Atom-Antrieb für Raketen ?!

S

ssch

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#41
@hebbel: Sehr schön. Jetzt müsste man mal schauen, wie die aus dem Internet zitierte Äußerung belegt ist. Da ich fürchte kaum bis gar nicht, erscheint mir eine Verwechselung plausibel.

Der Artikel "Die kernphysikalischen Ambitionen des Reichspostministers Ohnesorge" von Thomas Stange ist übrigens bereits 1997 in der Zeitschrift Berichte zur Wissenschaftsgeschichte erschienen. Da hat der Copyright-Vermerk des Verlags uns irrtümlich das Veröffentlichungsjahr 2006 annehmen lassen. Der Artikel stimmt weitgehend, passagenweise sogar wörtlich mit dem ersten Kapitel des 2001 erschienenen "Institut X"-Buches überein (vor allem ab 1.2, "Die Ambitionen des Reichspostministers", S. 18 ff.).

Viele Grüße
Sebastian
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#42
@Sebstian:
Vielen Dank fürs Nachschauen. :) Leider bringt uns das dann doch nicht entscheidend weiter.

@Dieter:
Aber das eine muss ja das andere nicht unbedingt ausschließen, oder?
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#43
Ich habe übrigens eine wahrscheinlich plausible Erklärung für den Wechsel von der "Geheimen Kommandosache" zur "Geheimen Reichssache" gefunden. Man muss das Nagelbuch nur ein bisschen weiterblättern...

Das Heereswaffenamt hat im März 1943 die Führung des "Uran-Vorhaben"s an den Reichsfoschungsrat übergeben. Und der war zivil...
 

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SuR

... wie immer keine Zeit ...
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#44
Das beantwortet aber immer noch nicht die Fage, was es mit dem Auftrag der Wa Prüf 11 an das RPF auf sich hatte... :D
 
H

hebbel

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#45
@Dieter:
Aber das eine muss ja das andere nicht unbedingt ausschließen, oder?
Flo, natürlich nicht. Ausgeschlossen ist bisher nichts. Es kommt, wie immer in diesem Saustall 3. Reich, auf den Zeitpunkt und die Aktionen der rivalisierenden Gruppierungen an. Ab Mitte 1944 bekam das RSHA mehr Einfluss auf das Forschungsamt (RLM). Selbst Anforderungen Heydrichs und Himmlers wurden nur eigenhändig durch Göring genehmigt. Was an Ergebnissen hinausging, bestimmten Göring und der Amtsleiter. SD und Gestapo, bzw. RSHA wurden kaum oder mit minderwertigem Material bedacht. Selbst Heydrich und Goebbels wurden zeitweise überwacht und die Gestapo hatte großen Bedarf an Informationen des Forschungsamtes (RLM).
Es hatte viele Feinde, weil viele "wichtige" Personen sich übergangen fühlten, da die "braunen Blätter" mit den Auswertungsergebnissen nur einem kleinen Personenkreis zugestellt wurden.
Was liegt also näher, daß insbesondere die Gestapo und später das RSHA auf eigene Faust etwas diesbezügliches "angeleiert" hatten, um das Monopol des Forschungsamtes (RLM) zu brechen. Auf die Reichspost konnten sie dabei aus technischer und fachlicher Sicht kaum verzichten. Wenn man jetzt noch die Affinität Ohnesorges zur SS und Himmler betrachtet...
Aber das ist bisher Spekulatius und muß belastbar belegt werden.

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#46
Das beantwortet aber immer noch nicht die Fage, was es mit dem Auftrag der Wa Prüf 11 an das RPF auf sich hatte... :D
Weil die Peenemünder personell und materiell im Oktober 1942 ausgelastet waren und das A4 erst einmal zuverlässig zum fliegen bringen mussten, aber bereits zu diesem Zeitpunkt Interesse an einer Reichweitensteigerung hatten? => Ohnesorge sich mit der RPF eine wissenschaftlich-technische Denkfabrik geschaffen hatte, die z.B. Grundlagenforschung zu höherenergetischen Brennstoff-Oxidator-Kombinationen hätte betreiben können und über scheinbar unbegrenzte Mittel verfügte? Ohnesorge selbst ein mächtiger Mann im Reichsforschungsrat war? Göring aushalf, wenn die Kohle nicht reichte und die nötigen Sonderstufen beschaffte? M. v. Ardenne, der alte Fuchs im "Auftragsbeschaffungsmanagement", Ohnesorge kernphysikalische Forschungen "schmackhaft" gemacht hat? Ohnesorge als Wissenschaftler selbst in der Lage war, die Bedeutung dieser Forschungen einzuschätzen? Ohnesorge wußte, welchen Rückstand die wissenschaftlich-technische Forschung in Deutschland erlitten hatte?
Ohnesorge, v. Braun und v. Ardenne waren drei Visionäre, die offenbar wußten, welchen Aufwand man betreiben muß, damit technisch Verwertbares dabei herausspringt.

Also möglicherweise eine Aufgabenverteilung zwischen verschiedenen, unabhängigen Forschungseinrichtungen. In diesem Sinne wäre es auch keine direkte Quersubvention gewesen.

Mal so ein paar Gedanken... Ohnesorge fasziniert mich immer mehr. :D

Technische Hintergründe:
Theoretische Leistungsdaten einiger Treibstoffkombinationen
http://de.wikipedia.org/wiki/Raketentreibstoff
Siehe auch die darin enthaltenen Links "Nuklearantrieb" und "NERVA".

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#48
Der Kriegsauftrag bleibt "merkwürdig", wenn man ihm in naher Zukunft durch Wa Prüf 11 verwertbare, konkrete und praktische Ergebnisse unterstellt.
Zu Punkt 1, Treibstoffgemische:
Es war für mich eigentlich nicht vorstellbar, daß die Beteiligten nach jahrelangen Forschungen auf dem Gebiet der Flüssigkeitstriebwerke Nachholbedarf bei möglichen, hochenergetischen Treibstoff-Oxidator-Kombinationen haben sollten.

DORNBERGER führt hierzu aus:

Zur Erlangung der ersten Grundlagen hatten wir schon 1931 der Firma Heyland einen Auftrag auf Entwicklung eines kleinen Flüssigkeitsraketenofens erteilt. Dieser kleine, 20 kg Schub liefernde, zu Kühlzwecken doppelwandige, zylindrische eiserne Ofen wurde nun der Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes zur Grundlagenforschung und Untersuchung von
Treibstoffkombinationen übergeben.


Der folgende Rückblick DORNBERGERs könnte aus dem Jahr 1943 erfolgt sein. Eindeutig ist dies jedoch nicht. Er begründet damit das Projekt des aero-ballistischen A9 bzw. dessen Vorläufer A4b.

Es war nicht schwer nachzurechnen, daß bei einstufigen Raketen...eine wesentliche Reichweitensteigerung nicht mehr zu erwarten war.
...konnte uns auch die Verwendung anderer Treibstoffe keinen wesentlichen Gewinn mehr bringen. Die einzige Ausnahme wäre eine
Treibstoffkombination Wasserstoff-Sauerstoff mit einer theoretischen Ausströmungsgeschwindigkeit von 3100 m/sec gewesen.
Diese kam aber wegen der Schwierigkeit der Handhabung des flüssigen Wasserstoffes zunächst nicht in Frage.
...
Die jahrelang an den Hochschulen und bei uns durchgeführten Forschungsarbeiten über die Verwendungsmöglichkeit der verschiedensten Treibstoffe hatten gezeigt, daß alle verwendbaren und - was entscheidend war - verfügbaren Treibstoffe nur um ca. 20% in der Leistung auseinanderlagen.


Zu Punkt 2, atomare Kettenreaktionen:
Aus dem Besprechungsprotokoll der HVP v. 22.2.1941, von Henry dankenswerterweise bereitgestellt:
"Dr. v. Braun führte daraufhin im einzelnen aus, daß daran gedacht worden ist, die vor einiger Zeit bei der Zetrümmerung von Uranatomen beobachteten Kettenreaktionen für die Erzeugung von Wärmeenergie in Rückstoßöfen auszunutzen".

Da hat v. Braun natürlich sofort den "Finger drauf" gehabt, denn man muß ja die Stützmasse (Gas) nicht durch Verbrennung auf Druck bringen und in einer Düse mit hoher Austrittsgeschwindigkeit expandieren lassen. Diese Überlegung mag auch Grundlage für die Auftragserteilung an die RPF gewesen sein, da DORNBERGER mit seinem guten Kontakten zu OHNESORGE und der RPF
sicherlich bekannt war, daß die RPF auf kernphysikalischem Gebiet forschte. Das war aber, auf Grundlage der bisherigen Quellenlage zu den kernphysikalischen Forschungen der RPF, Zukunftsmusik. Mit den beiden funktionsfähigen Linearbeschleunigern konnte und wurde Grundlagenforschung betrieben. Die zwei Zyklotrone waren offenbar nicht fertiggestellt.
Direkte Experimentalforschung zu gesteuerten Kettenreaktionen bei der RPF scheinen bisher nicht nachweisbar.

Es sieht so aus, als ob die HVP, ebenso wie das RLM, hier konnte die RPF von Göring sogar eine Sonderstufe "ergattern", pauschal bei der RPF einen "Fuß in der Tür" haben wollte. Bei FAENSEN und DORNBERGER wird deutlich, daß der Kampf um die Hervorhebung der Bedeutung der eigenen Forschungen zur Zuteilung von Material bzw. Rohstoffen und zur Erlangung von Sonderstufen unablässig geführt werden musste. Es kann sich also zudem auch um einen "Handel mit Gefälligkeiten" gehandelt haben.
Ein Beispiel:
In einem Vermerk vom 3. August 1942 beruft sich Heinrich GERWIG vom Ministerbüro (RPM) auf eine „kriegswichtige geheime Reichssache von großer Dringlichkeit, um „noch weitere Institutsgebäude behelfsmäßig fertig zustellen. Er nennt dabei Oberst Dr.-Ing. Walter DORNBERGER, der das Raketenprojekt in Peenemünde leitete.

Gruß
Dieter
 
#49
Damit keine Missverständnisse entstehen oder Dornbergers aussagen zu hoch bewertet werden:

1.) Das A9 ist nicht das Nachfolgegerät des A4b sondern das A4b ging als vereinfachter A4 – Gleiter aus der A9 Entwicklung hervor.

2.) Das A4 war nur eine Stufe in der Fernraketenentwicklung, eine wesentliche Reichweitensteigerung wollte man zum einem mit dem A4 – Salbei Gerät und parallel dazu mit dem A4 – Gleiter mit je 550 km erreichen. Das eine bekam die Projektbezeichnung A8 das andere A9 !

3.) Das wesentliche Problem in der Triebwerksentwicklung war die Tröpfchenbildung und Vermischung bei der Zerstäubung des Treibstoffes während dessen Aufendhaltszeit in der Brennkammer, ich hoffe das ich da kein Geheimnis erzähle, aber heute funktioniert das mit eine Doppelten gegenläufigen Dralldüse. Dornbergers Aussage, das eine wesentliche Reichweitensteigerung nicht mehr zu erwarten gewesen wäre, hatten die Russen und das Team um W.v.B. bereits zum Zeitpunkt dieser Behauptung bereits wiederlegt ! Das eigentliche Problem war das man eine einsatzreife Rakete wolle und deswegen Weiter- oder Neuentwicklungen untersagt b.z.w. eingeschränkt hatte !

Gruß Henry
 
H

hebbel

Guest
#50
:) Keine Einwendungen. Die Frontreife des A4 hatte oberste Priorität und das Design war bereits "festgezurrt". Eine Neukonstruktion konnte man sich zu diesem Zeitpunkt nicht leisten. Öfen mit höherem Brennkammerdruck und veränderten Treibstoff-Oxidator-Komponenten wurden getestet. Dazu brauchten sie aber gewiß nicht das RPF.

Gruß
Dieter
 
H

hebbel

Guest
#51
Nochmals, weil dies tatsächlich mißverständlich sein kann. Man hatte z.B. im Zuge des A9 Projektes, auch durch Windkanalversuche, bereits untersucht, welche Flügelform für Überschall geeignet ist und welche Flügelform bei wechselnder Geschwindigkeit die größte Schwerpunktstabilität gewährleistete. Davon konnte man u.a. beim A4B Gebrauch machen und insofern ist das A4b kein Vorgänger des A9.
DORNBERGER schildert einmal aus der Position des "Entwicklers", denn er konnte seine Entwickler sehr gut verstehen, andererseits aus der Sicht des "Verkäufers", der nur das betrachtet, was er auch tatsächlich, im Sinne der Waffe A4, "verkaufen" kann. So kommen auch seine möglicherweise mißverständlichen Aussagen zu Reichweitensteigerungen zustande. Das da noch Potential da war, wußte er selbst. Er konnte aber nicht mehr genügend Zeit für die Entwicklungsarbeiten gewähren.

War die Entwicklung der Ringspaltdüse eigentlich abgeschlossen?

Gruß
Dieter
 
#52
Die Ringspaltdüse lies sich vom 1,5 t über 4,5 t linear nicht auf 25 oder 30 t vergrößern, ich hab mir dazu im Bundesarchiv die Berichte angeschaut und den Ofen gab es 1942 auch dazu, b.z.w. es gab eine Version aus dem Jahr 1942 und nochmals eine Weiterentwicklung deren Zeichnung ich wegen der Urheberrechte nicht zeigen kann. Fakt ist das man Probleme mit Schwingungen hatte , im BA gibt es eine hübsche Zeichnung für eine Prüf ( Spritzeinrichtung ) für die Ringspaltdüse, die nicht vollendet wurde. Man hatte aber eine 8t Version für die „Wasserfall“ die erfolgreich getestet würde. Das Konzept der „Spalt- Düse“ setzte Karl-Heinz Bringer nach 1945 in seinem Entwurf des Viking Triebwerks erfolgreich um .

Gruß Henry
 
H

hebbel

Guest
#53
@Henry
Danke. Man hat also trotz der Probleme mit dem "Brumm"-Ofen (Schwingungen) das Konzept weiterverfolgt. Genau danach hatte ich gesucht.
@All
Sorry wegen dem kurzen OT-Ausflug.

Gruß
Dieter
 
#54
Aber bitte daran denken das der wesentliche Unterschied in der Anordnung der Spalten liegt, die den Pee- Öfen handelte es sich um eine runde und ebene Injektorplatte, Bringer machte einen Umlaufenden Ring daraus der den Treibstoff seitlich in das Zentrum der Brennkammer spritzte !

Gruß Henry
 
S

ssch

Guest
#55
Um nochmal auf die RPF zurückzukommen: Wie auch bei Faensen (S. 88) nachzulesen ist, war Oberpostrat Dipl.-Ing. Kubicki Leiter der Abteilung III (Technische Sonderfragen). Innerhalb dieser Abteilung hat er selbst das Sachgebiet III A (Spionageabwehr) geleitet. Weitere Sachgebiete der Abteilung waren III B (Zentralwerkstatt) und III C (Sprachverschlüsselung). Die Abteilung III A hat, wenn ich die Aktenpläne und Ablieferungslisten richtig deute, praktisch keine Unterlagen hinterlassen. Ich vermute mal, dass die Abteilung III A auch als Verbindungsbüro zur Wehrmacht tätig war, fachlich würde die Einbeziehung nämlich sonst keinen Sinn machen.

Nach dem Kriege wurden rund 750 Patentvorgänge der RPF aufgefunden, vor allem zu Fragen der Fernmelde- und Fernsehtechnik. Ich kann nicht sagen, inwieweit die heute noch vorhandenen Akten vollständig sind; nach früheren Erfahrungen und dem Vergleich der Ablieferungslisten mit dem heutigen Bestand habe ich da Zweifel.

Zur Zeit der Auflösung der RPF waren unter anderem folgende Patentakten registriert:
  • [*]Anordnung zur Förderung der Triebstoffe [sic!] für Flüssigkeitsraketen, Az. H 175365, Klasse 46 g
    [*]Raketenantriebsystem mit selbsttätiger Treibstoffförderungseinrichtung, Az. H 174377, Klasse 46 g
    [*]Kühlungssystem bei Raketenantrieben mit veränderlichem Ofenraum, Az. H 172732, Klasse 46 g
    [*]Anordnung zur selbsttätigen Förderung der Treibstoffe bei Raketenantrieben, Az. 172731, Klasse 46 g
    [*]Steuerung von Raketen großer Reichweite, Az. Sch 128968, Klasse 72 d
Auch interessant, heutzutage wieder aktuell:
  • [*]Kanone mit elektromagnetischer Beschleunigung des Geschosses, Az. Sch 129738, Klasse 72 c

Ich werde weiter versuchen, die Zuständigkeiten innerhalb der RPF nachzuvollziehen und eventuell interessante Patentunterlagen aufzufinden.

Viele Grüße
Sebastian
 
H

hebbel

Guest
#56
Wunderbar. Danke.
"Ich vermute mal, dass die Abteilung III A auch als Verbindungsbüro zur Wehrmacht tätig war, fachlich würde die Einbeziehung nämlich sonst keinen Sinn machen."

Anders habe ich mir bisher auch keinen Reim darauf machen können.

Die Frage ist, welche Gruppe/Abteilung oder welches Institut die Forschungen zu Raketenantrieben betrieb. Das passt bisher nirgends so richtig rein, es sei denn, hinter dem Sachgebiet III B (Zentralwerkstatt) verbarg sich mehr, als der harmlose Name vermuten lässt. Das ist aber für mich bisher reine Spekulation. Sonst fällt mir da nur noch eine Art "Consultant-Truppe" ein.

Hier Auszüge einer Zusammenfassung aus Publikationen, Aufgaben und Organisation der RPF betreffend. (Für die geneigten Mitleser.)

12. Januar 1937
Staatssekretär Dr. Wilhelm Ohnesorge umreißt den Aufgabenkreis der Reichspostforschungsanstalt:
1. Fernsehen
2. allgemeine Physik, insbesondere Atomphysik, Optik, Akustik, Elektronik
3. Chemie
4. Sonderaufgaben für den Vierjahresplan
Abgrenzung zu den Aufgaben des Reichspostzentralamtes und Festlegung der Vormachtstellung der RPF.

1937
Die Reichspostforschungsanstalt umfasst 14 Sachgebiete.

1938
Nach dem Reichsverteidigungsgesetz aus diesem Jahre, war der Reichspostminister „mit Erklärung des Verteidigungszustandes für die unmittelbaren Belange der Wehrmacht an die Forderungen des OKW gebunden“.

21. August 1943
Eine vertrauliche Aufstellung des Präsidenten der Reichspostforschungsanstalt sieht folgende Organisationen und Standortverteilung vor:
- Amt für Wellenausbreitung, Leiter: Vilbig, Standorte: München und Landshut.
- Amt für physikalische Sonderfragen, Leiter: Otterbein, Standort: Miersdorf bei Zeuthen, Ausweichstandort: Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie/Otto Hahn in Berlin-Dahlem.
- Amt für Akustik, Leiter: Schoeps, Standort: Würzburg, Ausweichstandort: Kleinmachnow
- Gruppe I: Personalwesen und Verwaltung, Leiter: Hartwig, später Schmidt-Ott, Standort: Potsdam, Ausweichstandort: Kleinmachnow
- Gruppe II: Patentwesen und Bücherei, Leiter: Gelfius, Standorte: Potsdam und Kleinmachnow
- Gruppe III: Technische Sonderfragen (Spionageabwehr, Zentralwerkstatt, Sprachverschlüsselung, „Forschungsstelle der Reichspost“ FST/DRP -> Abhörstation von Dipl.-Ing. Kurt Vetterlein in den Niederlanden -> transatlantische Telefongespräche), Leiter: Kubicki, Standorte: Kleinmachnow und Berlin, Ausweichstandort: Kleinmachnow
- Gruppe IV: Fernsehelektronik, Leiter: Heimann, Standort: Kleinmachnow, Ausweichstandort: Speyer
- Gruppe V: Fernsehtechnik, Leiter: Dr. Georg Weiss (Kleinmachnow), Ebenau (Peenemünde), Standorte: Kleinmachnow und Peenemünde, Ausweichstandort: Wien
- Gruppe VI: Speichertechnik und Fernlenkfragen, Leiter: Krawinkel, Standorte: Tempelhof und Prieros, Ausweichstandort: Hirschberg/Schlesien
- Gruppe VII: Dezimeterwellentechnik, Leiter: Groos, Standort: Kleinmachnow, Ausweichstandort: Regensburg
- Gruppe VIII: Fernmeldetechnik, Leiter: Schmidt, Standort: Kleinmachnow, Ausweichstandort: Regensburg
- Gruppe IX: Hochfrequenztechnik, Leiter Pressler, Standort: Kleinmachnow, Ausweichstandorte: Rehfelde, Braunschweig, Kagel bei Strausberg
- Institut für Hochfrequenztechnik und Elektronik, Leiter: Aigner, Standort: Wien
- Elektro-Optisches Institut, Leiter: Wesch, Standort: Heidelberg
- Institut für atomphysikalische Untersuchungen, Leiter: Ardenne, Standort: Berlin-Lichterfelde.

31. März 1945
Der „Grailer-Report“ ermittelt für diesen Zeitpunkt an den alten Standorten und an 48 Ausweichquartieren 12 Abteilungen/Gruppen mit 50 Sachgebieten und einem Personalbestand von 1124 Mitarbeitern. Grailer nennt einen, vom August 1943 abweichenden Organisationsplan:
.
. bekannte Organisationsstruktur der Gruppen/Abteilungen
.
- Abteilung/Gruppe X: Wellenausbreitung
- Abteilung/Gruppe XI: Physikalische Sonderfragen
- Abteilung/Gruppe XII: Akustik

Gruß
Dieter
 

SuR

... wie immer keine Zeit ...
Mitarbeiter
#57
@Dieter:

> Grailer-Report
Der würde mich sehr interessieren. Kannst Du dazu bitte ein bissl mehr schreiben?
 
H

hebbel

Guest
#58
Das hätte mich doch gewundert, wenn es zu Fragen von FuMG und Verwendung in Feuerleitsystemen nicht so gewesen wäre (Stichwort: Steuerung von (Flugabwehr)raketen). Sie sind aber erst "eingestiegen", als die Nachbaugeräte und Eigenentwicklungen fertig waren.

Besprechungsprotoll vom 14.12.1943 der Arbeitsgruppe "Rotterdam". Anwesend u.a.: Für die Reichspost-Forschungsanstalt: Herr Dr. Groos

Besprechungsprotoll vom 25.2.1944 der Arbeitsgruppe "Rotterdam". Anwesend u.a.: Für die RPF: Herr Dr. v. Oettingen

Besprechungsprotoll vom 15.3.1944 der Arbeitsgruppe "Rotterdam". Anwesend u.a.: Für die RPF: Herr Dr. Groos

Besprechungsprotoll vom 18.4.1944 der Arbeitsgruppe "Rotterdam". Anwesend u.a.: Für die RPF: Herr Ministerialrat Dr. Groos, Herr Oberpostrat Wins, Herr Dipl.-Ing. Brauer, Herr Dipl.-Ing. Wunderlich

Besprechungsprotoll vom 6.5.1944 der Arbeitsgruppe "Rotterdam". Anwesend u.a.: Für die RPF: Herr Ministerialrat Dr. Groos, Herr Dr. v. Oettingen

@Florian
Soviel steht da leider in der Sekundärliteratur nicht dazu, aber ich schau mal.

Gruß
Dieter
 
S

ssch

Guest
#59
> Grailer-Report
Der würde mich sehr interessieren. Kannst Du dazu bitte ein bissl mehr schreiben?
Dr. Iring Grailer, als österreichischer Beamter im RPM tätig, war Sonderbeauftragter für die Abwicklung des RPM, des RPZ und der RPF. Die ihm unterstellte Abwicklungsstelle war seit September 1945 tätig und wurde zum 1. April 1947 aufgehoben.

Das RPM war zum Ende des Krieges auf Ausweichen im restlichen Reichsgebiet verteilt. Wichtige Akten fehlten oder waren vernichtet, leitende Beamte waren vor allem Richtung Westen geflohen. Die Abwicklungsstelle musste die Verwaltungsstruktur des RPM und der nachgeordneten Institutionen erst mühsam rekonstruieren. Man hat sich auch bemüht, die Werte des Postvermögens zu ermitteln und sicherzustellen, Akten aufzufinden und zu katalogisieren und, last but not least, die Rolle des Postministers Wilhelm Ohnesorge im Nationalsozialismus zu beleuchten. Die Arbeit der Abwicklungsstelle krankte aber schon daran, dass der Aktionsradius auf Berlin beschränkt war, auf die Ausweichen hatte man keinen Zugriff.

Das Ergebnis ist der 344seitige sogenannte Grailer-Bericht, der vollständige Titel lautet "Die Neuordnung des deutschen Post- und Fernmeldewesens". Im Bundesarchiv gibt's dazu vier Aktenbände, geschätzt rund 1.500 Seiten, die - trotz der Probleme bei der Erstellung - recht informativ sind. Faensen stützt sich in erheblichem Maße auf diese Quelle. Mein Beitrag von gestern übrigens auch. :D

Viele Grüße
Sebastian
 
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