffenführungsstabes hatte die Luftflotte Reich ihre gesamten Jagdkräfte im mitteldeutschen Raum zu konzentrieren und die der Luftflotte unterstellten Verbände durften auch nur im Erfassungsbereich der 1. Jagddivision eingesetzt werden.

Fast gleichzeitig führte die katastrophale Entwicklung der militärischen Lage in Ungarn und am Balkan dazu, dass am 5.September 1944 auch der Jagdabschnittführer Ungarn aus seiner Unterstellung entlassen werden musste. Die wenigen ungarischen Jäger waren nun der Luftflotte 4 unterstellt, die ihrerseits auf Zusammenarbeit mit der auf Ungarn zurückgehenden Heeresgruppe Süd und der am Balkan kämpfenden Heeresgruppen F und E angewiesen war.

Die prekäre Situation in der Reichsverteidigung wurde noch zusätzlich verschärft, als anlässlich der Luftlandungen der Alliierten bei Arnheim und Nimwegen zwei Jagdgeschwader aus der Reichsverteidigung abgezogen werden mussten. So fiel der Einsatzbestand der Luftflotte Reich Ende September auf einen bisher noch nie erreichten Tiefstand von unter hundert Einsatzmaschinen.163

Im Jahr 1943 hatte man noch, im Einklang mit der erhofften Flugzeugproduktion für 1944, einen Stand von 3700 Flugzeugen und Flugzeugführern für die Jagdwaffe in Aussicht genommen. Doch diese Planung erwies sich fern jeglicher Wirklichkeit. Den im Dezember 1943 hatte man mit 2200 Flugzeugführern und 1800 Flugzeugen bereits den höchsten Stand des Krieges erreicht. Aber auch dieser Höchststand wich erheblich von den Zielvorgaben ab. Ab der Jahreswende 1943/44 reduzierte sich der Stand der zur Verfügung stehenden Piloten und Maschinen ständig. Trotz aller Neuzugänge brachte man es bis zum Juni 1944, aufgrund der ständigen Flugzeugverluste, nur auf 2100 Flugzeugführer und 1800 Flugzeuge.

Die Invasion brachte dann einen weiteren Abgang, sodass es im Monat Juli nur mehr 1936 Flugzeugführer und 1540 Flugzeugen gab.164
Zwar stieg im September die Zahl der Flugzeugführer auf 2120 an und man verfügte über 1750 Jagdflugzeuge, allerdings waren davon nur 1490 Piloten und 1120 Maschinen auch einsatzbereit. Unter Abzug der Frontverbände verblieben für die Aufgabe der Reichsverteidigung der Luftflotte Reich lediglich 530 Piloten und 385 Maschinen, von denen 330 Piloten und 270 Flugzeuge einsatzbereit waren.165

Die Aufstellung der 8. Jagddivision, erzwungen durch die gegnerischen Aktivitäten, war zu keiner Zeit ausreichend mit Verbänden dotiert. Der verfügbare Einsatzbestand an Tagjägern welche für die Reichsverteidigung zur Verfügung stand, war nicht mit der erfolgten Erweiterung der Organisationsform in Übereinstimmung zu bringen. Denn der Reichsverteidigungseinsatz im Südosten stand bereits zum Zeitpunkt der Aufstellung des Jagdfliegerführers Ostmark auf tönernen Füßen. Mit der Vergrößerung der Aufgabenstellung kollabierte das System. So blieb der 8. Jagddivision in Wien, die seit September über keinerlei Tagjagdverbände mehr verfügte, nur mehr die Führung der Nachtjagd im Südosten als Aufgabe. Doch die Nachtjagd hatte hier bei weiten nicht jene Organisationdichte und Effizienz wie im westlichen Reichsgebiet. So blieb bis zum Kriegsende die Luftraumüberwachung und damit die Sicherstellung einer rechtzeitigen Alarmierung der Bevölkerung das wichtigste Aufgabengebiet der Division.

Dazu passt auch, dass sich Oberst Handrick in dieser Phase aus Wien verabschiedete und im September die Führung der 8. Jagddivision seinem Stellvertreter übergab. Den Handrick war von Göring mit dem Aufbau einer neuen Jagdreserve beauftragt worden, mit deren Hilfe der Luftkrieg gegen die Westalliierten gewendet werden sollte. Denn bereits am 23. August 1944 hatte Göring die Aufstellung von 15 neuen Jagdgruppen und zwei Geschwader-Stäben, mit einem Soll von insgesamt 892 Flugzeugen, verkündet. Mit Hilfe dieser Sonderaktion, die natürlich zu Lasten der aktuellen Reichsverteidigung gehen musste, hoffte man die Jagdwaffe bis Mitte Oktober 1944 auf einen Stand von 2186 Flugzeugführern und 1894 Flugzeugen zu bringen.
Bedingt durch die vorzeitige Abgabe einzelner Gruppen zur Luftflotte 3, die in Frankreich, Belgien und den Niederlandenden eingesetzt war, konnte dieses Ziel nicht termingemäß erreicht werden.166

Die noch im Stadium der Aufstellung befindlichen neun Geschwader, mit zusammen 33 Gruppen zu jeweils 30 Flugzeugen, wurden im allgemeinen Sprachgebrauch als „Jagdreserve Handrick“ bezeichnet“. Mit deren Hilfe glaubte man, zusammen mit den Flugzeugen der 1. Jagddivision, erstmals dem Gegner mit 1000 Flugzeugen entgegenzutreten. So hoffte man im Erfassungsbereich der 1. Jagddivision zu einem wirklich großen Erfolgen zu kommen.167

Doch dieser Plan ging nicht auf, denn unter den Schlägen der alliierten Luftwaffen war man immer wieder gezwungen auf diese unter Oberst Handrick gebildeten Reserven zurückzugreifen, ohne diese Kräfte in ihrer Gesamtheit entscheidend zur Wirkung zu bringen. Letztlich wurde diese, über Monate mühsam aufgebaute und vom Einsatz zurückgehaltene „Jagdreserve Handrick“ am 1. Januar 1945 beim „Unternehmen Bodenplatte“ rücksichtslos verheizt.

Die vergangenen Monate hatten gezeigt, dass es durch die 8. Jagddivision zu keinerlei Verbesserung der Situation gekommen war, im Gegenteil die Einsatzstärken der verfügbaren Abfangjäger schmolzen von Woche zu Woche dahin. Im Gegenzug nahm die Kampfstärke der 15. US-Luftflotte ständig zu, sowohl von der Anzahl der zur Verfügung stehenden Verbände als auch von der Qualität und Ausstattung. Da man mit einer Veränderung der Situation im positiven Sinn auf deutscher Seite kaum mehr gerechnet werden konnte, wandte man sich bei der 8. Jagddivision dem weiteren Ausbau der passiven Luftverteidigung zu. Da die Luftwaffenführung aber immer noch hoffte, die am Boden liegende Jagdabwehr vielleicht doch noch einmal auf die Beine zu bringen, investierte man besonders in die Bodenorganisation der Tag- und Nachtjagdführung. Dies traf besonders das Vorfeld der Reichsverteidigung im Südosten, aber auch für das Erfassungsgebiet der 8. Jagddivision, zu. Letztlich musste man feststellen, dass man hier zu viel von den knappen Ressourcen eingesetzt hatte und man besser daran getan hätte, den für die Jägerführung betriebenen Aufwand in dem Ausbau einer lückenlosen Luftraumüberwachung und zur Verbesserung der
Luftwarnung zu investieren.

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Die von der 7. Jagddivision an den Bomberverband herangeführte IV. (Sturm) JG 3 attackierte mit ihren Fw 190 südlich von St. Pölten die, nach dem Bombardement des Fliegerhorstes Markersdorf an der Pielach, abfliegende 451th Bomb Group. Dabei gelang es fünf B-24 „Liberator“ der am Schluss fliegenden 725st Bomb Squadron abzuschießen.

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Zwei eindrucksvolle Bilder von dieser letzten großen Luftschlacht über dem Gebiet von Rax und Schneealpe. Eine brennende B-24 „Liberator“ der am Schluss fliegenden 725st Squadron nur wenige Sekunden vor dem Absturz (alle Fotos NARA RG 342, US-Air Force).


161 NARA, MF T-971, roll 51. Auszugsweise Abschrift aus KTB 8. Jagddivision, 25. August 1944, 8. Jagddivision Archiv-Nr. 3.
162 Heinz Gossow erhielt am 28.10.1944 das Ritterkreuz.
163 Ebd. Am 27.9.1944 verfügte die Lfl. Reich für den Einsatz in der Reichsverteidigung nur mehr über das J.G. 300 mit drei Sturmgruppen und einer Begleitgruppe, mit zusammen 120 Flugzeugen. Nach einem Großeinsatz an diesem Tag sank der Bestand dann am 28.9. auf 96 Flugzeuge ab.
164 So erhielt die Luftflotte Reich im August aus einer Neufertigung von über 3000 Flugzeugen lediglich 592 Maschinen zugewiesen.
165 NARA, MF T 971 roll 51. Hier: OKL, Chef Genst. (8. Abt), Nr. 947/44 gKdos, vom 18.10.1944. Die Zahlen für die Lfl. 3 waren 645 (505) Piloten, 440 (360) Maschinen. Im Osten waren eingesetzt 400 (310) bzw. 400 (345) und an der Nordfront 54 (42) Piloten bzw. 66 (52) Maschinen.
166 Ebd. Mit 15.9.1944 hatte die Sonderaktion folgenden Stand erreicht: 605 (540) Flugzeugführer, 450 (303) Flugzeuge. Damit war erst die Hälfte der benötigten 892 Maschinen vorhanden.
167 Ebd. Beilage zu Chef Genst. (8. Abt) Nr. 947/44 gKdos, o. D.
 

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DER AUSBAU DER FUNKMESS-(RADAR-) STELLUNGEN


Teil 1 von 2
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In Verbindung mit der Aufstellung des Stabes des Jagdfliegerführers Ostmark kam es zur Aufstellung des Luftnachrichten-Regiments 218. Ein Regiment dieses Namens gab es vom November 1943 bis zum Kriegsende, allerdings handelte es sich um zwei völlig verschiedene Einheiten. Das „erste“ Ln.-Rgt. 218, mit einer I. (Betriebs- und Jägerleit-) Abteilung und einer II.(Flugmelde-) Abteilung, existierte der Papierform nach vom November 1943 bis zur der am 2. September 1944 ergangenen Anordnung über die Neugliederung der Verbände des Flugmelde- und Jägerleitdienstes, doch real existierte das Ln.- Rgt. 218 in dieser Form noch bis zum Ende des Jahres 1944. Erst mit der Einnahme der neuen Gliederung im Jahr 1945 haben wir es mit einem gänzlich neuen Regiment, mit gleicher Nummer, bestehend aus einer I. (Betriebs-) und einer II. (Jägerleit-) Abteilung, zu tun. In der einschlägigen Literatur findet sich immer wieder der 2. September als Datum des Umstiegs, doch dieses Datum bezeichnet nur die Herausgabe des Befehls für die Neugliederung im Bereich des I. Jagdkorps (Luftflotte Reich), die nach Meinung der obersten Führung innerhalb einer Woche durchgeführt und abgeschlossen sein sollte, was den völligen Realitätsverlust auf diese Ebene zeigte. Die befohlenen Termine konnten nirgends auch nur annähernd erreicht werden. So erfolgte erst in den letzten beiden Monaten des Jahres 1944 schrittweise die Auflösung des „ersten“ Ln.- Regiment 218.168

Vor der Aufstellung des Ln.- Regiment 218 waren die mit den Aufgaben der Luftraumüberwachung befassten Einheiten im Luftgau- Nachrichtenregiment 17 zusammengefasst. Dies änderte sich erst zu Ende des Jahres 1943, als sich der Jagdführer Ostmark in Wien etablierte. Diesem wurde für seine Aufgabe das seit Ende November in Wien in Aufstellung befindliche, Ln.- Regiment beigegeben.169

Das Regiment bestand im Dezember 1943, zum Zeitpunkt der Befehlsübernahme, aus drei Stäben, dem Regimentsstab und Stab I. und II. Abteilung, hatte aber insgesamt nur vier Kompanien unterstellt. Zu den Aufgaben der in Wien stationierten Betriebs- und Baukompanien, der 1., 2. u. 4./218 gehörte der Betrieb des Gefechtsstands am Cobenzl und dessen nachrichtentechnische Anbindung.170

Die einzige damals einsatzbereite Jägerleitstellung, „Selma“ am Sonnenberg bei Hornstein, hatte man als 5. (Jägerleit-) Kompanie ins Regiment eingegliedert. Die noch fehlende 3. Flugmelde- und Auswertekompanie kam dann erst im Mai 1944 nach der Inbetriebnahme einer weiteren Jägerleitstellung, als zentrale Auswerteeinheit zur Aufstellung.171

Die Jägerleitstellung „Gladiole“ in Bad Gleichenberg wurde im Mai als 6. (Jägerleit-) Kompanie der I. (Betriebs- und Jägerleit-) Abteilung unterstellt. Mit der Aufstellung der II. (Flugmelde-) Abteilung wurde im Januar 1944, wohl mit Blick auf das Datum der Befehlsübernahme durch den Jagdführer Ostmark, begonnen. Dabei unterstellte man der II. (Flugmelde-) Abteilung sieben Kompanien verschiedener Luftnachrichtenregimenter, als 7., 8. und 10. bis 14./218. Dabei handelte es sich durchwegs um betriebsbereite Funkmessstellungen, die man im Gebiet der Ostmark in den vergangenen Wochen, durch Flugmeldekompanien fremder Ln.-Regimenter, aufgebaut hatte.172

Der ortsfeste und bewegliche, auf Aug und Ohr basierende, Luftspähdienst sollte nun mit dem ortsfesten und beweglichen Boden-Funkmessdienst zusammengefasst und auf Grund der Anordnung Görings vom 28. Februar 1944 dem Jägerleitdienst unterstellt werden. Doch es dauerte bis zum Hochsommer, bis eine verbindliche Planung für die Neuorganisation des Flugmeldedienstes im Bereich des I. Jagdkorps vorlag. Dieses Organisationsschema wurde dann durch das Oberkommandos der Luftwaffe am 2. September 1944 in Kraft gesetzt.173
Bereits im Juni, hatte man dem Regiment die noch fehlende 25. (technische) Kompanie zugeteilt.174


Für die Neuordnung der Truppenzugehörigkeiten war ursprünglich eine einwöchige Frist vorgesehen. Doch diese Zeitvorgabe konnte nirgends eingehalten werden. Einer der Gründe dafür war, dass bereits einige der betroffenen Einheiten im südlichen Ungarn in Gefahr liefen vom Feinde überrannt zu werden. Immerhin war jetzt die Flugmeldeabteilung des Luftgau-Nachrichtenregiments 17 in jeder Hinsicht der 8. Jagddivision unterstellt, die nun den gesamten Flugmeldedienst unter sich vereinte. Ende November konnte die vorgesehene Gliederung zumindest in groben Zügen, eingenommen werden. Entsprechend den neuen Vorgaben blieb das Ln.-Rgt. 218, mit dem Regimentsstab in Wien, weiter bestehen, gliederte sich jedoch in eine I./Ln.-(Betriebs-) Abteilung und eine II./Ln.- (Jägerleit-) Abteilung. Die neu gebildete Betriebsabteilung (I./218) setzte sich aus dem Abteilungsstab, mit Nachschub- und Kraftfahrtross, und den Kompanien 1., 2. und 3., in Wien, sowie 4., in Klosterneuburg-Weidling, zusammen. Die noch fehlende 5. (Telegrafen-) Kompanie kam bis zum Kriegsende nicht mehr zur Aufstellung. Bis Oktober war auch die 25. technische Kompanie der Abteilung unterstellt gewesen, wurde jedochspäter der in Dénesfa liegenden II. Abteilung des Ln.- Rgt. 228 zugeteilt. In der II. (Jägerleit-) Abteilung, deren Stab, samt Auswertezug, in Neufeld an der Leitha lag, waren die Jägerleitkompanien 10 bis 15 zusammengefasst. Unterstellt waren die Jägerleitstellungen

- „Selma“ (10./218) bei Hornstein,
- „Gladiole“ (11./218) bei Bad Gleichenberg und in Ungarn
- „Feige“ (12./218) bei Pecs,
- „Champignon“ bei Kecskemét (13./218), sowie im Protektorat
- „Birne“ (14./218) in Deutsch-Brodek bei Brünn.
Im Dezember 1944 kam dann noch die Anlagen in Kärnten
- "Saatkrähe" auf der Forstalm - Saualpe und in der Steiermark
- "Sonnenblume" beim "Scharfen Eck" am Speikkogel als 15. Kompamie dazu.

Entsprechend der am 2. September 1944 in Kraft gesetzten Reform des Flugmeldewesens sollte die Flugmeldeabteilungen des Luftgau- Nachrichten Regiment 17 gänzlich aufgelöst und das Ln.-Regiment 218 neu strukturiert werden. Gleichzeitig war im Bereich der 8. Jagddivision die Aufstellung von zwei neuen Ln.- Regimentern, ausschließlich für Flugmeldeaufgaben, vorgesehen.

Dafür sollte sowohl beim Personal als auch beim Gerät auf bereits vorhandenen Einheiten zurückgegriffen werden. Eines der neuen Flugmelderegimenter sollte zwei, dass andere drei Flugmeldeabteilungen erhalten. Bis Ende November 1944 waren die Vorbereitungen soweit gediehen, dass an eine Aufstellung gedacht werden konnte. Für das neue Ln.-Regiment 228
verwendete man durchwegs bereits vorhandene Stäbe und Flum.-Einheiten. So wurde aus dem bisherigen Regimentsstab 218 jener des Ln.-Regiments 228. Und die Stäbe der I. und II- Abteilung wurden vom Stab II./Luftgau-Nachr. Rgt. 17 und Stab II./Ln.-Rgt. 218 übernommen.

In Wien lagen der Regimentsstab und jener der I. Abteilung, während der Stab der II. Abteilung nach Dénesfa in Ungarn kam. Auch die unterstellten Flugmeldekompanien, bei der I. Abteilung waren es Kompanien 1. bis 6. und bei der II. Abteilung die Kompanien 10. bis 15., waren durchwegs bereits seit langen bestehende Einheiten. Einige davon lagen hier schon seit dem Herbst 1943 in ihren Stellungen.

Der ersten Flugmessabteilung waren drei schwere- und drei mittlere Funkmessstellungen unterstellt. Anfangs waren es nur zwei, die schwere Flum.-Leitkompanien (die ehemalige 33./Luftgau-Nachr. Rgt. 17) „Brummbär“ und die 7./Ln.-Rgt. 234 „Neufundländer“, die als 2. und 3. Kompanie unterstellt hatte. Die fehlende 1. Kompanie wurde erst einen Monat später eingegliedert. Es war die Funkmessstellung „Molch“, die bisher von der 30./Ln.-Rgt. 211 betrieben worden war. Weitere Umbenennungen waren die mittleren Flum.-Leitkompanien 4./228 „Papagei“ und 6./228 „Alpspitze bzw. Albatros“ (die frühere 10. und 12./Ln.-Rgt. 218). Gleiches galt auch für die 5./228 „Steinfels bzw. Storch“ (die ehemalige 10./Ln.-Rgt. 202). Der I. Abteilung waren auch die Ln.-Flum.-Funkkompanie z.b.V. 20 und die Ln.-Ausbau-Kompanie (mot.) 1 unterstellt, ohne dass es aber zu einer Eingliederung der beiden Kompanien gekommen wäre.175

Auch die II. Abteilung in Dénesfa, wurde, von einer Ausnahme abgesehen, aus bestehenden Einheiten gebildet. Nur die 12. Kompanie, welche die Funkmessstellung „Kalb“ betrieb, war eine Neuaufstellung.176
Durch Umbenennungen entstanden die 10./228 „Rabe bzw. Rabenstein“ (aus der 24./Ln.-Rgt. 204) und die 11./228 „Skorpion“ (aus der 2./Ln.-Rgt. 84).177

Vom „alten“ Ln.-Regiment 218 kam die ehemalige 11. Kompanie „Milbe“, die als 14./228 übernommen wurde. Funkmessstellungen, welche in der Vergangenheit von verschiedenen Ln.-Abteilungen betrieben wurden, waren die Kompanien 13./228 „Keiler“ (früher 9./Ln.-Rgt. 204) und 15./228 „Kamerun“ (früher 19./Ln.-Rgt. 215).178 Im Jahr 1945 waren der II./Ln.-Rgt. 228 auch noch die 9. Flugmeldefunk-Kompanie des Luftgau-Nachrichtenregiments 25 unterstellt, die in Bakonyjákó, 18 km südöstlich von Papá, stationiert war. Auch die 25. (technische) Kompanie des Ln.-Rgt. hatte man in dieser Phase des Krieges der II. Abteilung des Ln.-Rgt. 228 unterstellt.179

In der Vergangenheit waren die Flugmeldeeinheiten in der Mehrzahl entweder im Luftgau-Nachr. Rgt. 17 oder im Ln.-Rgt. 218 organisiert gewesen. Daneben gab es aber auch noch Stellungen die von Einheiten errichtet und betrieben wurden deren Stammverband nicht zum Befehlsbereich der 8. Jagddivision gehörte. Eine entsprechende Bereinigung erfolgte aber erst im Winter 1944 durch eine Umbenennung. Dabei wurden die im Bereich der 8. Jagddivision vorhandenen FuMG.-Stellungen in den fünf Flugmeldeabteilungen der Ln.-Regimenter 228 und 238 zusammengefasst, wobei die Durchführung in zwei Etappen erfolgte. Im November 1944 wurde die erste Etappe in Angriff genommen und die Funkmessstellungen auf die neuen Flugmeldeabteilungen (I. und II./Ln.-Rgt. 228 und I., II. und III./Ln.-Rgt. 238) aufgeteilt und eingegliedert. Die zweite Etappe folgte dann zum Jahresende, wobei die damals noch vorhandenen Flum.-Res. Kompanien zur Auflösung kamen, wobei man Gerät und Personal dieser Kompanien zur Aufstellung neuer Einheiten verwendete.

Der Ausbau der Funkmessstellungen machte auch eine Anpassung der Fernmeldeinfrastruktur erforderlich, besonders da von dem im September eingeleiteten Umbau auch die „Flugwachkommandos“ betroffen waren. Deren Organisationsform ging noch auf die Zeit vor Kriegsbeginn zurück, als sie als ein Bestandteil des früheren Reichsflugmeldedienstes entstanden. Doch die dichte fernmeldemäßige Anbindung an die vorgesetzten Dienststellen, die Vernetzung mit den benachbarten Fluko und die zahlreichen Drahtverbindungen zu den zugehörigen Flugwachen, verhinderte hier eine rasche Veränderung der Standorte.

Was man viel zu wenig berücksichtigt hatte ist, dass jede Veränderung an der bisherigen Organisationsform umfangreiche Eingriffe in die Fernmeldeinfrastruktur zur Folge hatte. Die geringe Baukapazität, die überdies zum größten Teil zur Behebung der durch den Luftkrieg entstandenen Schäden eingesetzt werden musste, verhinderte hier eine rasche Umsetzung der neuen Konzepte. Daher blieben in den meisten Fällen die bisherigen Fluko weiter in Betrieb, wurden nun als „Vorauswertungen“ und „Luftlageverteilerstellen“ bezeichnet. Im Endausbau, der allerdings nicht mehr erreicht wurde, sollte es dann nur mehr „Flugmelde- Vermittler- und Verteiler-Züge“ geben, welche die Aufgabe der früheren Flugmeldekommandos zu übernehmen hatten.

168 Die erfolgten Änderungen wurden in der Mehrzahl zu Mitte des Monats Dezember 1944 in die Feldpostübersicht eingetragen.
169 Tatsächlich übernahm der Jafü. Ostmark am 12. Januar 1944 die Jägerführung in dem ihm zugeteilten Raum.
170 1./218, die Funksprech- und Fernschreib- Betriebskompanie, und die 2./218, die Funkkompanie, waren beide in Wien 19., am Cobenzl untergezogen. Die 4./218, eine Telegrafenbaukompanie, war in Wien, in Klosterneuburg-Weidling, stationiert.
171 Die Flum.- Auswerte u. Betriebskompanie war ebenfalls am Cobenzl untergebracht.

172 7./218 „Zaunkönig“ aus 13./Ln.-Rgt. 204, 8./218 „Kleiber“ aus 8./Ln.-Rgt. 204, 10./218 „Papagei“ aus 20./Ln.-Rgt.214, 11./218 „Schwalbe bzw. Milbe“ aus 10./Ln.-Rgt. 212, 12./218 „Albatros bzw. Alpspitze“ aus 21./Ln.-Rgt. 214, 13./218 „Blutegel“ aus 22./Ln.-Rgt. 202 und 14./218 „Rehpinscher“ aus 13./Ln.-Rgt. 202.
173 NARA, RG 243, USSBS Microfilm Library, MF T901, roll 1138, frame 22708-22717. Hier OKL. Nafü. Nr.12482/44, g. Kdos., Neuorganisation, Stand vom 15.8.1944.
174 Die 25./218, mit Standort Sankt Andrä-Wörden wurde am 7.7.1944 in die Feldpostübersicht aufgenommen.
175 Die Ln.-Flugm. Funk-Komp. z.b.V. lag im Februar und März 1945 in Neutra/Nitra (Trnava), damals Ungarn, heute Slowakei. Nicht restlos geklärt werden konnte die Unterstellung der Ln.-Ausbau-Kompanie 1, die zum Teil auch als Ln.-Ausbau-Kompanie (mot.) 1 geführt wurde. Die Kompanie wird 1945, sowohl in Vöslau bei der Luftgau- Nachr. Abt. 17, aber auch unter der II./Ln.-Rgt. 228 in Wien, in Mauer (Rosenhügel), genannt.
176 Eingetragen in die Feldpostübersicht am 20.11.1944.
177 Die 11./228 „Skorpion“ wurde am 16.3.1944 in die Feldpostübersicht eingetragen.
178 Diese Funkmessstellung war bereits im September 1943 unter dem Decknamen „Wachtel“ errichtet worden.
179 Die 25. Technische Kompanie, mit Standort St. Andrä/Wördern hatte bis Oktober 1944 zum Ln.-Rgt. 218 gehört.


Fortsetzung siehe Teil 2...


 

josef

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#26
DER AUSBAU DER FUNKMESS-(RADAR-) STELLUNGEN

Teil 2 von 2

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Eine typische nachtjagdfähige Funkmessstellung, mit Heinrich-Peiler und Y-Linie (US-Air Force AFHRA/RSA).


Für den Bereich der Ostmark wurde mit den Ausbau in folgenden Funkmessstellungen begonnen:

- „Molch“ in Mörbisch (Flum.-Verm.- u.Vert.-Zug Wien);
- „Holzwurm“ bei Spielberg (Flum.-Verm.- u.Vert.-Zug Amstetten);
- „Sonnenblume" am Speikkogel (Flum.- Verm.- u. Vert.- Zug Judenburg);
- „Rammler“ in Altneudorf (Flum.-Verm.-u.Vert.-Zug Graz).

Bevorzugt war der Ersatz der Flugwachkommandos im Bereich der größeren Städte, da diese zumeist im dicht verbauten Gebiet lagen und daher vorrangig ersetzt werden sollten. Dafür hatte man im Dezember 1944 zusätzliche Baueinheiten eingesetzt, wie die

- 8./Ln-Rgt. 14 die in Mörbisch am Ausbau der Funkmessstellung
„Molch“ arbeitete. Parallel dazu baute die
- 4./Ln-Rgt. 14 neue Fernmeldeleitungen im Wiener Raum. Die
- 8./Ln-Rgt. 12 war in der neuen, bei Spielberg gelegenen, Funkmessstellung „Holzwurm“ eingesetzt, die damals kurz vor ihrer Vollendung stand.

Ein weiterer Ausbauschwerpunkt lag in Kärnten, wo die 2./Ln- Rgt. 12 im Bereich der Funkmessstellung „Saatkrähe“ auf der Forstalpe arbeitete, während die 1./Ln- Rgt. 12 an einer Drehkreuzachse, es handelte sich hierbei um eine im Hochbau ausgeführte spezielle Fernmeldeleitung zwischen Bruck an der Mur und Judenburg, baute. Auch zwischen Graz und der Funkmessstellung „Rammler“ wurde eine neu Drehkreuzachse, mit Hilfe der 3./Ln- Rgt. 12, errichtet.

Im Protektorat wurden die Flugwachkommandos Prag, Budweis und Brünn durch die Verm.-u.Vert.-Züge in den Funkmessstellungen „Koralle“ bei Krakowan (Krakovany), „Blutegel“ bei Duben (Dubné) und „Brummbär“ bei Eibenschütz (Ivancice), ersetzt.

Im Zusammenhang mit der neuen Organisation wurden zwei Drehkreuzachsen im Protektorat begonnen. Eine davon, an der die 4./Ln- Rgt. 12 arbeitete, führte von Budweis zu der 50 km westlich von Tabor gelegene Funkmessstellung „Tapir“. Von hier aus baute dann die 5./ Ln- Rgt. 12 eine weitere Drehkreuzachse, die zu der, bereits zur 7. Jagddivision gehörenden, Jägerleitstellung „Pegasus“ am Prager-Berg bei Rosenthal (Rozmital pod Tremsinem) führte.

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Eine weitere Kompanie dieses Regiments, die 6./Ln- Rgt. 12, war im Dezember 1944 östlich von Prag, beim Ausbau der in Krakowan (Krakovany) liegenden Funkmessstellung „Koralle“, eingesetzt, wo der auch der Vermittler- und Verteiler- Zug Prag untergebracht war. Die neuen Vermittler- und Verteiler- Züge ermöglichten es, dass die in einer Funkmessstellung I. Ordnung
anfallenden Informationen direkt an die Abnehmer und Nutznießer weitergeleitet wurden. Zu diesen zählten in erster Linie die Gefechtsstände des Flugmeldedienstes (Klein-Fluko), wo auch die Meldungen der zugehörigen Flugwachen eingingen, aber auch die Flugmeldezentrale (Haupt-Fluko) und die hier direkt angeschlossenen regionalen Gefechtsstände der Flakartillerie.
So sollte letztlich jeder Abnehmer die Möglichkeit erhalten, bei geringstem Zeitverzug, die für ihn erforderliche
Auswertung selbst vorzunehmen.

Fast ohne Änderungen kam man nur bei jenen Flum.-Res. Kompanien aus, denen keine Funkmessstellungen zugeordnet waren und wo der Flugmeldeeinsatz nur aus Flugwachen mit einem Flugmeldekommando bestand. Die wenigen Einheiten welche es von diesen Typ gab, wurden lediglich in „Leichte Flugmeldekompanie“ umbenannt und in die III. Abteilung des jeweiligen Luftnachrichten-Regiments eingegliedert. Dies betraf in Westen Österreichs, wo die 7. Jagddivision zuständig war, die Fluko in Innsbruck und Lend, die nun der in Innsbruck stationierten III. Abteilung des Ln- Rgt. 227 als 20. und 22. leichte Flugmeldekompanie unterstellt wurden.180

An der südöstlichen Reichsgrenze war es das Fluko in Marburg (32./17) welches in unveränderter Form bestehen blieb. Die Einheit wurde dann als 23. leichte Flugmeldekompanie in die III. Abteilung, des zur 8. Jagddivision gehörenden, Ln- Regiments 238 eingegliedert. Im 1. Zug der leichten Flugmeldekompanien hatte man die Besatzung der bisherigen Flugwachkommandos, nun als „Flugmeldezentrale“ bezeichnet, zusammengefasst. Dazu kamen dann noch drei bis vier Flugmeldezüge. Jeder dieser Züge hatte bis zu zehn Flugmeldetrupps, wobei sich die Zahl der eingesetzten Flugwachen ständig änderte. Im Durchschnitt waren zwischen 30 bis 40 Flugwachen eingesetzt, so dass man für eine solche Kompanie von einer Stärke von 250 Köpfen und mehr ausgehen konnte.181

Allerdings erforderte die neue Struktur eine gänzlich neue Ausrichtung der Drahtnachrichtenverbindungen, was zu Umschaltungen, Neuschaltungen und Ergänzungs- bzw. Leitungs- Neubauten in einem Umfang führte, der die wenigen Baueinheiten überforderte. Der erforderliche Umbau des Fernmeldenetzes konnte unmöglich, so wie vorgesehen, innerhalb von einigen Wochen erbracht werden. Nach den Vorstellungen der Planer sollten innerhalb kürzester Zeit alle Leitungen, welche bisher zu den Flugwachkommandos führten, auf die nächstgelegene und auch dafür geeignete Funkmessstellung I. Ordnung geschaltet werden. Was dies bedeutete lässt sich am Beispiel von Wien erkennen, wo alle Drahtverbindungen des aufzulassenden Flugwachkommandos von Wien nach Mörbisch verlegt werden mussten, wo der neu aufgestellte
Vermittlungs- und Verteilerzug Wien untergebracht war.182

Die Planer der neuen Struktur hatten kaum bedacht, welche Mengen an knappen Materialien, wie Kupfer, Stahl und Gummi, für die zusätzlich erforderlichen Kabel und Freileitungen erforderlich waren. Auch hatte man es versäumt mit den Rüstungsdienststellen abzuklären, ob die benötigten Geräte und Baumaterialien, von der damals bereits unter den Bombenangriffen schwer leidenden Industrie, auch im erforderlichen Umfang geliefert werden konnten.

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180 Das Fluko Lend, die bisherige Flum.- Res. Kp. 12./17, wechselte noch im Dezember 1944 von der II./Lg. Nachr. Rgt. 17 zur III./Ln.-Rgt. 227, wo sie dann zur 22./227 wurde. Auch das ehemalige Fluko Innsbruck, welches bis zur Unterstellung als Flum.- Res. Kp. 10./7 der II./Lg. Nachr. Rgt. 7 unterstellt war, kam nun als 20./227 zur Innsbrucker Abteilung. Gleiches galt für die Flum.- Res. Kp. 11./7 (Fluko Lend) im Allgäu, die ihre Bezeichnung auf le. Flum.-Kp. 21./227 änderte.
181 Bericht Birke.
182 Im März 1945 waren am Verm.- u. Vert.- Zug Wien bereits 29 Flugwachen angeschlossen.

 

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#27
DIE ZAHNLOSE JAGDDIVISION


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Bis zum Spätsommer 1944 konzentrierten sich die Funkmessstellungen auf zwei Bereiche, auf einen Riegel direkt an der Reichsgrenze zur Überwachung des unmittelbaren Vorfelds sowie auf weit nach Süden und Südosten vorgestaffelte Stellungen welche für ausreichende Vorwarnzeiten sorgen sollten. Die militärische Lage auf dem Balkan aber auch an der von Polen über die Slowakei bis zur östlichen Grenze Ungarn reichende Ostfront machte es erforderlich sich stärker nach Osten und Südosten abzusichern.

Daher wurde Ende Juli 1944 zwischen der Luftflotte Reich und der Luftflotte 4 einvernehmlich die Einsatzplanung für den Bau der Funkmessstellungen im ungarischen Raum festgelegt, wo man 8 Stellungen 1. Ordnung und 4 Stellungen 2. Ordnung, alle nachtjagdfähig, errichten wollte. Dazu kamen noch am Höhenzug der Karpaten zwei Stellungen 3. Ordnung.

Um Personal zu sparen sollten von den Stellungen 1. und 2. Ordnung jeweils drei durch ungarische Soldaten betrieben werden. Diese Funkmessstellungen sollten je nach ihrer geografischen Lage an die Abschnitts-Flugmeldezentrale in Budapest (8. Jagddivision) oder an jene in Debrecen (Luftflotte 4) angeschlossen werden.183

Da seit dem Spätherbst 1943 ständig Klagen über die Arbeit des Flugmeldedienstes im Protektorat geführt wurden, verlegte man Anfang August 1944 einige an der Ostfront freigewordene Flugmelde-Reservekompanien zur Verdichtung des
Flugwacheinsatzes nach Böhmen und Mähren.184

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Der ehemalige Gefechtsstand der 8. Jagd- und der 24. Flakdivision. Das Hotel am Cobenzl in der Nachkriegszeit. Der Tarnanstrich ist noch gut zu erkennen (US-Army, USACA, V.A.C.).

Wegen der Aufstandsbewegung in der Slowakei wurde im September 1944 ein Teil der II./Ln.Rgt.130, eine Abteilung welcher „Gefechtskompanien“ zur Bewachung führungswichtiger Verbindungen unterstellt waren, von Frankreich ins Aufstandsgebiet verlegt.185

Nach dem Abfall Rumäniens, der mit dem Verlust des Großteils der dort stationierten Flugmelde- und Jägerleiteinheiten verbunden war, musste von der Luftflotte Reich eine Flum.-Messabteilung mit drei Kompanien zur Luftflotte 4 in den ungarischen Raum zugeführt werden. Nach Ostungarn verlegte man die 14. Flum.Res.Kp. des Luftgau-Nachrichtenregiments 8, eine behelfsmäßig verlegbar gemachte Kompanie mit Kleinfunkgeräten. Auf das heranrücken der Fronten an die Alpen und die Karpaten reagierte das OKL mit dem Befehl den Einsatz von Funkmessgeräten auf den Höhenstellungen, der bereits im Juni 1944 erteilt worden war, schleunigst umzusetzen.186


Am 9. Oktober wurde der in Ungarn eingesetzte Flugmeldedienst einsatzmäßig der Luftflotte 4 unterstellt. Dadurch ergaben sich sofort Friktionen in Bezug auf die in Ungarn eingesetzten Jägerleiteinheiten, welche eine befehlsmäßige Klärung erforderten. Diese erfolgte am 2. November 1944.187


Mitte November wurde das Flum.-Regiment Südost der 8. Jagddivision unterstellt, da der kroatische Raum als Vorfeld der 8. Jagddivision galt und hier eine einheitliche Führung der Flugmelde- und Jägerleiteinheiten gesichert sein sollte.188


Anfang Dezember wurde auch der Rest des II./Ln.Rgt. 130, von der bereits ein Teil bereits in der Slowakei eingesetzt war, der 8. Jagddivision unterstellt. Die restlichen Gefechtskompanien, die bisher in Polen eingesetzt waren, verlegte man nach Kroatien, wo die nachrichtentechnischen Anlagen eines besonderen militärischen Schutzes bedurften.189


Die Anfang Oktober befohlene einsatzmäßige Unterstellung des westlich der Theiß (Tisza) eingesetzten Flugmelde- und Jägerleitdienst der 8. Jagddivision unter die Luftflotte 4 wurde Ende Dezember aufgehoben, da hier nur mehr frontgebundene Jagdkräfte im Einsatz standen. Gleichzeitig wechselte die Unterstellung der im Bereich zwischen dem Plattensees (Balaton) und Steinamanger (Szombathely) eingesetzten 9. (Flum.-Funkkompanie des Luftgau-Nachrichtenregiments Rgt. 25 zur 8. Jagddivision. In den ersten Tagen des Jahres 1945 musste das Luftflottenkommando 4 seinen Gefechtsstand, mit Blick auf die kritische Entwicklung in Ungarn, aus dem Raum Budapest in die Nähe der Reichsgrenze verlegen.

Mit Jahresbeginn wurde dem Luftflottenkommando 4 der Luftgau XVII (Wien), unter gleichzeitiger Abtrennung des Protektorates Böhmen und Mähren, unterstellt. Aus dem Protektorat und dem bisherigen Luftgau III plante das OKL zwei neue Luftgaue, die Luftgaue XV und XVI, zu bilden. Dafür wollte man die entbehrlich gewordenen Stäbe der „Kommandierenden Generäle der Deutschen Luftwaffe in Ungarn bzw. in Finnland“ verwenden.190


Im Rahmen dieser Neugliederung beantragte das Luftflottenkommando 4 am 18. Januar 1945, dass zukünftig alle Aufgaben im Bereich des unterstellten Luftgaukommandos XVII einheitlich durch das Luftflottenkommando bearbeitet werden sollten. Diesem Antrag wurde nicht entsprochen, da der Schwerpunkt des weiteren Ausbaues bei den Führungsverbindungen und beim Flugmelde- und Jägerleitdienstes lag. Diese Aufgabenbereiche müssten auch in Zukunft zwischen der Luftflotte 4 und der Luftflotte Reich im Einzelnen abgeglichen werden. Der Generalnachrichtenführer bestimmte dafür das Ln.-Schaltkommando OKL 2 als zur Entscheidung befugte Stelle.191


Alles in Allen keine besonders guten Voraussetzungen für den weiteren Ausbau der Infrastruktur. Den schwelenden Konflikt versuchte man dadurch zu lösen, dass man den Luftgau XVII in allen Angelegenheiten der Reichsverteidigung wieder der Luftflotte Reich unterstellte.

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Noch bevor sich der Monat seinem Ende zuneigte sah das OKL die Situation an der Ostfront wieder anders. Nun sollte die Aufstellung des Luftgau XVI entfallen und der Stab des Kommandierenden Generals der Deutschen Luftwaffe in Ungarn vorläufig weiter bestehen bleiben. Am 3. Februar wurde befohlen dass auch das Luftgaukommando III bleibt und das Luftgaukommando VIII das gesamte Gebiet des Reichsprotektorats Böhmen und Mähren übernimmt. Mit diesem ständigen Hin und Her hatte das OKL ein Chaos ausgelöst. Im Befehlsbereich der 8. Jagddivision herrschte einen Monat lang in organisatorischer Hinsicht ein völliger Stillstand, obwohl die Division selbst gar nicht betroffen war.192


Anfang Februar 1945 stellte sich die Situation folgend dar: Das Protektorat Böhmen und Mähren wurde dem Luftgaukommando VIII angegliedert, dass seinerseits wieder dem Luftflottenkommando Reich unterstellt wurde. Damit war das Kommando der Luftflotte Reich auch für die Bodenorganisation und den Nachschub der Luftflotte 6, welche an der nördlichen und mittleren Ostfront kämpfte, zuständig geworden.193


Um das allgemeine Chaos noch zu steigern, änderte man am 1. Februar 1945 auch die Führungsorganisation beim Luftflottenkommando Reich, wobei das I. und II. Jagdkorps aufgelöst wurde.

Anstelle der aufgelösten Jagdkorps trat nun das Luftwaffenkommando West. Ihm waren drei Fliegerdivisionen (14., 15. und 16.) sowie das IX. Fliegerkorps (J) unterstellt. Das Luftwaffenkommando war ab diesem Zeitpunkt für den Gesamtbereich der Reichsverteidigung (Jagdverbände) zuständig und hatte auch die alleinige Verantwortung für die Abklärung und Verteilung des Luftlagebildes an alle Nutznießer.194


Zur Jahreswende 1944/45 quälten auch erhebliche technische und logistische Probleme die für die Reichsverteidigung Verantwortlichen. Dies zeigte sich deutlich bei einer hochrangig beschickten Besprechung am 26. Dezember 1944. Dabei wurde von Seiten des I. Jagdkorps die Meinung vertreten, dass in Anbetracht der Personalsituation an eine Vermehrung der Funkmessgeräte nicht mehr zu denken sei. Dies vor allem, da im Rahmen der Neuorganisation ohnedies das Rundumsuchgerät „Jagdschloss“ als Hauptgerät für alle Funkmessstellungen festgelegt worden war.

Diesem Argument musste der General Martini entgegenhalten, dass das „Jagdschloss“ wichtige Werte wie große Reichweite, Höhenmessung, Kennung, lückenlose Erfassung der toten Zonen, Erfassung in großen Flughöhen nicht leisten konnte. Außerdem war das Jagdschloss-Gerät bei starkem Einsatz von Düppel („Windows“) des Gegners nur bedingt Funktionsfähig, daher waren zusätzliche Freya-Geräte auf langen Wellen (niedrigen Frequenzen) erforderlich.



183 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 2 (1. Abt), 27.7.1944.
184 Ebd. 5.8.1944.

185 Ebd. 1.9.1944.
186 Ebd. 4.9.1944.
187 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), 2.11.1944.
188 Ebd. 15.11.1944.
189 Ebd. 6.12.1944.
190 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 4 (1. Abt), 3.1.1945.
191 Ebd. 18.1.1945.

192 Ebd. 3.2.1945.
193 Ebd. 7.2.1945.
194 Ebd. 29.1.1945.



Fortsetzung siehe Teil 2...
 

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#28
DIE ZAHNLOSE JAGDDIVISION

Teil 2 von 2
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Der Generalnachrichtenführer betonte, dass auch weiterhin folgende Geräte notwendig wären:

- Fernsuchgeräte zur Erfassung auf große Entfernung, Würzburg-Riese zur Höhenerfassung,
- Freya-Geräte für Kennungsabfrage,
- Würzburg-Riesen mit G-Zusatz zur Ausschaltung der toten Zonen und zur Erfassung von Flugzeugen in großer Höhe.195


Damit war das Dilemma von der technischen Seite her klar umrissen. Dazu kam noch, dass die unter dem Bombenkrieg ächzende nachrichtentechnische Industrie immer weniger lieferfähig war. In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 spielte auch die Führer-Ln.-Abteilung am Obersalzberg eine bedeutsame Rolle, als man Mitte Juli 1944 damit rechnete, dass Hitler mit seinem Stab und seiner Entourage von Rastenburg nach dem Obersalzberg übersiedeln würde. Daher wurden sowohl eine Verdichtung des Luftspähdienstes im Nahbereich des Führerhauptquartiers, als auch der Aufbau neuer

Funkmessstellungen angeordnet. Damit beauftragt wurde die eigens für diesen Zweck neu gebildete Führer-Ln.-Abteilung.


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Unter der Verwendung der bisher im ostpreußischen Rastenburg eingesetzten 11. und 13. Flum.Res.Kompanie des Ln.-Flum.Rgt. 91 und der motorisierten 1. Flum.-Funkkompanie der Führer-Ln.-Abt. wurde ein Vorfeld aufgebaut um die Flugwegverfolgung gegnerischer Tiefflieger zu gewährleisten.196

Zur Anbindung der von der Ln.-Schule 7 nach den modernsten taktischen Grundsätzen ausgebauten Führer-Flugmeldezentrale wurden Flugmeldeleitungen zum I. Jagdkorps, zur 7. Jagddivision, zum Fluko Lend (2), zum Fluko Innsbruck, zum Fluko Mühldorf und zur Vermittlung Traunstein (2) geschaltet. Eine Verbindung zur 8. Jagddivision wurde in Bau genommen, nicht realisiert werden konnte eine ebenfalls geforderte Verbindung zum Jagdführer Oberitalien.197


Im September wurde die, bereits am 17.August 1944 von Ostpreußen abtransportierte, 11. Flum.Res.Kp. des Ln.-Flum.Rgt. 91, nach entsprechender Umrüstung, als 3. leichte Flugmeldekompanie in die Führer-Ln.-Abteilung eingehgliedert.198


In Verbindung mit dem Aufenthalt Hitlers auf dem Berghof, hatte man seit dem 4. September auch die 3. leichte Flum.Kp. der Führer-Ln.-Abteilung mit 9 ortsfesten Flugmeldetrupps auf der Linie Innsbruck – Linz – Leoben eingesetzt und die, mit Geräten mit Festzeichenunterdrückung ausgestatteten, Funkmessstellungen
- Schmittenhöhe,
- Gaisberg und
- Traunstein
der Kompanie unterstellt. Zur weiteren Verdichtung wurde die Erkundung zweier weiterer Funkmessstellungen befohlen, wobei die Suche nach den Aufstellungsplätzen durch die Führer-Ln.-Abteilung in Zusammenarbeit mit der Ln.-Schule 7 und dem Versuchs-Regiment Köthen erfolgen sollte.

Ende September wurden die drei Höhenstellungen definitiv aus dem Bereich der 7. Jagddivision herausgelöst und in die 3. le.Flum.Kp. der Führer-Ln.-Abteilung eingegliedert.

Nachdem die 8. Jagddivision seit September keine ständigen Jagdfliegerverbände mehr unterstellt hatte und auch die sporadisch vorhandene Nachtjagd ein eher kümmerliches Dasein fristete, stellte sich natürlich die Frage, ob sich der Aufwand für diesen aufgeblähten Divisionsstab überhaupt lohnte. Bis zum Ende des Jahres traute sich diese Frage niemand laut zu stellen, hoffte man doch, mit Hilfe der von Göring initiierten „Handrik-Jagdreserve“, das Blatt noch zu wenden und den Alliierten mit angriffsstarken Jagdverbänden entgegenzutreten. Als sich dies nach dem Unternehmen „Bodenplatte“ als Schimäre erwies und man erkennen musste, dass man die aufwendigen Investitionen in die Bodenorganisation für die Jagdfliegerführung wohl in den Sand gesetzt hatte, drängte sich diese Frage umso deutlicher auf.

Hatte die Division während der Kämpfe um Wien lediglich die Reste der ungarischen Jagdgruppe unterstellt, die in diesen Tagen einige Aufträge zu Erkundung erhalten hatten. Auch in Bezug auf die Nachtjagd sah es düster aus, so war der Division im April 1945 nur die 4./N.J.G. 100 unterstellt, die noch dazu im selben Monat dem Lw. Kdo. 4 unmittelbar unterstellt wurde.

Erst in den letzten Wochen des Krieges stellte der Chef des Generalstabs der Luftflotte 4, die damals selbst um das organisatorische Überleben kämpfte und einige Tage später mit dem Luftgaukommando XVII zusammengelegt und zum Luftwaffenkommando 4 zurückgestuft wurde, diese Frage. Man erhoffte sich dadurch eine erhebliche Anzahl an Soldaten einzusparen, wobei es in diesem Zusammenhang zu eigenartigen Zahlenspielen kam, da niemand so genau wusste welche Kopfstärke die 8. Jagddivision überhaupt hatte.

Man ging von einer Kopfstärke von 16000 aus, worauf General Martini, in seiner Eigenschaft als Waffengeneral erwiderte, dass am 15. Januar 1945 im Flugmelde- und Jägerleitdienst der Division höchstens 5000 Soldaten eingesetzt waren und
sich diese Zahl im Rahmen der Rückzugsbewegung noch erheblich verringert haben dürfte

Der Generalnachrichtenführer stimmte einer Auflösung in Bezug auf den Jägerleitdienst zu, unter der Voraussetzung, dass in diesem Bereich keine Jägerführung mehr durchgeführt wird. Für den Fall einer Auflösung der 8. Jagddivision empfahl er die Aufteilung in zwei Flugmeldebereiche, mit der Donau als Trennlinie, bei gleichzeitiger Unterstellung unter die Luftflottenkommanden 4 und 6.

Zwar kam es nicht zu einer Auflösung der Division, dafür wurde sie in den letzten Kriegstagen dem IX. Flieger-Korps (J) unterstellt. Doch dabei sollte es nicht bleiben, so wurden noch unmittelbar vor der Kapitulation der Wehrmacht die südlich der Donau eingesetzten Teile des Flugmeldedienstes wieder dem Luftwaffenkommando 4 unterstellt, während die 8. Jagddivision mit ihren nördlich der Donau gelegenen Flugmeldedienst dem IX. Flieger-Korps (J) und damit bei der der Luftflotte 6 bzw. dem zu dieser Zeit ebenfalls neu formierten Luftwaffenkommando 8 unterstellt blieb.

Doch dies alles blieb bloß auf dem Papier, denn die Wirklichkeit war über diese letzten organisatorischen Maßnahmen bereits hinweggeschritten. Die Stäbe und Truppen waren zu dieser Zeit nur mehr eine zerschlagene willenlose Masse, die sich von Ost nach West zurückzog und auf die Gefangennahme durch die westlichen Alliierten wartete.


195 Ebd. 23.1.1945.
196 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 2 (1. Abt),#17.8.1944.
197 Ebd. 28.8.1944.
198 Ebd. 4.9.1944.
199 Ebd. 14.9.1944.
200 Ebd. 26.9.1944.
201 Genaueres zu den Kopf- und Einsatzstärken bei der Luftflotte 4 im April 1945 findet sich in den öfh-nachrichten 3/11, Das Ende der Luftwaffe in Österreich, Teil I, auf S. 7 und Anmerkung 7.
202 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 4 (1. Abt), 10.4.1945 und Anlage A 286.
203 Ebd.
204 öfh-nachrichten 4/11, S. 26. Renato Schirer, Das Ende der Luftwaffe in Österreich, Teil II.
 

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#29
DIE JÄGERLEITORGANISATION IN DER LETZEN PHASE DES KRIEGES

Teil 1 von 2
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Im November 1944 hatte das neu strukturierte Ln.-Rgt. 218 die im August 1944 vorgegebene Gliederung, mit einer Ln.-Betriebs- und einer Jägerleit-Abteilung, eingenommen.205
Die bisher im „alten“ Regiment 218 vorhanden gewesenen Flugmeldeeinheiten waren in den neuen Flugmeldeabteilungen aufgegangen und die 25. (technische) Kompanie wurde der II. Flum.-Abteilung 228 zugeteilt.206
Zu den vorhandenen Jägerleitkompanien „Selma“ und „Gladiole“ (10. und 11./Ln.-Rgt. 218), welche zur Jahreswende 1944/45 mit jeweils fünf Y-Linien und drei Egon-Geräten ausgestattet waren, kamen jetzt noch weitere dazu, zwei in Ungarn und je eine in Mähren und in Kärnten.


Die Jägerleitstellung „Selma“ war als die zentrale Führungseinheit im Bereich der 8. Jagddivision vorgesehen, daher wurde hier im Frühsommer 1944 mit dem Aufbau einer neuen Rundsuchanlage vom Typ „Jagdhütte“ begonnen.207 Noch während des Aufbaues stellte man die Anlage auf das Gerätesystem „Jagdhaus“ um, damit verbesserte sich zwar die Reichweite von 80 auf 100 km und gewährleistete die Anzeige des Standortes der eigenen Jäger, führte aber dazu, dass die „Selma 1“ genannte Anlage vor dem Kriegsende nicht mehr fertig wurde.208
Zahlreich aufgetretene technische Probleme führten zu ständigen Verzögerungen bei der Anlieferung der Geräte und verhinderten so die Fertigstellung der Rundumsuchanlage am Sonnenberg bei Hornstein.209


Eine Jägerleitstellung verfügte zu dieser Zeit über mehrere Y-Stationen und Egon-Geräte, an Funkmessgeräten konnten ein bis drei Freya-Geräte und bis zu fünf Würzburg-Riesen vorhanden sein.210


Der Umfang und die Typenauswahl waren regional sehr unterschiedlich, vom Kriegsgeschehen abhängig und ständigen Änderungen unterworfen. In Ausnahmefällen gab es sogar Stellungen ohne Egon-Geräte, welche ausschließlich mit Y-Linien ausgestattet waren, was beispielsweise zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme auf „Selma“ zutraf. Doch im Allgemeinen verfügte eine Jägerleitkompanie über fünf Y-Linien und drei Egon-Weitführungsgeräte, die auch als „Weitling“ bezeichnet wurden.211

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass in dieser letzten Phase des Krieges immer mehr Y- als Egon- Systeme vorhanden waren. Eine Y-Anlage bestand aus 15 Meter hohen Türmen und konnte zur Führung von Tagjagd-, Nachtjagd- und Kampfflugzeugen eingesetzt werden. Dafür musste das geführte Flugzeug mit dem Funkgerät 16 ZY ausgestattet sein. Die Reichweite hing dabei wesentlich von der Flughöhe ab. Bei einer Höhe von 1.000 m konnte man mit etwa 100 km rechnen. Bei 6000 m Höhe stieg die Reichweite auf etwa 250 bis 400 km.


Das so geführte Flugzeug wurde dabei ständig von der Jägerleitstellung angemessen, um über Sprechfunk an den mittels Funkmessgerät erfassten Feindverband herangeführt zu werden. Doch der Aufbau einer Y-Anlage war aufwendig und erforderte neben der Leitstrahlantenne ein Kommandogebäude mit Entfernungsmessgestell und einen UKW-Peiler. Der Zeitaufwand für die Errichtung betrug im günstigsten Fall zwei Monate.


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Zwei typische Egon-Anlagen (links FuS An 730, Freya Egon I, rechts FuS An 731, Freya Egon II) für die Jägerführung. Kennzeichnend sind die beiden Antennen. Baugleiche Funkmessgeräte mit drei Antennen konnten sowohl zur Jägerführung als auch für die Zwecke der Luftraumüberwachung eingesetzt werden (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Die Egon-Anlage bestand aus einem auf einer Lafette montierten Freya-Funkmessgerät, welches in zerlegten Zustand leicht transportiert werden konnte. Dadurch war die Egon-Anlage für den Bewegungskrieg wesentlich besser geeignet als die ortsgebundene Y-Anlage mit ihren hohen Türmen. Auch beim Egon-Verfahren musste in das geführte Flugzeug ein Funkgerät vom Typ FuG 25a eingebaut sein. Das FuG 25a sendete eine Kennung an das Freya-Gerät und ermöglichte so eine Identifizierung. Die praktische Reichweite lag bei ungefähr 250 bis 300 km bei einer Flughöhe von 6000 m. Im Unterschied zur Y-Führung war hier auch eine Entfernungsmessung gegeben. Auch hier führte der Jägerleitoffizier das Flugzeug im Funksprechverfahren mit Hilfe der vom Freya Gerät ermittelten Werte an das gegnerische Flugobjekt heran.212

Als Bodenanlage waren im Normalfall zwei Funkmessgeräte, in einer Spezialversion des Typs Freya LZ, vorgesehen, wobei die Aufbauzeit bei der Egon-Anlage lediglich zwei Tage betrug.

Auf österreichischem Territorium lassen sich außerhalb der Standorte von „Selma“ und „Gladiole“ mehrere ortsfeste Y-Anlagen der Jägerführung nachweisen. Anhand von lückenhaften Unterlagen des Wehrkreiskommandos XVII in Wien, sind solche Anlagen in
- Wien-Aspern,
- St. Leonhardt am Forst (FuMG-Stellung „Mustang“) und
- Neudorf bei Staatz (FuMG-Stellung „Zaunkönig“)
nachweisbar.213


Diese zusätzliche Aufrüstung von Funkmessstellungen mit diesem System ist im Zusammenhang mit der Nachtjagdfähigkeit einer FuMG-Stellung zu sehen, wo eine solche Y-Linie vorhanden sein musste. Im Winter 1944/45 nahm, zusätzlich zu den bereits im Betrieb befindlichen Jägerleitstellungen „Selma“ und „Gladiole“, die in Mähren gelegene Stellung „Birne“, mit fünf Y und drei Egon-Anlagen und einen Y-Lotsenzug, ihre Arbeit auf.214

Zur gleichen Zeit aktivierte man eine weitere Jägerleitkompanie, welche eine am "Scharfen Eck" am Speikkogel geplante Stellung mit der Bezeichnung „Sonnenblume“ mit drei Y-Anlagen errichten und betreiben sollte.215

Doch hier hatte man die auf dem 1901 Meter hohen Speikkogel herrschenden widrigen winterlichen Bedingungen gröblich unterschätzt. Bald stellte sich heraus, dass in diesem hochalpinen und schwer zugänglichen Gebiet eine Bauführung während der Wintermonate nicht möglich war.216

Nicht weit vom Speikkogel entfernt, getrennt durch das Lavanttal, lag auf der Saualpe die Funkmessstellung I. Ordnung „Saatkrähe“.217
Hier war die Ausgangssituation etwas besser, da man noch rechtzeitig vor dem Wintereinbruch mit dem Bau begonnen hatte.218


Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Problem war in diesen Bereichen im Grenzraum Steiermark und Kärnten die latent vorhandene Partisanengefahr. Denn die von der Untersteiermark und von Südkärnten aus operierenden jugoslawischen Partisanengruppen betrachteten das Gebiet der Saualpe als ideales Rückzugsgebiet. So brachten die hier operierenden Partisanen und die winterlichen Verhältnisse den Ausbau am Speikkogel bald zum Erliegen. Aber auch der Freileitungsbau, welcher für den Anschluss der Jägerleitstellung unabdingbar war, kam nicht so wie geplant voran, da die in St. Stefan bei Graz stationierte Fernfeldkabelbau-Kompanie im Dezember damit beschäftigt war. die wichtige Funkmessstellung „Saatkrähe“ an den Fernmeldeknoten Bruck an der Mur anzuschließen.219

Als es sich mit Ende des Winters herausstellte, dass keine reale Möglichkeit bestand die Stellung am Speikkogel in absehbarer Zeit fertigzustellen und ins Fernmeldenetz einzubinden, stellte man das Bauvorhaben im März 1945 ein und löste die 15./Ln.-Rgt. 218 auf.220


Mit der Aufstellung der „neuen“ II. Abteilung des Ln.-Regiments 218, als reinrassige Jägerleitabteilung, wurden die in Ungarn eingesetzt gewesenen Jägerleitstellungen „Champignon“ und „Feige“ Ende November 1944 eingegliedert. Da die Sowjets bereits Anfang Oktober die rumänisch-ungarische Grenze bei Szeged in breiter Front zu überschritten, waren die jenseits der Donau liegenden Jägerleitstellungen zum Zeitpunkt ihrer Unterstellung bereits ernstlich gefährdet.221


So kam die 13. Jägerleitkompanie „Champignon“ in Kalvinhegy bei Kecskemét nur mehr auf dem Papier zur Abteilung, da die Stellung bei einem überraschenden Vorstoß der 46. sowjetische Armee überrollt und vernichtet worden war.222

Aufgrund der ungünstigen Entwicklung musste auch die Stellung „Feige“ geräumt werden, da es der hier angreifenden 57. sowjetische Armee in der letzten Novemberwoche gelungen war über Pécs, bis zu der von Budapest nach Agram führenden Bahnlinie vorzustoßen. Hier gelang es zumindest die wichtigsten Teile der Anlage abzubauen und zurückzuführen. So konnte die Stellung bei Stuhlweisenburg (Székesfehérvár) neuerlich errichtet werden.223

Als am 21. Dezember 1944 auch diese Stadt in die Hände der Sowjets fiel, ging die Funkmessstellung endgültig verloren. Im Bereich von Böhmen und Mähren war die Jägerleitstellung „Birne“, ebenfalls mit 5 Y-Linien und 3 Egon-Anlagen, noch im Bau.224

Um die Lücke, welche nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte und dem Abfall der bisherigen Bündnispartner Rumänien und Bulgarien, bei der elektronischen Überwachung im Bereich der Slowakei und in Ungarn zu schließen, verlegte die Luftflotte Reich die Ln.-Flum.Meß-Abt. (E) z.b.V. 22, mit sechs mittleren Eisenbahn-Flugmelde-Leitkompanien in den Bereich der Luftflotten 4 und 6. Die Kompanien sollten jenseits der Reichsgrenzen, in Südpolen und in der Slowakei sowie in Westungarn, eingesetzt werden.


Im ungarischen Bereich war es vor allem die Lücke zwischen den Stellungen „Neufundländer“ und „Rabenstein“ welche dringlich zu schließen war. Dafür beorderte man die 1./z.b.V. 22, mit dem Decknamen Raubvogel 1, in die Gegend von Raab (Györ).


Die 1./z.b.V. 22 verfügte über vier Funkmessgeräte, zwei Freya und zwei Würzburg-Riesen, die alle auf Eisenbahnwaggons verladen waren.225

Als der Ausbau der ortsfesten Funkmessstellungen im Bereich der polnisch-slowakischen Grenze soweit gediehen war, wurden die hier eingesetzten Einheiten (5. u. 6./z.b.V. 22) abgezogen um sie in der ostungarischen Tiefebene einzusetzen.226

Anfang Oktober mussten von den hier eingesetzten sechs Kompanien vier an die Westfront abgegeben werden.227
Und Anfang November wurde auch die, hier nicht mehr benötigte, 2./z.b.V. 22 (Raubvogel 2) nach Ostpreußen abgefahren, damit verblieb nur mehr „Raubvogel 1“ im Bereich der Luftflotte 4.228


Ende Dezember wurde auch diese Kompanie abgezogen, da sie für die Nachtjagdführung, mangels Nachtjäger, nicht mehr benötigt wurde.229

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Ein „Würzburg Riese (Eisenbahn) teilzerlegt, verladen auf vier Waggons (US-Air Force, AFHRA/RSA).
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Das linke Foto zeigt den Waggon III mit dem Würzburg Riesen-Sockel, das rechte Foto den Waggon IV mit der Bedienkabine (US-Air Force, AFHRA/RSA).


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205 I./Ln.-Rgt. 218 bestand aus der 1., 2. und 3. Kp. in Wien und der 4. Kp. in Klosterneuburg-Weidling. Die II./Ln.-Rgt.218 setzte sich folgend zusammen: Ln.-Jägerleit-Auswertezug in Wien-Cobenzl, 10. Jägerleit-Kompanie „Selma“ am Sonnenberg bei Hornstein, 11. Jägerleit-Kompanie „Gladiole“ in Bad Gleichenberg, 12. Jägerleit-Kompanie „Feige“ in Fünfkirchen (Pecs), 13. Jägerleit-Kompanie „Champignon“ Kalvinhegy b. Kecskemét, 14. Jägerleit-Kompanie „Birne“ Deutsch-Brodek bei Brünn (Brodek u Prerova), 10. Jägerleit-Kompanie „Sonnenblume“ am Speikkogel
206 In der Feldpostübersicht wurden die Funkmessstellungen „Kleiber“, „Papagei“, „Milbe“, „Alpspitze/ Albatros“, „Blutegel“ und „Rehpinscher“ am 13.12.1944 beim Ln.-Rgt. 218 gelöscht. Die Stellung „Zaunkönig“ hatte man bereits einen Monat vorher aufgelassen, die Löschung in der Feldpostübersicht erfolgte am 7.11.1944.
207 Unter „Jagdhütte“ (FuMG 405) verstand man eine kombinierte Rundumsuchanlage, die sowohl für die Eigenlage als auch für die Jägerführung geeignet war und auf der Basis des FuMG 404 „Jagdschloss“ arbeitete. Die Anlage „Jagdschloss“, mit einer Reichweite von ungefähr 80 km, sollte in Zukunft das Standardgerät des Flugmeldesystems werden.

208 OKL, Gen. Nafü., Flugmeldeeinsatz vom 1.3.1945, Zeichnungsnummer 45/32-12, gKdos. Zeichnungsnummer 45/32-12, vom 1.3.1945 und Gliederung der Flugmelde- u. Jägerleiteinheiten, Zeichnungsnummer 45/66-7, Geh. Kdos., vom 15.3.1945 (zitiert nach Hoffmann, Ln. Buch III S. 458 f.). Die Anlage „Jagdhaus“, auch als „Panorama L“ bezeichnet, war ein neuartiges Rundsuchgerät der Firma Lorenz mit Hohentwiel-Teilen (einem für die Marine entwickelten FuMG) mit 100 km Reichweite.
209 Sieben solcher „Jagdhäuser“ für Jägerleitzwecke waren im März 1945 in Bau. Nur eine einzige Versuchsanlage, die 10./211 „Dörrobst“ bei Döberitz ging noch vor Kriegsende in Betrieb.
210 Die Ausstattung der in der Ostmark und im Protektorat gelegenen Jägerleitstellungen dürfte allgemein unter dem Durchschnitt gelegen haben. Im Februar 1945 kann für die Stellungen „Birne“, „Selma“ und „Gladiole“ eine Ausstattung von jeweils drei Freya-Anlagen (soweit diese nicht bereits durch Jagdschloss-Anlagen ersetzt waren) und fünf Würzburg Riesen, angenommen werden.
211 Dabei handelte es sich im Prinzip um ein Freya-LZ-Gerät (LZ = lufttransportfähig, zerlegbar) mit zusätzlichen Kenngerät FuG 25a/FG 226. Von dieser „Freya-Egon 1“ Anlage, genannt „Weitling“ gab es 150 Geräte.
212 Am 1. Dezember 1944 gab es im Reichsgebiet zur Fliegerführung 250 Y-Anlagen und 200 Tornado-Peiler, hingegen nur 70 Egon-Anlagen.
213 NARA, T 77 roll 750. KTB des WWi.O XVII, Az. 13 Br.B.Nr. 609/44, vom 6.6.1944, Betr.: Tätigkeitsbericht für den Monat Mai 1944.
214 Die 14. Jägerleit-Kp./Ln.-Rgt. 218, in Deutsch-Brodek bei Brünn. Die neue Einheit wurde am 16.12.1944 in die Feldpostübersicht eingetragen,
215 Nach der Feldpostübersicht war die 15. Jägerleit-Kp./Ln.-Rgt. 218, mit Standort Pölling, durch Umbenennung aus der 5./Ln.-Rgt. 211 entstanden.
216 Alle Höhenangaben, soweit es sich nicht um originale Textzitate handelt, nach der aktuellen Österreichischen Karte 1:50.000. Der Speikkogel liegt ungefähr 15 km westlich von Wolfsberg. Die Stellung selbst war von Pölling aus erreichbar.
217 Die Stellung lag etwa 8 km Luftlinie entfernt auf dem Kienberg im Bereich der der Forstalpe.
218 NARA, T 77 roll 750. KTB. des WWi.O. XVIII, Az. 11 b 17 Br.B.Nr. 67/44 und 639/44 geh., vom 3.9.1944 und vom 5.10.1944, Betr.: Tätigkeitsbericht für August 1944 bzw. September 1944. Hier: „Errichtung einer FuMG.-Stellung I. Ordnung, auf Befehl der Luftflotte Reich vom 29.8.1944, im Gebiet der Saualpe.
219 Hoffman, Ln.- Buch III, S. 298 f. Der Stab der im Süden Österreichs eingesetzten I. Abteilung des Ln.-Rgt. 12 lag in Gratwein.
220 Die 15. Jägerleit-Kp./Ln.-Rgt. 218 wurde am 14.4.1945 in der Feldpostübersicht gelöscht.
221 „Champignon“ in Kalvinhegy bei Kecskemét und „Feige“ bei Fünfkirchen (Pécs).
222 Die 13. Jägerleit-Kp./Ln.-Rgt. 218 wurde am 16.1.1945 in der Feldpostübersicht gelöscht.
223 Pécs hatten die Sowjets am 24. November 1944, fast ohne Widerstand, eingenommen.
224 14. Jägerleitkompanie der II./Ln. Rgt. 218 in Deutsch Brodek bei Brünn.
225 Eine sowohl für den Flugmelde- als auch für den Jägerleit-Einsatz geeignete Kompanie mit drei Offizieren und 112 Unteroffizieren und Mannschaften.
226 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 2 (1. Abt), 1.9.1944.
227 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), 4.10.1944.
228 Ebd. 6.11.1944.
229 Ebd. 25.12.1944. Bei der Lfl. 4 waren zu diesem Zeitpunkt eingesetzt: 5. u. 6. NJG 100.

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DIE JÄGERLEITORGANISATION IN DER LETZEN PHASE DES KRIEGES

Teil 2 von 2
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Der Würzburg Riese (E) wurde zum Eisenbahntransport in vier Teile zerlegt (Waggon I, II, III und IV). Der in zwei Teilen zerlegte Spiegel, wurde auf den mitgeführt.
Zusammenbau: Nach dem Zusammenbau des in zwei Teile transportierten Spiegels (Waggon I und II) wurde dieser
auf dem Würzburg Riesen-Sockel (Waggon III) aufgesetzt und mit Hilfe von Seilzügen hochgezogen und montiert. Zuletzt wurde mit einem Seilzug und einer Rampe die Kabine vom Waggon IV zum Waggon III gezogen und mit dem Sockel fest verbunden (US-Air Force, AFHRA/RSA).

Nach dem Zusammenbruch der Jägerleitorganisation in Ungarn sah sich die 8. Jagddivision gezwungen diese an der Reichsgrenze neu zu organisieren. Als Basis dienten die mit Y- und Egon-Geräten ausgestatteten Stellungen „Birne“ im Norden, „Gladiole“ im Süden und die in der Mitte dieser Nord-Süd Achse gelegene Stellung „Selma“. Diese Achse wurde in Westungarn durch die Stellung „Rabenstein“, später auf „Rabe“ umbenannt ergänzt. Hier handelte es sich um eine
Funkmessstellung I. Ordnung, die man mit Egon-Geräten aufgerüstet hatte.230
Diese Stellung befand sich bei Lavopasclona, einer zwischen Raab (Györ) und Pápa gelegenen Ortschaft.231

Zusätzlich zu den bereits angeführten Jägerleitstellungen konnte auch auf die Mehrzahl der im Bereich der Division vorhandenen Funkmessstellungen zurückgegriffen werden, welche durchwegs zur Jägerführung befähigt, aber nur in den seltensten Fällen auch nachtjagdfähig, waren. Trotz der rasch erfolgten Neustrukturierung der Jägerleitorganisation, konnte die 8. Jagddivision 1945 nur auf wenige für die Nachtjagd geeignete Kräfte zurückgreifen. Auch der Luftflotte 4 standen lediglich zwei Staffeln, die 5. und 6./N.J.G 100, zur Verfügung.232

Im Rahmen des weiteren Ausbaues in Richtung Südwesten hatte man eine Jägerleitstellung mit dem Namen „Saatkrähe“ auf der Saualpe und mit „Y-Achsen“ vorgesehen. So hoffte man mit der Stellung „Rabe“ eine West-Ost Achse bilden zu können, doch die Stellung „Saatkrähe“ kam nicht mehr zur Ausführung. Die im Protektorat, in nordwestlicher Richtung, von „Birne“ gelegene Jägerleitstellung „Pegasus“ am Prager-Berg bei Rosenthal (Rozmital) in Böhmen gehörte noch zur 8. Jagddivision, während die noch weiter westlich gelegene Stellung „Poseidon“, in Griesbach/Karpfham-Rottal, bereits zum Bereich der 7. Jagddivision gehörte.

Als die Ostfront näher rückte plante man Ende Dezember 1944 eine neue Jägerleitstellung im Westen, ausschließlich
mit Egon-Anlagen. Diese Stellung, mit der Bezeichnung „Kirsche“, sollte östlich von Linz
aufgebaut werden und ging vorerst mit nur einem Egon-Gerät in Betrieb.233

Eine zweite Egon-Anlage war zwar vorgesehen, aber Ende März 1945 noch nicht in Betrieb. Zu dieser Zeit plante man auch ein neues Eigennavigationsverfahren mit dem Namen „Hermine“, welches das gesamte Reichsgebiet abdecken sollte. So gab es im Dezember 1944 bereits sechs Bodenstellen, welche ein Drittel des Reichsgebiets abdeckten, und bis zum Jahreswechsel hoffte man weitere neun Anlagen in Angriff zu nehmen. Solche Anlagen waren bei München, in der Gegend von Kirchschlag bei Linz, in Nikolsburg (Mikulov) und bei Wien geplant.

In diesem Zusammenhang ist auch der Baubeginn für ein Drehfunkfeuer vom System „Bernhard“ zur Jahreswende 1944/45 am Sonnenberg bei Hornstein, im Rahmen der Jägerleitstellung „Selma“, zu sehen.234
Diese von der Firma Telefunken entwickelte und gefertigte Anlage mit eindrucksvollen Dimensionen diente zur Eigennavigation der Nachtjäger. Allein die Antennenanlage hatte eine Masse von 120 t, bei einer Breite von 35 m und einer Höhe von 28 m. Diese gigantische Richtantenne, welche im Wellenbereich von 9 bis 10 Meter arbeitete, drehte sich mit Hilfe von Elektromotoren, auf einen Schienenkranz von 22,6 m Durchmesser, zweimal pro Minute um 360 Grad. Dabei wurde, in Schritten von 0,5 Grad, ein keulenartiges Signal abgegeben, wobei man, bei einem in 5000 Metern Höhe fliegenden Flugzeug, eine Reichweite von 400 km erreichen konnte. Mit Hilfe dieses Signals konnte der mit dem Bordgerät „Bernhardine“ ausgerüstete Nachtjäger mit einer Genauigkeit von plus-minus 0,5 Grad navigieren.235

Ein erstes UKW-Richtstrahl-Drehfunkfeuer dieser Art hatte man bereits im September 1941 als Versuchsanlage in Trebbin bei Berlin in Betrieb genommen. In der Folge wurden im westlichen Vorfeld des Reichsgebietes weitere Anlagen errichtet, so gab es im Mai 1944 in Frankreich bereits sieben und in den Niederlanden zwei solcher Stationen. Mittlerweile waren alle diese Anlagen verloren gegangen und nur mehr drei Stationen, eine in Dänemark und zwei im Reich waren noch in Betrieb.236 Daher wollte man im Reichsgebiet zehn neue „Bernhard“-Stationen bauen, wobei auch der Südosten und damit der Bereich der 8. Jagddivision erfasst werden sollte. Deren Einzugsgebiet sollte durch drei „Bernhard“-Drehfunkfeuer in den Räumen München, Pilsen und Wien abgedeckt werden.237

Im Bereich der Funkmessstellung Selma wurde dafür noch das ringförmige Fundament für die Richtantenne, auf der Höhe 450 „Beim Juden“, betoniert und der Standort mittels Straße und Kabelschächten mit der Funkmessstellung am Sonnenberg (Höhe 484) verbunden. Zu einer Montage der Antennenausrüstung kam es mangels der Liefermöglichkeit der Industrie nicht mehr. Die baulichen Überreste der niemals fertig gestellten Anlage führten nach Kriegsende zu mancherlei abenteuerlichen Vermutungen.
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Das Fundament für eine Bernhard-Anlage. Der Betonring wurde für den Schienenkranz, mit 22,6 m Durchmesser, im Leithagebirge, zwischen Hornstein und Eisenstad, auf der Höhe 450
„Beim Juden“ errichtet (Foto Leopold Banny 1982).238

Zur Jahreswende 1944/45 sicherten folgende Funkmessstellungen die östliche Reichsgrenze: die Stellungen 1. Ordnung „Brummbär“, „Molch“, „Rabenstein“, „Rammler“ und „Assel“,
die Stellungen 2. Ordnung „Kleiber“, „Papagei“, „Neufundländer“, „Alpspitze“, „Steinfels“ sowie die Funkmessstellung (Eisenbahn) „Raubvogel 1“, wobei letztere zu diesem Zeitpunkt bereits im Abbau begriffen war. In der Folgezeit mussten die in der Slowakei und Ungarn eingesetzten Funkmessstellungen auf das unmittelbare Vorfeld der Reichsgrenze zurückgenommen werden und es kam es zu einer letzten Anpassung der Organisation.

Um eine einheitliche Führung sicherzustellen unterstellte man die nahe der Reichsgrenze bei Steinamanger liegende 5. mittlere Flum.-Leitkompanie „Steinfels“, später „Storch“ genannt, dem Stab II./Ln.-Rgt. 228.239 Dadurch hatte der in Denesfa liegenden Gefechtsstand der II./228 alle noch in Betrieb befindlichen Flum-Leitkompanien in Ungarn und die am Plattensee eingesetzte 9. Flugmeldefunkkompanie des Luftgau-Nachrichtenregiments 12 unterstellt.240

Die im Süden, bei Groß-Kanisza (Nagykanisza), eingesetzt Funkmessstellung „Katze“, später „Tatzel“ genannt, gehörte bereits zum Flugmelderegiment Südost.

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1944 wurde die Anlage „Jagdhütte“ als Standard-Rundumsichtgerät für Jägerleitzwecke bestimmt. Doch die Anlage „Jagdhütte“ wurde schon bald durch die Anlage „Jagdhaus (siehe die nachfolgende Skizze, ersetzt, was zu weiteren Verzögerungen führte (US-Air Force, AFHRA/RSA).

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Übersichtsskizze "Jagdhaus".

Unter dem Druck der Roten Armee, die bereits Anfang November Kaposvar einnehmen konnte, hatte auch die mittlere Flum.-Leitkompanie von Ungarn nach Jugoslawien gewechselt, wo sie im Raum Agram (Zagreb), bei Rann (Brezice) eine neue Stellung errichtete.241

Die beiden in Kroatien eingesetzten Funkmessstellungen „Assel“ und „Tatzel“ arbeiteten hier ungestört bis zum Kriegsende.242

Als die Sowjets die Reichsgrenze überschritten und ein überraschender Vorstoß ins Raabtal gelang, musste die 11. Jägerleit-
Kompanie „Gladiole“ am 31. März 1945 ihre Stellung am Stradnerkogel bei Bad Gleichenberg, nach Zerstörung aller Geräte, eiligst räumen.243

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Ähnlich wie in Gleichenberg verhielt es sich auch auf dem Sonnenberg bei Hornstein, wo die 10. Jägerleit-Kompanie „Selma“ bereits Ende März 1945 als unmittelbar bedroht angesehen werden musste. Hier wurde die noch im Bau befindliche Jägerleitanlage „Jagdhaus“ sowie alle Anlagenteile von der abziehenden Besatzung unbrauchbar gemacht, bevor die ersten sowjetischen Soldaten am 1.April 1945 das Gelände besetzten. Die hier eingesetzten Soldaten, vornehmlich die Jägerleitoffiziere und das Betriebspersonal, erhielten einen Marschbefehl nach Brünn, wo sie in der Jägerleitstellung „Birne“ neuerlich zum Einsatz kommen sollten. Tatsache ist, dass sich zum Zeitpunkt der Kapitulation Teile des Personals von „Selma“ in Deutsch-Brodek (Brodek u Prerova) befanden. Das technische Personal von „Selma“ und die Soldaten des in Neufeld an der Leitha stationierten Stabes der II./Ln.-Rgt. 218 wurden hingegen nach Westen in Marsch gesetzt, wo sie für den weiteren Ausbau und den Betrieb der Jägerleitstellung „Kirsche“ zur Verfügung stehen sollten. Auch in diesem Fall handelte es sich um ein zu diesem Zeitpunkt völlig aussichtsloses Vorhaben. Ein Teil dieser Männer, welche vermutlich mit einem Egon-Gerät zur Stellung „Kirsche“ unterwegs waren, strandete in Rohr am Gebirge, wo sie auch das Kriegsende ereilte.


230 Die in Westungarn gelegenen Funkmessstellungen hatten ursprünglich Bergnamen zugeteilt erhalten, wurden aber bald, so wie im übrigen Reichsgebiet, auf Tiernamen umgetauft.
231 Die Stellung „Rabenstein“ später „Rabe“, wurde von der 10. schw. Flum. Leit-Komp./Ln.-Rgt. 228 betrieben.
232 Genaueres zum Nachtjagdeinsatz findet sich im öfh-nachrichten Sonderband 31, Hans und Martin Handig, Die Deutsche Luftwaffe in Österreich, Wien 2013, S. 22 f.
233 Möglicherweise auf dem Römerberg? Ein genauer Aufstellungsort von „Kirsche“ konnte nicht eruiert werden, was bei den mobilen Egon-Anlagen auch nicht wundern darf.
234 UKW-Drehfunkfeuer FuSAn 724 (725) „Bernhard“ mit einer Sendeleistung von 500 W (Impulsleistung 5 kW). Zusätzlich war noch an Bord des Flugzeuges der Empfänger „Bernhardine“ FuG 120 erforderlich. Als Nachtjagdflugzeuge, die bevorzugt mit dem FuG 120 auszurüsten waren, hatte man die Typen Do 335 und Ju 388 vorgesehen.
235 Genauere Angaben bei Fritz Trenkle, Die deutschen Funkführungsverfahren bis 1945, Heidelberg 1987, S. 83-87, wo die Entwicklung des Systems und die Funktion ausführlich beschrieben wird.
236 Am 1.1.1945 waren drei Anlagen, eine davon war die Versuchsanlage in Trebbin, in Betrieb. Man rechnete mit einem monatlichen Zulauf von einem Gerätsatz aus der Fertigung bei Telefunken. Die Angaben nach: Gen.Nafü. (Ln.Insp.6. Abt.) IE-Nr. 42080/44, gKdos, vom 30.7.1944, Betr.: Die Funkmessgeräte der Luftwaffe. Diese Übersicht wurde bis Februar 1945 laufend korrigiert und ergänzt.
237 Ein wesentliches Argument für den Ausbau dieser Anlagen im Reichsgebiet dürfte gewesen sein, das diese Anlagen bisher vom Gegner nicht gestört worden waren, obwohl eine solche Maßnahme grundsätzlich möglich gewesen wäre.
238 Vergleiche dazu: Leopold Banny, Krieg in Burgenland Band 1 „Warten auf den Feuersturm“ Eisenstadt 1983.
239 Die in Westungarn gelegenen Funkmessstellungen hatten ursprünglich Bergnamen zugeteilt erhalten, wurden aber bald, so wie im übrigen Reichsgebiet, auf Tiernamen umgetauft.
240 Neben der 9. Luftgau-Nachr.Rgt. 25, mit dem Standort Bakonyako am Plattensee, war dem Stab der II. Abteilung auch die 25. (technische) Kompanie des Ln.-Rgt. 218, die in St. Andrä-Wördern untergebracht war, unterstellt.
241 Die Funkmessstellung „Tatzel“, früher „Katze“, wurde von der 3. mittleren Flum.-Leitkompanie Ln.-Rgt. 248 (ex 7./Flum.-Rgt. Südost, ex 1./Flum.-Messabteilung z.b.V. 14) betrieben.
242 Bei der 2. schw. Flum.-Leitkompanie des Ln.-Rgt. 248 handelte es sich um die frühere 22./Ln.-Rgt. 238.
243 Franz Josef Schober, Der Luftkrieg über dem Bezirk Radkersburg 1939-45, S.12 und BArch, RL 2 V19 K5 (Karte der Ln. Anlagen im Bereich der Ostfront Stand 9.2.1945, mit Berichtigungen bis Mitte April.



 

josef

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#31
DIE FLUGMELDEORGANISATION IM INFERNO DES LUFTKRIEGSGESCHEHEN

Teil 1 von 2
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Am 14. Januar 1945 rechtfertigte sich der Oberbefehlshaber der Luftflotte Reich gegenüber
Vorhaltungen des Chef des Generalstabes der Luftwaffe bezüglich der Erfassung der Luftlage so, dass derzeit das Lagebild nur sehr lückenhaft erfasst werde, da es an einer einheitlichen Aufklärung unter der Zusammenfassung des Luftspäh- und Funkmessdienstes fehle. Dieses Eingeständnis des Scheiterns wiegt umso schwerer, da der unmittelbare Anschluss der Flugwachen an die Flugmeldezentralen der Funkmessstellungen, eine der Grundlagen der Neuorganisation des Flugmeldedienstes, seit Mai 1944 befohlen war.

General Martini, wies Generaloberst Stumpf darauf hin, dass es seine Dienststelle war, welche diesen Befehl nicht befolgt und bisher nicht einmal mit einer entsprechenden Planung begonnen hatte. Von Seiten der Luftflotte Reich hatte man bisher immer unzählige Gründe angeführt, warum in ihrem Bereich der Anschluss der Flugwachen nicht so wie vorgesehen erfolgen könne. General Martini war in dieser Angelegenheit zwar grundsätzlich im Recht, was auch die Klage von Generaloberst Stumpff bestätigte. Doch die Wirklichkeit, der Mangel an Baukräften und Material, deren dieses Problem geschuldet war, ließ sich einfach nicht so leicht wegdiskutieren.244

Seitens der 8. Jagddivision hatte man die Sommermonate genützt um die noch vorhandenen Lücken in der Luftraumüberwachung zu schließen. In diesem Zusammenhang stimmte das Luftflottenkommando Reich am 29. August 1944 dem Antrag des Nachrichtenführers der 8.Jagddivision zu und befahl die Errichtung einer neuen Funkmessstellung der I. Ordnung bei
Judenburg.245

Wegen des kurzen Sommer in den Bergen wurde hier sofort auf der Forstalpe (2034 m) und auf dem Kienberg (2050 m) mit dem Bau begonnen.246

So gelang es die neue Stellung „Saatkrähe“ noch im selben Jahr in Betrieb zu nehmen, wo auch der neuaufgestellte Flugmelde-Vermittler- und Verteilerzug arbeitete.247

Dieser „Luftlageverteiler“ hatte die Aufgaben des bisherigen Fluko Judenburg zu übernehmen.248 Am 16. Dezember 1944 wurde die Stellung als 20. schwere Flugmelde-Leitkompanie des Ln.-Regiments 238 in die Feldpostübersicht aufgenommen.

In den ersten Monaten des Jahres 1945 nahm auch der an der Südgrenze eingesetzte Flugmeldemesszug „Blaufuchs“, dessen Stellung sich auf der Villacher Alpe befand, seine Tätigkeit auf. Diese Stellung III. Ordnung lag in 1500 Meter Höhe, dicht unterhalb des Gipfels des Dobratsch, und gehörte organisatorisch zur 20./238.

Auf slowenischem Gebiet, südwestlich von Altneudorf bei Luttenberg (Stara nova vas Ljutomer), hatte man im Mai 1944 eine neue Stellung erkundet und vermessen, die im Spätsommer in Betrieb genommen werden konnte. Diese südlich der Bahnlinie Bad Radein und Luttenburg gelegene Stellung I. Ordnung erhielt die Bezeichnung „Rammler neu“ zugeteilt.249

Die ursprüngliche Stellung bei Unterpurkla, jetzt als „Rammler alt“ bezeichnet, blieb vorerst weiter in Betrieb. Erst Anfang Februar 1945 wurde sie aufgrund ständiger Koordinationsprobleme zwischen den beiden Stellungen „neu“ und „alt“, welche immer wieder zu Doppelmeldungen und zu einem unnötigen Meldungsverzug geführt hatten, aufgelassen. Das bisher bei „Rammler alt“ in Unterpurkla eingesetzte Gerät, ein Freya und ein Würzburg Riese, wurde in die neue Stellung nach Altneudorf verbracht.250

Ab dem Herbst war hier auch der Vermittler- und Verteilerzug, als Nachfolger des ehemaligen Fluko in Bruck an der Mur, tätig. Dieser wichtigen Funkmessstellung I. Ordnung waren auch die Stellungen III. Ordnung, die Flugmesszüge „Rammler alt“ in Unterpurkla bis zur Auflösung und „Hinteralpe“, im Gebiet der Schneealpe, unterstellt.

Seit September 1943 arbeitete „Holzwurm“ als Funkmessstellung I. Ordnung auf der Kammlinie des Höhenzuges des Hausrucks. Die Stellung lag unweit der an Bahnstrecke von Attnang-Pucheim nach Ried im Innkreis gelegenen Ortschaft Holzleithen. Doch die Stellung entsprach nicht den Erwartungen, sodass man nach einem besseren Standort Ausschau hielt.
Diesen fand man im Waldviertel, unweit von Ottenschlag. Hier wurde im Dezember 1944 bei der Ortschaft Spielberg die neue Stellung „Holzwurm II“ errichtet.251

An der Straße von Ottenschlag nach Bad Traunstein, zwischen den Ortschaften Spielberg und Biberschlag, entstand eine Rundumsuchanlage vom Typ Jagschloss.252

Die alte Stellung bei Holzleiten blieb als „Holzwurm I“ weiter in Betrieb, bis die neue Funkmessstellung im März 1945 endgültig betriebsbereit war. Erst nachdem Spielberg mit einem Rundumsuchgerät „Jagdschloss“ und zwei Würzburg-Riesen in Betrieb gegangen war, wurde die alte Stellung bei Holzleithen abgeschaltet.

Auf dem österreichischem Staatsgebiet gab es zu Jahresbeginn 1945 die Funkmessstellungen I. Ordnung „Holzwurm“, „Molch“, „Saatkrähe“ und „Rammler“, des Weiteren die Stellungen II. Ordnung „Rehpinscher“, „Kleiber“, „Papagei“, „Alpspitze“ (später auf „Albatros“ umbenannt) und „Mustang“.253

Zuletzt kam noch die Stellung II. Ordnung „Zaunkönig“ dazu, welche man in der alten Stellung bei Neudorf bei Staatz wieder aktiviert hatte.254

Im Protektorat Böhmen und Mähren gab es die Stellungen I. Ordnung „Koralle“, „Brummbär“ und seit Winter 1944/45 auch die Stellung „Tapir“.255
Bei Budweis lag die einzige Stellung II. Ordnung die den Namen „Blutegel“ führte.256

Im Winter 1944 kamen hier noch zwei Funkmesszüge zum Einsatz, die fortan zwei Stellungen III. Ordnung betrieben. Eine davon war die Stellung „Heupferd“, in Welwarn (Velvary) nördlich von Prag, diese gehörte organisatorisch zur der in Krakowan gelegen Funkmessstellung „Koralle“.257

Die zweite Stellung mit dem Namen „Unke“, bei Zlin gelegen, gehörte zur Stellung „Brummbär“. Dieser Funkmess-Riegel wurde durch die in der Slowakei liegende Funkmessstellung I. Ordnung Neufundländer“ verlängert. Die ursprüngliche Stellung lag bei Sered bei Tyrnau (Trnva), doch „Neufundländer“ musste wegen des Näherrückens der Front bald auf den Höhenzug der Kleinen Karpaten, westlich von Modern (Modra), zurückgenommen werden. Da der sowjetische Vormarsch am Fluss Gran gestoppt werden konnte, gab es einige Zeit zwei Funkmessstellungen nämlich „Neufundländer I“ in Sered und „Neufundländer II“ in Modern.


Das Gebiet des Protektorats Böhmen und Mähren wurde am 1. Januar 1945 vom Luftgau XVII abgetrennt und sollte vom neugeschaffenen Luftgau XV übernommen werden, dessen Aufstellung aber letztlich unterblieb. So wechselte das Protektorat direkt zum Luftgau VIII, wobei die Übergabe real erst ab Februar 1945 erfolgte. Aus taktischer Sicht sollten diese Veränderungen kaum einen Einfluss auf die Flugmelde- und Jägerleitorganisation haben, da die Bereichsgrenzen der 8.Jagddivision unverändert geblieben waren und diese immer schon über die Grenzen des Luftgaues XVII hinaus gereicht hatten. Doch in der Praxis lähmten diese Änderungen im Bereich der Unterstellungen den weiteren Ausbau der Infrastruktur. In diesem Zusammenhang kam es im Februar 1945 auch zu einigen wenigen organisatorischen Veränderungen. So wechselte die Stellung „Brummbär“ vom Ln.-Rgt. 228 zum Ln.-Rgt. 238. Innerhalb des Ln.-Rgt. 238 kam die bei Budweis gelegene Stellung „Blutegel“ von der I. zur II. Abteilung, deren Kommando in Amstetten lag. Denn der II./238 war die Mehrzahl der auf österreichischem Gebiet vorhandenen Funkmessstellungen unterstellt.

Fast ohne Änderungen kam man bei jenen Flum.-Res. Kompanien aus, denen keine Funkmessstellungen zugeordnet waren und wo der Flugmeldeeinsatz nur aus Flugwachen mit einem Flugwachkommando bestand. Diese Flum.-Res. Kompanien wurden auf „Leichte Flugmeldekompanie“ umbenannt und in die III. Abteilung des jeweiligen Luftnachrichten-Regiments eingegliedert. Dies betraf in Westen Österreichs, wo die 7. Jagddivision zuständig war, die Fluko Innsbruck und Fluko Lend, die der in Innsbruck stationierten III. Abteilung des Ln.-Rgt. 227, als 20. und 22. leichte Flugmeldekompanie, unterstellt wurden.259

An der südöstlichen Reichsgrenze war es das Fluko in Marburg (32./Luftgau-Nachrichtenregiment 17) welches in unveränderter Form bestehen blieb. Die Einheit wurde als 23. leichte Flugmeldekompanie in die III.Abteilung, des zur 8. Jagddivision gehörenden, Ln.-Regiments 238 eingegliedert. Die bisherigen Flugwachkommandos, nun als „Flugmeldezentrale“ bezeichnet, wurden als 1. Zug in die leichten Flugmeldekompanien eingegliedert. Zur „Flugmeldezentrale“ kamen noch drei bis vier Flugmeldezüge, von denen jeder bis zu zehn Flugmeldetrupps hatte. Die Zahl der eingesetzten Flugwachen konnte sich entsprechend dem Bedarf ständig ändern. Im Durchschnitt waren es 30 bis 40 Flugwachen, so dass man für eine solche Kompanie von einer Stärke von 250 Köpfen und mehr ausgehen konnte.260


244 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 4 (1. Abt), 16.1.1945.
245 NARA, T-77 roll 750. WWi.O. XVIII, Az 11 b 17 Br.B.Nr. 67/44, gKdos., vom 3.9.1944, Betr.: ätigkeitsbericht
August 1944.
246 NARA, T-77 roll 748, Frame 1982005 (WWi.O. XVIII, Az. 11 b 17 Br.B.Nr. 639/44 geh., vom 5.10.1944, Betr.:
Tätigkeitsbericht für September 1944) und Frame 1981985, 1982005 (KTB. des WWi.O. XVIII, Az. 11 b 17 Br.B.Nr. 67/44 und 639/44 geh., vom 3.9.1944 und vom 5.10.1944, Betr.: Tätigkeitsbericht für August 1944 bzw. September 1944). Vor Baubeginn musste erst eine Starkstromleitung von Hüttenberg über Lölling zur Forstalpe und zum Kienberg verlegt werden.
247 Im Dezember 1944 war hier die I. Abteilung des zur Luftflotte Reich gehörenden Ln.-Rgt. 12 eingesetzt, deren Kommando in Gratwein lag. Die 1. Kompanie baute an der von Bruck an der Mur nach Judenburg und von hier aus weiter auf die Forstalpe führende Fernmeldeleitung (Drehkreuzachse). Die 2./12 war zum weiteren Ausbau der Funkmessstellung „Saatkrähe“ eingesetzt und die 3./12 baute die über Graz nach Altneudorf (Stara nova), zur dortigen Funkmessstellung „Rammler“, führenden Drehkreuzachse.
248 Die Aufstellung der Flum.-Verm.-u.Vert.-Züge, als Ersatz für die bisherigen Fluko, wurde vom OKL mit der

Verfügung Genst.-Gen.-Qu. 2. Abt. Nr. 12389 gKdos., vom 2.9.1944, angeordnet.
249 NARA, T-77, roll 750, frame 1984983. KTB des WWi.O. XVIII, Az. 11 b 17 202/44, geh. vom 5.6.1944, Betr.: Tätigkeitsbericht für den Monat Mai 1944. Hier: Errichtung einer Luftnachrichtenanlage sw. Altneudorf in der Untersteiermark.
250 Franz Josef Schober, Der Luftkrieg über dem Bezirk Radkersburg 1939-45, S. 3 f.
251 NARA, T-77 roll 750. WWi.O. XVII, Az.13 Br.B.Nr. 1351/44 g., vom 28.12.1944, Betr.: Tätigkeitsbericht für die Monate November und Dezember 1944. Hier unter „erledigte Planungen“ die FuMG.-Stellung Holzwurm bei Spielberg. Die Ortschaft Spielberg liegt westlich von Ottenschlag.
252 In dieser Sache bin ich in Bezug auf die Klärung des Standortes Herrn Josef Buchhart zu Dank verpflichtet.
253 Die in Westungarn gelegenen Funkmessstellungen hatten ursprünglich Bergnamen zugeteilt erhalten, wurden aber bald, so wie im übrigen Reichsgebiet, auf Tiernamen umgetauft.
254 Welche Einheit „Papagei“ betrieb, konnte nicht einwandfrei festgestellt werden. Möglicherweise handelte es sich um den Flugmesszug z.b.V. 31 (Feldpostnummer 61033), welcher 1945 nachweislich im Luftgau XVII eingesetzt war.
255 Tapir, in Mirotitz (Mirotice), 50 km westlich von Tabor (Tábor) gelegen, wurde am 16.12. 1944 als 2. schw. Flum. Leitkompanie des Ln.-Rgt. 238 in die Feldpostübersicht eingetragen.
256 Zur Stellung „Blutegel“ in Duhne (Dubné) bei Budweis (3. mittlere Flum. Leitkompanie des Ln.-Rgt. 238), gehörte auch der Verm.-u.Vert.-Zug Budweis (das ehemalige Fluko. Budweis).
257 1. schw. Flum. Leitkompanie des Ln.-Rgt. 238, deren Stellung „Koralle“ in Krakowan bei Kolin, ostwärts von Prag, lag, war durch Umbenennung aus der 7./Ln.-Rgt.- 205 entstanden. Zur Stellung gehörte auch der Verm.-u.Vert.-Zug Prag (das ehemalige Fluko Prag).
258 Aus der 2./Ln.-Rgt. 228 wurde die 4./Ln.-Rgt. 238. Zur Stellung „Brummbär“ gehörte auch der Verm.-u. Verteiler Zug Brünn (das ehemalige Fluko Brünn).
259 Das Fluko Lend, die bisherige Flum.- Res. Kp. 12./17, wechselte noch im Dezember 1944 von der II./Lg. Nachr. Rgt. 17 zur III./Ln.-Rgt. 227, wo sie zur 22./227 wurde. Auch das ehemalige Fluko Innsbruck, welches bis zur Unterstellung als Flum.- Res. Kp. 10./7 der II./Lg. Nachr. Rgt. 7 unterstellt war, kam als 20./227 zur Innsbrucker Abteilung. Gleiches galt für die im Allgäu stationierten Flum.-Res. Kompanie 11./7 (Fluko Lend), die ihre Bezeichnung auf le. Flum.-Kp. 21./227 änderte.
260 AFHRA/RSA, Bericht Oberst Birke.


Fortsetzung siehe Teil 2


 
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Teil 2 von 2
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Zum Jahresende hatte man beim Flugmeldedienst damit zu kämpfen, das die Front-Luftflotten, darunter auch die Luftflotte 4, den Reichsmarschallbefehl vom 28. Februar 1944, bezüglich einer einheitlichen Luftlageaufklärung umgesetzt hatten, nicht jedoch die im Reichsgebiet zuständige Luftflotte Reich. Letztere hatte aufgrund besonderer nachrichtentechnischer Gegebenheiten, genauer gesagt wegen der fehlenden Baukapazität und des Mangels an erforderlichen nachrichtentechnischen Materialien, eine Sonderregelung getroffen. Diese sah Stellungs-Flugmeldezentralen I. Ordnung vor, an die alle Funkmessstellungen II. und III. Ordnung sowie die Flugwachen unmittelbar zu melden hatten. Diese Stellungs-Flugmeldezentralen I. Ordnung gabendas Luftlagebild unmittelbar und unter Fortfall der eigentlich vorgesehenen Abschnitts-Flugmeldezentralen an die Divisions-Flugmeldezentrale weiter.261

Diese Divergenz in der Meldekette zwischen den Front-Luftflotten und dem System im Reichsgebiet konnte bis zum Kriegsende nicht mehr behoben werden.

Die vorderste Linie der Funkmessstellungen im Osten, die in Ungarn jenseits der Donau gelegenen Stellungen I. Ordnung „Milbe“, „Keiler“ und „Skorpion“ war zu Jahresbeginn bereits vom Feind überrannt. Bereits Anfang November musste der größte Teil Ostungarns geräumt werden und die Rote Armee stand vor den Toren von Budapest. Flussabwärts der Hauptstadt hatten die Russen die Donau erreicht und zum Teil bereits überschritten. Die Folge dieses rasanten Vormarsches des Gegners war, dass die in die ungarische Tiefebene vorgeschobene Frühwarnlinie verloren ging.

Schon im Oktober hatten die Sowjets die Stellung „Keiler“ in Kecskemét überrollt und Anfang November musste auch die Stellung „Milbe“, in Gesztely bei Miskolc, geräumt werden. Auch die in Sombor gelegene Stellung „Skorpion“ musste sich vor der vorstoßenden 46. sowjetischen Armee in Sicherheit bringen. Hier gelang es zumindest die abgebauten Funkmessgeräte diesseits der Donau in Nemesvamos wieder aufzubauen. Auch „Milbe“ konnte in Türje bei Sümeg, auf halben Weg zwischen der Reichsgrenze und dem Plattensee, eine neue Stellung errichten, die den neuen Namen „Schwalbe“ erhielt. Zuletzt musste auch die im Donauknie bei Waitzen (Vác) gelegene Stellung II.Ordnung mit dem Namen Wachtel“, welche erst im Herbst 1944 in Betrieb gegangen war, hinter die Donau zurückgenommen werden und wurde bei Nagy Megyer neu aufgebaut.262

Ebenso musste die in Kaposvar gelegene Funkmessstellung I. Ordnung „Kalb“ wegen der bedrohlichen Lage nach Hevis (Heviz) zurückgenommen werden.263

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Da es immer wieder Klagen über Unzulänglichkeiten beim Flugmeldedienst im böhmisch- mährischen Raum gab, wurde Mitte März 1945 der Flugmelde-Inspizient angewiesen die dortigen Flugmessstellungen „Pinscher“, „Seidenspinner“ und „Tapir“ sowie die Vermittler- und Verteilerstelle Prag zu überprüfen.264

Zusätzlich sollte auf Anordnung des OKL eine Eisenbahn-Flugmeldeabteilung mit fünf mittleren Flugmelde-Leitkompanien der 8. Jagddivision zur Verstärkung des Flugmeldedienstes im böhmisch-mährischen Raum zugeführt werden.265

Der am 11. April 1945 erteilte Verlegungsbefehl vermerkte, dass die erforderliche Einsatzerkundung durch die 8. Jagddivision durchzuführen wäre. Doch der Divisionsstab hatte sich bereits vor einer Woche aus Wien ins Hausruckviertel abgesetzt und war dazu gar nicht mehr in der Lage. Für die Verlegung in den Bereich der 8. Jagddivision hatte man Ln.-Flum.Meß-Abt. (E) z.b.V. 21 mit Stab und 5 mittleren Flugmelde-Leitkompanien (E) in Aussicht genommen.266

Doch bald nach Herausgabe des Befehls stellte sich heraus, dass die Verlegung der vom OKL bestimmten Abteilung, welche an der Ostseeküste im Raum östlich von Frankfurt an der Oder eingesetzt war, aufgrund der Frontlage nicht mehr durchführbar war.267

Als Ersatz bestimmte die Luftflotte Reich die Ln.-Flum.Meß-Abt. (E) z.b.V. 22 deren Abteilungsstab sich zu dieser Zeit in Eßlingen am Neckar befand.268
Doch diese Befehle kam viel zu spät um sich noch auswirken zu können. So fuhr der Zug mit der für Wien bestimmten 9.mittlere Flum.-Leitkompanie/Ln.-Flum.-Abt.(E) 22, mit dem Decknamen „Raubvogel 9“, bei Rekawinkel direkt in die sowjetische Angriffsspitze hinein, wobei es erhebliche Verluste gab.269

Kaum eine der mittleren Flum-Leitkompanien dürfte den vorgesehenen Einsatzraum erreicht haben. Nach den personellen Verlusten dürfte nur „Raubvogel 8“ noch bis in Protektorat gekommen sein.270

Mitte Juli 1945 entdeckten Nachrichtenoffiziere der amerikanischen Luftwaffe eine unbeschädigte und betriebsfähige mittlere Flum-Leitkompanien (Eisenbahn), deren Zugsgarnitur im Bahnhof Wörschach-Schwefelbad“, unweit des Fliegerhorstes Aigen im Ennstal, abgestellt war. Demnach blieben zumindest dieser Kompanie der Opfergang in letzter Minute und die russische Kriegsgefangenschaft erspart.

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Bei der in der Slowakei gelegenen Stellung „Neufundländer II“ wurde am 25. März 1945 mit dem Abbau begonnen, am 31. März wurde die Stellung endgültig verlassen. Die bereits auf österreichischem Gebiet liegende Stellung „Albatros“ wurde bereits am 21. März geräumt und aufgelassen. Die benachbarte Stellung „Molch“ arbeitete jedoch weiter und wurde erst in letzter Minute, am 29. März 1945, unmittelbar vor dem herannahen der russischen Truppen gesprengt. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 8 von den 10 vorhandenen Fernmeldeverbindungen ausgefallen.

Der Verlust von „Molch“ war besonders schmerzlich, da die Luftwarnung für Wien von dem in dieser Stellung eingesetzten ortsfesten Ln.-Vermittler- und Verteilerzug Wien abhängig war. Am 8. April schaltete ein Volltreffer der russischen Artillerie die bei Wien gelegene Funkmessstellung „Papagei“ aus.271

Der alliierten Luft- und Radar-Aufklärung waren die deutschen Aktivitäten auf elektronischem Gebiet natürlich nicht entgangen und wurden auch, wie der nachstehend in Faksimile wiedergegebene Report über die Funkmessstellung I. Ordnung bei St. Leonhard am Forst zeigt, entsprechend erfasst. Der Report der ausschließlich auf der Auswertung des dem Report beigefügten Luftbildes beruhte, hatte alle Gegebenheiten erfasst und zeigt, dass es gar nicht einer elektronischen Erfassung bedurft hätte, welche natürlich ebenfalls umfassend betrieben wurde.






In den letzten Kriegsmonaten beherrschten die Verbände der US-Air Force den Luftraum...

...unzählige Bombeneinschläge am Verschiebebahnhof Wels, in der Mitte rechts erkennt man die betonierten Hallenvorfelder des Flugplatzes...

Von den zahlreichen Installationen der Luftraumbeobachtung blieb nach dem Kriegsende, nach Sprengung der Anlagen und erfolgter Demontagen durch die Besatzungstruppen, kaum etwas zurück. Was noch vorhanden und irgendwie brauchbar war wurde von der Bevölkerung verwertet.

Da diese Anlagen durchwegs mit einem hohen Geheimschutz versehen waren, wusste auch die ortsansässige Bevölkerung nur wenig von den Vorgängen in ihrer unmittelbaren Umgebung.




Obere Reihe: Die beiden WR-Sockel der FuMG-Stellung „Gnu“ in Mösendorf bei Vöcklamarkt (OÖ.), eine Stellung die nie in Betrieb ging (Fotos unterirdisch.de und Josef Buchhart).
Mittlere Reihe: Links, der WR-Sockel in der FuMGStellung „Kleiber“ bei Altenburg, Bezirk Horn (Foto Josef Buchhart). Rechts jener der nicht in Betrieb genommenen Stellung „Maultier“ im Waldviertel.
Untere Reihe: WR-Sockel der FuMG-Stellung „Papagei“ in Obersiebenbrunn (Foto unterirdisch.de) und jener der am Neusiedlersee gelegenen FuMG-Stellung „Albatros“.

Zwei WR-Sockel mit "Nachnutzung":
Links: In der Stellung „Mustang“ in Ruprechtshofen bei St. Leonhard am
Forst (NÖ. Mostviertel)
Rechts: Nochmals der WR-Sockel von der bei Horn gelegen Stellung „Kleiber“
(beide Fotos Josef Buchhart).


261 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), Zusammengefasster Abschlussbericht für das Jahr 1944.
262 Die 15. schwere Flum. Leit-Kompanie des Ln.-Rgt. 228 „Wachtel“, später „Kamerun“, wurde am 1.10.1943 als 19./Ln.-Rgt. 215 aufgestellt und im November 1944 als 15. Kp. dem Ln.-Rgt. 228 eingegliedert.
263 Die Rote Armee überrannte Kaposvar bereits Anfang November. Die neue Funkmessstellung „Kalb“ ging noch im selben Monat wieder in Betrieb. Nachdem man die 12./228 in der Feldpostübersicht bereits gelöscht hatte, wurde sie daher am 17.11.1944 neuerlich eingetragen.
264 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 4 (1. Abt), 21.3.1945.
265 Ebd. 11.4.1945.
266 Ebd. u. Anlage A 289 (OKL., Gen. Nafü., Nr. 11652/45, geh. (1. Abt./III), vom 11.4.1945, FS. (SSD-geh.), Betr.:Verlegung der Ln.-Flugmelde-Abt. (E) z.b.V. 21).
267 Feldpostübersicht und Hoffmann, Ln-, Band 2/II, S. 470f.
268 Eine mittlere Flum.-Leitkompanie (Eisenbahn) hatte zwei Freya-Geräte und zwei Würzburg Riesen, auf Eisenbahnwagen montiert. Ebenso war der Auswertezug in eigens dafür adaptierten Waggons untergebracht. Die Flum.-Leit-Kompanien (E) wurden als Stellungen 2. Ordnung eingesetzt.
269 Feldpostübersicht und Hoffmann, Ln.-, Band 2/II, S. 470f.
270 „Raubvogel 8“ meldete Verluste in Swietla (Svétla nad Sázavou bei Kolin).
271 BArch, RL 2 V19 K5, Karte der LN. Anlagen im Bereich der Ostfront Stand 9.2.1945, mit Berichtigungen bis Mitte April 1945.




 
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#33
LETZTE ANSTRENGUNGEN BEIM AUSBAU DER FERNMELDEINFRASTRUKTUR

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Als die Luftflotte 4 in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 lagebedingt einen neuen Gefechtsstand im Raum Budapest einrichtete, musste eigens von der Luftflotte 6 eine Telegrafen-Bau-Abteilung mit drei Kompanien nach Ungarn in Marsch gesetzt werden. Denn die im südöstlichen Reichsgebiet und im Vorfeld der Reichsgrenze vorhandenen Baukapazitäten waren völlig unzureichend.272

Ein weiteres Problem war, dass vor allem in Westungarn die unterschiedlichen Interessenlagen der Luftflotte Reich und der Luftflotte 4 aufeinander prallten. Um hier eine Koordination sicherzustellen wurde am 22. September 1944 ein unmittelbar dem OKL-Generalnachrichtenführer unterstelltes „Schalt-Kommando Ungarn“ geschaffen, als dessen Kommandeur jener des hier eingesetzten Ln.-Regiments 12 bestimmt wurde.273

Eine Verbesserung ergab sich erst, als das Luftwaffenkommando Südost aufgelöst wurde. Am 5. November kam als erste Einheiten die 4. und 7./Ln.-Rgt. 24 des aufgelösten Kommandos zur 8. Jagddivision.274

Anlässlich eines Besuchs von General Martini, am 30. Oktober 1944, bei der Luftflotte 4 und der 8. Jagddivision ordnete er die Aufstellung eines Ln.-Schaltkommandos Süd an, in dem das bereits bestehende Schaltkommando Ungarn aufging. Gleichzeitig übernahm das OKL den Betrieb und die Entstörung der neu gebauten Fernmeldeachsen. Für diese Aufgabe wurde die Ln.-Betriebs-Abteilung z.b.V. 14 dem Schaltkommando Süd unterstellt.275

Infolge des eskalierenden Luftkrieges wurde im Dezember beschlossen das Stadtgebiet von Wien mit einem Ring aus Feldfernkabel großräumig zu Umgehen. Als Vorsichtsmaßnahme wurde der Bau von Verbindungsachsen zwischen Ungarn und dem Reichsgebiet eingeleitet, wobei man die dafür erforderlichen Baueinheiten aus anderweitigen Einsätzen herauslösen wollte.276

Die zweite Hälfte des Jahres 1944 war durch die Umsetzung der befohlenen Neuorganisation des Jägerleit- und Flugmeldedienstes geprägt, welche eine weitgehende Umorientierung des Drahtnachrichtennetzes erforderlich machte und ein hohes Maß von Umschaltungen, Neuschaltungen und dem Neubau von Leitungen nach sich zog. Neben der Ergänzung bereits bestehender Verbindungen mussten auch etliche neue Fernmeldeleitungen gebaut werden, da in kürzester Zeit alle Leitungen die bisher zu den Flugwachkommandos führten auf die nächste Funkmessstellung I. Ordnung umzulegen waren.

In Wien waren alle Drahtverbindungen die bisher zu dem aufzulassenden Flugwachkommando nach Wien geführt hatten, in kürzester Zeit nach Mörbisch zum Vermittlungs- und Verteilerzug Wien umzuleiten. Dem in der Funkmessstellung I. Ordnung „Molch“ untergebrachten ortsfesten Ln.-Vermittler- und Verteilerzug Wien waren bei Kriegsende bereits 29 Flugwachen angeschlossen und setzte sich aus drei Unteroffizieren und 4 Mannschaftsdienstgraden zusammen. Der Vermittler-Trupp sorgte für die meldemäßige Zusammenfassung der Flugwachen und der Verteiler-Trupp war für die Weitergabe der Lageinformation an den LS-Warndienst und die übrigen Abnehmer des Flugmeldedienstes verantwortlich.

Zu dieser Zeit wurde gleichzeitig am Ausbau der Funkmessstellungen
- „Molch“ in Mörbisch (Flum.- Verm.- u. Vert.- Zug Wien),
- „Holzwurm“ bei Spielberg (Flum.- Verm.- u. Vert.- Zug Amstetten),
- „Saatkrähe“ bei der Forstalm auf der Saualpe (Flum.- Verm.- u. Vert.- Zug Judenburg), sowie
- „Rammler“ in Altneudorf (Flum.- Verm.- u. Vert.- Zug Graz)
mit Hochdruck gearbeitet. Denn Priorität hatte der Ersatz jener Fluko, welche in den Städten und hier zumeist im dicht verbauten Gebiet untergebracht und daher besonders gefährdet waren.

Die Aufgabe der Vermittler- und Verteiler-Züge war es, die in einer Funkmessstellung I. Ordnung anfallenden Informationen direkt an die Abnehmer und Nutznießer weiterzuleiten. Zu diesen zählten in erster Linie die Gefechtsstände des Flugmeldedienstes (Klein-Fluko), wo auch die Meldungen der zugehörigen Flugwachen eingingen, aber auch die Flugmeldezentrale (Haupt-Fluko) und die hier direkt angeschlossenen regionalen Flakgefechtsstände. So sollte letztlich jeder Abnehmer die Möglichkeit erhalten, bei geringstem Zeitverzug, die für ihn erforderliche Auswertung selbst vorzunehmen.

Obwohl im Dezember 1944 zusätzliche Ln.-Baueinheiten bereitgestellt wurden, ließ sich dieser Umbau nicht so wie vorgesehen in wenigen Wochen durchführen. So hatte man im Wiener Raum die 8./Ln.-Rgt. 14 in Mörbisch eingesetzt, während die 4./Ln.-Rgt. 14 für den Bau der erforderlichen Fernmeldeleitungen sorgte. In Spielberg arbeitete die 8./Ln.-Rgt. 12 an der Funkmessstellung „Holzwurm neu“, die knapp vor der Vollendung stand. Ein weiterer Ausbauschwerpunkt war die Steiermark, wo die 2./Ln.-Rgt. 12 auf der Forstalpe an der Fertigstellung der Funkmessstellung „Saatkrähe“ arbeitete. Die 1./Ln.-Rgt. 12 arbeitete an der Fertigstellung der wichtigen Drehkreuzachse zwischen Bruck an der Mur und Judenburg, wo der Bau wegen des gebirgigen Geländes besonders arbeitsaufwendig war. Auch zwischen Graz und der Funkmessstellung „Rammler“ baute die 3./Ln.-Rgt. 12 an einer neuen Drehkreuzachse.

Weitere Leitungsbauvorhaben gab es im Protektorat, wo die bisherigen Flugwachkommandos in Prag, Budweis und Brünn durch Verm.- u. Vert.- Züge in den Funkmessstellungen „Koralle“ bei Krakowan (Krakovany), „Blutegel“ bei Duben (Dubné) und „Brummbär“ bei Eibenschütz (Ivancice), zu ersetzen waren.

Ein wesentlicher Fehler war, dass die Planer der neuen Struktur im Sommer 1944 kaum bedacht hatten, welche Mengen an knappen Materialien, wie Kupfer, Stahl und Gummi, für die benötigten Kabel und Freileitungen erforderlich waren. Auch hatte sich niemand die Mühe gemacht, diese Frage mit den zuständigen Rüstungsdienststellen abzuklären, ob die benötigten Geräte und Baumaterialien von der damals bereits unter den Bombenangriffen schwer leidenden Industrie im erforderlichen Umfang überhaupt geliefert werden konnten. Man stützte sich auf die vor Jahresfrist erstellten Pläne über die Auslieferung von Funkmess- und Fernmeldegerät, welche infolge der Luftkriegsschäden inzwischen längst Makulatur geworden waren.

Zum 1. Dezember 1944 liegt eine Übersicht über den Einsatz der Ln.-Baueinheiten vor, welche dem Stab des Ln.-Regiments 12 in Wien unterstellt waren.277

Es waren dies die
- I. (Telegrafenbau-)/Ln.-Rgt. (mot.) 12 in Gratwein, mit der 1., 2. u. 3. Kompanie; die
- II. (Telegrafenbau-)/Ln.-Rgt. (mot.) 12 in Budweis, mit der 4, 5 u. 6. Kompanie und die
- III. (Telegrafenbau)/Ln.-Rgt. (mot.) 12 in Wien-Auhof, mit der 7., 8. u. 9. Kompanie.
Dem Regimentsstab waren auch die III./Ln.-Rgt. 14, mit der 7., 8. u. 9. Kompanie sowie die Ln.-Betr.-Abt. z.b.V. 14 (Tel.-Bau), mit der 4. und 5. Kompanie unterstellt.278

Alle diese Baueinheiten waren einsatzmäßig dem Luftflottenkommando Reich unterstellt und standen durchwegs schon seit Anfang 1944 im Luftgau XVII zum Ausbau der Fernmeldeinfrastruktur der 8. Jagddivision im Einsatz. Negativ wirkte sich aus, dass die die 7. und 9./Ln.-Rgt. 14 in Wasserburg am Inn eingesetzt waren um hier einen neuen Gefechtsstand für die Oberste Führung zu bauen. So waren im Großraum Wien von der Abteilung nur drei Einheiten eingesetzt, die 4./z.b.V. 14 baute neue Leitungen und die 5./z.b.V. 14 besorgte den Entstörungsdienst, während die 8./z.b.V. 14 in Mörbisch in der Funkmessstellung „Molch“ eingesetzt war.

In der Steiermark arbeitete die 2./12 auf der Forstalpe am Ausbau der Funkmessstellung „Saatkrähe“, wo auch die Voraussetzungen zur Unterbringung des Verm.- u. Vert. Zuges Judenburg zu schaffen waren. Die 1./12 baute die von Bruck an der Mur nach Judenburg führende Drehkreuzachse und die 3./12 an jener von Graz nach Altneudorf (Stara nova).

Im Protektorat waren ebenfalls zwei neue Drehkreuzachsen im Bau. Eine führte von Budweis nach Radobitz (Radobica), zur Funkmessstellung „Tapir“ (2./238), an der die 4./12 baute. Von Radobitz weiter zur Jägerleitstellung Pegasus (12./217) baute die 5./12, während die 6./12 zum Ausbau der Funkmessstellung „Koralle“ eingesetzt war.

Am weitesten zerstreut hatte man die III. Abteilung des Ln.-Rgt. 12, deren Stab in Wien-Auhof lag. Alle drei Kompanien waren mit dem Ausbau von Funkmessstellungen beschäftigt, die 7./12 im Protektorat bei der Stellung „Brummbär“, die 8./12 in Niederösterreich in der Stellung „Holzwurm II“, ein Zug der 9./12 war in Kroatien in der Stellung "Assel“ bei Agram eingesetzt.279

Die restlichen Züge der 9./12 bauten gemeinsam mit einem Zug der 5./Ln.-Rgt. 14 an einer Drehkreuzachse von Dresden nach Brüx (Most). Als das Luftflottenkommandos 4 am 1. Januar 1945 einen neuen Gefechtsstand in der Slowakei bezog wurde zur Abstützung des Gefechtsstandes der Bau einer neuen Drehkreuzachse von Wien zur Luftvermittlung 1000 (LV 1000) notwendig.280

Der Bau einer weiteren Achse von Wien nach Brünn (Brno) konnte, durch die Mehrfachausnützung bestehender Leitungen mit Hilfe von Trägerfrequenzgeräten, vermieden werden. Der Betrieb der ebenfalls wichtigen Drehkreuzachse von Steinamanger nach Brünn und der übrigen nach rückwärts laufenden Fernmeldeverbindungen wurde dem Schaltkommando OKL 2 übertragen, dem für diese Aufgabe vom Luftflottenkommando 4 die Ln.-Betriebsabteilung z.b.V. 14 unterstellt wurde.281

Die Überforderung der wenigen Baueinheiten führte schließlich dazu, dass sich die 8. Jagddivision außerstande sah die Entstörung der Drehkreuzachse Wien nach Fünfkirchen (Pécs) sicherzustellen, daher musste dieser Abschnitt von der Luftflotte 4 übernommen werden.282

Das Jahr 1945 brachte im Bereich der 8. Jagddivision nochmals große Veränderungen beim Einsatz der Ln.-Bauverbände. Abgesehen vom Abzug einer Abteilung hatten sich die Schwerpunkte des Baueinsatzes, abgesehen vom steirischen Raum, geändert. In der zweiten Hälfte des Jahres 1944 hatte noch der Ausbau der von- und nach Ungarn führenden Drehkreuzachsen Priorität, so kamen diese Bauvorhaben gegen Jahresende gänzlich zum Stillstand.

Der Grund war das ständige zurückweichen der hier kämpfenden Heeresgruppe Süd. Am 12. Januar 1945 endeten die vom Reich ausgehenden Fernmeldeachsen in Tata, Veszprém und Kesthely, alles Orte die damals bereits unmittelbar hinter der vordersten Linie lagen. Zwischen der Reichsgrenze und den vordersten Endpunkten der Leitungen gab es zwei Luftwaffenvermittlungen, eine in Pápa und eine in Steinamanger, die für die direkte Anbindung in Richtung Wien und Gloggnitz sorgten.283

Unmittelbar bevor die Verbände der Roten Armee die Reichsgrenze überschritten, bot sich folgendes Bild, der Stab Ln.-Rgt. 12 war von Wien-Auhof nach Königstetten bei Tulln übersiedelt, was wohl eine Folge der eskalierenden Fliegerangriffe auf Wien war und der unterstellte Kfz.-Instandsetzungszug (mot.) der Luftwaffe 12/VI hatte sich nach dem nördlich der Donau gelegen Ravelsbach abgesetzt. Im Bereich der Steiermark lag der Abteilungsstab I./12 unverändert in Gratwein, während die 1. (Feldkabelbau)-Kompanie in St. Stefan bei Graz, die 2. (Telegrafenbau)-Kompanie) in Voitsberg und die 3. (Telegrafenbau)-Kompanie in Neudörfl bei Wiener Neustadt untergezogen waren.

Die nachfolgende Karte über die Nachrichtenlage der Ostfront zeigt die Situation unmittelbar vor dem Beginn der Kämpfe um Groß-Wien. Die durchkreuzten FuMG-Stellungen sind bereits ausgefallen. Die Stellung „Selma“ ist geräumt, die 8. Jagddivision hat Wien verlassen.


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Ausschnitt aus der Karte „Ln.-Anlagen im Bereich der Ostfront, Stand 9.2.1945“ mit Berichtigungen bis Anfang April 1945 (Quelle: Leopold Banny, Krieg im Burgenland).

Von den Ln.-Bautruppen hatte die II./12 den Luftgau XVII bereits verlassen und stand in Thüringen im Einsatz. Der bisher in Wien gewesene Abteilungsstab III./12 hatte ins Protektorat, nach Schöba (Vsebor) bei Aussig (Ùsti nad Laben) verlegt. Die unterstellten drei Telegrafenbau-Kompanien befanden sich bei Kriegsende in Mährisch-Kromau (Moravsky Krumlov) unweit von Laa an der Thaya (7./12), in Bilin (Bilina) im Sudetenland, unweit von Brüx, (8./12) sowie in Kipsdorf bei Schmiedeberg im Erzgebirge (9./12). Die 8. Kompanie des Ln.- Rgt. 14, welche bisher die FuMGStellung "Molch“ in Mörbisch ausbaute hatte man in die Reichsschutzstellung (Südost-Wall) verlegt, wo sie in der nordöstlich von Mattersburg gelegenen Ortschaft Pöttelsdorf, Fernmeldeanlagen für die Festungstruppen errichtete.284

272 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 2 (1. Abt), 9.9.1944.
273 Ebd. 22.9.1944.
274 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), 5.11.1944.
275 Ebd. 6.11.1944.
276 Ebd. 15.11.1944.
277 Hoffman, Ln.-, Band II/2, S. 298 f.
278 Ebd. Dem Regimentsstab in Wien war auch die Ln.-Tel.-Bauabteilung z.b.V. 7 in Breslau unterstellt, welche mit der 1. bis 4. Kompanie im Bereich des Jafü. Schlesien im Einsatz stand.
279 Ebd. Da die neue Stellung „Holzwurm“ in Spielberg, am 1. Dezember 1944, bereits vor der Vollendung stand, sollte die 8./12 anschließend zum Ausbau des Flaknetzes in Brüx (heute Most) herangezogen werden.
280 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 4 (1. Abt), 3.1.1945.
281 Ebd. 10.1.1945.
282 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), 27.10.1944.
283 Vergleiche dazu auch: Hoffmann, Ln.-, Band II/2, S. 291.
284 Ebd., S.672 f.
 

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#34
DER LUFTSCHUTZWARNDIENST IN DER ENDPHASE DES ZWEITEN WELTKRIEGES


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Von der im September 1944 eingeleiteten Neustrukturierung des Flugmeldedienstes waren besonders die "Flugwachkommandos“ betroffen, welche noch ein Relikt aus der Zeit des früheren Reichsflugmeldedienstes waren. Doch die dichte nachrichtentechnische Vernetzung, sowohl zu den vorgesetzten Dienststellen, als auch mit den benachbarten Fluko sowie die zahlreichen Drahtverbindungen zu den zugehörigen Flugwachen, verhinderte einerseits eine rasche Aufgabe dieser Einrichtung und eine Veränderung des Standortes.

Denn jede Änderung der Organisationsform erforderte umfangreiche Eingriffe in die vorhandene Fernmeldeinfrastruktur. Da
die geringen Baukapazitäten zum größten Teil zur Behebung der durch den Luftkrieg entstandenen Schäden eingesetzt waren, lies sich das neue Konzept nur in kleinen Schritten umsetzen. So blieben in den meisten Fällen die bisherigen Fluko weiterhin in Betrieb und wurden als „Vorauswertungen“ und „Luftlageverteilerstellen“ bezeichnet. Im Endausbau, der allerdings nicht mehr erreicht wurde, sollte es nur mehr die „Flugmelde- Vermittler- und Verteiler-Züge“ geben, welche die Aufgabe der früheren Flugmeldekommandos zu übernehmen hatten.

Es war vor allem die Parteiorganisation des Regimes, welche sich in dieser späten Phase des Krieges das Monopol gesichert hatte, über ihre „Gaubefehlsstände“, die Bevölkerung mit Warnmeldungen zu versorgen, die mit dem übermittelten Lagebild unzufrieden war und entsprechend Druck machte. Die Klagen waren nicht unbegründet, da bei der Luftflotte Reich die Bearbeitung des Lagebilds sehr einseitig auf die Belange der Jagdfliegerführung ausgerichtet war.

So klagten auch Flakartillerie, Luftschutzwarndienst, Eisenbahnluftschutz ständig über eine mangelhafte Unterrichtung. Die Flakartillerie begann daher ihren Truppen-Flugmeldedienst, entsprechend ihren Belangen, auszubauen, der den örtlichen Flakführern eine Luftlageorientierung im Umkreis von 300 km ermöglichte. Da diese Möglichkeiten nur den Militärs gegeben war, forderten die zivilen Abnehmer eine sofortige betriebliche Änderung beim Flugmeldedienst. Dieser müsse weit mehr auf die zivilen Bedürfnisse eingehen und dementsprechend bessere Ergebnisse liefern.285

Da Bormann und die Gauleiter mit ihrer Kritik nicht nachließen wurde vom OKL befohlen, dass die Gaubefehlsstände so bald als möglich an die nächste in Frontrichtung liegende Stellungs-Flugmeldezentrale angeschlossen werden sollten. Darüber hinaus war auch noch an die Möglichkeit eines Anschlusses an eine weitere Stellungs-Flugmeldezentrale 1. bzw. 2. Ordnung oder sogar unmittelbar, so wie in Wien, an eine Divisions-Flugmeldezentrale gedacht.286

Da auch der Eisenbahn-Luftschutzwarndienst ständig Klage führte, mussten man auch der Reichsbahn die gleichen Zugeständnisse wie den Gaubefehlsständen gemacht werden.287

Nach der NSDAP und der Deutschen Reichsbahn legte auch der Arbeitsstab Luftschutz im OKL seine Forderungen bezüglich einer Verbesserung der Erstellung des Lagebildes zugunsten des Luftschutzwarndienstes vor. Um den berechtigten Forderungen gerecht zu werden, wurden die Zugeständnisse auch auf den Luftschutzwarndienst ausgedehnt.288

Dies alles war natürlich mit aufwendigen Schaltungen von Leitungen verbunden, welche die wenigen Bautruppen zusätzlich belasteten. Doch alle diese Maßnahmen konnten nicht verhindern, dass die Prognosen immer unzuverlässiger wurden. Denn mit dem Schwinden des Vorfeldes konnte wurden die Vorwarnzeiten immer kürzer und der Flugmeldedienst konnte, trotz des eingeführten Reportage-Verfahren, nicht mehr mithalten. Auch die Möglichkeit sich im Luftraum über dem Reichsgebiet frei zu bewegen, eigene Jagdflieger waren wegen des Treibstoffmangels kaum mehr am Himmel zu sehen, erschwerten das Erkennen der gegnerischen Absichten. So wurde es immer mehr zu einem ungleichen Kampf und letztlich war es ein Wunder, dass Luftraumüberwachung und Luftschutzwarndienst bis zum Schluss überhaupt einigermaßen funktionierte.

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285 KTB, Generalnachrichtenführer im OKL, KTB Nr. 3 (1. Abt), 21.10.1944.
286 Ebd. 23.10.1944.
287 Ebd. 22.11.1944.
288 Ebd. 7.12.1944.


 

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#35
DIE ORGANISATION DER FUNKAUFKLÄRUNG UND IHR BEITRAG ZUR LUFTRAUMÜBERWACHUNG


Teil 1 von 3

© Renato Schirer


Eine Studie über die Luftraumüberwachung in den Alpen- und Donaureichsgauen während der Zeit des Zweiten Weltkrieges wäre unvollständig, wenn nicht auch der Beitrag berücksichtigt würde, welchen die Funkaufklärung über die gegnerischen Aktivitäten beisteuerte. Das traf allerdings für die ersten Kriegsjahre nicht zu, da das österreichische Staatsgebiet von den Luftangriffen nicht betroffen war.

Dies änderte sich erst mit dem von Nordwestafrika aus geflogenen Angriff auf die
Wiener Neustädter Flugzeugwerke, am 13. August 1943. Die Verbände der Funkaufklärung, welche beim Luftwaffenbefehlshaber Mitte und bei den Frontluftflotten angesiedelt waren, waren vorgewarnt, da das erste Angriffsvorhaben der amerikanischen Luftwaffe am 1. Juli 1943 rechtzeitig erkannt wurde. So konnte den amerikanischen Bomberverbänden, welche von afrikanischem Boden aus das rumänische Ölfördergebiet von Ploesti und die dortigen Raffinerien angriffen, eine vernichtende Niederlage bereitet werden.289

Doch beim folgenden Angriff auf Wiener Neustadt versagte die Funkaufklärung dann völlig.290

Auch die nächsten Angriffe, die sich in den Monaten Oktober und November 1943, gegen österreichisches Territorium richteten, zeigten, dass der Horchdienst in Bezug auf die vom Süden aus, über die italienischen Halbinsel und dem Balkan, einfliegenden alliierten Verbände den Ansprüchen nicht gewachsen war. Einen Grund dafür sah man in den getrennten Funkhorch-Organisationen welche auf der Apennin- und Balkanhalbinsel stationiert waren.

Daher wurde im Frühjahr 1944 vom Generalnachrichtenführer der Luftwaffe eine Zusammenführung aller Horchdienste in einer Funkaufklärungsdivision befohlen, wobei man besonders die Einflüge aus dem Süden im Auge hatte, wo nun der Gegner eine zweite Luftfront aufgebaut hatte. Da zu diesem Zeitpunkt die Initiative, sowohl in Italien als auch auf dem Balkan, auf den Gegner übergegangen war und die deutschen Truppen sich überall auf dem Rückzug befanden, verzögerten sich die geplanten Maßnahmen erheblich und die neue Gliederung konnte erst ab dem 10. November 1944 eingenommen werden, wobei die Planung vorerst auch nur in Teilen verwirklicht werden konnte.

Letztlich war die Reform der Funkaufklärung, die sowohl die Überwachung des Funkverkehrs, als auch der Radar-Aktivitäten des Gegners und die zu ergreifenden elektronischen Störmaßnahmen umfasste, zum Zeitpunkt der Kapitulation noch nicht
gänzlich abgeschlossen. Besonders nachteilig war, dass die Ln.-Funkaufklärungsregimenter der Westfront und des mittlerweile zur Luftflotte Reich avancierten, Luftwaffenbefehlshaber Mitte dem „Funkaufklärungsführer Reich“ unterstellt waren, während die restlichen Ln.-Funkaufklärungsregimenter dem Höheren Kommandeur der Funkaufklärung unterstanden. Der Letztgenannte hätte nach der ursprünglichen Planung zwar die Gesamtführung übernehmen sollen, doch dies scheiterte an internen Querelen.291

Die Hoffnung die man auf das Ln.-Funkaufklärungsregiment 352 setzte, welches aus den beiden Horch-Abteilungen des Süd- und Südostraumes entstanden war, setzte, erfüllte sich jedoch nicht. Da es dem Regimentsstab nur unvollkommen gelang die erwünschte Gesamterfassung der Ergebnisse der beiden unterstellten Abteilungen herbeizuführen. Die Gründe dafür waren, dass die Abteilungen räumlich weit getrennt eingesetzt waren und es vorerst an den erforderlichen Nachrichtenverbindungen zum Stab in Premstätten bei Graz fehlte.

Zwar konnte die Nachrichtenlage in den folgenden Monaten wesentlich verbessert werden, doch ein weiterer Makel ließ sich nicht beseitigen, da ab dem 10. März 1944 die beiden Abteilungen, nun als I. und II. Ln.-Funkaufklärungsregiment 352, nicht mehr so wie früher unter dem einheitlichen Kommando des O.B. Süd standen.292

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Im Rahmen der Gesamtorganisation waren dem „Funkaufklärungsführer Reich“, der letztlich für die Reichsverteidigung zuständig war, die Meldeköpfe 1, 2 und 3 unterstellt, welche sowohl die Westfront als auch das Reichsgebiet abdeckten. Für die nicht direkt unterstellten, Meldeköpfe 4 (Süd) in Wien und 5 (Ost) in Cottbus, die dem „Höheren Kommandeur der Funkaufklärung“ unterstellt waren, war der „Funkaufklärungsführer Reich“ nur in einsatzmäßiger Hinsicht weisungsberechtigt, was natürlich zu Komplikationen führen musste.

Die Hauptaufgaben der Horch-Abteilungen waren die Überwachung des gegnerischen Funkverkehrs (Luft-Luft, Boden-Luft und Boden-Boden) und der elektronischen Aktivitäten (Radar usw.). Der Aufwand dafür war erheblich, so betrug die Gesamtstärke des Regiments 2600 Soldaten, wozu noch rund 350 weibliche Hilfskräfte, sogenannte Nachrichtenhelferinnen, kamen. Durch den Einsatz von Frauen konnten zum Zeitpunkt der Formierung des Regiments aus den beiden bisherigen Funkhorchabteilungen 300 Soldaten für den Einsatz, vor allem an der Westfront, freigemacht werden. Der Regimentsstab selbst bestand aus 30 Köpfen. Die beiden Abteilungsstäbe zählten jeweils 20 Soldaten. Der Instandsetzungszug hatte eine Stärke von 80 Mann, wobei es sich vorwiegend um technisches Spezialpersonal handelte.

Die dem Regimentsstab direkt unterstellten Kompanien, die
- 25./Ln. (Funkaufkl.) 352 in Premstätten bei Graz und
- 26./Ln. (Funkaufkl.) 352 in Wien,
zählten 200 und 350 Köpfe. In den sechs Funkaufklärungskompanien dienten über 1200 Soldaten und weitere 700 entfielen auf die beiden Funkmess-Aufklärungskompanien.293

Für den 15. Januar 1945 liegt eine detaillierte Aufschlüsselung, allerdings ohne die Offiziersstellen, vor. An diesem Tag betrug die Kopfstärke des Regiments 2080 Unteroffiziere und Mannschaften, von denen 1878 vom Jahrgang 1906 und jünger waren. Dazu kamen noch 319 Ln.-Helferinnen und 44 Ausländer und Kriegsgefangene.294

Hier wäre anzumerken, dass das Spezialpersonal des Funkaufklärungsdienstes auf Befehl von Göring, im Unterschied zum Flugmelde-, Ln. Verbindungs- und Flugsicherungsdienst, ein besonderes Privileg genoss und von jeglichen Personalabgaben ausgenommen war.295

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Ab Oktober 1944 war das neugebildete Ln. (Funkaufkl.) Rgt. 352, in Premstätten, für die Flugwegverfolgung der Einflüge aus dem Süden und für die Ergänzungen zu den Luftlagemeldungen für die Alpen- und Donaureichsgaue sowie für Süddeutschland zuständig. Die unterstellte I. Abteilung war in Canazei, einer kleinen Gemeinde im Fassatal, in der Provinz Trient, stationiert.

Der I./352 unterstanden vier Funkaufklärungskompanien, wobei die 1. Kompanie am Standort des Abteilungsgefechtsstandes untergebracht war.

Die 2. Kompanie lag in Albignasego, einem 9 km südlich von Padua gelegenes Städtchen. Die Züge der Kompanie lagen in Parabiago, nordwestlich von Mailand; in Albignaseco; in Ravensburg, einer unweit des Bodensees gelegen Stadt im südlichen Oberschwaben; in Oberhaching, einer südlich von München gelegen Ortschaft; in Montecchia, einem 20 km ostnordöstlich von Verona gelegen Ort und am 601 m hohen Monte Venda, südwestlich von Padua.

Die 3. Kompanie war am 2239 hohen Pordoijoch (Passo Pordoi) an der Straße von Canazei nach Arabba) stationiert, mit einem Zug auf der 2484 m hohen Rodella (Col Rodella).

Die 4. Kompanie lag in Montegrotto, 12 km südlich von Padua, mit Zügen an der Ligurischen Riviera in Alassio, unweit der französischen Grenze und am 673 m hohen, nordwestlich von La Spezia gelegen, Monte Parodi; in dem östlich von Genua gelegen Portofino und in Tricesimo, am nördlichen Stadtrand von Udine.

Der II./352 unterstanden ebenfalls vier Kompanien, nämlich die 7., 8., 9. und 10./Ln. (Funkaufkl.) Kompanie:
Die 7. Kompanie war in Gleisdorf, 20 km östlich von Graz, untergezogen.

Die 8. Kompanie lag in Grottenhof bei Graz, mit Zügen in Premstätten; Ungarisch Altenburg (Mosonmagyaróvár) und Klagenfurt.

Die 9. Kompanie befand sich in Gleisdorf, mit einem Zug in Agram (Zagreb).

Die 10. Kompanie lag ebenfalls in Gleisdorf und hatte Außenstellen in Eisenburg (Vasvár); Raab (Györ); Hohenberg, am 1372 m hohen Türnitzer Höger im Bezirk Lilienfeld (N.Ö.); auf der in den Lavantaler Alpen gelegenen Stubalpe; auf der Rax im Karl-Ludwig-Schutzhaus mit der Gerätestation auf der Heukuppe; auf der Kanzel im Bereich der Hohen Wand (N.Ö.) und in Melk (N.Ö.).296

Das Quartier der Außenstelle der 10. Kompanie am Rax-Massiv befand sich im schwer erreichbaren Karl-Ludwig-Haus (1804 m).297
Die Horchempfänger selbst wurden in einer kleinen Massivbaracke auf der Heukuppe (2007 m) untergebracht, die Auswertung erfolgte im Schutzhaus. Da die Telefonverbindung sehr Störungsanfällig war, errichte man eine kurze Richtfunkstrecke, vom Karl-Ludwig-Schutzhaus zu der Richtfunk-Relaisstation auf dem benachbarten Sonnwendstein (1523 m).298 Die FuMG-Stellung „Rax“ wurde wegen der widrigen Wetterverhältnisse (vielleicht auch wegen der Störeinflüsse auf die Geräte der neuaufgebauten nahe gelegenen Abhörstation) im Winter 1944/45 auf die 14 Kilometer Luftlinie Entfernte Hinteralpe im Westen des Schneealpenmassivs verlegt. Die Stellung III. Ordnung bekam den Decknamen „Henne“.299

Das Regiment betrieb folgende Fernmeldeeinrichtungen: Zur Überwachung des alliierten Nachschubverkehrs waren 65 Horchempfänger eingesetzt. Die Nachrichtenverbindungen der höheren Kommandobehörden im östlichen Mittelmeerraum und auf der Balkanhalbinsel sowie deren Versorgungsverkehr wurden mit 50 Empfangsgeräten abgehört. Die Verbände der 15th USAAF und der 205 Bomb Group der R.A.F. wurden mit 25 Empfangsstationen überwacht.


Ein weiterer Schwerpunkt war die Überwachung der Radar-Aktivitäten des Gegners. Diese wurden in 15 Außenstationen, welche zusammen 100 Überwachungsempfänger eingesetzt hatten, kontrolliert. Die Überwachung der Funkverbindungen der Radarstationen des Gegners erfolgte durch weitere 30 Horchempfänger. Zuletzt wäre noch der Einsatz von 25 Peilempfängern zu erwähnen, welche in den Peilstationen eingesetzt waren. Nach anderer Quelle hatte das Regiment 205 Horchempfänger und 23 Kurzwellen- und 3 Langwellenpeiler ständig im Einsatz.300

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Die Nachrichtenverbindungen des Regiments zu seinen Außenstellen, Stand Anfang 1945 (TICOM, Seabourne Report).



289 Seabourne Report, Vol. IX. „History of Operations in the South“ (From Commanding General, 9th Air Force), S. 37 f. Die Seabourne Report Vol. I bis XIII und anderes relevantes Material findet man im Netz unter: http://www.ticomarchive.com/the-targets/chi-stelle-air-force/related-reports.
290 Manfried Rauchensteiner, Der Luftangriff auf Wiener Neustadt am 13. August 1943, Wien 1983.

291 BArch, ZA 3/832, Gottschling, Die Funkhorchaufklärung der Luftwaffe, S. 26—36.
292 BArch, ZA 3/832, fol. 456 (S. 46). Die I./352 unterstand dem O.B. Süd (Gfm. Kesselring), während die II./352 im Heimatkriegsgebiet eingesetzt war.
293 Ebd. (S. 71).
294 NARA T-321, roll 114 Generalnachrichtenführer 1. Abt. I, vom 28.1.1945.
295 NARA MF T-321 roll 114. Gen. Nafü. Nr. 11700/44 gKdos., vom 2.10.1944.
296 Seabourne Report, Vol. IX. Chart No. 5-13. Stand November 1944.
297 Die 10./Ln.-Rgt. 352 wurde erst am 7.12.1944 in die Feldpost-Übersicht eingetragen.
298 Für diese Hinweise danke ich Herrn Josef Buchhart.
299 Hoffmann, Geschichte der Ln.-Truppe Bd. II, Teil 1, S. 505. Auch hier bin ich Herrn Josef Buchhart und Herrn Christian Hirsch für entsprechende Hinweise dankbar.
300 BArch, ZA 3/832.


Fortsetzung siehe Teil 2
 

josef

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#36
DIE ORGANISATION DER FUNKAUFKLÄRUNG UND IHR BEITRAG ZUR LUFTRAUMÜBERWACHUNG

Teil 2 von 3

© Renato Schirer

Nach erfolgter Aufstellung der 15th US Air Force konnten die Horchtrupps die möglichst nahe den vordersten Linien lagen die Versammlung der Jäger- und Bomberverbände durch UKW-Trupps, die auf dem Monte Cavo bei Genua, auf den Monte Vende südwestlich von Padua, auf dem Futa-Pass bei Verona und bei Pola und Udine postiert waren, abgehört werden. In der Anfangszeit der 15th US Air Force wurde die Überwachung dadurch begünstigt, da die im Raum Foggia liegenden Verbände den erfolgten Start über Kurzwelle meldeten. Natürlich vermied der Gegner mit zunehmender Erfahrung diese groben Fehler und die Funkdisziplin verbesserte sich. Doch die US-Verbände erreichten nie jene exzellente Funkdisziplin, wie sie die 205 Bomb Group der R.A.F. vorgab.

Am 26. Oktober 1944 wurde das in Italien eingesetzte III./Ln. Rgt. 2, welches nach dem erfolgten Durchbruch der Alliierten in die Po-Ebene von Monte Ortone nach Canazei in die Dolomiten zurückverlegt hatte, in das Ln. (Funkaufkl.) Rgt. 352 eingegliedert.

In Canazei waren nun der Abteilungsstab, die Auswerte-Kompanie und die zwei Horchkompanien versammelt, während die 9./Ln. Rgt. 2 am Pordoi-Joch und die Funkmessbeobachtungs-Einheiten auf der Rodella-Spitze eingesetzt waren.301

Auf der Balkanhalbinsel lag zu Beginn des Jahres 1944 die Funkaufklärung in den Händen der III. Abteilung des Ln.-Regiments Südost. Der Abteilungsstab des Regiments lag in Pantschowa (Pancevo), mit der Auswertekompanie und zwei Kurzwellen-Horchkompanien. Jede der beiden KW-Kompanien verfügte über 30 Horchempfänger welche die Funknetze der 15th US-Air Force und der 205 Bomb Group überwachten. Weitere Kompanien des Regiments lagen in Athen (9./Ln.40), in Constanza und in Tirana. Der in Albanien stationierten Kompanie waren KW-, UKW- und Funkmesszüge in Valona, Durazzo, Dubrovnik, Split und Zara unterstellt, mit deren Hilfe die amerikanischen Basen rund um Foggia und die Straße von Otranto überwacht wurden.

Beim Abteilungsgefechtsstand in Pancevo hatte man ein „Peildorf“, mit KW- UKW- und Radar-Peilern errichtet. Die größten Erfolge im Radar-Bereich konnte mit jenen Peilern erzielen, welche mit dem Korfu-Gerät ausgestattet waren. Beim „Korfu“ handelte es sich um einen Horchempfänger für Zentimeterwellen, welcher auf das Bordradar der Briten („Rotterdam“ mit 9 cm Wellenlänge) und der Amerikaner („Meddo“ mit 3 cm) ansprach.302

Ebenfalls erfolgreich war das Anpeilen der alliierten IFF-Geräte (Freund-Feind-Identifikation), besonders da es so gelang die Kampfflugzeuge von den Bandenversorgern zu unterscheiden. Mit Hilfe der Wetter-Aufklärer, die durchwegs mit Meddo-Gerät ausgestattet waren, gelang es vielfach die kurze Zeit später angegriffenen Ziele vorauszusagen. Dies gelang dadurch, da die Aufklärer aus den Zielräumen Radar-Fotos mitbrachten und dabei, wahrscheinlich zur Verbesserung der Bildqualität, die Impulsfolge ihres Meddo-Geräts erhöhten, was in der Tonhöhe im Korfu- Empfänger zu hören war.303

Ab Mai 1944 als die alliierten Angriffe immer mehr zunahmen, musste die Unterscheidung zwischen Funk- und Radaraufklärung aufgegeben werden und beide Bereiche wurden unter der Bezeichnung „Funkaufklärung“ zusammengeführt. Auch die Zusammenarbeit mit dem vor Ort vorhandenen Flugmeldedienst wurde enger. So wurden die Radarstellungen des
Flugmeldedienstes vom Horchdienst, bzw. von dem mit den Zentimeter-Empfängern „Korfu“ ausgestatteten Peiltrupps, über die einfliegenden Verbände informiert und für die Flugwegverfolgung eingewiesen.304

Ein wesentlicher Teil der bei den Südeinflügen erfolgreich angewandten Verfahren hatte seinen Ursprung in den hochfrequenten Störungen der gegnerischen Seite, welche die Funkmessgeräte stilllegten und die Jägerführung erheblich behinderten.

Um den alliierten Störungen zu entgehen baute man ein Funkmessgerät, „Freya-D“ oder „Dora-Insel“ genannt, im allgemeinen Frequenzbereich gegnerischen Radar-Geräten (200 bis 167 MHz). Dieses Funkmessgerät löste unerwartet das alliierte Kenngerät „IFF“ (216 bis 167 MHz) aus, was durch ein flammenartiges Signal am Sichtgerät des „Freya-D“ erkennbar wurde. Da es sich sowohl bei den IFF als auch bei den „Freya-D“ um Sender handelte konnten fast doppelte Reichweiten erzielt werden. Nach der Auslösung des „IFF“-Gerätes konnten die Funkmesspeiler den Standort ermitteln und so wertvolle Anhaltspunkte für die Flugwegverfolgung liefern.

So war geplant sämtliche Südeinflüge mittels „Flamme“ zu führen und dazu alle „Freya-D“ der Funkaufklärung zu unterstellen. Als Leitgerät war jenes in Durazzo vorgesehen, da die dortige Funkstelle über die bestmögliche UKW-Verbindung verfügte. Doch der Widerstand der Funkmessführung und der Rückzug auf dem Balkan verhinderte dies, aber auch die Alliierten erkannten bald die Gefahr welche in dem „IFF“ lag. Strenge Befehle verhinderten das vorzeitige Einschalten, ja bei einem Großteil der Flugzeuge wurde es sogar ausgebaut.305

So blieb neben der klassischen Funküberwachung vor allem die „Korfu“-Auswertung als wichtigste Informationsquelle für die Feindeinflüge aus dem Süden. Im Sommer und Herbst 1944 funktionierte das System recht zufriedenstellend. Durch Auswertung der Telefonie-Beobachtungen konnte den „Korfu-Peilern“ die jeweiligen Ein- und Abschaltbefehle erteilt werden.

Als die Amerikaner im November 1944 begannen auch nachts einzufliegen („Lone Wolf“) um die deutsche Luftverteidigung abzunutzen, zeigte sich auch die Schwäche des „Korfu-Gerätes“. Die Magnetron-Röhre, das Herzstück des Geräts, hatte nur eine Lebensdauer von 150 Stunden und die Röhrenhersteller konnten nicht genügend Ersatz bereitstellen.306

So setzte man in dieser letzten Phase auf das „Naxburg-Gerät“, wo das Problem mit der Magnetfeldröhre wegfiel. Es handelte sich um ein „Würzburg-Gerät“ ohne Hochfrequenzteil. In der Mitte des Spiegels wurde ein auf die zu beobachtende Frequenz abgestimmter Dipol eingesetzt, wobei das Empfangssignal über eine Detektor-Verstärkereinheit zum Kopfhörer geführt wurde. Mit solch primitiven Behelfen musste man einem Gegner gegenübertreten, welcher in dieser Technologie die Spitze anführte und über unbegrenzte Ressourcen verfügte.307

Auch der Aufwand an Nachrichtenmittel die zur Aufrechterhaltung der internen Kommunikation dienten war erheblich. Dazu kam, dass die zahlreich vorhandenen Fernschreib- und Fernsprechverbindungen zum Teil aus Sicherheitsgründen zusätzlich mit Funkverbindungen überlagert werden mussten. Ebenso war der Aufwand an Geheimschreibern (G-Schreibern), Schlüsselmaschinen und das dazu erforderliche Personal erheblich. Galt doch, dass alle „Heinrich-Meldungen“ (H-Meldungen), das „H“ stand für Horch-Meldung, grundsätzlich mittels Enigma verschlüsselt wurden.308

Neben den G-Schreibern kamen auch handelsübliche Fernschreibmaschinen der Typen Siemens und Lorenz zum Einsatz. Als Grundsatz galt, dass alle als „Geheim“ oder „Streng Geheim“ klassifizierten Nachrichten mittels der Schlüsselmaschine „Enigma“ gegen Mitlesen des Gegners gesichert wurden.309

So verfügte der Gefechtsstand des Regiments in Premstätten über ständige direkte Fernschreibverbindungen (FS) zu den Luftwaffenvermittlungen (LV) 18 und 38 in Wien und Bozen (Bolzano); zur Chiffrier-Stelle in Potsdam; zur II./352 in Graz; zur Kurzwellen-Funkstelle in Agram (Zagreb); zur 8. und 9./352 in Marburg (Maribor) und zur LV 25 in München, von wo eine weitere FS-Leitung zur I./352 nach Canazei geschaltet war. Eine FS-Direktleitung führte zum Meldekopf 4 in Wien und von hier aus weiter zur ZAF in Treuenbrietzen. Weitere FS-Verbindungen waren zur LV 18 in Wien sowie zur UKW-Sendestation in Ungarisch-Altenburg geschaltet. Der Großteil der FS-Verbindungen lief über G-Schreiber, was auch auf die FS-Verbindung nach Zagreb, welche über eine Richtfunkstrecke ging, zutraf.310

Neben den Fernschreibverbindungen waren auch zahlreiche Telefonleitungen ständig geschaltet. So führten dreifache Fernsprechleitungen zur LV 38 Bozen, zum Fliegerhorst Graz-Thalerhof und zum Meldekopf 4 in Wien. Zweifachleitungen gab es zur LV 18 in Wien, zur II./352, zur Sendezentrale auf der Stubalpe und zur 7./352.

Über Richtverbindungen (RV-Stationen) waren die Sendezentralen in Baden bei Wien und auf der Stubalpe sowie die Kurzwellenstation in Agram erreichbar. Einfachleitungen gab es zur I./352, zu den LV 25 und 28 in München und Linz, zur Luftflotte 4, zur 7. und 8. Jagddivision sowie zur 8. 9. und 10./352.

Der Meldekopf 4 in Wien war wegen der erforderlichen Luftlage-Übermittlung im Reportage-Verfahren gar mit 13 Leitungen an die LV 18 in Wien angeschlossen. Vom Meldekopf in Wien gab es direkt geschaltete Doppelleitungen zur ZAF und zur 8. Jagddivision und über eine Richtfunkstrecke zum Kurzwellen-Station in Agram.

Weitere Leitungen waren vom Meldekopf zu den LV 25 München, LV 28 Linz, LV 1000 (OKL) sowie zur Luftflotte 4 und zur 7. Jagddivision, sowie zur I./352 und zu den Zügen auf der Kanzel, auf dem Rax-Massiv und in Melk sowie in Raab (Györ) geschaltet.311

Die wichtigsten Nachrichtenverbindungen wurden durch eine ständige betriebene Funkverbindung überlappt. So betrieb der Regimentsgefechtsstand einen Sternverkehr mit den Funkstellen der I./352 in Canazei, der II./352 in Graz und dem Meldekopf 4 in Wien, war zugleich auch Teilnehmer am Funkstern der Chiffrier-Stelle des OKL. Den größten Stern betrieb jedoch der Meldekopf 4 in Wien, der über Funk mit 14 Unterfunkstellen kommunizierte.

An diesen Stern waren angeschlossen: die ZAF, die 7. und 8. Jagddivision, das Marinekommando Italien, die Jagdfliegerführer Oberitalien, Ungarn und Oberschlesien, der Fliegerführer Kroatien, der Stb./Ln (Funkaufkl.) Rgt. 352, die I./352, die Meldeköpfe 1 (Ln. Abt 357) und 2 (Ln. Rgt. 351), das Funkmess-Auswertezentrum Süd, und die Luftflotte 4.

Während für die internen Funkverbindungen, in und außerhalb des Funkaufklärungsregiments, die in der Luftwaffe eingeführten standardisierten Sende- und Empfangsanlagen verwendet wurden, gab es für die Funkaufklärung spezielles Gerät. Hier standen, neben den üblichen Truppenfunkgeräten der Luftwaffe, die Funkhorchempfänger Fu.H.E. a bis Fu.H.E. g zur Verfügung, welche in Stufen den Frequenzbereich von 75 kHz bis 1000 MHz abdeckten. Daneben kam der Fu.H.E. v mit einem Frequenzbereich von 20 bis 200 MHz zur Anwendung, der speziell für den UKW-Sprechfunk vorgesehen war. Als weiteres Spezialgerät stand auch noch der Horchempfänger HE 1, der ein Frequenzspektrum von 75 bis 3333 kHz abdeckte, in Verwendung. Neben den Horchempfängern gab es noch die diversen Peilanlagen, die mit Peilempfänger im Bereich von 120 kHz bis 120 MHz ausgestattet waren.

Wie bereits, im Rahmen der Artikelserie über die Luftraumüberwachung, bei der 8. Jagddivision angesprochen, wurde auch im Bereich der Funkaufklärung ein immenser „Papierkrieg“ betrieben. So wurden von Premstätten aus folgende Dienststellen fernschriftlich auf dem Laufenden gehalten:
NAAST 4 und NAAST 7 (OKH, General der Nachrichtenaufklärung); I./Ln. 352 und die unterstellten Ln. Kp.; II./Ln. 352 und unterstellte Ln. Kp.; Ln. (Funkaufkl.) Rgt. Ost; Ln. (Funkaufkl.) Rgt. West; Fliegerführer Kroatien; 8. Jagddivision; 7. Jagddivision; JaFü Oberitalien; Luftwaffenkommando Italien; Lfl. 4 (Funkaufkl.-Verbindungsoffizier); OKL Ref. C; OKL Chi-Stelle; Marinekommando Italien; Lfl. Reich ZAF; Funkaufklärungsführer Reich; OKM.

Mittels Reportage-Verfahren wurden die Informationen zwischen den Gefechtstand des Regiments und dem Gefechtsstand der I./Ln. 352 und der Auswertung der 25./Ln. 352 sowie dem Meldekopf 4 ausgetauscht. Direkt vom Gefechtsstand der I./Ln. 352 wurde die Reportage an folgende Stellen übertragen:
Luftwaffenkommando Italien, Jafü Oberitalien, 7. Jagddivision (jeweils an den Funkaufklärungs-Verbindungsoffizier) sowie an das Marinekommando Italien und an die NAAST 7 des Heeres.

Die Auswertestelle (25./Ln. 352) übermittelte ihre Reportage an das OKL Ref. C, die NAAST 4 des Heeres und an den Funkaufklärungs-Verbindungsoffizier der Luftflotte 4 in Wien. Der Meldekopf 4 in Wien gab seine Reportage an die ZAF und an die Funkaufklärungs-Verbindungsoffiziere der 7. und 8. Jagddivision weiter.312

Am 1. Januar 1945 waren dem Ln. (Funkaufl.) Rgt. 352 die Aufgaben Beobachtung und Auswertung der Alliierten Luftwaffe im Süden zugewiesen. Im Einzelnen waren die Aufgaben der I./Ln. (Funkaufkl.) 352 folgend definiert:

1.) Alliierte Luftwaffe in Italien, einschließlich Korsika und Sardinien. Hier besonders die Bodenorganisation und die Verbände (Jagd- und Nahkampfverbände, Aufklärer, Funkmess- und Fliegerverbindungsoffiziers-Netze, Nachschub und Transportverbände, Störung von Funkmessdienst und Bordgeräte sowie von Navigationshilfsmittel, der Boden- und Bord Funkmessgeräte.

2.) Alliierte Luftwaffe im westlichen Mittelmeer. Beobachtung der Bodenorganisation und der Verbände, besonders der Seeaufklärer. Des Weiteren der Funkmessnetze in Nordwestafrika, der Funkmess- und Fliegerverbindungsoffiziers-Netze in Südfrankreich und Störung von Funkmessdienst und Bordgeräte sowie der Navigationshilfsmittel sowie der Boden- und Bord Funkmessgeräte.

3.) Die Flugwegverfolgung der Alliierten Verbände im Raume Korsika und Norditalien.

Dem II./Ln. (Funkaufkl.) 352 waren folgende Beobachtungsgebiete zugeteilt:
1.) Türkei Luftwaffe und deren Bodenorganisation und Verbände;
2.) Alliierte Luftwaffe in Italien und deren Bodenorganisation und Verbände (operative Luftwaffe und Kampfverbände, Funkmessnetze in Italien, Seeaufklärung in der Adria, Überwachung und Störung der Boden- und Bordfunkgeräte an der italienischen Ostküste sowie der Navigationshilfsmittel in Süditalien;
3.) Alliierte Luftwaffe im ostwestlichen Mittelmeer und deren Bodenorganisation und Verbände (Nachschub- und
Transportverbände, Seeaufklärer, Fliegerschulen und Navigationshilfsmittel;
4.) Flugwegverfolgung der Alliierten Verbände im Raum Süditalien, Adria, Balkan, Rumänien und Ungarn.

Durch den Verlust von Peilstellen in diesen Räumen war die Flugwegverfolgung bereits seit September 1944 stark beschränkt. So konnten in 5000 m Höhe einfliegende Verbände erst ab der Linie Korfu – Saloniki – Sofia – Bukarest – Czernowitz erfasst werden.313

Im Bereich des Heimatkriegsgebietes war die Luftflotte Reich für die Flugwegverfolgung der Bomberverbände zuständig. Diese Aufgabe fiel dem Meldekopf 3 in Berlin-Wannsee, Stab/Ln.(Funkaufkl.) Abt. 356, zu. Für die Alpen- und Donaureichsgaue war die Gefechtsauswertung Süd in Schleissheim bei München zuständig (3./356), mit den Funkmess-Beobachtungs-Stellen in Königgrätz (4./356) im Protektorat und in Böblingen bei Stuttgart (5./356).

Bedingt durch die ständige Rückzugsbewegung der Wehrmacht, mussten die Aufgabenstellungen mehrmals an die noch bestehenden Möglichkeiten angepasst werden. Trotz aller bestehenden Schwierigkeiten konnte das Ln. (Funkaufkl.) Rgt. 352 die zugeteilten Aufgaben in Bezug auf die Aufklärung der alliierten Südeinflüge bei Tag und Nacht überraschend gut lösen. So stellte Oberst Hans Förster, der Chef des deutschen Luftwarnsystems, bei seiner Vernehmung durch die Alliierten, dem Frühwarnsystem im Südosten ein gutes Zeugnis aus. Er sagte aus, dass es bei den Einflügen aus dem Süden nur in ganz wenigen Fällen zu Fehlern gekommen war. Ein entsprechender Anteil an dieser positiven Beurteilung darf auch der Funkaufklärung zugewiesen werden. 314

Im März 1945 kam es zu einer der seltenen Fehleinschätzungen, als die Ln. (Aufkl.) Regimenter 352 (Süd und Südost) und 353 (Ost) übereinstimmend Anzeichen einer bevorstehenden alliierten Landung im Bereich der Adria zu erkennen glaubten und an den Luftwaffenführungsstab meldeten.


Diese Fehlbeurteilung war vermutlich durch die Lageentwicklung im adriatischen Raum bedingt. Da durch die sich für die Alliierten günstig entwickelnde militärischen Lage, die ursprünglich vorgesehen Anlandungen an der italienischen- und kroatischen Küste gegenstandslos werden ließ.

Ein Indiz für den hohen Stellenwert welchen man im Bereich der Luftwarnung der Funkaufklärung zumaß, unterstreicht die Tatsache, dass es dem Gauleiter von Oberdonau, dank seinen guten Beziehungen zu Hitler und Bormann, gelang, einen Funkaufklärungs-Verbindungsoffizier zugeteilt zu erhalten. Dieser sollte den Gaubefehlsstand mit zusätzlichen Informationen zu den Einflügen versorgen.

Aber auch die übrigen Aufgaben konnte das Regiment durchwegs erfüllen. So mussten die Allliierten zu ihrer Überraschung feststellen, dass der deutschen Seite, aufgrund der Funkauswertung, die Organisation der alliierten Luftwaffenverbände im Mittelmeerraum bis ins kleinste Detail bekannt war.315


301 Ebd., fol. 458 f
302 Da Goebbels den Tarnnamen „Rotterdam“ in der Presse verwendete, wurde musste die Tarnbezeichnung auf „Laubfrosch“ geändert werden.
303 BArch, ZA 3/832, fol. 480—484 und 494 f.
304 Ebd., fol. 495 f.
305 Ebd., fol. 486—489
306 Ebd., fol. 493.
307 Ebd., fol. 493 f.
308 Seabourne Report, Vol. IX, S. 70.
309 Ebd. S. 72.
310 Ebd. Chart No. 5-16. Stand Anfang 1945.
311 Ebd. Chart No. 5-15. Stand Anfang 1945.
312 Seabourne Report, Vol. IX, Chart No. 5-14. Stand Herbst 1944.
313 NARA MF T-321 roll 114. Gen. Nafü. Nr. 11462/44 gKdos. (3. Abt. I) vom 4.9.1944.
314 Seabourne Report, Vol. VI. „Origins oft he Luftwaffe SIS an History of Operations in the West“.
315 European Axis Signal Intelligence im World War II. Vol. 5, The German Air Force Signal Intelligence Service, Chart No. 5-3, 5-4, 5-5, 5-6 und 5-18. Vol. 1—9 European Axis Signal Intelligence in World War II findet sich Netz unter: https://www.nsa.gov/news-features/declassified-cuments/european-axis-sigint/index.shtml
.

Fortsetzung siehe Teil 3
 

josef

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#37
Habe vorhin weitere Artikel aus der Serie von Renato Schirer hinzugefügt:

- DER WEG VOM JAGDFLIEGERFÜHRER OSTMARK ZUR 8. JAGDDIVISION (3 Teile)
- DER AUSBAU DER FUNKMESS-(RADAR-) STELLUNGEN (2 Teile)
- DIE ZAHNLOSE JAGDDIVISION (2 Teile)
- DIE JÄGERLEITORGANISATION IN DER LETZEN PHASE DES KRIEGES (2 Teile)

Wieder herzlichen Dank an Renato für die Zurverfügungstellung der Beiträge!
 

josef

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#38
DIE ORGANISATION DER FUNKAUFKLÄRUNG UND IHR BEITRAG ZUR LUFTRAUMÜBERWACHUNG

Teil 3 von 3
© Renato Schirer

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In dem einzigartigen Sammelwerk von Walter Kempowski „Das Echolot“ Fuga furiosa, ein kollektives Tagebuch vom Winter 1945, findet sich Auszüge aus dem Tagebuch einer zu Jahresbeginn 1945 zum Ln. (Funkaufl.) Rgt. 352 kommandierten Luftwaffenoberhelferin. Die damals kaum dreißigjährige Else Dankwerts schrieb im Zeitraum Januar und Februar 1945 täglich das soeben Erlebte in ihr Tagebuch. Diese Eintragungen bieten ein plastisches Bild der Endzeitstimmung in dieser Schlussphase des Krieges. Für die hier dargestellte Thematik bieten sie einen einzigartigen Einblick in den militärischen Alltag in Premstätten, mit seinen routinemäßigen Abläufen.316


Interessant sind hier die Eintragungen vom 22. und 23. Januar 1945, welche einen authentischen Einblick in die Tätigkeit des Regimentsstabes geben, hier besonders mit Bezug auf die Tätigkeit der Referate VI und XII.317 Besonders beeindruckend und voll der Kraft des unmittelbar Erlebten ist die Schilderung eines amerikanischen Jagdbomber-Angriffs auf den
Unterkunftsbereich des Regiments in Premstätten, welcher in Verbindung mit dem am 10. Februar 1945 erfolgten schweren Bombardement der Stadt Graz erfolgte.318

Zu allerletzt wäre noch der Störeinsatz in den Alpen- und Donaureichsgauen zu behandeln, der sich vor allem gegen die Luft-Luft und Luft-Boden-Verbindungen des Gegners sowie dessen Navigationshilfsmittel richtete. Diesem Einsatz wurde erst in der letzten Phase des Krieges entscheidende Bedeutung zugemessen. Erst mit dem Verfall der Abwehrkraft der Jagdverbände
rückten die Störmaßnahmen immer mehr in den Blickpunkt, wobei sich auch der rasante technische Fortschritt, sowohl auf der deutschen als auch auf der alliierten Seite, als Beschleuniger auswirkte.

In den vergangenen Jahren hatte die Jägerführung einen großflächigen Ausbau verhindert, da die Breitband-Störmaßnahmen sich auch auf die eigene Jagdabwehr negative auswirkte. Mit der Neuorganisation der Funkaufklärung, zu der auch der elektronische Störeinsatz zählte, wurde mit der Betreuung der Störstellen die zur Luftflotte Reich gehörenden Ln. (Funkaufkl.) Abt. 359, Kommandeur Major Dahl, später Hauptmann de Wilde, zusammengefasst. Major Dahl befand sich als Störeinsatzleiter beim Stab des Funkaufklärungsführers Reich. Während der Feindeinflüge befand er sich jedoch im Gefechtsstand des I. Jagdkorps, wo der Störeinsatzleiter im Falle des Einsatzes deutscher Abfangjäger die Störsendergruppen in den in Frage kommenden Gebieten abzuschalten hatte.

Nicht nur die Jagdflieger, auch der Horchdienst war gegenüber dem Störeinsatz negativ eingestellt. Durch die Störmaßnahmen wurde der Gegner gezwungen auf andere Frequenzen auszuweichen. Dies brachte für den Horchdienst einen Zeitverlust, bis der Funkverkehr des Gegners nach längeren Suchen wieder erfasst wurde.319

In der Vergangenheit hatten sich die Störmaßnahmen vor allem auf den westeuropäischen Raum konzentriert, dafür hatte man eine feste Organisation mit 56 Störstellen und 268 Sendern, die im gesamten Reichsgebiet verteilt waren, errichtet. Die Störaktivitäten richteten sich gegen das von England aus arbeitende Hyperbelverfahren. Erst um die Jahreswende 1944/45 wurden solche Maßnahmen auch gegen die aus dem Süden einfliegenden Bomberverbände für notwendig erachtet.
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Stand der Planung vom 17. November 1944 bezüglich der zu errichtenden „Dörfer“ mit je sechs Großstörsendern des Typs Feuerstein und Feuerzange (NARA MF T-321 roll 114).

Zu dieser Zeit hatten sich die bisherige Störstellen wegen der geringen Leistung der hier eingesetzten Störsender zum größten Teil als wirkungslos herausgestellt. Daher wurde im Herbst 1944 mit dem Aufbau neuer Groß-Störsenderstellen begonnen. Die beiden ersten in Bau genommenen Anlagen, die sich in erster Linie gegen das Hyperbelnavigationsverfahren richteten,
befanden sich auf dem Feldberg im Taunus und im Raum Wien, am Manhartsberg. Hier kamen die neu entwickelten Störsender vom Typ „Feuerzange“, mit 1000 Kilowatt Leistung, und „Feuerstein“, mit 120 Kilowatt Impulsleistung, zum Einsatz.
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Doch die Alliierten durchkreuzten die deutschen Pläne durch das Ausweichen auf höhere Frequenzen. So musste bei den Störsendern die Frequenzbereiche verändert werden, was zu Lieferverzögerungen bei der Industrie und zu technischen Problemen bei den Sendeanlagen führte, was zum Teil mit Verlusten von bis zu 80 % bei der Sendeleistung verbunden war.320

Zusätzlich zu den Groß-Störstellen hatte man im west-, süd- und südostdeutschen Raum sieben Einsatzstellen erkundet und festgelegt, wo jeweils drei Großsender in drei Linien gegen die gegnerischen Einflüge aus Frankreich, Italien und dem Balkan zum Einsatz kommen sollten. Dafür hatte man die neu entwickelten impulsgetasteten Störsender vom Typ „Feuerhilfe“, mit einer Impulsleistung von 30 Kilowatt, vorgesehen. Die „Feuerhilfe-Sender“ sollten ab Oktober 1944 mit 10 Stück monatlich von der Industrie ausgeliefert werden. Da man für den Aufbau einer solchen Störstelle einen Zeitraum von fünf bis zehn Wochen veranschlagen musste, konnte im günstigsten Fall im April 1945 mit der Fertigstellung dieser Bauvorhaben gerechnet werden.321

Unter den Bedingungen des zusammenbrechenden Verkehrssystems war diese Annahme mehr als optimistisch. In der Realität konnte auch kaum eine der neuen Anlagen termingemäß in Betrieb genommen werden. Wo dies jedoch gelang, so wie am Feldberg im Taunus, wurde die Anlage von den taktischen Fliegerverbänden der Alliierten bombardiert und gänzlich zerstört.

So war es beim elektronischen Störeinsatz so wie in so vielen anderen Bereichen auch, die gesetzten Maßnahmen kamen viel zu spät um die gegnerische Lufthoheit auch nur im Geringsten zu beeinflussen. Nach der vorstehenden Karte des Generalnachrichtenführers, welche vermutlich den Stand vom 31. Dezember 1944 zeigt, sind im Großraum Graz und Wien zwei Groß-Störsenderstellen mit jeweils sechs Großleistungssendern vom Typ „Feuerzange“ und „Feuerstein“ eingezeichnet. Diese beiden auf österreichischem Gebiet in Bau befindlichen Störanlagen, als „Zangendorf 1“ und „Zangendorf 4“ bezeichnet, richteten sich gegen das von Italien aus operierende Hyperbel-Navigationssystem.

Neben den beiden „Zangendörfern“ postierte man an der Reichweitengrenze des Italien-Systems noch zwei weitere Störstellen. Im unmittelbaren Bereich der Städte Wien und Linz sollten zusätzlich auch noch zwei neue Störstellen, mit jeweils drei „Feuerhilfe“-Störsendern, errichtet werden.322

Welchen hohen Stellenwert den neuen Groß-Störanlagen zugemessen wurde, zeigt die Aufnahme der Baustellen ins sogenannte „Geilenberg-Programm“. Dieses Programm der Sonderstufe hatte man im Sommer 1944 zur Sicherung der Treibstofferzeugung eingerichtet und lief bis zum Ende des Krieges in der höchsten Dringlichkeitsstufe. Hitler hatte Generalkommissar Geilenberg die vorrangige Aufgabe zugewiesen einen Zusammenbruch der Treibstofferzeugung mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern.

So wurde in den Wintermonaten 1945 in der Steiermark bei Kolmegg, unweit der Laßnitzhöhe, und in Niederösterreich am, ungefähr 70 km von Wien entfernten, 537 m hohen Manhartsberg mit Hochdruck gearbeitet.323

Die beiden Anlagen auf österreichischem Gebiet, nämlich das
- „Zangendorf 4“ am Manhartsberg und das
- „Zangendorf 1“ bei Kolmegg,
richteten sich gegen das italienische Hyperbel-Navigationssystem. Doch die winterlichen Verhältnisse und zahlreiche erst zu lösende technische Probleme, in Verbindung mit der fast völligen Zerstörung der nachrichtentechnischen Industrie sowie der paralysierten Verkehrswege verhinderten eine Fertigstellung vor dem nahenden Kriegsende.

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Die einzige fertiggestellte Groß-Störanlage, bei Reifenberg auf dem Feldberg im Taunus, wurde
unmittelbar nach der Inbetriebnahme prompt vom XIXth Tactical Air Corps angegriffen und zerstört (AFHRA/RSA).

316 Ebd. Tagebucheintragungen der Luftwaffenoberhelferin Else Dankwerts finden sich in Band I auf den Seiten 139, 228, 325, 427 536, 643; im Band II, Seite 16, 148, 259, 363 und Band IV auf Seite 245, 353, 441.
317 Ebd. Band II, S.148 f. und S. 259 f:
318 Ebd. Band IV, S. 441—444.
319 BArch, ZA 3/832, fol. 80, S. 78.
320 NARA T-321, roll 114. Gen.Nafü. (II) Vortragsnotiz vom 15. Juni 1944.
321 Ebd. Gen. Nafü. 3. Abt. III, Nr. 83524/44 gKdos, vom 16.10.1944.
322 Ebd. OKL Gen.-Nafü 3/III, Karte zum Störeinsatz.
323 Zur Störsendeanlage am Manhartsberg in Niederösterreich vergleiche auch: http://unterirdisch.de/index.php?threads/funkanlage-manhartsberg.5190/
 
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josef

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#40
Bin hier neu, komme durch den Link von Geschichtsspuren hierher.
Kann man das als pdf oder in gedruckter Form erhalten?
Wie @zulufox hier bei "Geschichtsspuren" schon schrieb, sind die Beiträge in den "öfh-Nachrichten" ab Heft 2/15 in gedruckter Form erschienen. Die Serie endet mit Heft 3/17 und im Forum fehlen noch einige Artikel.

Bei Interesse sind alte Ausgaben der "öfh-Nachrichten" noch erhältlich!
Mehr dazu: http://www.oefh.at/oefh-nachrichten.html

lg
josef
 
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