Atom-Antrieb für Raketen ?!

#1
Folgende Adresse b.z.w. Anschrift, befindet sich auf einem Kriegsauftrag vom 15.10.1942 :
Auftrag des Oberkommandos des Heeres
Auftrags-Nr.: Wa Prüf 11 HAP/L SS 011-5371/42 ET 200

Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost
z.Hd.v.Herrn Postrat Kubicki
Berlin-Tempelhof
Ringbahnstraße 125


Kann einer etwas über diese Einrichtung erzahlen ?
Gruß Henry
 

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SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#3
Mal ein bisschen was Grundsätzliches zur Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost.

Diese war zuerst in der Tempelhofer Ringbahnstraße, später in den die Hakeburg in Kleinmachnow (südl. Berlin-Zehlendorf) umgebenden Gebäuden (die Hakeburg selbst war der priv. Wohnsitz des Reichspostministers Ohnesorge) und in Miersdorf/Zeuthen (ein paar km südöstlich Berlins) beheimatet.

Man kann sich in heutiger Zeit nur schwer vorstellen, dass die Forschungsanstalt der Deutschen Reichspost sich nicht nur mit Nachrichten- und Fernmeldetechnik befasst, sondern auch ganz intensiv an den verchiedensten modernen waffensystemen geforscht hat. Hierzu zählen (nachweislich) Fernlenktorpedos und Raketen.
Auch Atomforschung wurde betrieben, hierzu ist allerdings die Quellenlage wohl recht dürftig.


Hier mal ein halbwegs "offizieller" Link zur Geschichte der Hakeburg in Kleinmachnow:
http://www.wsa-b.de/wasserstrassen/bundeswasserstrassen/teltowkanal/geschichte/der_geheime_ort.html


Als detaillierte, wenn leider auch nicht erschöpfende Literatur kann ich empfehlen:

- Faensen, Hubert: "High-Tech unter Hitler", Ch. Links Verlag, 2001

- Stange, Thomas: "Institut X: Die Anfänge der Kern- und Hochenergiephysik in der DDR", Teubner Verlag, 2001

Th. Stange hat auch noch einen weiteren Aufsatz zum Thema verfasst, welchen ich aber noch nicht kenne:
- Stange, Thomas: "Die kernphysikalischen Ambitionen des Reichspostministers Ohnesorge", Wiley Verlag, 2006.



Nicht empfehlen kann ich hingegen die Einträge in der Wikipedia zu diesem Thema.
Ich lese da ständig "Petermann", "unveröffentlicht" und "Karlsch". Dazu muss ich wohl nicht noch viel schreiben. ;)
 
#4
Fast sechs Jahre alter Post, ich krame den jetzt nochmal vor.

@Henry: --> bist Du zu Kubicki, fündig geworden ?
- Welche Ausfertigungsnummer trägt Dein Dokument?
- Bearbeitungsstempel, Datum: 11.11.1944 vorhanden?

Hier nochmal zum gegenprüfen.
http://img512.imageshack.us/my.php?image=nowy1vr5.jpg

Gruß
Gerd
Ja , tatsächlich Uhralte Post, du hast da schon das richtige !

Die Frage habe ich im übrigen mir erst kürzlich teilweise beantworten können .
Es handelt sich dabei um eine indirekte Finanzielle Unterstützung und weniger um ein ernsthaftes Projekt !

Gruß Henry
 
S

ssch

Guest
#6
Zur Hakeburg siehe auch folgende Publikation von Faensen; hat den Vorteil, dass sie als PDF-Download zur Verfügung steht: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/hakeburg.pdf.

Die Anschrift "Ringbahnstraße" gehörte zum Reichspostzentralamt (RPZ) in Tempelhof. Bis zum Umzug nach Kleinmachnow war hier auch die Reichspostforschungsanstalt untergebracht, die aus dem RPZ hervorgegangen war. Mag sein, dass auch später noch Teile der Reichspostforschungsanstalt (Verwaltung?) dort saßen. Hier kann man den Bau sehen (ganz unten auf der Seite): http://www.radiomuseum.org/forum/berliner_radiowerke_etc_heute.html. Das imposante Gebäude im Stile des Klinkerexpressionismus ist übrigens komplett erhalten.

Von Th. Stange kenne ich auch nur das "Institut X"-Buch. Den Aufsatz von 2006 müsste es aber in der Stabi (lt. Katalog: UdL, Präsenzbereich) in Print-Form geben. Wie schon angesprochen wurde, ist der Wikipedia-Eintrag über Wilhelm Ohnesorge erbärmlich; im wahrsten Sinne des Wortes ist da eine Dekontamination fällig. Leider gibt es keine ausgearbeitete Biografie, am besten ist immer noch die biografische Skizze von Herbert Leclerc in der Zeitschrift "Archiv für Postgeschichte" (Heft 2/1988).

Viele Grüße
Sebastian
 

otto

Reiseleiter
Mitarbeiter
#9
@Henry:

Sag mal bitte, kann man in Deiner Kopie von dem Kubicki-Dokument den Bearbeiterstempel vom 11.11.1944 besser/deutlicher lesen als auf der von mir verlinkten Kopie?
Der Vollständigkeit halber; aus welchem Bestand stammt denn Deine Kopie vom besagten Dokument?

Gruß
Gerd
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#10
Und noch eine Nachfrage an Henry:

Kannst Du bitte Deine Aussage: "Es handelt sich dabei um eine indirekte Finanzielle Unterstützung und weniger um ein ernsthaftes Projekt ! " etwas spezifizieren?
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#12
Und jetzt was Interessantes:

Laut Prof. Faensen ("Hightech für Hitler", S. 77 bzw. 88) war Kubicki in der Reichspostforschungsanstalt der Leiter der Gruppe / Abteilung III (Technische Sonderfragen: Spionageabwehr, Zentralwerkstatt, Sprachverschlüsselung) und Abwehrbeauftragter der RPF.

Nun heißt es auf einer Internetseite, die ich wegen ihres ggf. rechtsorientierten Hintergrunds bewusst nicht direkt verlinke:
...Außer diesen Wissenschaftlern um Heisenberg, die in Horb am Neckar arbeiteten, gab es jedoch weitere Gruppen, die getrennt voneinander auf Spezialgebieten der Atomforschung tätig waren, wie die von Baron Manfred von Ardenne in Lichterfelde mit der 1 MeV-van de Graaf-Atomumwandlungsanlage und dem Zyklotron mit dem 60-Tonnen-Magneten sowie die von Dr. Kurt Diebner mit Prof. Walter Gerlach in Stadtilm. Die von Reichspostminister Dr. Ohnesorge in Berlin-Lichterfelde und Klein Machnow betriebene "Reichspost-Forschungsanstalt" aber war die zentrale Stelle, die alle Einzelergebnisse zusammenfaßte, auswertete und unter strengster Geheimhaltung realisierte, was sowohl den Wissenschaftsgruppen wie auch der militärischen und politischen Führung verborgen blieb. Wahrscheinlich wurden die Postausgänge aller Forschergruppen durch die "Reichspost-Forschungsanstalt" mit überwacht, was das Verschwinden der Forschungsarbeit von Fritz G. Houtermans: "Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen" vom August 1941, erarbeitet im Lichterfelder Institut von Ardenne, erklären würde, die an 13 namentlich genannte deutsche Atomphysiker versandt worden war. Hierauf wird später eingegangen.
.

Da ***könnte*** tatsächlich etwas dran sein.

Und ebenso ***könnte*** die Möglichkeit bestehen, dass der genannte Forschungsauftrag an Kubicki eventuell die Tarnung für ebendieses Abhören war.
 
H

hebbel

Guest
#14
Da ***könnte*** tatsächlich etwas dran sein.

Hmm. Die "Reichspost-Forschungsanstalt" als operativ legendierten Auftraggeber für wissenschaftliche Forschungsaufgaben zu benutzen, auch wenn diese im weitesten Sinne mit "Post" nichts zu tun haben, wäre nicht die schlechteste Idee (Legendierung) gewesen. Aber wer saß "dahinter"? Da gibt es Budget- und Abstimmungsfragen.
Einen "Alleingang" des Reichspostministers mag ich mir nicht vorstellen.

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#15
Na ja. Es gab einen ND-Haufen, der (zumindest bis kurz vor "Schluß") unabhängig von anderen ND war und in dem Spezialisten der Reichspost "beschäftigt" waren. Das Forschungsamt Hermann Görings, welches zwar formal dem RLM unterstand, de facto aber unabhängig war.
Dessen Hauptaufgabe war allerdings das Abhören und Auswerten von Funk- und Drahtnachrichtenquellen. Zumindest ***könnte*** von daher die, meiner Meinung nach notwendige, ND-Struktur kommen, in die die "Postoberen" eingebunden waren.

Gruß
Dieter
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#16
Hallo Dieter, Du hast das Buch von Faensgen noch nicht gelesen, oder?

Sowohl die breit aufgestellte Hightech Forschung wie auch das Abhören von Transatlantikkabeln etc. sind verbrieft, teilweise sogar mit Fotos von Forschungseinrichtungen und -projekten.

Nur der Link "Abhören durch die RPF" - "Atomforschung" ist neu, und wie ich finde, auch gar nicht soooo weit hergeholt....
 
H

hebbel

Guest
#17
Das Buch habe ich gerade bestellt...:D
Abhören => Dir ist klar, welche Möglichkeiten Göring damit hatte? :D
Das muß man ja nicht nur gegen den "Feind" einsetzen.
"Der Plan eines ressortungebundenen, zentralen Nachrichtenamtes direkt unter der Regierungsspitze (innerhalb der Reichskanzlei) wurde jedoch nicht umgesetzt. Hitler als Reichskanzler beauftragte vielmehr Göring mit der Einrichtung eines entsprechenden Amtes." Und das hat er auch nicht hergegeben. Ein Kuriosum. Chiffrierspezialisten der Wehrmacht und technische Spezialisten der Reichspost. Für die mobilen Abhörstellen hat das Militär die Fahrzeuge gestellt.
Das mit der "Post" etwas nicht stimmte, war mir schon klar; die Ausmaße aber nicht. Ich habe halt mal versucht, "zu Fuß" Zusammenhänge zu erfassen.

Gruß
Dieter
 
#18
Otto, SuR ..

Ihr bringst mich gerade ins schwitzen, mit eueren Fragen !!

Otto, du spielst wahrscheinlich auf das Ausstellungsdatum des Auftrags an ?!
Die Auftragsnummer ist Wa. Prüf 11 HAP L –SS 011-5371/42 ET 200
Das Formular hat die Blattnummer 959/42 gKdos. Und das Ausstellungsdatum ist 15.11.42
Der Stempel mit dem Datum 11.11.1944 ist ein Eingangsstempel, leider kann ich nicht entziffern wo das Dokument eingegangen ist !

Ausgestellt wurde der Auftrag an Hand der Auftragsnummer vom der Waffenprüfabteilung 11 des Heereswaffenamt, Heeresanstalt Peenemünde, L = Leitung
SS = Oberstleutnant Dipl. Ing. Stegemaier Stabsabteilungen als Chef, Dann kommt die Auftragsnummer 011-5371 das Auftragsjahr 1942 und ET = Entwicklungsdirektion Triebwerk, 200 . Wer 200 ist muss ich auch erst feststellen !
Zu finden ist das Dokument im Archiv des DM, Dr. Füßl weis in welchem Ordner !

Der Ursprung geht auf eine Besprechung am 22.2.1941 bei der Firma Rode und Schwarz zurück. Ich hab da ein par Protokolle und Schreiben die besagen das man sich die Sache warm halten wollte und weil die Atomfritzen immer in Geldnot waren wurde da so manch Auftrag ausgestellt der den Herren das weiterforschen möglich machen sollte. Peenemünde unterstützte dadurch indirekt die Atomforschung.

Da ich aber mich zur zeit mit einem andern Thema beschäftige hab ich diese Unterlagen irgendwo vergraben so dass ich jetzt nicht auf die Schnelle die Dokus zeigen kann !

Hier hab ich aber eins das ich vor einiger Zeit im gtgj Forum platzierte :

http://www.gtgj.de/script/phpBB2/download.php?id=3658
http://www.gtgj.de/script/phpBB2/download.php?id=3656

Gruß Henry
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#19
Hi Thomas,

vielen Dank!

Verstehe ich Dich richtig: Du *vermutest*, dass dies eine Quersubventionierung der Atomforscher gewesen sein wird, weil die stets klamm und oft nicht-Kriegswichtig gewesen sind?

Aber warum sollte das denn dann über den Umweg RPF gegangen sein??
 

Joe

Fehlerkramrumschlager
Mitarbeiter
#20
Meine Überlegung geht dahin, dass es sich auch um den "Erledigt" Stempel der Rechnungslegung handeln könnte. Dementsprechend wäre zu diesem Zeitpunkt das Geld angewiesen worden.
Gruß
Joe
 
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